Luigi Boccherini: Stabat Mater / Felix Mendelssohn-Bartholdy: Salver Regina (Carus, Note 1)

Nach den letzten Einspielungen mit „größeren“ Orchestern hatte man sich bei Carus wohl gedacht: bringen wir doch als Alternative eine Aufnahme auf den Markt, die eher kammermusikalisch geprägt ist. Dem Salagon Quartett gelingt es, sowohl bei Boccherini, wie auch bei Mendelssohn-Bartholdy, die unterschiedlichen musikalisch- charakteristischen Merkmale herauszuarbeiten. Zwischen beiden sakralen Werken wird das Ganze dann noch durch das Streichquartett

Es- Dur KV 428 von Wolfgang Amadeus Mozart aufgelockert. Hier kommen die Fähigkeiten und musikalischen Fertigkeiten dieses Quartettes zur Geltung. Der eher instrumental geführte Sopran von Dorothy Mields kommt in sakraler Musik oder auch bei Liedern von Purcell besonders gut zum tragen, da es hier weniger auf eine exaltierte, eigenwillige Interpretation ankommt, sondern dass man als Sänger die Musik für sich selbst sprechen lassen kann. Das ist die Stärke dieser Sängerin und was ihre Fans sicherlich so besonders an ihr schätzen. Dorothy Mields gelingt eine rundum schlüssige Interpretation.
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Benjamin Appl: Heimat (Sony)

Anders, als dem Kritiker Manuel Brug (Die Welt), blieb dem Verfasser die musikalisch-sängerische „Handschrift“ des mittleren Dietrich Fischer-Dieskau (DG) nicht verborgen. Es ist selbstverständlich, dass ein junger Sänger  noch nicht so maniriert klingen kann wie ein Sänger, der die sechzig schon überschritten hatte und dessen stimmliche Mittel schon deutlich nachgelassen hatten, wie in den späteren Dietrich Fischer-Diskau Aufnahmen zu hören ist. Die sichtliche Überraschung des Herrn Brug, dass der deutsche Bariton  Benjamin Appl (Jhg. 1982) auf seiner aktuellen CD also nicht so klingt, sind hier beim besten Willen nicht nachvollziehbar. Die Texte werden, anders als zum Beispiel von Gerard Souzay, eher intellektuell- musikalisch aufbereitet. Mit einem ausgesprochen feinsinnigen Texteinfühlungsvermögen werden die einzelnen Lieder  von Schubert‘ Seligkeit, Der Einsame, Der Wanderer, Brahms‘ Wiegenlied, Schrekers‘ Waldeinsamkeit, Wolfs‘ Verschiedene Liebe, Strauss‘ Allerseelen, aber auch englische Lieder von Britten, Williams, Bishop, Warlock und Ireland, sowie Lieder von Grieg und Poulenc zelebriert. Eine anspruchvolle und ansprechende Liedersammlung, die nicht nur Freunde des Liedgesanges interessieren sollte.

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Fernando Paer: La Passione di Gesu Cristo (CPO)

Viele meiner Leser werden bei Fernando Paer (1771-1839), sicherlich an nur ein Werk denken, seine Leonore. Nach dem Erleben dieser CD allerdings, wird sich das mit Sicherheit schlagartig ändern. Energie- und spannungsgeladen  bietet das Orchestra di Padova e del Veneto, unter der Leitung von Sergio Balestracci, einen grandiosen Paerklangteppich. Valentina Kutzarova besitzt eine unglaublich warme, einschmeichelnde Stimme mit einem eigenständigen Stimmtimbre, ein Gespür für das richtige Timing und zudem einen berührenden Stimmklang. Enea Scala, einer der großen, aber noch zu wenig bekannten  im Tenorfach (Rossini), bietet einen exzellenten Nicodemo mit einer großartigen Geläufigkeit in der Stimme. Der Bariton Alvaro Lozano als Giuseppe besticht durch seinen dunklen, intensiven, durchdringenden Stimmklang. Grandios, wie sich die Sopranstimme von Valentina Coladonato  in den Duettszenen mit der von Valentina Kutzarova mischt. Eine CD, die  nicht nur die Freunde sakraler Musik begeistern wird.

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Richard Strauss: Frau ohne Schatten (Hamburgische Staatsoper, 16.04.2017)

Das in mancherlei Hinsicht ungewöhnliche Werk von 1919 aufzuführen, ist für jedes Opernhaus eine ganz besondere Herausforderung. Schon die im „Orient in märchenhaften Zeiten“ angesiedelte Handlung, von Hugo von Hofmannsthal meisterhaft zu einem Libretto geformt, ist schon ein fulminantes „Kaliber“, das nicht nur den Regisseur fordert. Es geht darin um eine Kaiserin, Tochter eines Geisterfürsten , die keinen Schatten wirft und dadurch auch nicht in der Lage ist, Mutter zu werden, was wiederum zum Versteinern des kaiserlichen Gatten führen würde. Um ihre Ehe mit dem Kaiser zu retten, der es vorzieht, für einige Tage auf die Jagd zu gehen, beschließt sie, auf Anraten und in Begleitung der Amme, in die unreine und entwürdigende Menschenwelt hinabzusteigen, um sich den fehlenden Schatten zu besorgen. Hier geraten beide an ein einfaches Färberehepaar mit erheblichen Beziehungsproblemen und ein recht kompliziertes Geschehen beginnt um den Ankauf des Schattens ebendieser Färberin, bei dem es um ungeborene Kinder, um Mutterschaft und um menschliche Abgründe schlechthin geht, allerdings mit Happy End für beide Paare aus der Geister- und Menschenwelt. Klingt irgendwie ganz modern.
Dieses Libretto hat Richard Strauss mit einer Musik ausgestattet, die, auf dem Höhepunkt seiner Meisterschaft, von einer außergewöhnlichen Farbigkeit, einer Hochdramatik, von einmalig schönen, lyrischen Melodiebögen und einer fulminanten Leitmotivtechnik geprägt ist. Ohne Zweifel: einer der“härtesten Brocken“ der Operngeschichte.
Andreas Kriegenburg hat das Werk, das von vielen Häusern eher konzertant gegeben wird, spannend und einfallsreich in Szene gesetzt (bis auf das überzogene, knallbunte Finale), wobei einige Sequenzen etwas rätselhaft bleiben. Aber so ist es nun einmal im Märchen.
Die flache, düstere und höhlenartige Behausung der Färbers‘ und der dagegen üppig bemessene, wunderbar ausgeleuchtete Lebensraum der royalen Geisterwelt darüber, werden von einer gemeinsamen Statik getragen, bestehend aus schräggestellten Pfählen, so als wären es beim Umfallen erstarrte, überdimensionale Mikadostäbe. Eine Wendeltreppe verbindet diese höchst unterschiedlichen Welten, auf der  sich ein reger Personenverkehr entwickelt. Architektonisch betreut von Harald B. Thor und schön beleuchtet von Stefan Bollinger!
Was Kent Nagano und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg an diesem Abend an einem energie- und spannungsgeladenen Straussklang, vom zarten Piano bis zur Klangentfaltung der Sturmstärke 10, in Böen 12, gelang, war schlichtweg sensationell. Strauss vom Allerfeinsten! Das Orchester kann zur Höchstform auflaufen, wenn es denn will! Leider ist es nicht immer so, wie stellenweise bei der Tosca am 21.3.
An diesem Abend durften sich die Zuschauer auf 4 Rollendebuts freuen. Zum einen auf Lise Lindstrom in der Rolle der Färberin. Sie hatte schon an der Staatsoper eine großartige Elektra gesungen. Ihre grandiosen, stimmlichen Möglichkeiten gehen vom feinsten Piano bis zu einer explosiven Höhe mit metallischem Klang. Eine Freude für Augen (Bühnenpräsenz) und Ohren. Zum anderen auf Linda Watson, die hier schon als Isolde zur Höchstform auflief; sie war in der Höhe brilliant; in der Tiefe jedoch fehlte der Sopranistin die nötige Substanz für diese extrem schwierige Mezzopartie. Sie sollte es bei einem einmaligen Versuch an dieser Rolle belassen. Andrzej Dobber, der in diesem Hause schon in anderen Rollen zu bestaunen war, gab sein Barak- Debüt. Kurz vor Schluß merkte man dem Sänger an, dass er sich etwas zurücknehmen mußte um dann am Ende  noch die Kraft für das dramatische Finale zu haben. Im Großen und Ganzen eine eher charakterisierende Interpretation dieser anspruchsvollen Partie, wobei die Rolle überwiegend doch mit einem runden, baritonalen Klang gesungen werden sollte. Dennoch ein überzeugendes Rollenporträt. Als letzter in der Reihe der Debütanten gab Bogdan Baciu seinen sehr gelungenen Einstand als Geisterbote. Emily Magee, in der ebenfalls höchst anspruchsvollen Partie der Kaiserin, gelang eine fulminante Darstellung. Ihr überaus runder, eher weicher Sopran scheint über unbegrenzte Kraft und Schallreserven zu verfügen. Die Intensität und Modulationsfähigkeit ihrer Stimme ist grandios und faszinierend zugleich. Roberto Sacca sang die Rolle des Kaisers viel zu lyrisch und hatte Mühe, sich gegen das Orchester durchzusetzen, obwohl Kent Nagano den Klang etwas zurücknahm. Die Falkenarie des Kaisers im 2. Akt ist nun einmal tenoraler Extremgesang der in der Vergangenheit sogar „heldischen“ Tenören nur sehr selten perfekt gelungen ist. Alex Kim war da als Erscheinung eines Jünglings stimmlich deutlich besser präsent. Gabriele Rossmanith, in der Rolle des Falken und Hüters stimmlich großartig, neigt aber dazu, in ihrer Darstellung etwas zu überziehen. Marta Swiderska überzeugte als Stimme von oben und die drei Bürder Baraks, Der Einäugige (Alexey Bogdanchikov), Der Einarmige (Bruno Vargas) und Der Bucklige (Markus Nykänen) waren stimmlich perfekt aufeinander abgestimmt; auch hier gelang ihnen überzeugende Rollenporträts. Als Stimmen der Wächter der Stadt überzeugten Alin Anca, Julian Arsenault und Alexander Roslavets. Als Dienerinnen gefielen Diana Tomsche Martha Swiderska und Luminita Andrei (die einigen Lesern auf Grund ihrer großartigen Rollenporträts; u.a. Dame mit Noten aus dem Allee Theater bekannt ist). Die Kinderstimmen und Stimmen der Ungeborenen rundeten das umfangreiche Ensemble ab. Grandios wie immer: der Chor der Hamburgischen Staatsoper.
Am Ende großer Jubel für alle Beteiligten auf der Bühne und im Orchestergraben für diesen großen Wurf des Hauses.
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American Airlines Passagier mit Gewalt aus Flugzeug gezerrt

Wenn der Verfasser an dieser Stelle schreiben würde, daß ihn diese Art und Weise wie dort mit einem zahlenden Gast umgesprungen wurde überrascht hat, so wäre dieses an Hand von eigenen Erfahrungen die der Verfasser in den USA gemacht hat glatt gelogen. Auch das die Fluggesellschaft hinter dem Wachmann und nicht hinter dem Kunden steht überraschte ihn am wenigstens. Das daraufhin die Aktien nur um 4 Punkte abrutschte ist hingegen ärgerlich, sie hätte fiel tiefer fallen müssen, zumal der Herr den Platz für  Mitarbeiter der Gesellschaft räumen mußte. Die Begründung er wäre nicht kooperativ gewesen und mußte deswegen mit Gewalt entfernt werden, ist dann die nächste Frechheit. Wer zuerst am Schalter ist und dann im Flugzeug seinen bezahlten Sitzplatz eingenommen hat ist drin, alle anderen die meinen das sie nicht Pünktlich sein müssen, haben halt das Nachsehen und wenn eine Fluggsellschaft meint Maschinen aus Profitgier überbuchen zu müssen, dann  müssen diese halt zusehen wie diese ihr Personal von a nach b bekommen. Dieses aber auf dem Rücken von Kunden ausgetragen, ist eine Unverschämtheit hoch drei. Der Verfasser muß hier nur jedem Raten, wenn er oder sie nicht möchte, daß ihnen das gleiche passiert und sie die Fluggsellschaft auf mehrere Millionen Schadenersatz und Schmerzensgeld verklagen müssen, zukünftig von Reisen mit dieser Fluggesellschaft Abstand zu nehmen. In keinem anderen Land welches der Verfasser bisher besucht hat, fühlte der sich dermaßen unfrei und bevormundet wie in den USA. Hier ein paar andere Beispiele:

Als Europäer ist man als Kunde eine andere Behandlung gewohnt als in Amerika. Während Ihnen in Amerika genau vorgeschrieben wird wo und wie sie zu warten haben, haben sie in Deutschland die Wahl, ob sie rechts oder links warten wollen. In Amerika wird Ihnen vorgeschrieben, das sie gefälligst links zu warten haben. So geschehen, während des Wartens auf die Seilbahn in Palm Springs. Nicht bitte und danke, sondern in einem Befehlston, als ob mit dem Kauf einer Karte automatisch zum Leibeigenen der Gesellschaft geworden ist. Am liebsten wäre der Verfasser augenblicklich vom Kauf zurück getreten.

Ein anderes Beispiel zum Thema Kundenservice erlebte der Verfasser bei „Borders“, ein Geschäft das aus gutem Grunde im Amerika, leider auch in Großbrittanien seine Filialen schließen mußte. In einer Einkaufpassage in der Nähe des Zentralparks stand ein großer Aufsteller im Fenster: Autogrammstunde mit Fats Domino. Autogrammstunden kennt der Verfasser aus Deutschland, Österreich und anderen Ländern. Man stellt sich an und die CD oder was man gerade dabei hat wird vom Künstler gern signiert. Nicht so in Amerika, da mußten Sie in diesem Geschäft eine Tribut CD kaufen, auf welcher andere „Künstler“ sich an den Werken Fats Domino’s vergangen haben. Die CD lief im Geschäft, sie klang grauenhaft. Kaum das sie also in der Schlangen standen kam die Durchsage:He is in the house. Kurz darauf, nur wer sich hier diese Tribut CD gekauft hat, ist berechtigt sich zur Autogrammstunde anzustellen, davon war auf dem Aufsteller zu keiner Zeit die Rede gewesen und das Beste kommt zum Schluß. Fats Domino war gar nicht da, er genoss an diesem Tag seinen Aufenthalt in Hamburg. Betrug auf ganzer Linie. In diesem Geschäft hatte der Verfasser nie wieder eingekauft.  Betrug und Kundenmobbing, scheint das Bild zu sein, mit welchem viele amerikanische Unternehmen um Kunden werben.

Und sollten Sie es nach Beendigung einer Aufführung der Metropolitan Opera innerhalb von ca. 30 Minuten immer noch nicht geschafft haben das Gebäude zu verlassen, weil Sie im Kellergeschoß, im Fundbüro, noch nach einem Handschuh fragen, den Sie im Hause verloren haben, werden Sie relativ uncharmant der Tür verwiesen. Das ist der viel gerühmte amerikanische Kundenservice.

Auf die Firmen, mit denen Verfasser auf seiner Seite Zusammenarbeit, treffen diese negative Beispiele nicht zu. Falls es dort Schwierigkeiten geben sollte, werden sie mit ausgesuchter Höflichkeit und überaus zuvorkommend bedient und wenn sie ein Problem haben wird Ihnen dort unverzüglich weitergeholfen. Dieses sind zumindest die Erfahrungen die der Verfasser bisher mit z.B. Premiere Opera und Operapassion gemacht hat, einer der Gründe warum ich diese Firmen auch empfehle.

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La storia di orfeo (Montverdi, Rossi, Sartorio): Philippe Jaroussky, Emöke Barath (Warner)

Mit dieser CD hat sich Philippe Jaroussky wieder einmal etwas ganz Besonderes für seine Fangemeinde einfallen lassen. Nach dem Motto -zurück zu den Anfängen-, rollt er hier sozusagen als Episodenfilm das Liebesleben und Leiden von Orfeo und Euridice auf. Steht bei Monteverdi die Befreiung aus der Hölle im Vordergrund, stehen bei Luigi Rossi und Antonio Sartorio das Glück dieses ineinander verliebten Paares im „Brennpunkt“. Diese Liebes- und Leidensgeschichte gestaltet Philippe Jaroussky mit I Barocchisti, unter der Leitung von Diego Fasolis, gewohnt beeindruckend. Die I Barocchisti finden gleich zu Beginn den richtigen Tonfall für diese Musik und stimmen den Zuhörer schon gleich in der von Antonio Sartorio komponierten Sinfonia auf die Produktion ein. Die Stimmen von Philippe Jaroussky und der Sopranistin Emöke Barath, die stellenweise etwas weniger charakteristisch klingt, harmonieren hervorragend mit- einander. Für Fans dieses Sängers ein absolutes Muß.
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Johann Sebastian Bach: Messe in h-moll (DVD, Warner)

Der Ort der Produktion, die Notre Dame in Paris, ist immer wieder eine Augenweide. Für das „Ohr“ ist es das Orchestre de Chambre de Paris unter der Leitung von John Nelson, dem ein optimaler Bachklang gelingt und auch die Besetzung für diesen Abend ist handverlesen. Mit Ruth Ziesak steht eine der führenden Lied- und Oratoriensängerinnen auf der Bühne, deren Stimme sich z. B. bestens mit der des Alto Daniel Taylor, der hier in einer Klasse für sich musiziert, mischt. Joyce di Donato erleben wir hier ebenfalls in bestechend  guter Form. Der schon seit Jahren im Liedfach brillierende Dietrich Henschel, zeigt sich auch hier gesanglich von seiner besten Seite. Die Stimmen sind hervorragend aufeinander abgestimmt. Die Matrise Notre-Dame de Paris vermitteln mit ihrer großen Choreinlage, gleich zu Beginn, die richtige Stimmung.
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