Robert Kahn: Cello Sonatas (CPO)

Mit angerautem, warmen Celloton (Torleif Thedéen) und weicherem, perlendem Klavierton (Oliver Treindl) interpretieren beide, bestens aufeinander abgestimmt, was die Tonbalance anbelangt, die Sonate No. 1 op. 37 von Robert Kahn (1865-1951) Melodisch, Tiefsinnig, der Romantik entlehnt, obgleich seine Musik schon zu Lebzeiten  verglichen damit der von Richard Strauss, Arnold Schönberg. Cal Nielsson, Jean Sibelius, Igor Stravinsky alles andere als zeitgenössisch, sondern eher „rückwärtsgewand“ anmutet. Hierin mag auch der Grund zu suchen sein, warum seine Werke nachdem 2. Weltkrieg für eine Wiederentdeckung eher weniger Interessant zu sein schienen. Obgleich, wenn man sich mit seiner Tonsprache näher auseinandersetzt, so ist diese, wenn auch nicht modern, so doch eigenständig, und spannungsgeladen. Erstaunlich, wie es daher über Jahre hinweg zu dieser Fehleinschätzung und zur Verkennung eines großen musikalischen Talentes kommen konnte, so  das dieser Cello Sonate, ebenso wie der 2. Sonate, bisher noch der Einzug ins festen Repertoire verwehrt blieb. Mit dieser Produktion jedoch stehen die Chancen außerordentlich gut, das sich dieses nun ändern könnte. Die „Romanze“ der „Three pieces“, gelingt berührend und gefühlvoll, rhythmisch pointiert das „Capriccio“ und dann diese dramatische Intensität im „Allegro“, phantastisch Abschließend dann die  Sonate No. 2, bestechend dieser wundervolle, gefühlvolle 2. Satz und auch die virtuoseren Passagen werden von beiden gefühlvoll ausziseliert. Es wurde höchste Zeit, das diese Werke wieder einem breiterem Publikum zugänglich gemacht wurden, vielen Dank dafür.

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Josef Holbrooke: Symphonic Poems III – Symphony No.3 -(CPO)

Die sinfonische Dichtung „The birds of Rihanna“ beginnt mit einem gefühlvollen Bläser Intro. Der Deutschen Radio Philharmonie Saarbrücken Kaisersleutern unter der Leitung von Howard Griffiths gelingt hier auf meisterhafte Art und Weise ein Spagat zwischen düsteren, leise, bedrohlich wirkenden  und eher heiteren Sequenzen, eine großartige Werkausdeutung. Bei den Variationen von „The girl I left behind“ gelingt es Howard Griffiths jedem dieser Abschnitt, mal heitere, mal dramatischere Variationen, einen eigenständigen Klangcharakter zu verleihen. Hervorragend auch seine Ausdeutung der Sinfonie Nr. 3. Diese CD ist musikalisch betrachtet ein ganz großer Wurf, um so unverständlicher das diese Werke nicht zum alltäglichen Konzertrepertoire zählen. Eine CD, die man gehört haben sollte.

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Johann Sebastian Bach: Johannes Passion – Hans Joachim Rotzsch (Sony)

Die Produktion stammt aus dem Jahre 1976 und wurde jetzt von der Sony neu aufgelegt.  Wir hören den Thomanerchor Leipzig und das Gewandhausorchester unter der Leitung von Hans-Joachim Rotzsch mit einem runden, vollen Orchesterklang und einen differenziert klingenden Thomanerchor,  leider nur verglichen mit dem, was sie orchestral und auch vom Chorklang aus der Nikolai Kirche in Hamburg gewohnt ist, fehlt es hier empfindlich an Innenspannung. Schon der Eingangschor „Herr..“ mutet etwas Blutleer an. Die Solisten hingegen sind Handverlesen, wir erleben die leider viel zu früh verstorbene Arleen Auger in einer ihrer besten Aufnahmen, grandios mit wie viel Feingefühl und stimmlicher Imbrunst sie ihre Arien ausformt. Peter Schreier besticht mit seinem helltimbrierten Tenor und seiner fesselnden, einfühlsamen Interpretation. Armin Ude (Tenor) und Siegfried Lorenz (Bariton) könnten etwas eloquenter klingen. Heidi Rieß Alt überzeugt durch ihre Interpretation. Theo Adam hören wir als Jesus in einer seiner besten Rollen. Eine solide Aufnahme mit einem kompetenten Dirigenten.

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Maarten Engeltjes: Bach – Forgotten Arias – (Sony)

Nein auf dieser CD finden sie keine verschollen Schätze noch nie gehörte Arien von Johann Sebastian Bach, wohl aber weniger zu Gehör gebrachte, als da wären: „Wohl euch ihr auserwählten Seelen“, „Ach schläfrig Seele wie“, „Wo zwei und drei versammelt sind“ oder auch „Jesus schläft, was soll ich hoffen“, aufgelockert durch die sinfonischen Werke BWV 42/1 und BWV 21/1. Begleitet wird er dabei vom PRJCT Amsterdam, Josef Zak (Violine) und Tatjana Zimre (Oboe), unter einer Leitung. Der Orchesterklang ist kompetent und musikalisch ausgefeilt mit Sinn für musikalische Details. Leider nur bleibt hier ein wenig die Innenspannung auf der Strecke. Dennoch musikalisch bleiben, was die gesangliche Ausführung anbelangt, bei diesem außergewöhnlichen Countertenor, keine Wünsche offen. Die Arien werden differenziert und feinsinnig ausgeformt, mit einem individuellen Tonfall für jede einzelne dieser musikalischen Meisterwerke.

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Benedikt Kristjansson – Drang in die Ferne – Schuberlieder & Volkslieder aus Island (Genuin)

Mit der unter Vertragnahme des isländische Tenors Benedikt Kristjansson ist dem Genuin Verlag ein ganz großer Wurf gelungen. Dieser junge Sänger besitzt alles was ein Künstler heutzutage braucht um Erfolg zu haben, eine charismatische Ausstrahlung, eine Stimme mit hohem Wiedererkennungswert, musikalisches Fingerspitzengefühl und vor allem sängerisches Talent. Mit allem scheint dieser junge Mann im Überfluss gesegnet worden zu sein. Einfühlsam am Klavier wird er begleitet von Alexander Schmitz und am Horn von Tillmann Höfs. Ihm ist mit dieser CD eine Aufnahme gelungen, die für Aufmerksamkeit sorgen wird. Geschickt versteht er es hier das musikalische Liedschaffen Franz Schuberts mit isländischen Volkslieder zu verknüpfen. Wir hören so bekannte Lieder wie „Der Wanderer an den Mond“, „Der Schiffer“, „Der Neugierige“, „Erstarrung“, „Der Jüngling an der Quelle“ und „Die böse Farbe“, immer wieder aufgelockert durch, Volkslieder wie „Tunga min vertu treg ei a“, „Vögguvisa“ oder auch „Bastjarnan“. Wobei er jedes Lied deliziös ausformt und ihm dabei eine eigene, individuellen Klangfarbe verleiht. Eine CD die je länger man sie hört, desto begeisterter ist man von dieser. An dieser Lieder CD sollte kein Weg vorbeiführen, sie stellt für den Verfasser ein absolutes muß dar.

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Gioacchino Rossini: Il barbiere de seviglia (Allee Theater in Altona, 19.05.2019)

Bei dieser konzertanten Aufführung in italienischer Sprache, saßen neben den Solisten auch das Orchester der HFMT auf der Bühne. Die Kommentare des Moderators Lutz Hoffmann bremsten den eh schon teilweise lähmenden Orchesterklang zusätzlich aus. Es war, als würde der Dirigent Ulrich Windfuhr seinen Ferrari, in diesem Falle das Orchester der Musikhochschule Hamburg mit angezogener Handbremse über die Autobahn „jagen“. So mutierte die Gewittermusik zu einem – Zitat aus der Arie des Don Basilio- („Die Verleumdung ist ein)—Lüftchen“. Ärgerlich bei einem im Großen und Ganzen stimmigen Rossiniklang. Das viele dieser jungen Musiker ( Yu-Hsuan Chien, Jeehoon Park, Aaren Aning, Malte Buschenlange) mehr können, davon konnte sich der Verfasser während der letzten Monate und Jahre selbst überzeugen. Durch die teilweise etwas albern anmutenden Kommentare  wurde der Zuhörer immer wieder aus der Oper herausgerissen,  was sich als eher kontraproduktiv erwies. Erkki Louko, (erste Geige ) verstand es immer wieder mit seiner charmanten Ausstrahlung zu Punkten. Insgesamt rissen die hervorragenden Sänger/innen hingegen alles raus. Milena Juhl, tolle Ausstrahlung, bot stimmlich eine solide Leistung; die Arie der Berta wurde gut gesungen. Joshua Morris als Fiorillo (eigentlich eine Tenorrolle, was bei soviel Sexappeal und musikalischem Talent irrelevant wurde) verkörperte und sang diese sehr überzeugend. Die Rolle des Don Basilio formte er deliziös aus, sowohl gesanglich wie auch darstellerisch bestach seine umwerfenden Komik. Junggeon Choi war als Dr. Bartolo sensationell; die Art wie er seine Stimme verwandeln konnte, auch als er den Grafen imitierte, grandios; auch darstellerisch unschlagbar, ein ganz großes Talent. Joan Ribalte als Graf Almaviva , zu Beginn keine Höhe, Koloraturen kamen nicht und es gab stellenweise rhythmische Probleme im ersten Teil. Erst nach der Pause funktionierte die Stimme in der Höhe. Hussain Atfahj als Figaro, deliziös formte er die erste Arie aus, auch später setzte er immer wieder feinsinnige, musikalische Akzente- im Forte wie auch im Pianissimo: grandios. Claire Austin gestaltete eine schlüssige Rosina, charmant gesungen und präsentiert, mit toller Mimik. Ihr Kleid hingegen erinnerte ein wenig an Muttis Wohnzimmergardinen.  Ein gelungener Abend, gesanglich allemal!

Veröffentlicht unter 04.09. Allee Theater, Hamburg - Altona | Kommentar hinterlassen

Philipp Maintz: Thérése – Deutsche Erstaufführung – (Hamburgische Staatsoper, 18.05.2019)

Bereits am 14.04.2019 fand die Uraufführung des als Kompositionsauftrag von der Staatsoper Hamburg und den Osterfestspielen Salzburg in Auftrag gegebenen Werkes, in Salzburg statt. In Noten gesetzt hat es der deutsche Komponist Philipp Maintz (Jhg. 1977).  Das Libretto von Otto Katzameier – singt auch die Partie des Laurent ! –  beruht auf der Romanvorlage Thérése Raquin von Emile Zola, die mit ihrem Mann und dessen Mutter in einer über einem Geschäft gelegenen Wohnung lebt. Als dann ein alter Jugendfreund, Laurent, auftaucht, beginnt sie mit ihm eine Affäre. Beide beschließen, ihren Mann umzubringen. doch das „Glück“ hält nicht lange; beide entfremden sich, streiten sich nur noch, sind den Blicken der mittlerweile verstummten Mutter als mahnendes Denkmal ausgesetzt und beschließen schließlich, sich umzubringen. Die Musik ist modern, stellenweise auch etwas melodisch; es gibt Leitmotive. Eine Kammeroper (eher ein Konversationsstück mit Musik) mit vier Protagonisten und einem kleinen Orchester (Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters), das von Nicolas André, dem es auf fabelhafte Weise gelingt, die Partitur zum Klingen zu bringen, geleitet wird. Interessant ist der Einsatz eines Akkordeons, mal als Orchesterinstrument und dann zum Abschluss auf der Bühne  als „Totenmusik“. Die Bühne (Georg Delnon: Regie) besteht aus 5 länglichen Ladentischen, vorn mit Schubladen, vier Stühlen, mit 5 Gemälden, die Wasser zeigen an der Wand, vier Tellern, einer Suppenterrine und zwei Kissen, die das Bett symbolisieren. Eine in sich schlüssige und gelungene Inszenierung des Hausherren der Staatsoper. Renate Behle ist auch noch als verstummte Mutter (Madame Raquin) grandios, darstellerisch einfach fabelhaft durch ihre Bühnenpräsenz und auch gesanglich grandios. Durch ihre dramatische, stimmliche Präsenz und ihrer ergreifenden Darstellung, wie auch ihrer gesanglichen Interpretation, wie es ihr gelingt, die unterschiedlichen, psychologischen Abgründe dieser Rolle darzustellen, ist die Sopranistin Marisol Montalvo in der Rolle der Thérése einfach unglaublich gut und macht  sie zu einer idealen Interpretation für tiefgründige Charakterrollen. Der Countertenor Tim Severin als Camille (Ihr Ehemann, der schon sehr bald sein Leben verliert) bleibt leider stimmlich und darstellerisch etwas schwach und blass. Besser da schon Otto Katzameier als Laurent. Auch ihm gelingt die gesangliche Interpretation des in sich zerrissenen und vom Geist des Toten Heimgesuchten, überzeugend.

Statt in der Hamburgischen Staatsoper entschloss man sich, diese Aufführungsserie in den kleinen Saal der Elbphilharmonie zu verlegen.         Achtung: Gehbehinderte sollten diesen Ort meiden, da diese – wie zu erleben war – allein kaum die Treppen zu ihren Sitzplätzen hinauf-, geschweige denn, herunterkommen können. Beim Verlassen des dunklen, gruftig anmutenden kleinen Saales der Elbphilharmonie staut sich ohnehin alles vor dem einzigen Ausgang. Kein Ort für phobistisch veranlagte Zuschauer!                                      Sven Godenrath, Hamburg

Veröffentlicht unter 04.07 Moderne Opern ( Live und auf CD bzw. DVD) | Kommentar hinterlassen