Masterprüfung Fabian Gehring – Klavier – Klasse Prof. Anna Vinnitskaya; Schubert, Mozart, Skrjabin, Beethoven (HfMT, Hamburg, 10.01.2018)

Nachdem sich der Verfasser durch verschiedene „Institutionen“ vor Ort durchgefragt hatte, wo denn das Forum/Campus Außenalster im Gebäude zu finden sei, hatte er vor den Erfrischungsräumen endlich Erfolg. Er stand direkt davor, die befragte Person, war zufälligerweisen der Pianist des Abends, Fabian Gehring (geb. 1991), der sollte es auch wissen.

Hier ein kurzer biografischer Abriß:

Im Alter von 6 Jahren erhielt er seinen ersten Klavierunterricht bei seiner Mutter, später dann ab 2003 bei Prof. Olga Rissin-Morenova und von 2005 -2010 als Vorschüler an der Musikhochschule Karlsruhe. In dieser Zeit gewann Fabian Gehring  zahlreichen Preisen auf Regional-, Landes- und Bundesebene bei „Jugend musiziert“ u.a. den Mozartpreis der Mozart Gesellschaft Stuttgart, mehrere erste Preise und den Sonderpreis beim Stuttgarter „Matthaes-Wettbewerb“, den „primo premio assoluto“ beim „Internationalen Klavierwettbewerb Marco Fortini 2006“ in Bologna, den vierten Preis beim „Concorso musicale dell’Adriatico 2007“ in Ancona und den dritten Preis beim internationalen Klavierwettbewerb „ROMA 2008“. Er besuchte Meisterkurse bei Matthias Kirschnereit, Karl-Heinz Kämmerling, Stanislav Pochekin, Alexander Braginsky, Dmitri Alexeev, Bernd Glemser und Tabea Zimmermann (Kammermusik). Zu dem ist er  Young Steinway Artist, seit 2012 als Solist und seit 2013 als Liedbegleiter Stipendiat des Vereins Yehudi Menuhin Live Music.

Das Konzert (Die Masterprüfung) vom 10.01.2018

Zu Beginn spielte Fabian Gehring noch etwas zaghaft, es sollte sich aber sehr schnell heraustellen, das er insbesondere bei Schubert( Sonate a-Moll op. post, 143 D784), ähnlich wie bei Mozart (Sonate c-Moll KV 457) im Piano und bei mittlerer Dynamik im Ton einen Charme und eine Wärme in seinem Spiel zu verbreiten versteht, die einen sofort verzaubern und mitreißen. Dieses ist eine ganz besondere Gabe, über nicht alle Pianisten verfügen. Leider nur fand er bei Schubert in den dramatischen Passagen ein etwas lähmendes Dauer(Einheits)forte, hier hätte sich der Verfasser ein nuancenreicheres Spiel, im musikalischem Ausdruck,gewünscht. Denn wenn ein wiederkehrendes Forte zu einheitlich klingt, geht dieses zu lasten der Spannungskurve, Variationsreichtum hingegen kann belebend wirken. Ein weiteres ganz großes Plus ist das es Fabian Gehring dank seiner besonderen Hingabe versteht, zu jedem Komponisten: Schubert, Mozart, Skrjabin, Beethoven, einen eigenen individuellen Zugang, musikalischen Ausdruck, zu finden. Hier klang jeder Komponist von der Klangcharakteristik her anders. Sein Mozartstil war einfach großartig, anmutig in den Läufen und wiederum dieser betörende Ton im Piano, der einfach umwerfend ist. Sein Skrjabin (Sonate Nr. 5 op. 53) klang umgemein dramatisch und wurde geprägt von einem intensive anmutenden Interpretationsstil. Allerdings hätte es auch hier vielleicht, die eine oder andere raffinierter anmutende Abstufung in der Dynamik geben können. Ludwig van Beethovens Sonate c-Moll Nr. 32 op. 111 war technisch brilliant, die Schwierigkeitsgrade von denen es nicht gerade wenige gibt, wurden spielerisch hervorragend gemeistert, leider aber kam bei dem Verfasser keinerlei Gefühl an, es wirkte auf ihn zu akademisch gespielt, verglichen mit Mozart und Schubert die gerade zu überbrodeln wollten, was das gefühlsmüßige Engagement anbelangte. Gesamtbetrachtet dennoch ein toller Abend, den der Verfasser keineswegs missen möchte.

 

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Giuseppe Verdi: Otello Salzburg 19.03.2016; Cura, Röschmann, Alvarez, Thielemann (DVD, Premiere Opera)

Endlich fand der Verfasser die Zeit in diese DVD hineinzuschauen und das Ergebnis war leider ernüchternd. Wie nicht anders zu erwarten, erwartete den Verfasser von der Sächsischen Staatskapelle (mittlerweile auf dem Niveau der Wiener Philharmoniker angekommen, die schon seit einigen Jahren einen überwiegend sterbenslangweiligen Orchestersound als Aushägneschild vor sich her tragen) unter der Leitung von Christian Thielemann ein Orchesterklang auf Festspielniveau. Opulent, etwas eingeebnet, nur nicht zu aufbrausend und energiegelanden, um die wohlsituierten Damen und Herren (meist reiferen Alters) nicht zu sehr zu beanspruchen. Kurz um, es mutet etwas langatmig an. Wahrscheinlich hatte man dort vor Ort, anders als wie es Herr Brug als wohlunterrichteten Quellen über die Elbphilharmonie erfahren haben muß (Welt vom 11.01.2018), wohl das Rettungsanitäterequipe noch nicht aufgestockt. Jose Cura, live wesentlich bezwingender, gab einen Otello, der trotz der einen oder anderen  Intonationstrübung überzeugend und bezwingend war. Dorothea Röschmann gab eine eher ergreifende, denn schön gesungene Desdemona. Nicht immer so ganz jugendlich und unschuldig vom Stimmklang her, aber das muß ja auch nicht immer sein. Carlos Alvarez klang als Jago elegant und leider etwas zu handzahm. Christa Mayer als Dedemona, Georg Zeppenfeld als Lodovico und Benjamin Bernheim als Cassio gelangen überzeugende Rollenporträts. Die Bühne war überwiegend kahl und stellenweise zu dunkel(Regie: Vincent Boussard), hin und wieder zog ein schwarzer Engel des Todes über die Bühne. Die Darsteller wurde von Christian Lacroix ausgestatet. Der Verfasser erlebte schon spannendere Otelloabende. Dieser Otello wird einem wohl kaum nachträglich in Erinnerung bleiben, es sei denn die Eintrittskarten wären sündhaft teuer gewesen. Salzburg scheint offensichtlich aus musikalisch, kultureller Sicht betrachtet auch keine Reise mehr wert zu sein.

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Julius Berger – Violoncello – : Bach / Cage: Choräle (Solo Musica)

Eine dreier CD Box, die von der Optik her eher unscheinbar daher kommt und dennoch äußerst Spannend und interessant gemacht ist. Jede CD hat ein kurzes Intro, welches John Cage gewidmet ist. In diesem Intro wird die Musik von Johann SebastianBachs ins moderne übertragen und eine Textsequenz aus drei Chorälen (Vom Himmel hoch, Gelobt sei Gott im höchsten Thron und O Haupt voll blut und wunder) von Manuel jun Berger auf der Gesangslinie eher gesprochen. In den darauffolgenden Suiten No. 1 – No. 6 singt das Violoncello mit einem großartigen, angenehm anmutenden, warmen und mitreißenden Klang. Die Interpretationen verströmen eine Tiefgründigkeit und jede Suite bekommt ihren eigenen Klangcharakter. Eine CD Box, die den Verfasser von der ersten bis zur letzten Note begeistert hat, allein schon das Konzept der Musik von Johann Sebastian Bach jeweils immer eine Komnposition von John Cage gegenüber bzw. voran zu stellen, ist eine grandiose Idee, die zu 100 Prozent aufgeht.

Veröffentlicht unter 02.26. Solo Musica | Kommentar hinterlassen

Giuseppe Verdi: La Traviata; Lee, Viola, Rosiello, Leung, Tambaro, Sciroli; Rolli / 10.2017 (DVD, Premiere Opera)

Auch wenn auf der DVD Bologna notiert ist, die Aufführung fand im Operhaus in Busetto statt. Zum Ende der DVD gibt es eine Tonspurüberschneidung, die Stimmen von Dr, Grenvil, Annina, Alfredo und Germont die später aufgzeichnet wurden, fallen auf Grund eines technischen Defektes in das Piano von Isabella Lee ein. Zur Handlung:

Im Valery’s, einer Galerie, treffen während einer Vernisage der Kunstliebhaber Alfredo und die Galeriebesitzerin Violetta Valery aufeinander, deren halbbekleidetes, erotisch anmutendes Porträt, sie auf einem Bett zu sehen, zu dem sich noch ein bekleideter Männernoberkörper samt Kopf ihrem Itimbereich nähert, zum Verlauf steht. Alfredo kauft dieses Porträt, das dann auch der Stein des Anstoßes wird, warum der Vater die Verbindung zwischen ihr und seinem Sohn nicht gut heißt.

Mit einem wunderbaren Verdiklangteppich eröffnet Sebastian Rolli die Aufführung und es gelingt ihm durchgehend einen grandiosen Verdiklang zu erzeugen. Leider scheitert auch er an der kniffligen Passage im zweiten Akt ab „Alfredo Voi“, wo er in den Violettapassagen das Tempo nicht zurück nimmt. Schade ansonsten währe es ein perfektes Dirigat gewesen. Isabella Lee ist als Violetta einfach umwerfend, mit ihrem Charme, die Art wie sie ihre Halbstimme im Piano einsetzt, sie wird sowohl den lyrischen, wie auch den dramatischen Passagen dieses Werkes voll auf gerecht, eine großartige Leistung. Alessandro Viola is zu Beginn etwas schwach, wird dann im ersten Teil des zweiten Akt richtig gut, auch wenn er mit der Stretta an die Grenzen seiner stimmlichen Möglichkeiten kommt (nur sehr wenigen war es vegönnt gewesen diese adäquat auszuformen: Gedda, Kraus). Im Terzett mit dem Chor im zweiten Teil des zweiten Aktes gelingt es ihm leider nicht so ganz sich stimmlich durchzusetzen. Im dritten Akt ist er dann wieder besser. Bravourös hingegen Marcello Rosiello als Germont, seine dezidierte Art mit des es ihm gelingt die Arie „La provenca“ auszusiselieren hat der Verfasser in dieser Form bisher noch nicht gehört, grandiose. Eine der besten Leistungen des Abends. Marta Leung als Flora, Luisa Tambaro als Annina, Pasquale Scircoli als Gastone, Carlo Checci als Douphol, Claudio Levantino als Marchese und Gerard Farreras als Dr. Grenvil fielen hier leider etwas ab. Dennoch eine grandiose Opern DVD die man gesehen haben sollte.

 

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The Gasparini Album – Roberta Invernizzi (Glossa, Note 1)

Die Anzahl an CD Veröffentlichungen mit Werken des Komponisten Francesco Gasparini (1661 -1727) sind doch Recht überschaubar, insbesondere wenn es sich um Tonträger handelt, die diesem Komponisen ausschließlich gewidmet sind. In dieser Beziehung hat sich der Glossa Verlag schon eimmal mit der Musikergruppe Auser Musici hervorgetan und ist jetzt zum nächsten Schritt übergegangen. Mit einer Veröffentlichung einer ganzen CD gespickt mit Arien aus seinen Opern: Astianatte, L’oracolo del Fato, Il Ciro, Bajazette, Il Tamerlano, Santa Eufrosina, Amleto, Il Rodrigo und Atalia, „preschten“ sie jetzt erneut voraus. Wer diese Arien hört, mag gar nicht glauben, das diese Werke heutezutage selten bis gar nicht mehr zur Aufführung kommen, denn musikalisch stehen sie, was den kompositorischen Rang anbelangt einem Bach, Händel, Grau  bzw. Telemann, um jetzt nur ein paar bekannte Namen herauszugreifen, in nichts nach. Erstklassig ausgearbeitete Arien werden hier von der  Sopranistin Roberta Invernizzi, welche auf diesem Gebiet schon seit Jahren keine Unbekannte mehr ist, mitreißend Interpretiert. Sie macht nach jeder Arie neugierig auf das, was als nächstes kommt. Somit ist eine spannende Reise durch einen Teil des  Opernschaffend dieses herausragenden Komponisten garantiert. Auser Musici unter der Leitung von Carlo Ipata sorgen für einen großartiges Klangbild auch in der Sinfonie aus Engelberta und dem Flötenkonzert (welches vor 1713 entstand). Eine CD die nicht nur für Freunde der Barockmusik von Interesse sein dürfte.

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Gustav Mahler: 8. Sinfonie, Thierry Fischer (Reference Recording)

Der Klang des Utah Sinfonieorchesters unter der Leitung von Thierry Fischer ist etwas dumpf und teilweise leider auch weniger Transparent. Dennoch muß geschrieben werden, das diese Produktion etwas hat, was diese von anderen mit durchsichtigeren Klangbild unterscheidet, sie hat eine enorme Innenspannung. Vom Orchesterklang geht  eine Elektrisität und eine Kraft aus, die man eher seltener hört, da manche Produktionen manchmal etwas eher „weichergespült“ daherkommen. Der vom Verfasser sehr geschätzte Mormon Tabernacle Choir ist phantastisch, was auch für die Solisten: Orla Boylan (Sopran), Celena Shafer (Sopran), Amy Owens (Sopran), Charlotte Hellekant (Mezzo), Tamara Mumford (Mezzo), Barry Banks (Tenor), Markus Werba (Bariton) und Jordan Bisch (Bass)  gilt. Die Stimmen der Solisten sind gut aufeinander Abgestimmt. Das Werk versprüht in dieser Interpretation eine Lebendigkeit und eine Lust am musizieren, die sich direkt auf den Zuhörer überträgt. Deswegen ist diese CD eine Interessante und hörenswerte Produktion.

Veröffentlicht unter 02.16. Reference Recordings | Kommentar hinterlassen

Alexandre Tharaud: Barbara (Warner)

Eine Hommage an eine der größten Chanteusen neben Edith Piaf und Giuliette Greco, die Rede ist von Barbara. Viele Chanson die sie so unverwechselbar gemacht hat, werden auf diesem Album neu eingesungen, mit dem überaus einfühlsam begleitenden Alexandre Tharaud, der exakt den richtigen Tonfall trifft. Dominique A. trifft genau den richtigen Tonfall um mit seinem Charme das „C’est Enfant“ lebendig werden zu lassen. Camelia Jordana besitzt diese typische französische Kleinmädchenstimme in „Septembre“. Juliette hat für „Mes hommes“ ebenfalls den richtigen Ton. Vanessa Paradies beweist in „Du bout les levres“, das sie sich von der „Kindfrau“ (von der Stimme her) in eine ernstzunahmende Chanteuse verwandelt hat. Bei Jean Louis Auber (Viviant poeme) und Tim Dup (Pierre) findet die  Textausdeutung eher auf der Gesangssprechstimmenebene statt, während Radio Elvis (A mourir pour mourir) schon wieder eher in Richtung Gesang geht. Benabar gelingt bei „Y’aura du monde“ eine überaus gefühlvolle, berührende Interpretation. Jane Birkins „La-bas“ setzt auch eher auf eine Liedinterpretation die über die Gesangssprechstimme funktioniert. Albin de la Simone (C’est trop tard) interpertiert mit ihrer Sprechstimme. Rokia Traoré (Au bois de Saint-amand) besitzt ein Stimmtimbre, an das man sich gewöhnen muß, eine interessante Interpretation, ebenso wie Juliette Binoche bei „Vienne“ mit Ranaud Capucon an der Violine. Hindi Zahras Interpretation von“Dis quand reviendras-las“ ist ein wenig jazzig angehaucht. Grandios was Guilllaume Gallienne aus „Les Amis de Monsieur“ macht. Luz Casal legt mit „Attendez qua ma joie revienne“ ebenfalls eine beeindruckende Interpretation vor. Auf der 2. CD interpretiert Julliete Binoche „O mes theatres“ einfach großartig mit der Sprechstimme. Bei den nächsten Stücken hören wir Roland Romanelli (Nantes, Le bel age, Remusat) wie er gefühlvoll den Chansons mal mit Alexandre Tharaud (Klavier), mal mit Michel Portal (Klarinette; in Ce Martin la, Ma plus belle histoire d’amour, schlicht weg grandios) neues Leben einhaucht.  Babr ist in „Mon enfance“ einfach umwerfend. Jane Birkin Version von „So fleur la bas“ gelingt überaus gefühlvoll und berührend. Zum Abschluß spricht Helmut Berger eine deutsche Fassung des Chanson „Göttingen“. Eine würdevolle, mitreißende Hommage an eine der ganz großen Chanteusen. Und wer denk es gäbe heute keinen Nachwuchs auf dem Gebiete des Chanson, der sollte sich auf Youtube einmal anhören was Agoney Hernandez ( der Verfasser hat diesen Sänger an Warner empfohlen) aus dem Gainsborough Chanson „Je suis venu te dire que je me’n vais“ herausholt und sich dabei Vergegenwärtigen, das dieser keineswegs Franzose sondern Spanier ist.

Veröffentlicht unter 01. Allgemein, a. Recitel | Kommentar hinterlassen