Georg Caspar Schürmann: Die getreue Alceste ( CPO )

Unter der Leitung von Ira Hochman zaubert das barockwerk Hamburg einen Klangteppich vom Feinsten; die Sänger werden hier förmlich auf Händen getragen. Katherina Müller ist dank ihres mitreißenden Stimmklanges eine grandiose Cephise. In der gleichen vokalen Liga bewegt sich die Sopranistin Hanna  Zumsande, welche die Titelpartie singt. Sie ist von Anfang an in der Rolle drin und findet den richtigen Tonfall für diese musikalische Stilrichtung. Die Stimme des Tenores Mirko Ludwig  (Licomedas) zeigt zu Beginn noch leichte Probleme für die adäquate Formung der Koloraturen, wird aber von Minute zu Minute besser und bezwingender. Ein ganz großes Lob gilt  dem fabelhaften stimmlichen Einsatz von Andreas Heinemeyer, der auf diese CD die Rollen des Strato und Aeolus interpretiert; gesanglich ist er nahezu perfekt. Wenn er zur Charakterisierung der zwei Figuren unterschiedlichere Klangfarben eingesetzt hätte, wäre es sogar noch besser gewesen. Aber wollen wir jetzt nicht beckmesserisch erscheinen.  Auch Santa Karnites glasklarer Sopran überzeugte als Hyppolite auf dieser CD. In weiteren Rollen runden dieses herrliche Ensemble: Alon Harari als Admetus , Ralf Grobe als Herules und Cleantes und ganz besonders freut es den Verfasser das es Dustin Drosdziok als Pheres auf diese CD Produktion geschafft hat. In diesem Werk wird geliebt, gestorben und wieder auferstanden, so gesehen also alles was eine gute Barockoper ausmacht,  bis hin zum Happy End.

Advertisements
Veröffentlicht unter 02.05.CPO | Kommentar hinterlassen

Wir geniessen die himmlischen Freuden – Windfuhr Werkstatt-Konzerte mit den Symphonikern Hamburg (HfMT, 13.07.2018)

Vorweg gab es eine Einführung zum Hauptwerk des Abends: Mahler 4. Sinfonie, am Klavier klangmalerisch Illustriert von Nicolas Kierdorf. Wenn diese junge Mann am Klavier genauso herausragend ist, wie als Dirigent, dann steht ihm eine ganz große Zukunft bevor. Es gab Musik-Beispiele, kennen Sie jemanden der auch dann noch genial klingt, selbst wenn er gerade zugegeben hat sich verspielt zu haben, bei denen man das Orchester überhaupt nicht vermisste, unglaublich. Geschickt ging er auf die Kernstücke des Werkes ein und wies noch einmal ausdrücklich daraufhin das Mahler sehr genaue Anweisungen gegeben hat, z. B. getragen nicht schleppend. Das sich der Dirigent des Abends, Ulrich Windfuhr bei dieser Einführung außer Hörweite befunden haben muß, davon konnte man sich dann während des Konzertes überzeugen. Es ist das leidige, nicht erst seit Hans Swarovsky bekannte Problem, das Dirigentenausbilder dazu neigen  überdeutlich zu dirigieren. Dieses wirkt sich lähmend aufs Tempo und die Inspiration aus und geht in nahezu allen Fällen zu Lasten der Innenspannung, die an diesem Abend so gut wie nicht existent war. Es war gewissenmaßen die Sinfonie mit den 5 Weckrufen. 5 mal gibt es einen dramatischen Ausbruch im Orchester, der zugegebenermaßen brilliant ausgeformt wurde. Die übrige Zeit badete das Orchester in einem eher einlullenden Wohlklang. Seine Detailverliebtheit bei getragenen, verschleppten Tempi taten dann ihr übrigens, Sergiu Celebidache und der späte Hans Knappertsbusch neigten auch zu getragen Tempi. Das Instrument, bei welchem der Ton am längsten zum Ausschwingen braucht, gibt das richtige Tempo vor, nur dort herrschte eine Innenspannung die einen Raum zu zerplatzen bringen konnte, hier leider nicht. Michaela Kaune sang die Sopranarie akzentuiert, ausdrucksvoll, mit weniger Resonanz in der Tiefe, dafür aber mit einer wunderbaren Höhe und deliziös in der Textausdeutung. Im Schlußteil brauchte sie einen unendlichen Atem, denn die Zeit schien musikalisch betrachtet still zu stehen. Vorweg gab es von Matti Pakkanen (1977) Umbra ( Sonnenflecken;  eine Uraufführung), Hier spielte das Orchester überwiegend Piano oder Pianissimo, bis hin zu einem Mezzosforte. Zum Ende strichen drei Kontrabass-Spieler bei festgehaltenen Seiten (scheint Heut zu Tage en vogue zu sein) um einen weniger angenehm aufs Ohr fallenden hohen Ton im Piano zu erzeugen. Ein interessantes Werk mit Zukunft, das der Verfasser gern einmal wieder hören möchte.

Veröffentlicht unter 03.16. Hochschule für Musik und Theater Hamburg | Kommentar hinterlassen

Konzertexamen von Nivea Renata Alencar De Freitas, Klasse Prof. Marc Tucker (HfMT Hamburg, 12.07.20178)

Dieser Gesangsabend trug den Untertitel: Cuckoo Land – ein Narrativer Liederabend mit Animationsfilm und Multimedia. Als man den Saal betrat waren links und rechts zwei große Leinwände aufgebaut wurden. Die Bühne befand sich zwischen den Leinwänden und mehreren Stuhlreihen die zwischen den Leinwänden links und rechts platziert wurden. Auf dem Fußboden und von der Decke herab hingen Origamivögel, eingerahmt war dieser Liederabend von einem  Zeichentrickfilm über zwei Weltverbesserer, die ein Utopia für Vögel entwerfen wollen und daran scheitern. Grandios Inszeniert von Nivea Freitas – Regie und Drehbuch, Charlotte  Lehr- Video Multimedia, Taizhi Shao  Multimedia Komposition, Ronn Zimmerings Regie, Natalia Freitas – Animationsregie, Johannes Flick- Animation & Animation Koordination, Viktor Stickel und Ali Hashempour – Animation. Unterstützt wurde sie an diesem Abend am Klavier von Jaerim Kim (sensationell) und den Sängern: Lisa Olsen – Mezzosopran, Seungwoo Yang – Tenor und Joris Rubinovas – Bass, neben der Sopranistin das zweite optische Highlight des Abends. Es begann mit einem Quartett, in welchem die Stimmen bestens aufeinander abgestimmt waren. Sie läuteten das Thema des Abends: Chuckoo – Land gesanglich ein. Dann begann der erste Teil: Utopie. Beim ersten Lied“ Auf Flügeln des Gesanges von Felix. Mendelssohn-Bartholdy  wirkte die Stimme noch etwas dünn und unsicher, obgleich die dynamischen Abstufungen hervorragend waren und sie das Lied  gut gestaltete. Auch bei „Kennst du das Land“ von Franz Liszt wollte der Funke noch nicht so richtig rüber springen, auch wenn sie das Lied vom Ausdruck, der Gestik und mimisch großartig gestaltete, hatte man das Gefühl, die Stimme wollte dem Gestaltungswillen noch nicht so ganz folgen. Ab „L’Invitation au Voyage“ von Henri Dupar, ging es raketen gleich kerzengerade nach oben. Gefühlvoll, berührend, sehr differenziert, ausdrucksstark, deliziös zelebriert. „L’ombre des Arbres von Claude Debussy gelang wesentlich ausdrucksstärker als noch bei den vorangegangenen deutschen Liedern. Im französischen Fach fühlte sie sich hörbar sicherer, fast wie zu Hause. Hier setzte sie auch eine dunklerer Klangfarbe ein. „Il Vole“ aus Fiancailles pour Rire wurde akzentuiert, gefühlvoll und emotional vorgetragen. Eva dell Aquas “ Villanelle wurde mit sehr viel Charme, einem großartigen Einfühlungsvermögen, mit brilliant ausgeformten Koloraturen, es waren die der Lucia aus Donizettis Lucia di Lammermoor, interpretiert. Im zweiter Teil: Eutopie kamen  schwerpunktmäßig Lieder von Walter Braunfels, der unter anderem die Oper die Vögel komponierte zum Tragen. Der Zeisig wurde sehr gefühlvoll, der Wiedhopf sehr rhythmisch, prägnant, gesungen. Königlein – Zaunkönig dagegen eher keck vorgetragen, Torteltaub klang dagegen eher melancholisch angehaucht, bei die Bachstelz kam ihr unglaublicher Charme und auch ihre humoristische Seite zum Tragen und die abschließenden Nachtigall wurde getragen interpretiert. Hier kam der reizvolle Klang ihrer Stimme besonders gut zum Tragen. Die darzustellen Vögel wurden ihr als Origami Figuren abwechselnd von Lisa Olsen und Joris Rubinovas gereicht. „Si mes vers avainent des ailes“ von Reynaldo Hahn wurde getragen und sehr  gefühlvoll ausgedeutet, die Höhe wurde geradezu liebkost. „Spring“ und „Winter“ aus den Six Elizabethan Songs von Dominick  Argento wurden hervorragend ausmodelliert. „Voici que les Printemps“ von Claude Debussy  erklang gefühlvoll, mit großartigen Koloraturen, während „Chinois“ ebenfalls von Claude Debussy eher pointiert ausgeformt wurde. Un Cygne“ von Samuel Barber sang sie akzentuiert, gefühlvoll mit einer guten Text  ausdeutung. Bei „L’Oiseau bleu von Louis Beydts wurde der melancholische Charakter der Musik, bezwingend herausgearbeitet. Eine sehr  verinnerlichte Interpretation. Es folgte innehalb von: Parabasis  „Les chants des Oiseaux“ von Clement Janequin mit nuanciert ausgeformten Text. Schlichtweg  grandiosen, die Höhe in den Pianopassagen. Nach einer Quartetteinlage, mitreißend interpretiert, der letzte Teil: Dystopie.  Die drei dort enthaltenen Lieder von Samuel Barber: „Sea- snatch“, „The praises of God“ und „Départ“ wurden in der Reihenfolge, etwas Hektisch (1),  melancholisch (2),  deliziös ausgedeutet (3), gesungen. Als Zugabe gab sie ein brasilianisches Volkslied über einen schwarzen Vogel. Grandios wie sie hier den  Text goutierte. Dennoch muß der Verfasser hier an zwei Punkten kritisch werden. 1. Wer hat dieses unvorteilhafte Kleid von Lisa Olsen ausgesucht. Unfassbar, sie wirkte in diesem kurzen und kastenförmig geschnittenen Kleid quadratisch, praktisch, gut. 2. Wer hat für diesen gut aussehenden jungen Mann ( Jaris Rubinovas). selbst wenn diese Hose da nichts mehr ruinieren konnte, muß es dennoch erwähnt werden, diese katastrophal sitzende Chino  ausgesucht. Da hätte man auch gleich an einen Jütesack den Hosenträger festnähen können. Gab es diese nicht mehr in 31/34, sie hätte sicherlich besser gepasst.

Veröffentlicht unter 03.16. Hochschule für Musik und Theater Hamburg | Kommentar hinterlassen

Masterprüfung von Inhwa Hong, Klasse Prof. Sebastian Schmidt (HfMT Hamburg, 11.07.2018)

Kurz zusammengefasst:  Ein sensationeller Abend. Hindemiths Sonate für Violine und Klavier Es Dur op. 11 No. 1  wurde im ersten Satz von Inhwa Hong rhythmisch, pointiert gespielt. Als Kontrast gab es dann diese lyrischen,  gefühlvollen Passagen, die in ihrer eleganten Ausführung das Publikum verzauberten. Im zweiten Satz dann dieses berührende Entré, fabelhaft diese dynamischen Abstufungen im Piani, gekrönt von einem wundervollem Schlußton. Bernhard Fograscher wuchs an diesem Abend über sich hinaus, diesen zarten, perlenden Ton und auch diese feinsinnigen dynamischen Abstufungen sowohl im Forte wie auch im Piano hatte der Verfasser bei den zuletzt besprochenen Konzerten etwas vermisst. Es  folgte das Chaconne, Partita No. 2 BWV 1004 von J. S. Bach. Wesentlich besser gespielt als es der Verfasser an manch anderen Abenden bei Werken dieses Komponisten erleben durfte, und dennoch traten auch bei ihr die üblichen Probleme bei den Übergängen, im Mittelteil und zum Ende hin eher weniger, zu tage. Zarte Piani, wunderbar in den dynamischen Abstufungen, deliziös wie die virtuosen Laufpassagen ausgeformt wurden und auch die Triller wurden gut ausgeformt. Großartig die Variationen bei der Intention während der Wiederholungen. Auch wenn die expressiven Phrasen gut gespielt wurden, waren sie noch nicht so ganz optimal in der Ausformung.  Bei der Sonate für Violine und Klavier c-Moll op. 45 No. 3 von Edvard Grieg gab es im ersten Satz ein energisches Entré, mit einem wunderschönen dunklen Ton, schönes Vibrato, und diese wundervollen Piani in denen die dynamischen Abstufungen geradezu zelebriert wurden. Im zweiten Satz dieses bestechend gefühlvolle Entré des Klaviere. Ihwa Hong bot eine bestechende, gefühlvolle, grandiose zarte Höhe und wunderschöne Triller. Im dritten Satz dann dieser ausdrucksstarke Schluß, diese Virtuosität und diese gefühlvollen Triller, unglaublich. Nach der Pause die Sonate für Violine und Klavier G-Dur op. 30 Nr. 8 von Ludwig van Beethoven. Ein grandioses Entré, schwungvoll , energisch aber aber gefühlvoll, ausdrucksstark, die virtuosen Passagen wurde auszieseliert, die Triller gut ausgeformt und dann diese bestechenden dynamischen Abstufungen, während des ersten Satzes.  Im zweiten Satz dann dieser runde, dunkle Ton und diese mitreißende Eleganz in der Ausführung. Im dritten Satz bestach ihre rhythmische Brillianz, und ihre großartigen ausgeformten Triller.  Bei der Carmen Fantasy von Pablo de Sarasate verließ sie dann leider ein wenig die Kondition. Nicht alle Töne wollten mehr so gelingen, wie es gewollt war. Dennoch Temporückungen und eine eigenständige Interpretation bei manchen Variationen zum musikalischen Thema waren schlichtweg phantastisch. Ihre Interpretation war rassig, es gab zarte Nuancen und einen hoch virtuosen Schluß, einfach atemberaubend. Hinzu kommt das die junge Dame über eine enorme Bühnenausstrahlung verfügt. Hier kündigt sich eine vielversprechendes junges Talent an.

 

Veröffentlicht unter 03.16. Hochschule für Musik und Theater Hamburg | Kommentar hinterlassen

Masterprüfung von Nikolai Walderhaug, Klasse Prof. Anna-Kreetta Gribajcevic (HfMT Hamburg, 10.07.2018)

Dieser Abend ist signifikant für das Interesse des Verfasser Konzerte an der HfMT in Hamburg zu besuchen. Dieser verdeutlicht die Bedeutung  musikalischer Hochschulen. Hier können Verbindungen entstehen, die für die Zukunft der klassischen Musik von immenser Bedeutung sein können, da hier zwei Zweige aufeinander treffen. Zum einen  die Instrumentalisten, Sänger und Dirigenten und zum anderen die Komponisten. Hier können Verbindungen entstehen, die weitreichende Zusammenarbeiten sichern. Hier treffen Komponisten auf junge aufgeschlossene Musiker, die bereit sind ihre Werke aufzuführen, bzw. zusammen mit ihnen neue Werke zu erarbeiten und jungen Musiker bekommen die Gelegenheit neues Notenmaterial vorzustellen. Sie treffen diese auf Komponisten, die ihr Können ein schätzen und sie somit in ihren Werken im bestmöglichen musikalischen Licht erstrahlen zu lassen. Wovon man sich an diesem Abend überzeugen konnte, aber dazu später. Hier entstehen Verbindung die ein Leben lang halten können und somit den Fortbestand der Klassik als eine Musik, die in der heutigen Zeit noch etwas zu sagen hat, von elementarer Bedeutung sein kann, sozusagen ihre Legitimation erhält, sichert. Nirgendwo bekommt man die Chance innerhalb kürzester Zeit so viele Uraufführungen bzw. neue Musik zu erleben, wie an diesen Hochschulen. Ob dabei alles von bleibender Qualität ist, ist irrelevant. Viel wichtiger ist, das in diese Richtung überhaupt etwas getan wird, um neue Klangwelten einem interessierten Publikum näher zu bringen. Die Musikhochschulen kann man gewissermaßen das Laboratorium ansehen, in dem die Zukunft zusammen gemixt wird. Die Symbiose aus ausführenden und schaffenden Künstlern entsteht hier. Hier wird verdeutlicht, das weder die Oper noch das Konzert als Museum anzusehen sind, sondern ein sich immer wieder neu erfindender, fortlaufender Kosmos ist, dessen Ende, also wohin es sich immer wieder aufs neue weiterentwickeln wird, noch nicht festgeschrieben worden ist. Das ist, was moderne klassische Musik für aufgeschlossene Menschen so interessant macht.

Die Komponistin  Minzuo Lu und Nikolai Walderhaug kannten sich schon vorher, sie schlug vor, er könne sie doch nach Shanghai begleiten und er folgte ihr. Im Hamburg schließlich führte er ihr Werk ‚“Bahn“ auf. Ein Werk für Viola, das überwiegend Töne reproduziert die während einer Bahnfahrt entstehen.  In Hamburg traf Nikolai Walderhaug dann, während eines Seminares über György Ligeti auf den jungen Komponisten Martin Donoson Vera und nach  etlichen Stunden gemeinsamen Musik hörens und diskutierens fanden beide eine gemeinsame Basis und er bat ihn für sein Prüfungskonzert eine Komposition zu erschaffen: Loco, Repentino y Cambiante ..Casi Fantaseando. Ein Stück zwischen modernen und melodischen Klängen mit einem Improvisationsteil. Beide Komponisten waren an diesem Abend persönlich zugegen. Beendet wurde der Abend mit der Sonate für Viola und Klavier von Rebecca Clarke. Energisch im Entré und die Übergänge wurden sehr gefühlvoll gespielt. Ein eleganter anmutender, warmer Ton, ein rauer energischer musikalischer Zugriff, welche für eine enorme Innenspannung sorgte, damit konnte Nikolai Walderhaug seine Zuhörer in seine  Bann ziehen.  Ein Musiker dessen große Zukunft der Verfasser nach seinem momentanen spieltechnischen Können in der  Moderne sieht. Sein Spielstil fußt auf dieser Technik, diese dann aber auch auf die klassischen Werke anzuwenden, das immer wieder erneute ansetze, entpuppte sich leider vom Klangbild her dann als weniger ergiebig. Was in der moderne zu 100 Prozent aufging, stand ihm dann, wie man im ersten Teil erkennen mußte, ein wenig im Wege. Dort kommt es auf einen eher flüssigen Spielstil. Es begann mit Carl Philippe Emanuel Bach  und der Gambensonate Wq. 137, die trotz gefühlvoller Triller, einem eleganten, warmer Ton im ersten Satz etwas akzentuierter hätte gespielt werden können. Der zweite Satz wurde dann virtuoser, leider aber auch nicht akzentuierter interpretiert. Manche Noten wirkten etwas verschwommen und es fehlte nahezu jegliche Innenspannung. Auch die Interaktion mit Isolde Kittel-Zerer am Cembalo hätte etwas harmonischer ausfallen können. Bei der Sonate für Violoncello und Klavier, in einer Bearbeitung seines vorherigen Lehrers Lars Anders Tomter, von Edvard Grieg, konnte man spüren, das dem gebürtigen Osloer das spielen dieser Komposition, an diesem Abend, sehr wichtig war. Leider war auch hier, trotz seines teilweise sehr energischen Spiels von einer gewisse Innenspannung eher weniger zu spüren gewesen. Die Übergänge wurde gut ausgeführt, in den virtuosen Passagen waren aber leider kaum dynamischen Abstufungen hörbar gewesen, es klang einfach alles zu ähnlich. Hier müßte noch etwas an der Feinjustierung gearbeitet werden.

Veröffentlicht unter 03.16. Hochschule für Musik und Theater Hamburg | Kommentar hinterlassen

Masterprüfung Joel Vuik, Klasse Prof. Jörn Döpfer (HfMT Hamburg, 09.07.2018)

Ein hervorragend durchgestalteter Abend mit Arien, Liedern und drei kurzen Rezensionen aus Gedichten in französisch, deutsch und niederländisch. Der Abend begann mit „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert, wobei er die Stimme des Mädchen mit seiner Countertenor Stimme und die des Todes mit seiner „normalen“ Sprechstimme sang.  Phantastisch in der Phrasierung und hervorragend in der Artikulation.  Die drei nachfolgenden Lieder von Gabriel Faure: „Nell“, Nocturne“ und “ Automne“, ersteres bestach durch seine einzigartige Art einen Text exquisite zu goutieren, im zweiten wurde der Text gefühlvoll auszuzieselieren und beim dritte konnte er die besondere Charakteristik seiner Stimme einsetzen um in den dynamischen Abstufungen feinste Nuancen zu setzen.  Der Choral „Oraison Dominicale“ von Jan Pieterszoon Sweenlinck wurde von Joel Vuik, Dustin Drosdziok ( gut durchgebildete Stimme, gute Schallkraft, Verzierungen werden gut ausgeführt) und David Csizmar (Bariton) acapella, sehr variationsreich in den Verzierungen, blendet ausgedeutet. Es folgte die Arie „Es ist vollbracht“ aus der Johannes Passion von J. S. Bach. Der Verfasser besprach auf dieser Seite schon die Interpretation von Matthias Dähling, beide Unterscheiden sich dahingehend, das die Interpretation von Joel Vuik einen etwas maskulineren Touch hatte und eher weltlich denn sakral gesungen wurde. Bestechend auch die individuellen Verzierungen, die dieser Arie eine ganz besondere Note verliehen. Grandios wie es ihm gelang die Gefühlswelt  Orlando Furioso in der Arie „Nell Profondo, cieco mondo“, ein ganz besonderes Gesicht zu verleihen. Bei der Arie des Saul „O Lord, whose mercies numberless“, an der Therobe begleitet von Johann Jacob Nissen, bekam durch diese sehr intime, gefühlvolle Interpretation, ebenfalls eine ganz besondere Note. In der virtuosen Arie“ Al lampa dell’armi“ aus Cesare von G. F. Händel, an der Violine hervorragende begleitet von Jazeps Jermolovs, wurde wie schon zuvor die  Vivaldi Arie ein Meisterstück an expressiver Gesangsdarstellung. Überaus gefühlvoll dann die beiden Purcell Lieder „Sweeter than roses“ und „O solitude, my sweetest choice“. Ersteres bestach durch seinen ganz besonderen Charme, einer Liebeserklärung und letzteres durch einen berührenden Tonfall. Bei „An Chloris“ von Reynaldo Hahn riss einen die besonders sanft geflutete Höhe aus dem Gestühl  und beim Erlkönig von Franz Schubert seine ganz spezielle Art den vier Charakteren mit gesanglichen Mitteln ein individuelles Gesicht zu geben. Schon in einem Abend zuvor gelang Matthias Dähling eine ebensolche überragende Leistung. Während Joel Vuik bei den Lieder meisterhaft von Noboe Ito am Klavier begleitet wurde, wurde er bei den Arien von Ira Hofmann am Cembalo und an der Orgel (hervorragend), Jazeps Jermolovs / Hannah Gasbor an der Violine, Matthias Dähling an der Bratsche und Johannes Turkat am Violoncello als hervorragend aufeinander abgestimmtes  Ensemble begleitetet. Als Zugabe gab es zum einen „Bless the Trumpet“ von Purcell ein phänomenales Duett, wobei die Stimme von Joel Vuik und Matthias Dähling perfekt aufeinander abgestimmt waren. Beiden hätten man gern noch länger zugehört. Hier wurde ein Hörgenuß hoch drei zelebriert. Als letzte Zugabe dann „Take those Lips Away“, grandios in der Textausdeutung. Ein phänomenaler Abend. Was Matthias Dähling von Joel Vuik in der Vermittlung dieser Gesangskunst unterscheidet ist, das ersterer mit feinerem Pinselstrichen klangmalerisch tätig wird, während  zweiterer eher extrovertierter, man könnte auch sagen etwas plakativer die Gefühlswelten der von ihm darzustellenden Rollen vermittelt.

Veröffentlicht unter 03.16. Hochschule für Musik und Theater Hamburg | Kommentar hinterlassen

Masterprüfung von Ana Carolina Coutinho, Klasse Prof. Mark Tucker (HfMT Hamburg, 09.07.2018)

Der Abend stand unter dem Motte: Gestern: Tous, dans ses charmes, est dangereux. Begonnen wurde der Abend mit der Arie „Soleil fuis des ces lieux“ aus Platée von J . P. Rameau: Hier bestach sich mit einem guten Ausdruck, einer dezidierte Textausformung und gut ausgeformten Koloraturen. Es folgten zwei Recitative und Arien aus  Second livre des cantates von Michael Pignolet de Monteclair. Zuerst „L’Astre du jour“: Elegant und berückend interpretiert, da diese sehr ausdrucksvoll, gut im Rhythmus, einer guten Artikulation und ebenfalls mit gut ausgeformten Koloraturen, gestaltet wurde. Bei „Deja Syrinx parcourait l’Erimanthe“ wurde das Rezitative besonders gut gestaltet. Die Übergänge wurden sehr gefühlvoll mit einer eingedunkelten Stimme gesungen. Dadurch wurde die Melancholie in dieser Arie gut herausgearbeitet. Ferner setzte sie feine Nuancen und mit einem wunderschönen Triller klang diese Arie aus. Hierbei wurde sie von Ira Hochmann am Cembalo (phantastisch), Sarah Small an der Gambe und Helena Knapp an der Violine hervorragend begleitet. Bei den anschließenden Liedern wechselten sich am Mengwen Ma, Mosche Landsberg und Megumi Kuroda am Klavier ab. Bei den Quatre chansons de jeunesse bestach „Pantomime“ durch eine silbrige Höhe, eine pointierte Interpretation und durch gut herausgearbeitete humoristischen Elemente. Es gab ferner wunderbare Melodiebögen und hervorragend ausgeformte Verzierungen. „Clair de lune“ gelang überaus gefühlvoll, Pierrot wurde sehr akzentuiert und mit einer guten Höhe umgesetzt, während „Apparition“ durch eine akzentuierte Textausformung, in welcher der Text beinahe goutiert wurde, einer brilliante Höhe und wunderbaren dynamischen Abstufungen im Piano, zu überzeugen verstand. Die beiden Schumann Lieder „Reich mir die Hand“ wurde mit gutem Ausdruck gesungen, während „Die letzten Blumen starben“ überaus berührend interpretier wurde und mit einem herrlichen Piano ausklang. Bei den R. Strauss Liedern „Kornblumen“ bestach vor allem die berückend schöne Höhe, während  „Wasserrosen“ mit einer eleganten Höhe, gut ausgeformt wurde. Es gab nur leider leichte rhythmische Probleme. Bei den beiden Mörike Liedern von Hugo Wolf, wurde das 1. „Agnes“, was die melancholische Stimmung anbelangt gut umgesetzt, das zweite „Im Frühling“, mit einem berückenden Schluß gekrönt. Hier wurde zu dem die Stimmung dieses Liedes gut herausgearbeitet. Es folgte eine kleine Pause. Nach der Pause dann Fernando Obradors. „Coplas de curro dolce“ in welchem die Verzierungen mirakulös goutiert wurden. Die Komposition wurde eher  expressive gesungen und es gab als I Tüpfelchen sogar noch eine kleine Tanzeinlage. Bei Mozart „Alcandro, lo confesso..“ wollten die Verzierungen leider nicht so recht glücken, dafür wurde die Arie pointiert und ausdrucksstark  gesungen. Mit der Arie „Viola  quebrada“ von Villa-Lobos  im Duett mit Aditi Smeets (die mit ihren einmaligen Charme es einmal mehr Verstand zu punkten) gelang beiden eine gefühlvolle gesangliche Interpretation. Beide Stimmen waren perfekt aufeinander abgestimmt gewesen. Als Zugabe dann eine Komposition von Claudio Santoro, ebenfalls berührend interpretiert. In naher Zukunft sieht der Verfasser sie vor allem in Rollen wie Susanna, Sophie, Zdenka und Pamina.

 

 

 

Veröffentlicht unter 03.16. Hochschule für Musik und Theater Hamburg | Kommentar hinterlassen