Barbara Schöneberger: Karneval der Tiere / Peter und der Wolf (Sony)

Mit viel Charme und einer pointiert, witzigen Textausdeutung führt Barbara Schöneberger durch Camille Saint-Saens Karneval der Tiere mit einer neueren, humoristisch köstlichen  Textversion von Uwe Schönbeck. Ferhan & Ferzan Önder steigen mit einem pointiert akzentuierten Beginn auf 2 Klavieren ein. Der Klang des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter der Leitung von Johannes Zurl könnte etwas mehr dramatische Intensität und einen pointierteren Ausdruck vertragen. Die dramatische Intensität  bei „Der königliche Marsch des Löwen“ geht in erster Linie von den beiden Pianistinnen aus. Bei „Hühner und Hähne“ gibt es grandiose angeraute Streicherpassagen und dramatische Klavierpassagen. Bei „Wilde Ponys“ begeistern die rhythmisch pointierten Klavierpassagen,  Aquarium wird feinsinnig ausziseliert, die Fossilien rhythmisch pointiert ausgedeutet und bei der Schwan besticht vor allem das feinsinnige und gefühlvolle Spiel  von Raphaela Gromes am Cello, die mit einem traumhaften ausziselierten Klangteppich begeistert. Auch bei Peter und Wolf ist Barbara Schönberger einfach umwerfend, leider nur steht der Texter Uwe Schönbeck mit der deutschen Grammatik ein wenig auf Kriegsfuss, denn eine Tür oder ein  Tor ist nicht zu, sondern immer noch geschlossen bzw offen und niemals auf, dieser faux pas unterlief ihm dann auch gleich zwei mal. Bitte beim nächsten mal darauf achten, wenn CDs für Kinder konzipiert werden, das die Grammatik stimmig ist. Musikalisch ist es wunderschön, könnte allerdings hier und da noch etwas mehr Innenspannung vertragen.

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operacion Triunfo 2020

Liebe Leserinnen und Leser, es ist wieder so weit, Sie können wieder 24 Stunden vor dem PC sitzen und jungen spannischen Künstlern nicht nur bei ihrer musikalischen Entwicklung sondern auch diese bei ihrer Morgen- und Abendtoilette und ihren Essgewohnheiten zusehen. Der Vorentscheid für den oder die Kandidaten, die Spanien beim Eurovision Song Contest vertreten dürfen läuft. Die Krönung jeder Woche ist eine diensttäglichen Liveshow,  in welcher jeweils ein von der Jury bestimmter Künstler eliminiert wird. Dieses ging schon vor 2 Jahren gründlich Schief, als die inkompetente Jury die einzigen beiden Kandidaten, Luis Cepeda und Agoney Hernandez aus dem rennen warf. Der Verfasser hatte die Verantwortlichen damals in einer E-Mail darauf hingewiesen, das wenn sie diese Jury so weitermachen lassen wie bisher, Spanien diesen Wettbewerb mit Pauken und Trompeten verlieren wird. Man ließ die Jury so weitermachen, die besten wurden eliminiert, die langweiligsten in den Wettbewerb geschickt und Spanien verlor, wie angekündigt,, mit Pauken und Trompeten. Letztes Jahr hätte man mit Famous, einem jungen Spanier mit afrikanischen Wurzeln, gute Chancen gehabt beim Eurovision Song Contest auf die vorderen Plätze zu kommen, man hatte sich aber dann für einen charismatischen jungen Mann entschieden, der leider über eine zweitklassige Stimme, aber dafür über eine erstklassige Bühnenausstrahlung verfügte, mit Famous hätte man beides haben können. Dieses Jahr sieht es wie folgt aus, die Damen klingen wie üblich in diesen Wettbewerben austauschbar und die Jungs:

Flavio: grandiose dunkle Stimmfarbe, keinerlei Bühnenausstrahlung und von einer Bühnenpräsenz wollen wir lieber gar nicht erst reden.

Javy: Toller Typ, tolle Ausstrahlung und eine eben solche Bühnenpräsenz, ausdrucksstarker Interpret, könnte International gute Chancen haben

Nick; Boybandtyp, netter Kerl von neben an, Stimme fügt sich gut in ein Ensemble ein, wenig Bühnenpräsenz, wirkt leider eher langweilig und uninteressant, schöne Stimme, reicht aber leider nicht.

Gerard: interessante Stimmfarbe, mittelmäßige Stimme, besitzt eine ausgeprägte Musikalität,  leider aber auch eher der Durchschnittstyp, würde auch eher für die hinteren Plätze reichen.

Jesus: keinerlei Gesangstalent, tolle Ausstrahlung, gutes Rhythmusgefühl, sein Rap müßte noch etwas ausdrucksstärker werden, mehr Innenspannung haben, könnte international gute Chancen haben.

Rufu: Boybandtyp, Schwiegermuttersliebling, schöne Stimme, fügt sich gut in ein Ensemble ein und ist in diesem kaum noch wahrzunehmen, reicht auch eher für die hinteren Plätze.

Hugo: Toller Typ, tolle Ausstrahlung, raue Gesangsstimme, sofern man bei ihm überhaupt von Gesang sprechen kann. Hat keinerlei Chancen in diesem Wettbewerb lange zu bestehen, es sei denn Spanien möchte wieder mit Pauken und Trompeten verlieren.

Die Jury ist fast die gleiche und auch dieser schreckliche sich anbiedernde Moderator ist wieder mit dabei, ein Albtraum, wenn nicht ein paar interessante junge Künstler dabei wären.

Sollt die Jury aus dieses Jahr wieder anderer Meinung sein als der Verfasser, sieht dieser auch für diesen Eurovision Song Contest schwarz, denn auch letzten Jahr schnitt Spanien mehr schlecht als recht ab.

Veröffentlicht unter 01.09. Castingshows | Kommentar hinterlassen

Gatti, Wagner: Parsifal, Bruckner 9 – Royal Concertgebouw Orchestra (Warner)

Daniele Gatti und das Concertgebouw Orchestestra Amsterdam bieten sowohl im Prelude zum 3. Akt wie auch bei dem Karfreitagszauber aus Wagner Parsifal einen opulenten, wunderschönen Orchestersound an. Leider nur ist das Tempo zu schnell und es mangelt an Tiefgang. Wundervolle Klangwogen, aber leider auch nicht mehr. Wie aus dem Nichts greift eine feierlich anmutende Klangwoge mehr und mehr um sich, gewinnt an dramatischer Intensität. Im ersten Satz von Bruckner 9. erwartet den Zuhörer ein etwas zu flottes Tempo und ein geschliffener Orchesterklang, der an Schönheit kaum zu überbieten ist. Im zweiten Satz dann wunderschöne Triller im Pianissimo gleich zu Beginn, die dramatischen, rhythmischen Sequenzen bieten zum ersten mal auf dieser CD eine packende Intensität an, die aufhorchen läßt. Hier kommt das Orchester endlich mal aus sich heraus.  Im 3. Satz erwartet einen dann wieder Wohlklang pur, mit feinsinnig ausziselierten Bläserpassagen und auch hier erhalten die dramatischen Passagen eine packende Intensität.

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Vincenzo Bellini: I Puritani; Liege 6/2019 – Laurence Brownlee, Zuzana Markova (DVD, Premiere Opera)

Der DVD Mitschnitt mit dem Orchester des Opernhauses Liege unter der Leitung von Speranza Scappucci beginnt überhastet, und spannungsarm. Kurz um man möchte schon nach wenigen Sekunden am liebsten abschalten. Dann kommt auch noch ein weniger gut disponierter Bariton und auch Zuzana Markova als Elvira singt zu Beginn alles andere als erbaulich. Die Aufführung zieht sich eine gefühlte halbe Stunde in die Länge, bis zum Auftritt von Lawrence Bronwlee, der ebenso wie die oben erwähnte tschechische Sopranistin ihr Debüt mit dieser Oper an diesem Hause feierten. Ab hier geht es plötzlich steil nach oben. Das Orchester erwacht aus seiner Lethargie, denn plötzlich stimmt das Tempo und Zuzuna Markova erreicht ihre Höchstform, die Koloraturen, mit in dieser Form bisher noch nicht gehörten Phrasierungen, sind stimmig bis sensationell und Laurence Bornwlee, unerreichbar und das nicht nur in dieser Rolle, meint man noch nie so dramatisch und präsent erlebt zu haben, wie an diesem Abend. In der Schlußszene schießt er mit seiner leicht anspringenden exorbitanten Höhe, den Vogel ab. Eine solche Höhe hörte man zuletzt, wenn auch stellenweise etwas angestrengter oder im Falsett genommen von Chris Merritt und William Matteuzzi. Auch die Königin (Alexise Yerna) wird an diesem Abend grandios gesungen. Mario Cassi als Riccardo und Luca Dall’amico als Giorgio runden das Ensemble stimmig ab. Die teilweise etwas arg konventionell anmutende Fassung war zuletzt 2018 in Frankfurt zu erleben.

Veröffentlicht unter 02.26.Premiere opera | Kommentar hinterlassen

Carolyn Grace James (Sopran) eine diskographische Übersicht

Die Sopranistin und jetzige Dozentin der HfMT in Hamburg Prof. Carolyn Grace James (ausgebildet an der Juilliard School in New York City, bei Darleen Kliewer-Britten, Ruth Falcon (LP  mit Auszügen aus Frau ohne Schatten liegt vor), Dennis Striny und Gemma Visser; Meisterklassen bei Leontyne Price, Luciano Pavarotti, Licia Albanese, Elizabeth Söderström, Maureen Forrester, Dalton Baldwin, Gerard Souzay, Peter Sellers, und Warren Jonesin) konnte während ihrer aktiven Gesangskarriere augenscheinlich ein leider nur sehr überschaubares, so doch vielfältiges Repertoire an Aufnahmen hinterlassen. Visuelle gibt es neben einer grandiosen, mit opulenter Stimme gesungene Schlußsequenz (konzertant) aus Salome, welche auf Youtube abrufbar ist, noch ein komplettes, feinsinniges ausziseliertes Rollenporträt der Donna Anna (Mozarts Don Giovanni aus Frankfurt) auf DVD, in welcher sie neben ihrer herausragenden gesanglichen Leistung auch noch durch ihre bezwingende Darstellung und vor allem durch ihre Bühnenpräsenz zu punkten verstand. Ferner sind dem Verfasser noch zwei CD Produktionen bekannt. Zum einen Felix Mendelssohn-Bartholdys Elias in welchem sie die Sopranarie “ Höre Israel, höre des Herren Stimme“  mit einer sinnlich, ergreifenden, opulenten Stimme feinsinnig ausziseliert, zum dahin schmelzen und dann das Duett mit José van Dam im ersten Teil, in welchem sie der Witwe ebenfalls eine sinnlich, berückenden Tonfall verleiht. Selten wurden diese Rollen so berührend und sinnlich ausgeformt wie von ihr. Antonio Pappano trägt sie hier förmlich auf Händen durch die Partitur, um dafür sorge zu tragen, dass ihre vokalen und interpretatorischen Leistungen best möglichst zur Geltung kommen. Auch das Ensemble ist erstklassig, da sie hier neben dem kaum zu toppenden José van Dam als Elias und Keith Lewis sang. Das Orchestre Symphonique du Theatre Royal de la Monnaie bietet ein exzellentes Orchesterklangbild, eine CD, die man unbedingt gehört haben sollte. Auf der anderen CD Produktion „The Virgil of Venus“ von Georg Lloyd, der Komponist stand hier selber am Pult des Orchestra of the Welsh National Opera, werden wir Zeuge welche dramatischen, bezwingenden Möglichkeiten dieser Stimme zur Verfügung standen und nicht nur das, trotz der dramatischen Intensität, mit welcher sie die ihren Part im dritten Teil, neben dem in der Höhe weniger adäquat agierenden Thomas Booth ausformt, überzeugte sie auch in Koloraturpassagen, die sie phantasievoll auszuformen verstand. Den 8. Teil formt sie sowohl rhythmisch akzentuiert, wie auch mit einer dramatisch packenden Eleganz aus, die einfach begeistert und dann diese dramatische Intensität im Schlußteil, schlichtweg sensationell. Eine CD, die von der ersten bis zur letzten Note begeistert.  Kaum zu glauben das mit dieser Ausnahmestimme nicht mehr aufgenommen wurde und es auch auf dem Livesektor kaum Aufnahmen gibt. Zu ihrem Repertoire zählten neben der Aida die sie u.a. in Montreal, Philhadelphia und Berlin sang auch Donna Anna (Don Giovanni), Donna Elvira (DonGiovanni),La Contessa (Le Nozze di Figaro),Fiordiligi (Cosi fan tutte), Elettra (Idomeneo), Vitellia (La Clemenza di Tito), Amelia (Un ballo in maschera), Elisabetta (Don Carlos), Ellen Orford  (Peter Grimes), Alice Ford (Falstaff )Leonore (Il Trovatore) und die Abagaille (Nabucco); ferner wirkte sie an der Uraufführung „Die Sündflut” von Wilfried Maria Danner in der Semperoper und in Karlsruhe mit. Zu ihren Schülern zählten unter anderem Marina Ber, Anna Magdalena Reuter, Judith Österreicher und Hanna Ramminger und der Verfasser ist sich ganz sicher, dass wir von einigen Künstlern ihrer momentanen Klasse, in nicht  allzu ferner Zukunft, noch so einiges zu hören bekommen werden.

Veröffentlicht unter 07.20. Porträts J | Kommentar hinterlassen

Woks by Raminta Serksnyte (Universal)

Mit angrauten und dennoch ergreifenden Streicherklängen steigt die Kremerata Baltica unter der Leitung von Mirga Grazinyte-Tyla ( ein Porträt der Dirigentn auf DVD ist dieser CD Produktion beigefügt) in den „Midsummer Song (Adagio)“ der zeitgenössischeren Komponistin Raminta Serksnyte (*1975), dessen musikalisches Schaffen auf dieser CD im Vordergrund steht, ein und formt dieses überaus feinsinnig und gefühlvoll aus.  Nach  ihrer CD Veröffentlichungen mit dem Cellisten Sheku Kanneh-Mason ( welcher bei der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan spielen durfte) und Weinberg Sinfonien, kommt innerhalb recht kurzer Zeit ihre dritte CD für Universal auf den Markt. Auch die darauffolgende Komposition „De profundis“ zeichnet sich durch ein eher rauer wirkendes, weniger harmonisch anmutendes Klangspektrum aus. Dennoch wird diese Musik spannungsgeladen und fesselnd ausziseliert. Kompositorisch ein ganz großer Wurf, moderne Klassik geht auch auf diesem Wege. Abschließend spielt das Lithuanian National Symphony Orchestra unter der Leitung von Giedre Slekyte „Saulelydzio ir ausros giesmes aus dem Jahr 2007. Ein Oratorium für Sopran, Mezzosopran, Tenor, Bass, Chor und Sinfonie Orchester. Auch dieses Werk zeichnet sich durch ein modernes Klangspektrum mit sich überlappenden Stimmklängen aus. Eine adäquate Engführung der Stimmen zwischen Solisten und Chor war offensichtlich nicht geplant, dennoch harmonieren die Stimmen von Lina Dambrauskaite (Sopran) und Justina Gringyte (Mezzo) hervorragend mit einander. Thomas Pavillonis (Tenor) fällt leider kaum weiter ins Gewicht, seine Stimme geht im Chor fast unter, während Lina Dambrauskaite ihren Part im zweiten Teil überaus gefühlvoll ausziseliert. Die Passage die Nerijus Masevicius (Bass) in diesem Werk zu singen hat ist leider zu kurz um sich ein genaueres Bild von seiner Stimme zu machen. Dennoch ein großartiges, packendes, ergreifendes Werk. Eine CD die man gehört haben sollte.

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Farinelli – Cecilia Bartoli (DECCA)

Der König ist Tod, es lebe der König. Als Caruso lange  genug verschieden war und sich trotz Tonträgern kaum noch jemand daran erinnern wollte, wie seine Stimme klang, schlug die große Stunde von Mario Lanza, dessen Enkel Cristian Lanza heute durch die Konzerthallen der Welt tourt. Was Caruso für die Tenorwelt war, ist Farinelli, dank des bekannten Kinowelterfolges für Countertenöre und Mezzosopranistinnen, von denen nicht wenige wenigstens einmal in ihrem künstlerischen Schaffen eine CD aus verkaufsgründen aufgenommen haben, in denen der Name Farinelli auftaucht: Ann Hallenberg, Philippe Jarousky, Vivica Genaux, David Hansen, Jörg Washinsky, Valer Sabadus, Aris Christofellis und Angelo Manzotti um jetzt nur ein paar herauszugreifen. Angesichts dieser Fülle von Farinelli CDs sticht die von Cecilia Bartholy mit ihrem Repertoire von Arien nicht nur seines Förderers Nicola Porpora, sondern auch jene von Johann Adolf Hasse, Riccardo Broschi und Geminiano Giacomelli, nicht nur auf Grund zweier Erstveröffentlichungen heraus. Einmal mehr zeigt sich Cecilia Bartoli voll in ihrem Element, die Arie werden mit einer nahezu schwindelerregenden Virtuosität ausgeformt. Man spürt ihr die Freude und Begeisterung förmlich an, die sie bei der Aufnahme dieses Albums gehabt hatte. Die Koloraturen werden phantasievoll gestaltet und die einzelnen Arien tiefsinnig und mit individuellen Tonfall ausgeformt. Wenn dann bitte so, denn die Konkurrenz derer die ähnliche Programme auf hohen bis höchstem Niveau, siehe oben, aufgenommen haben, ist nicht die kürzeste.

Veröffentlicht unter a. Recitel | Kommentar hinterlassen