The Verdi Edition (DVD; Opus Arte, Naxos Vertrieb )

Macbeth (London 13.06.2011)
Bei aller Liebe für getragene Tempi, aber Antonio Pappano ist leider kein zweiter Georg Manahan und das Orchester klingt dementsprechend etwas „gelangweilt“ Der Chor klingt leider auch nur in dramatischen Sequenzen aufrüttelnd; ansonsten leidet er eher unter gepflegter Lethargie und befindet sich somit mit dem Orchester auf Augenhöhe. Simon Keenlyside ist selbstverständlich ein hervorragender Sänger, leider aber kein hervorragender Macbeth, denn dafür ist die Stimme einfach zu klein, besonders wenn man ein Epizentrum wie Liudmyla Monastyrska zur Partnerin hat, mit einer überwältigenden Stimmkraft, einem sensationellen Timbre und dem nötigen Einfühlungsvermögen für die leiseren Töne. Dimitri Pittas (Macduff)  ist, gelinde gesagt, eine einzige Katastrophe. Raymond Aceto ist hingegen ein wundervoller Banco. Schade, dass die Rolle nur so klein ist.
Rigoletto (London September und Oktober 2001)

Das Dirigat von Edward Downes ist zweifelsohne grandios und auch Paolo Gavanelli zeichnet mit seinem charismatischen Bariton ein bezwingendes Rigoletto Porträt. Warum Marcello Alvarez der Darling des Londoner Publikums ist, beweist er einmal mehr mit seiner adäquat ausbalancierten, mit sehr viel Liebe zum Detail herausgearbeiteten Herzog Partie. Christine Schäfer gehört eher in die Kategorie der wissenden Gildas; auch ihr gelingt ein überzeugendes Rollenporträt. Ebenfalls bezwingend Eric Halfvarson als Sparafucile. Eine großartige Einspielung und Inszenierung.

Il Trovatore (London 03.05.2002)
José Cura gestaltet seinen Manrico ungemein testosteronlastig. Dass die Gesangstechnik von Dimitri Hvorostovsky schon immer etwas problematisch war, kann jeder bezeugen, der ihn einmal live erlebte. Auf dieser DVD treten diese Hinderlichkeiten allerdings nicht weiter in den Vordergrund. Veronica Villaroel, auf dem Höhepunkt ihrer Gesangskariere, gelingt eine bezwingende Leonora. Yvonne Naef ist sicherlich eine der erotischten Azucenas, die man je zu Ohren bekommen hat. Eine großartige Rollenausdeutung. Tomas Tomasson überzeugt als Ferrando. Carlo Rizzi dirigiert das Orchestra of the Royal Opera House Covent Garden in gewohnter Qualität.
La Traviata (London 27. und 30.05.2009)
Antonio Pappano ist zu Beginn sehr langsam, dafür aber dann an den entscheidenden Stellen im zweiten Akt ab Alfredo voi, viel zu schnell und daher leider wenig differenziert. Dass Renee Fleming keine Virtuosa ist, ist nicht weiter dramatisch; viel ärgerlicher sind ihre unnötigen Vokaleinfärbungen, die den zweiten Akt bis zum grandiosen „Dite giovanni“ beinahe ruinieren. Joseph Calleja klingt wie ein Tenor der ganz alten Schule. So grandios und differenziert wurde die Rolle des Alfredo lange nicht mehr gesungen: phantastisch. Thomas Hampson ist ein idealer Germont mit viel Eleganz und vor allem mit Stil: eine großartige Rolleninterpetation.
Les Vespri Siciliennes (Netherland Opera 23. und 29.09-2010)
Paolo Carignani gelingt ein bezwingendes Dirigat. Burkhard Fritz als Arrigo, trifft genau den richtigen Tonfall für diese in französischer Sprache gesungenen Oper. Grandios seine Ausgestaltung der goßen Arie im vierten Akt mit dem anschließenden Duett. Barbara Havemann ist zwar ungemein bezwingend in der Rolle der Elena und ihr Bolero beinhaltet auch einige hochinteressente Temporückungen, klingt aber im Großen und Ganzen eher nach italienischer, denn nach französischer Oper. Ebenfalls bezwingend Alejandro Marco Buhrmester als Montford, Jeremy White als Bethune, Christophe Fel als Vaudemont und Balint Szabo als Procida. Das große Ballett wird , anders als von Verdi ursprünglich geplant, komödiantisch dargeboten, ist dennoch ungemein kurzweilig angelegt, nimmt nur nicht so wirklich Bezug zur Handlung auf.
Simone Boccanegra (London 02./05. und 13.07.2010)
Placido Domingo mit seiner ersten großen Baritonrolle, der des Simon Boccanegra und gleich gelingt eine bezwingende Charakterstudie. Marina Poplavskaya mit ihrer Amelia: ein sensationelles Rollenporträt, das sie auf einen Schlag in die vorderste Linie katapultierte. Joseph Calleja gelingt einmal mehr ein ausgewogenes, ungemein differenziertes Rollenporträt des Gabriele. Ferruccio Furlanetto als Fiesco und Jonathan Summers als Paolo runden dieses großartige Ensemble ab. Eine Sternstunde in Sachen Verdi, gerade auch durch das herausragende Dirigat von Antonio Pappano und den bestens aufgelegten Musikern des Orchestra of the Royal Opera House, Covent Garden.
Un Ballo in Mascera ( Madrid 25.und 28.04.2008)
Jesus Lopez Cobos  dirigiert pointiert, zeitweise zackig und spannungsgeladen. Marcello Alvarez besticht durch seinen eleganten Gesangsstil, mit einem samtigen Stimmtimbre, dem nötigen Metall in der Stimme und einer leicht anspringenden Höhe: eine überragende Leistung. Grandios, wie er die Phrase „M’ami“ im Duett des zweiten Aktes gestaltet. Alessandra Marianelli’s Oscar ist schlichtweg phantastisch. Nicht aufgesetzt wirkende Koketterie und die Koloraturen werden pointiert und exakt ausgeführt. Elena Zaremba als Ulrica besitzt zwar eine vibrationsreiche Stimme; ihr dunkles Timbre harmoniert hervorragend mit der Rolle. Violeta Urmana’s großartiger Stimmsitz und eine vibrationsarme Stimme lassen sofort aufhorchen. Die große Arie zu Beginn des zweiten Aktes wird herausragend gestaltet. Marco Vratogna gelingt eine differenzierte Ausgestaltung der Rolle des Renato. Er findet immer wieder Zwischentöne, mit denen er sein Publikum positiv überrascht. Bei der Intensität seiner Stimme, versteht er es hervorragend, mit dynamischen Abstufungen zu arbeiten. Mit Miguel Sola als Samuel und Scott Wilde als Tom wurden zwei hervorragend aufeinander abgestimmte Sänger gefunden.
La Forza del Destino (Marinsky Theater 1998)
Wir hören hier die Urfassung; die Petersburger Fassung, die Verdi später, um gewisse dramatische Effekte besser herauszuheben, noch einmal überarbeitet hatte. Verglichen mit der CD Produktion werden hier zwei wichtige Rollen anders besetzt. Marianna Tarasova gestaltet die Rolle der Preziosilla und als Marchese de Calatrava hören und sehen wir Grigory Karasev. Galina Gorchakova’s Stimme besitzt ein leichtes Vibrato, das stellenweise überaus ergreifend wirkt. Nikolai Putilin’s hell timbrierter Tenor springt in der Höhe leicht an und klingt mühelos. Gegam Grigorian gelingt ein überzeugendes Porträt der Rolle des Alvaro. Zum Ende der Oper springt Padre Guardiano, gesungen von Sergei Alexashkin, angesichts der beiden Toten, Leonora und Carlo von einer Anhöhe in den Tod. Valery Gergiev und das Kirov Orchestra breiten einen wunderbaren, großartigen Klangteppich aus.
Don Carlos (Amsterdam Juni 2004)
Einmal mehr die vieraktige italienische Fassung ohne Fontainbleau Akt.
Giorgio Giuseppini ist als Un Frate mit seinem ebenmäßigen, dunklen Baß hervorragend besetzt. Rolando Villazon,  noch auf dem Höhepunkt seiner stimmlichen Möglichkeiten, bei dem die Stimme allerdings das eine oder andere Mal die korrekte Tonhöhe verläßt- verursacht durch sein übersprudelndes Temperament, ist von einer Intensität, die manchmal direkt etwas beängstigend wirkt. Violeta Urmana, noch im Mezzofach als Eboli zu hören, besitz die Beweglichkeit in der Stimme, um die Klippen des maurischen Liedes, an dem schon manche Eboli-Sängerinnen vor ihr gescheitert sind, bravourös zu umschiffen. Dwayne Croft bewältigt mit einer konstant guten Leistung die Rolle des Rodrigo. Robert Lloyd ist mit seiner sonoren, majestätisch anmutenden, erhaben wirkenden Stimme eine ideale Besetzung für die Rolle des Filippo II. Jaakko Ryhänen ist als Großinquisitor herrlich dämonisch, in der Konfrontationsszene König/ Großinquisitor treffen zwei ebenbürtige Sänger aufeinander und liefern ein Gesangsduell vom Feinsten. Amanda Roocroft zeichnet ein berührendes Porträt der Elisabeth, auch wenn sie ihre große Arie im vierten Akt gut gestaltet, so klingt ihre Stimme stellenweise doch etwas unstet. Im großen Duett mit Carlos (Rolando Villazon) läßt sie sich dann aber mitreißen. Die Einspielung dieses Duettes gehört mit zu den ergreifendsten, die der Verfasser bisher gehört hat.
Aida ( Liceu 21. und 24.07.2003)
Eine pompöse Ausstattung, auf wenige gegenständliche, zeitgenössische Dekorationen beschränkt. Beim Triumpfmarsch wird der Prima Uomo mit einem Streitwagen hereingefahren, bevor er seinen Balletttanz vorführt. Überhaupt gibt es viele großartig ausgeführte „klassische“ Ballettszenen. Daniele Dessí als Aida war hier noch auf dem Höhepunkt ihres gesanglichen Könnens. Piani werden hervorragend ausgesungen und die Stimme besitzt noch einen runden, charmanten Ton. Elisabetta Fiorillo ist dennoch der Höhepunkt dieser Produktion, mit ihrem dunklen, ebenmäßigen, bezwingenden Timbre. Fabio Armiliato schließt die Arie „Celeste Aida“ leider im Forte und nicht mit dem pianissimo B ab. Stellenweise hört man die Neigung des Sängers, Töne anschleifen zu wollen; manchmal wirkt sein Gesichtsausdruck ein wenig bemüht, keine ganz ideale Leistung. Juan Pons gibt einen stimmgewaltigen Amonasro, während Roberto Scandiuzzi mit feineren Nuancen als Ramfis zu punkten versteht.
Otello (Liceu (21. und 24.02.2006)
Empfehlung: Die englischen Untertitel müssen vor dem Abspielen der DVD gestoppt werden.
Grandios der musikalische Einstieg. Eine Spannungskurve, die von Antoni Ros-Marba und dem Orchestra of the Grand Teatre del Liceu bis zum Ende durchgehalten wird. Jose Cura besticht in dieser Produktion teilweise mehr durch die Unbedingtheit seiner ergreifenden, darstellerischen Interpretation. An manchen Stellen zeichnen sich die Grenzen seiner stimmlichen Möglichkeiten ab; dennoch versteht er es, diese zu kompensieren. Vittorio Grigolo gelingt es, die Rolle des Cassio, die nicht immer in jeder Produktion mit der nötigen Aufmerksamkeit bedacht wird, hier durch konzentriertes Singen in den Vordergrund zu rücken. Krassimira Stoyanova konnte der Versuchung nicht widerstehen, die Rolle gesanglich zu interpretieren, anstatt diese einfach nur schön zu singen; dieses kann sich manchmal als schwierig erweisen; hier jedoch geht die Rechnung voll auf und ihr gelingt ein ergreifendes Rollenporträt. Beeindruckend das Duett zu Beginn des dritten Aktes, wo Jose Cura und Krassimira Stoyanova nicht nur darstellerisch, sondern auch gesanglich voll in ihren Rollen aufgehen. Die Salce Arie wird herausragend ausgestaltet und der spätere Übergang vom Lied zum Gebet bravourös gemeistert. Lado Atanelli’s Jago ist dämonisch, aber auch charmant und verfügt stellenweise auch über eine leicht brutalisierte Eleganz und einen einschmeichelnden Tonfall. Eine hervorragende Rollenausdeutung.
Falstaff
Bryn Terfel ist einfach Falstaff. Grandios, wie er polternd und doch mit einem gewissen Charme diese Rolle interpretiert. Auf der einen Seite schüttelt man den Kopf, auf der anderen Seite verspürt man aber auch eine gewisse Anteilnahme. Robert Frontali ist als Ford ebenfalls bestechend gut. Kenneth Traver besticht mit seinem lyrischen, höhensicheren Tenor. Elegant und mühelos, wie er die Rolle des Fenton mit Leben erfüllt und dann dieses grandiose Frauen-Quartett: Barbara Frittoli als Alice, Desiree Rancatore als Nanetta, Bernadette Manca di Nissa als Mistress Quickly und Diana Montague als Meg Page. Das Orchestra of the Royal Opera House, Covent Garden unter der Leitung von Bernhard Haitink sorgen für einen hervorragenden Klangteppich. So macht diese Oper Spaß. Die Inszenierung ist bunt und im eher konventionellen Stil.
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Daniela Dessi (14. Mai 1957 in Genua; † 20. August 2016 in Brescia)

Ihre erstes Studiorecital nahm die am 14.Mai 1957 in Genua geborene, am  Conservatorio di Musica Arrigo Boito in Parma und der Accademia Musicale Chigiana in Siena ausgebildete Sopranistin für das Label Forlane auf. Hier zeigte sich eine Stimme voller Schmelz, Charme und einem weichen Tonansatz, etwas was ihre späteren Aufnahmen die bei Solo Voce erschienen sind ( La Traviata, Ernani,  Otello, Andrea Chenier) vermissen ließen. Zu ihren gesanglichen Höhepunkten zählen eine früh entstandene Ernani Produktion, eine Alina Produktion, beide Nuova Era, eine La Boheme mit Giuseppe Sabbatini und ein Rigoletto bei der EMI. Auf DVD erschienen später dann noch Norma, Aida, Adriana Lecouvreur, zweimal Tosca, Turandot und eine La Boheme in welcher noch einmal ihr alter Schmelz stellenweise zu vernehmen war. Sie war mehr und mehr zur Charaktersängerin geworden, da sie sich zu früh ins dramatische Fach vorgewagt hatte, wie ein Don Carlos aus der Scala neben Luciano Pavarotti bewies. Ferner sind mit ihr noch eine Cosi fan Tutte (DVD). eine L’Incorazione di Poppea (CD) und eine I medici (CD) erschienen. Ihr späteren Recital Einspielungen mit Verdi Arien und Duetten mit ihrem Lebenspartner Fabio Armiliato versprühten nicht mehr den Schmelz und den Charme ihrer früheren Einspielungen. Die Sopranistin wurde, wie es heißt nach einer kurzen schweren Krankheit, mit 59 Jahren viel zu früh aus dem Leben gerissen.

Veröffentlicht unter 07.08. Porträts D, 12. Nachrufe 2015/ 2016 | Kommentar hinterlassen

Georg Gershwin: Porgy and Bess (18.08.2016, Gastspiel in der Hamburgischen Staatsoper noch bis zum 28.08.2016)

Kaum steigen die Preise auf das Doppelte, schon ist die Hamburgische Staatsoper bis unters Dach gefüllt. Richard Allan Cordova hatte das nicht weiter benannte Orchester zu Beginn leider weniger gut im Griff. In der ersten halben Stunde mutete der Klang weniger inspiriert an und es gab so einige ganz böse Patzer. Danach aber ging es steil bergauf, plötzlich waren sowohl der Dirigent wie auch das Orchester in der Musik angekommen (wie es so schön heißt). Brendie Sutton sang gleich zu Beginn anmutig und zurückhaltend, verinnerlicht ihr Summertime. Mari-Yan Pringle als Serena war mit ihrem an Jessye Norman erinnernden raumgreifenden Ton, die Sensation des Abend, eine der ganz großen Opernstars der Zukunft. Diesen Namen sollte man sich unbedingt merken. Ebony Preston Woods gab an diesem Abend eine bezwingende charmante und auch berührende Bess. Großartig die gesangliche Leistung des Patrick Blackwell als Porgy, eine berührende Charakterstudie. Jermaine Smith überzeugte als Sportin LIfe eher durch seine quirlige Darstellung, denn durch konzentriertes singen. und dennoch eine überzeugende Rolleninterpretation. Ebenfalls hervorragend (auch ohne T-Shirt) Darren K. Stokes in der Rolle des Crown, auch er überzeugte durch seine konzentrierte gesangliche Leistung. Das Michael Austin als Robbins so schnell das zeitliche segnen mußte, ist angesichts seiner gesanglichen Leistung dieses Abend überaus bedauerlich gewesen. In weiteren Rollen rundeten Marjorie Wharton als herrlich quirlige Maria und John Fulton als Jake dieses großartige homogenen Ensemble perfekt ab. Ein toller Abend, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Das Bühnenbild ist Gegenständlich, eine Straße mit Häusern und ein verschließbares Tor, das zum Wasser führt.

Veröffentlicht unter 03.14. Verschiedenes | Kommentar hinterlassen

Ludwig Güttler Edition (Berlin; 25 CDs)

Johann Adolf Hasse: Messe g-Moll
Die Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler sorgen für einen stimmungsvollen Klangteppich. Die Besetzung Dagmar Schellenberger trifft exakt die richtige Stimmung, ebenso wie Axel Köhler (Altus), Ralph Eschrig (Tenor) und Egbert Junghanns (Bariton). Die Stimmen sind perfekt aufeinander abgestimmt.
Laudati pueri -Kantaten – Zelenka, Ariosti, Scarlatti, Heinichen, Fux
Auch hier stimmt der musikalische Grundton der Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler. Der Solist Peter Schreier versteht es, mit seinem klaren, ungetrübten Tenor den richtigen Tonfall jedes einzelnen Komponisten und jeder Kantate perfekt zu treffen. Der gefühlvolle, leuchtende Trompetenklang runden das Klangbild hervorragend ab.
Bach Weihnachtsoratorium
Schon der energiegeladene Einstieg rüttelt wach. Ein Spannungsbogen, der von der ersten bis zur letzten Minute von den Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler und dem Concentus Vacalis Wien durchgehalten wird. Annette Market nimmt mit ihrem runden, vollen Altklang einen sofort gefangen. Christiane Oelze mit ihrem hellen Sopran findet hier den richtigen Tonfall und auch der stellenweise etwas androgyn anmutende Stimmklang von Hans Peter Blochwitz kommt hier bestens zur Geltung (schade, dass von diesem Sänger in den letzten Jahren, nach einem großartigen Start nicht mehr viel zu hören war). Oliver Widmer, den der Verfasser an anderer Stelle sehr kritisch beurteilen mußte, setzt hier seine vokalen Fähigkeiten beeindruckend ein. Eine rundum gelungene Einspielung.
Bach:Johannes Passion
Ein grandioser, mitreißender Chor (Hallenser Madrigalisten) und pointiertes Orchester (Virtuosi Saxoniae) sorgen unter der Leitung von Ludwig Güttler für einen grandiosen Einstieg. Auch in dieser Produktion ist Annette Markert mit ihrem grandiosen, stimmungsvollen Alt einer der Höhepunkte. Christiane Oelze trifft auch hier mit ihrem leicht androgyn klingenden Sopran den richtigen Tonfall. Auch die Stimme von Christoph Genz als Evangelist und in den Arien hat wenig eigene Klangfarbe zu bieten und dennoch werden beide Rollen glänzend ausgefüllt. Egbert Junghannes als Jesus, Andreas Scheibner als Petrus, Pilatus und in den Arien und Sylke Schwab als Magd ebenso wie Hans Jürgen Richter als Diener, runden dieses homogene Ensemble bestens ab.
Kantaten, Arien und Moteten ( J.S.Bach, C.P.Bach, W.F.Bach, J.S. Bach)
Die Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler klingen auf dieser CD weicher und einfühlsamer; von den unbändigen Energien, die in den letzten beiden Oratorien noch zu erleben waren, ist hier weniger zu spüren. Vielleicht liegt es daran, dass der Star dieser Produktion Christoph Genz sein soll, dessen Stimme hell und makellos klingt, leider aber eben auch weniger charakteristisch. Dennoch trifft er genau den richtigen Tonfall, um diese Kantaten interessant zu gestalten.
J.S.Bach: Konzerte und Kantaten
Von Johann Sebastian Bach hören wir auf dieser CD das Concerto D-Dur für drei Violinen, Concerto F-dur für Oboe, Streicher und Basso continuo und die Jagd Kantate BWV 208 mit den Hallenser Madrigalisten. Es spielen Friedrich Kircheis, Cembalo, Fredwart Christian Dittmann, Violoncello, Bernd Haubold, Kontrabass und Werner Zeibig, Kontrabss (7-23). Ferner die Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler. In beiden ersten Concerti läßt man der Musik viel Raum, um für sich selber zu sprechen. Bei der Kantate hingegen, nimmt die Musik an Spannung zu und der Gesang wird höchst virtuos; eine großartige Werkumsetzung
J.S.Bach- Solokantaten
Elisabeth Wilke, die in der ersten Kantate „Gott soll mein Herzte haben“ BWV 169 zu hören ist, ist ein typischer Alto für Oratorien der in Ensembleszenen glänzen kann, da sie über eine begrenzt eigene Stimmfarbe verfügt. Mit Friedrich Kircheis an der Silbermannorgel und den Hallenser Madrigalisten gelingt ihr eine überzeugende Interpretation dieser Kantate. Christoph Genz besticht mit seinem Stimmtimbre in der Kantate „Widerstehe doch der Sünde“ BWV 54. Andreas Scheibner hat einen eleganten, eher hohen Bariton; Andreas Lorenz gelingt es, mit seinem Oboen de caccia Spiel, den Zuhörer zu berühren. Als letztes gibt Christiane Ölze eine Kostprobe ihrer Virtuosität . „Jauchzet Gott in allen Landen“ BWV wird mit Lüdwig Güttler auf der Trompete zum Höhepunkt dieser CD. Es spielen die Virtuosi Saxoniea unter der Leitung von Ludwig Güttler.
Johann Adolf Hasse: Misere, Salve Regina,Te Deum
Die Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler sind in dieser Produktion wieder auf dem Höhepunkt ihres Könnens angelangt. Dem Zuhörer wird ein spannungsgeladener Orchestersound geboten. Es singen Elisabeth Wilke (Alt), Gerald Hupach (Tenor) und Wolf Matthias Friedrich (Bass). In der Misere und in der Salve Regina hören wir als Sopranistin Katherina Müller, die mit ihrem ebenmäßigen, ausdrucksstarken Timbre diese beiden geistlichen Werke zu einem Höhepunkt dieser Edition macht. Ulrike Staude, die wir dann im Te Deum hören, erreicht diese Qualitäten nicht so ganz. Dennoch gelingt ihr eine gute Werkausdeutung.
Zelenka: Missa dei Patris
Die Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler entfachen auch hier wieder eines ihrer musikalischen Feuerwerke. Venceslava Hruba -Freiberger’s lyrischer Sopran mischt sich hervorragend mit dem Altus von Rene Jacobs. Reinhard Ginzel und Olaf Bär harmonisieren hervorragend mit dem Ensemble. Ferner singen der Thüringer Akademischer Singkreis. Eine in sich geschlossen wirkende Produktion
Zelenka: Capriccio ZWV 183, Laudate ZWV 81, Capriccio ZWV 190. Confitebor ZWV 71, Capriccio ZWV 185
Unter der Leitung von Ludwig Güttler entfalten die Virtuosi Saxoniae einen beeindruckenden und ausdruckstarken Klangteppich. Peter Schreier’s Virtuosität kommt in der Laute ZWV 81 besonders gut zum Tragen. Olaf Bär läßt seiner Stimme im Confitebor tibi Domine c-Moll ZWV 71 einen eher instrumentalen Klang und fügt sich somit ins Klangbild ein, ohne sich besonders daraus hervorzuheben. Koloraturen werden gut ausgeführt.
Bach: Brandenburgische Konzerte
Ein Werk, das man bestimmt in gefühlten über 100 Fassungen schon einmal gehört hat: In modernen Orchesterfassungen, von Orchestern auf historischen Instrumenten oder umgeschrieben für Soloinstrumente. Die Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler bieten als Kammerorchester eine filigran anmutende, transparente und virtuose Fassung, die in ihrer Unaufgeregtheit, mit der sie interpretiert wird, begeistert.
Telemann, Fasch, Hertel, Baer, Prinz von Sachsen Anhalt & Molter: Musik für Trompete, Corno da caccia und Posthorn.
Ludwig Güttler findet für jeden dieser Komponisten ein eigenes Klangbild: Für Johann Wilhelm Hetels Concerto No. 3 D-Dur und für Johann Ernst Prinz von Sachsen Anhalt’s Sonata D-Dur für Trompete ein eher verhaltenes verinnerlichtes, um nicht zu sagen, leicht depressives  Klangbild, während für Telemann, Fasch, Baer und Molter ein eher heiterer, unbeschwerterer Grundton gefunden wird. Friedrich Kircheis (Cembalo), Joachim Bischof (Violoncello), Werner Zeibig Kontrabass) und die Virtousi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler sorgen für ein beeindruckendes Klangbild.
Konzertante Oboenmusik des Barock
Einfühlsam und mit einem warmen Klang  führt uns Andreas Lorenz mit den Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler durch die verschiedenen Stationen der Barockmusik, angefangen bei J.S.Bach und dem Konzert für Oboe amore über Antonio Vivaldi und dem concerto in D-Dur RV 564a, dem Concerto RV 455, bis zu Telemann und seinem Konzert A-Dur und einem Concerto Es-Dur von Johann Georg Pinsel. Abgeschlossen wird dieses berückende Musikprogramm mit dem Concerto Es-Dur für Trompete, Oboe, Steicher, Basso continuo. Friedrich Kircheis (Cembalo), Joachim Bischof (Violoncello), Werner Zeibig (Kontrabass) und Günter Klier mit Hans Peter Steger am Fagott.
Orchestersuiten Heiter BWV 1066), Melancholisch( BWV 1067, Festlich (BWV 1068/1069)
Sinfonia e concerti
Virtuos und spannungsvoll die Sinfonie B-Dur für zwei Flöten, zwei Oboen, zwei corni, Streicher und Basso continuo. Getragener beginnen die nachstehenden Concerti in D-Dur und in Es-Dur. Für jedes dieser Concerti finden Ludwig Güttler und die Virtuosi Saxoniae einen individuellen Zugang. Heiter und virtuos klingt dann zu Beginn das Telemann Concerto F-Dur für Violine, zwei Tromba da caccia, Pauken, zwei Flöten, zwei Oboen, Streicher und Basso continuo.
Konzerte für den Kursächsichen Hof
Virtuous und mit prägnant gesetzen Akzenten beginnt die CD, die einzig und allein Antonio Vivaldi gewidmet ist. (Concerto C-Dur RV 558), mit rasant anmutender Virtuosität beginnt das Concerto RV 455. Im darauf folgenden Concerto d-Moll RV 540 wird es dann mit leicht abgebremster Virtuosität etwas melancholischer. Es ist faszinierend, wie es Ludwig Güttler und den Virtuosi Saxoniae immer wieder gelingt, auch für die nachstehenden drei Werke, Concerto A-dur RV 552, Sinfonia G-Dur RV 149 und Concerto g-Moll RV 576 unterschiedliche Interpretationsansätze zu finden und somit jedem Werk eine individuelle Klangfarbe zu geben.
Concerti a diversi concertanti / Concerti per L’Orchestra di Dresda
Auch auf diesen beiden CDs gelingt es den Virtouisi Saxoniae unter der Leitung von Ludwgi Güttler einen transparenten, fesselnden, unaufgeregten Klangteppich zu erzeugen. Auch hier finden alle Beteiligten für jedes Werk eine individuelle Klangfarbe, fröhlich, melancholisch oder wie bei Johann Friedrich Fasch’s Concerto D-Dur, ein festliches Klangbild. Auf der ersten CD ist das Telemann Concerto D-Dur, Quantz Concerto g-moll, Vivaldi Concerto D-Dur und Zelenka’S Capriccio ZWV 185, während auf der zweiten CD Vivaldi’s Concerto g-moll RV 577, Telemanns Concerto D-Dur, Heinichen’s Concerto F-Dur, das erwähnte Concerto von Fasch und Graun’s Concerto G- Dur zu hören sind.
Violinenkonzerte des Barock
Auf dieser CD werden von Antonio Vivaldi das Concerto B-Dur RV 362, von Graun das Concerto G-Dur (Michael Frenzel (Solo Violine II), Matthias Schmutzler (Corno da caccia), Roland Rudolph (Corno da caccia II), Pisendel das Concerto Es-Dur, Vivaldi das Concerto A-Dur RV 552 und von Telemann das Concerto D-Dur mit den Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler und Friedrich Kircheins (Cembalo), Friedwart-Christian Dittmann und Joachim Bischof (Violoncello), Werner Zeibig (Kontrabass) und Eric Reike (Fagott) beeindruckend interpretiert. Herausgestellt wird allerdings Roland Straumer auf der Violine, der überwiegend einen eher eleganten, weicheren Streicheransatz bevorzugt. Auch diese CD zeichnet sich dadurch aus, dass jedes Werk in einem eigenen Interpretationsstil dargeboten wird.
Bach anders
Hier wird ein Trippelkonzert für Flöte (Eckart Haupt), Oboe D’Amore (Andreas Lorenz) und Violine (Roland Straumer) nach den Bachwerken BWV 99/125 und 115 konzipiert und gespielt. Desweiteren gibt es ein Konzert A-dur für Obeo D’amore, Streicher und Basso continuzo nach BWV 1055 mit Andreas Korenz an der Oboe d’amore, wiederum ein Trippelkkonzert nach den eingangs erwähnten Bachwerken, nur dieses Mal mit Roland Straumer (Solovioline), Michael Eckoldt (Solovioline) und Johannes Mittag (Solovioline) und abschließend ein Konzert D-Dur nach BWV 42/66 mit Andreas Lorenz (Oboe I), Frank Sonnabend (Oboe II), Joachím Huschke (Fagott) und Roland Straumer (Solovioline). Ferner hören wir Friedrich Kircheis (Cembalo), Friedwart-Christian Dittmann (Violoncello) und Bernd Haubold (Kontrabass). Eine witzige, interessante Zusammenstellung von Werken, die man in dieser Form so noch nicht zu Gehör bekommen hat. Die Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler sorgen für eine grandiose Klangentfaltung.
Das Corno da Caccia
Die letzte CD ist ein Zusammenschnitt aus den Jahren 1989 – 2002. Hier erleben wir die verschiedenen Interpretationstationen aus dem Künstlerleben von Ludwig Güttler anhand von Werken von Fasch (Concerto D-Dur), Baer (Concerto á 4 B-Dur), Zelenka (Capriccio ZWV 184), Röllig ( Conceto D-Dur) und Jan Kr’titel Jiri Neruda ( Concerto Es-Dur) die Kadenzen stammen von Ludwig Güttler. Auch hier hören wir wieder Friedrich Kircheis (Cembalo), Friedwart-Christian Dittmann (Violoncello), Joachim Bischoff (Violoncello/Fasch), Werner Zeibig (Kontrabass) und Bernd Haubold (Kontrabass) mit den Virtuosi Saxoniae unter der Leitung von Ludwig Güttler.
Eine grandiose CD Edition, welche die Vielseitigkeit dieses Ausnahmekünstlers unter Beweis stellt, sowohl auf der Trompete, dem Posthorn oder der Corna da caccia, als auch Interpret von geistlichen Werken und als Dirigent von Konzerten und Sinfonien. Jedes dieser Werke klingt anders und doch trägt jedes seine Handschrift. Eine Leistung, zu der man Ludwig Güttler nur beglückwünschen kann.

 

 

 

 

 

 

Veröffentlicht unter 01. Allgemeines, 02.12. Berlin | Kommentar hinterlassen

American Operas: Moby Dick, Porgy and Bess, Show Boat (DVD; Euroarts, Warner)

Jake Heggie: Moby Dick (San Francisco Oktober 2012)
Die Musik klingt modern und ist dennoch typisch für amerikanische, moderne Klassik: sehr melodisch und imposant. Wäre die Oper 30 Jahre früher entstanden, die Rolle des Captain Ahab wäre eine Paraderolle von Jon Vickers geworden. Für die Partie braucht man die gleichen stimmlichen Voraussetzungen wie für den Siegfried oder den Tristan. Jay Hunter Morris bringt hierfür die besten Voraussetzugen mit und gestaltet die Rolle bravourös. Die Rolle des Greenhorn scheint Stephen Costello wie auf den Leib komponiert worden zu sein; sein dunkleres Stimmtimbre kommt hier bestens zum Tragen; eine grandiose Rollenausdeutung. Jonathan Lemula gestaltet die Rolle des Queequeg spannend und interessant. Auch sein Stimmtimbre kommt dieser Rolle überaus entgegen. Talise Trevigne klingt so ein bißchen wie die junge Barbara Hendrix; ihr Charme und und ihre Natürlichkeit verleihen der Rolle des Pip die notwendige Glaubwürdigkeit. Morgen Smith gestaltet einen überzeugenden Starbuck. Patrick Summers und das San Francisco Opera Orchestra sorgen für einen grandiosen Klangteppich. Unverständlich, warum dieses Werk in Europa so gut wie unbekannt ist; an der grandiosen Musik kann es nicht liegen. Noch ein kleiner Kommentar zur Musik. Zu Beginn des zweiten Aktes tanzen die Männer einen ausgelassenen Tanz und es wird hierzu zum Teil gesungen; hier muß sich der Komponist ein wenig an der Künstlerszene in der Mansardenwohnung von Puccini’s „La Boheme“  erinnert haben, als er diese Szene komponierte. Ein großartiges, modernes Werk der aktuellen US-Opernszene; grandios gesungen, orchestral begleitet und inszeniert. Absolut hörens-und sehenswert.
Georg Gershwin: Porgy and Bess (San Francisco Juni 2009)
Angel Blue als Claire reißt die Zuschauer gleich zu Beginn mit ihrer grandiosen interpretation des Titels „Summertime“ aus den Sitzen. Karen Slack folgt dann im späteren Verlauf mit ihrer anrührenden Interpretation des Titels „My man’s gone now“. Eric Owens ist ein stimmgewaltiger, leider kein sehr eleganter Sänger der hier den Porgy singt, dennoch ist er so bezwingend, daß man ihm jedes Wort abkauft. Laquita Mitchell klingt als Bess wie die personifizierte, sinnliche Versuchung: Chauncey Packer ist als Sportin‘ Life etwas überdreht, wirkt dabei aber dennoch natürlich, als würde er gar nicht anders können. Sein Lied: „It aint necessarily so“ wird dabei zu einem Kleinod, das man in dieser gesanglichen Bestform, auch was die textliche Ausdeutung anbelangt, selten zu hören bekommt. Für den passenden Klangteppich sorgen John DeMain und das San Francisco Opera Orchestra.
Jerome Kern: Show Boat (San Francisco Juni 2014)
Angela Reneé Simpson als Queenie ist die Sensation mit ihrer quirligen Art und ihrer grandiosen Stimme dieser Produktion. Morris Robinson als Joe (Old man River) erinnert eher an einen herausragenden Gospelbariton als an einen Opernsänger. Bill Irwin als Cap’n Andy Hawks kann vor allem durch sein tänzerisches Talent punkten; stimmlich ist hier eher weniger zu holen. Heidi Stober als Magnolia hat viel Charme und einen schönen Stimmklang. Michael Todd Simpson als Gaylord Ravenal besticht in erster Linie durch seinen charmanten Gesangsstil. Patricia Racette als Julie La Verne ist einer der gesanglichen Höhepunkte dieser Produktion. Eine überzeugende Rolleninterpretation.

 

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Modern Opera: Die Soldaten, Die Gezeichneten, Lulu – von den Salzburger Festspielen ( DVD; Euroarts, Warner)

Bernd Alois Zimmermann:  Die Soldaten (Salzburg August 2012)
Eine Musik, die nicht nur dem Zuhörer, sondern auch seinen Sängern viel abverlangt. Hier fällt es schwer, eine Einzelbewertung des Gesanges vorzunehmen, da sich die musikalische Artikulation viel zu selten auf der klassischen Gesangslinie bewegt. Die Sänger werden ständig an ihre Grenzen getrieben, weil Zimmermann Menschen und eigentlich keine Sänger auf der Bühne haben wollte. Laura Aikin gelingt hier der bezwingende Spagat bei der Darstellung einer Frau, die nicht freiwillig von einer ehrbaren Dame zur Soldatenhure wird. Tomazs Konieczny ist ebenfalls in seiner Rollengestaltung des Solzius bezwingend. Alfred Muff gelingt als Wesener, ebenso wie Gabriele Benackova als Gräfin und Renée Morloc als Mutter einé großartige Charakterstudie. Daniel Brenna gelingt das überzeugende Porträt eines Chauvinisten, der Frauen wie Wäsche anzieht und sie dann ablegt oder aber weiterreicht, wenn sie ausgedient haben. Für den bezwingenden Klangteppich zeichnen die Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Ingo Metzmacher verantwortlich.
Franz Schreker: Die Gezeichneten ( Salzburg:26.07.2005)
Stellenweise erinnert die Musik ein wenig an Richard Wagner. Robert Brubaker ist als Alviano mit seinem charismatischen, helltimbrierten Tenor unübertrefflich. Beeindruckend, welche dynamischen Abstufungen er bei der Wahl der Wortartikulation  auf der Gesanglinie findet. Ihm gelingt somit eine charakteristische Rollenausdeutung, die sich hören lassen kann. Gleiches muß man auch über Anne Schwanewilms sagen, deren Charlotte auch eher als Charakterzeichnung, denn als Belcantointerpretation bezeichnet werden muß. Dennoch überzeugend und hervorragend. Wolfgang Schöne gestaltet die Rolle des Lodovico durch eine pointierte Wortartikulation. Michael Volle legt bei seinen Rollengestaltungen sehr viel Wert auf eine prägnante Wortartikulation, wobei er dabei die harmonische Melodielinie selten überstrapaziert. Gleiches gilt auch für die Interpretation des Herzogs von Robert Hale, wobei seine Stimme etwas körniger klingt. Für den großartigen Klangteppich sorgen Kent Nagano und das Deutsche Symphonie Orchester Berlin.
Alban Berg: Lulu (Salzburg 2010)
Thomas J.Mayer besitzt ein  überaus angenehmes  Stimmtimbre und eine Modulationsfähigkeit, die aufhorchen läßt. Schon seine Eröffnung entwickelt er zu einem Kleinod der besonderen Art: einfach grandios. Patricia Petibon besitzt diese Kleinmädchenstimme und betritt die Bühne, als hätte sich ein Engel aus einer Victoria Secret Show auf die Opernbühne verirrt. Mit einer dunklen, leicht sehnig anmutenden Stimme, die dieser Rolle, so wie sie diese anlegt, gut bekommt. Ein bezwingendes Porträt. Pavol Breslik besticht  durch sein Sexappeal und seinen charmanten, einschmeichelnden, weichen Tenorklang, einer perfekt ausbalancierten Stimme und einer mühelosen Höhe. Michael Volle interpretiert die Rolle des Dr. Schön mit einer mehr auf deutliche Textartikulation, denn auf eine harmonische Melodielinie ausgelegte Art und Weise. Franz Grundheber als Shigolch gelingt eine charismatische Charakterstudie, die überwiegend auf der Gesangslinie mehr gesprochen als gesungen wird. Thomas Piffka’s Tenor klingt als Alwa eher charakteristisch denn klangschön. Heinz Zednik in der Höhe leicht angestrengt; dennoch ein imposanter Auftritt. Tanja Ariane Baumgartner als Gräfin Geschwitz   mit ihrem dunklen, erotischen Timbre ist einfach großartig. Den Sexappeal, den sie mit ihrer Stimme ausstrahlt, entfaltet Paticia Petibon als Lulu mit ihrem Körpereinsatz. Marc Albrecht und die Wiener Philharmoniker sorgen für einen hervorragenden Orchesterklang.
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Aram Khachaturian: Symphony No. 2 / 3 Concert Arias ( CPO )

Wer an Aram Katschaturian denkt, dem wird, wie dem Verfasser, wahrscheinlich sofort seine Ballettmusik „Spartacus“ einfallen. Überaus hörenswert erweist sich auf einer Neuveröffentlichung von CPO mit der Robert-Schumann-Philharmonie unter der Leitung von Frank Beermann seine Sinfonie Nr. 2. Schroffe Violinenklänge weichen schon sehr bald einem weicheren Streicherklang, der sich mit einem auftupfend wirkenden Klangbild und akzentuierten Bläserakkorden abwechselt. Es gibt immer wieder Steigerungen und nach jedem musikalischen Aufschwung nimmt die Spannung mehr und mehr zu, bis sie sich dann im Finale endgültig entlädt. Der Orchesterklang ist durchgehend transparent und auch ein wenig melancholisch. Bei den drei Liedern findet Julia Bauer leider nicht immer einen individuellen Zugang. Die Stücke Poem, Legende und Dithyrambus werden zwar gesanglich gut gemeistert, klingen aber allesamt etwas zu ähnlich; einzig das Orchester setzt hier unterschiedlich anmutende Akzente. Dies ist nach Meinung  des Verfassers eine überaus gelungene Produktion, die nicht nur Freunde der russischen Musik begeistern sollte.
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