opera concisa (HfMT; 02.02.2019)

Die Bühne im Forum der HfMT war bis auf einen Tisch, zwei Stühle, ein Klavier und eine Kamera leer. Zu Beginn gab es ein wenig rhythmische Sportgymnastik, hin und wieder wurden Videos der einzelnen Künstler eingeblendet, in welchen diese erklärten, warum sie gern den Beruf eines Opernsängers ergreifen wollen. Schließlich verlaß Sandor de Jong Tips aus einem Buch die wichtig seien, wenn man zu einem Vorsingen geht (Haare aus dem Gesicht, nur für Frauen: ein hübsches Kleid usw.). Nach ca. 20 Minuten begann der musikalische Teil des Abends. Der Tenor Sander de Jong glänzte mit seinen komödiantischen Fähigkeiten in der Stotterarie des Hans aus Smetanas Verkaufter Braut (in deutsch gesungen) Es folgte eine Arie aus Gian Carlo Menottis The old wife and the thief, dramatisch expressive in der Präsentation, die lyrischen Sequenzen wurden zauberhaft herausgearbeitet und gut ausgeformt, gesungen von der Sopranistin Tamara Smyrnovan. Schließlich ein Duett aus Cosi fan Tutte, wobei die beiden Interpretinnen Natalija Valentina und Nora Kazemieh (3. Preis beim diesjährigen Mozart Preis Gesangswettbewerb 2019), mit ihren mobilen Telefonen spielten. Zauberhaft und witzig vorgetragen, wobei die Stimmen beider hervorragend miteinander verschmolzen. Melina Meschkat folgte dann mit der Arie der Dorabella „Smanie implacabile“. Beim ersten Durchgang darstellerisch bezwingend (sie eilte schnell durch den Raum und bestieg einen freien Stuhl in der ersten Reihe), stimmlich überschritt sie dabei leider ihre Möglichkeiten. Beim zweiten Durchgang, charmanter, wärmer gesungen, ruhiger von den Bewegungsabläufen her, hier blieb sie innerhalb ihrer stimmlichen Möglichkeiten, berührend vorgetragen. Beim dritten Durchgang durchsetzten Schluchzer den Gesangsvortrag und sie ging auf halber Strecke ab. Es ging hierbei um die Verdeutlichung der Situation, wenn man sich in einer Zeitschleife befindet, weiß man es und würde man alles genauso machen wie beim Mal zuvor? Es folgte die Mezzosopranistin Dorothea Koch mit der Arie „Hence, Iris Hence“ aus Semele. Leider hier weniger bezwingend vorgetragen als bei einem vorherigen Konzert (24.01.2019 im Fanny Hensel Saal, der Verfasser berichtete), an diesem Abend sang sie die  Arie etwas zu soft und leider war der Klang der Stimme etwas weniger charmant. Dieses ist nicht das Repertoire, das sie zukünftig singen sollte, selbst wenn die Koloraturen, wie auch in diesem Falle, gut ausgeformt wurden. Hayong Ra folgte schließlich mit der Arie „Ach ich fühls“ aus der Zauberflöte, nachdem ihr Liebster, Songyan He, attraktiver junger Mann im sexy Achselshirt, an den Armen etwas tiefer ausgeschnitten, sie gerade verlassen hat. Großartig ausgedeutet, berührend gesungen, deliziös wie sie die Verzierungen ausformte, eine herausragende Interpretation. Wenig später erschien die Überschrift zwei Wochen später und sie wiederholte die Arie, leider beim zweiten Durchgang weniger bezwingend gesungen. Die Mezzosopranistin Qin Zeng sang dann die Arie „Parto, parto“ aus Mozarts La clemenza die Tito, wobei sie in dieser Arie in einem berührenden Dialog mit dem Oboisten Roman Gerbes (einfach umwerfend) eintrat, welcher  seinen Musikpart deliziös und gefühlvoll ausziselierte, eine großartige Leistung. Auf einem ähnlichen hohen Niveau war so etwas zuletzt in der Hamburgischen Staatsoper in einer I Lombardi Aufführung zu erleben gewesen ( der Verfasser berichtete). Qin Zeng formte die Arie wunderbar, gefühlvoll aus und setzte kurz vor Schluß eine berührende Pause, eine großartige Arieninterpretation, die man in dieser Vollendung eher seltener zu Gehör bekommt.  Über den nächsten Vortrag sollte man wohl besser den Mantel des Schweigens ausbreiten, denn  eigentlich ist es  immer wieder eine Freude und eine Bereicherung den junge Tenor Noah Schaul (bitte hierzu die Besprechung aus dem Harburger Rathaus lesen), wie immer eine Augenweide, auf der Bühne zu erleben. An diesem Abend gab er leider seine bisher schlechteste gesangliche Leistung zum Besten. Die Komposition „Maria“,  aus Leonard Bernsteins West-Side Story, es geht hier um die ganz großen Gefühle, auch sollte der Name bei jeder Nennung in seiner Betonung variieren, was leider eher weniger gelang, sang er gleich eines  Boten, der eine Nachricht übermittelt, ohne jeglichen Gefühl.  Es entzieht sich hier leider der Kenntnis der Verfassers, mit wem diese Arie einstudiert wurde. Mit seiner Lehrerin Frau James augenscheinlich nicht, denn der wäre bestimmt aufgefallen, das ein süddeutscher Akzent, weder im gesungenen noch im gesprochenen Englisch, etwas verloren hat.  Zudem hatte der Verfasser das Gefühl, das die ganze Arie auch noch eine Schwebung zu tief gesungen wurde. Am Ende ging er dann ins Falsett, was bei einer guten Interpretation unerheblich gewesen wäre.  Hoffentlich war dieses ein einmaliger Ausrutscher, denn mit seinem Stimmtimbre kann er bei guter Arienauswahl, jeden um den kleinen Finger wickeln . Mit „wir bevölkern die abenddüstern Lauben“ aus Arnold Schönbergs Buch der hängenden Gärter Nr. 15, war Dorothea Koch voll in ihrem Element, ihr gelang  einmal mehr eine bezwingende mitreißende Interpretation. Sandor de Jong und Tamara Smyrnova sangen schließlich aus Beethovens Fidelio das Duett Marzellina, Jacquino, mit einigen Übergrifflichkeiten garniert, gesanglich auf höchstem Niveau. Kommen wir jetzt zur Lieblingsrolle des jungen Tenors Songyan He (endlich ergab sich für den Verfasser die Gelegenheit eines Wiederhörens), der an diesem Abend alles gab. Zu aller erst seine Garderobe bis auf den Slip. Dann stellte er sich vor eine Kamera, schlüpfte in eine enganliegendes goldenes Paillettenkleid, legte etwas roten Lippenstift nach und wählte eine hellrote Langhaarperücke, während er „La donna e mobile“ deliziös und gefühlvoll goutierte. Mit dieser Rolle scheint er voll in seinem Element zu sein, man glaubt ihm jedes Wort. Es folgte schließlich das Quartett „Bella figlia..“ in welchem er Dorothea Koch als Maddalena ( leider gesanglich etwas uncharmant) auf einem Tisch liegend sexuell bedrängte. Hayoung Ra gestaltete eine hinreißende Gilda und Feng Sun gab einen stimmgewaltigen Rigoletto, Songyan He war als Herzog in diese Rolle gesanglich einfach umwerfenden. Leider hört man diese eher seltener so deliziös ausgeformt.  Die Stimmen harmonierten hervorragend mit einander. Im Hintergrund lief dieses Quartett als Stummfilm aus dem Jahre 1927 mit Beniamino Gigli (seine frühen Aufnahmen zeichnen durch seinen hinreißenden Schmelz in der Stimme aus, seine späteren durch ein paar Schluchzer zu viel), Marion Talley, Giuseppe de Luca (schlichtweg grandios), J. Gordon. Tamara Smyrnova gab schließlich eine berührende, großartig ausgeformte Interpretation von „L’altra notte “ aus Boitos Mefistopheles, großartig gesungen, berührend und dramatisch intensive in der gesanglichen Umsetzung.- Kurz vor Schluß versprühten Hyaoung Ra und Lanlan Zhang ihren umwerfenden Charme in der Kartenszene aus Carmen, grandios. Schließlich folgte noch Melina Meschka als Carmen, gefühlvoll und ausdrucksstark interpretierte sie ihre Rolle und dennoch ist dieses nicht die Rolle in der der Verfasser sie sieht. Es gibt etliche Sängerinnen welche diese Rolle auf einem ähnlich hohen Niveau oder besser singen. Die Stärken von Melina Meschkat ( siehe die Besprechung von Da Zwischen) liegen im moderneren Charakterfach, wie sie jüngst mit Britten bewiesen hat, in diesem Fach so scheint es ist diese Sängerin heute kaum zu schlagen, auch dank ihres intensiven Spiels und ihrer Bühnenpräsenz. Zum Ende gab es ca. 30 Sekunden aus der Schlußfuge von Giuseppe Verdis Falstaff. Siegfried Schwab sorgte am Klavier für eine hervorragende einfühlsame Begleitung. Für das Regiekonzept zeichnete sich Jochen Biganzoli verantwortlich. Ein kurzweiliger überaus gelungener Abend, in denen die Herren zumindest von der Optik her, was die Gardrobe anbelangte, irgendwie im Vorteil waren, zumindest bei schlanker Figur.

 

Advertisements
Veröffentlicht unter 03.16. Hochschule für Musik und Theater Hamburg | Kommentar hinterlassen

Mozart Preis für Gesang 2019 (HfMT, 02.02.2019)

Zum 21. Mal wurde der Mozart Preis für Gesang an diesem 02.02.2019 vergeben. Beworben hatten sich dieses Jahr 11 junge Künstler. Den Anfang machte Yuan Chai (Tenor) den der Verfasser auch schon besser erlebt hatte. Leider war das heute nicht sein Tag gewesen. „Wenn der Freude tränen fließen …“ aus Mozarts Entführung aus dem Serail gelang weniger gefühlvoll und auch die Aussprache wollte nicht so ganz glücken. Selbst die Verzierungen wurden nicht adäquat ausgeformt und obendrein klang es auch noch etwas eintönig. Schade, weil dieser junge Tenor mit so reichen stimmlichen Mitteln gesegnet ist und einem, wunderschönen Stimmtimbre. Bei „An Chloe“ konnte er dann endlich seinen Charme voll ausspielen und ihm glückte eine differenzierte mit unterschiedlichen Phrasierungen, wenn es um den gleichen Wortlaut ging, gespickte, mitreißende Interpretation. Der Tenor Dustin Drosdziok startete sein Programm mit der Arie „Della sua pace“, gefühlvoll in der Betonung, hervorragend ausgeformt, die Übergänge vom Mezzoforte ins Forte könnten noch etwas eleganter und weniger abrupt erfolgen. Bei „Warnung“ gelang es ihm sein komödiantisches Talent voll auszuspielen, dieses Lied wurde pointiert und mit sehr viel Charme vorgetragen. Der Sopranistin Yukine Kawase’s gelang es nicht nur durch ihren von dramatischer Intensität geprägter Vortrag von „Als Luise die Briefe… zu bestechen, sondern punktete zu dem auch noch mit ihrem Charme und dem schön ausgeformten Text. Bei der Pamina Arie „Ach ich fühls“ gab es so kleine Schwierigkeiten  bei der Textausformung in der Höhe, die zu dem bedauerlicherweise auch etwas weniger charmant gelingen wollte. Der Text wurde überwiegend gut ausgeformt, der Gesichtsausdruck wirkte stellenweise leider etwas übertrieben, hier darf sie sich gern etwas dezenter ausdrücken. Die Mezzosopranistin Nora Kazemieh bestach durch eine bravourös ausgeformte Interpretation der Arie „Parto, parto““ aus La Clemenza di Tito, mit herrlichen dynamischen Abstufungen, hervorragenden ausgeformten Verzierungen, die überaus geschmackvoll ausziseliert wurden und durch ihren Charme und ihrer Wärme in der Stimme. Als zweites gab es dann „Abendempfindung, berückend, berührend, mit viel Charme vorgetragen, hervorragend und akzentuiert interpretiert. Sie fand für beide Kompositionen eine individuellen Tonfall, schlichtweg grandios. Shu Lin bestach durch ihre einzigartige Bühnenpräsenz bei der Arie der Elettra „Tutte nel cor..“, dramatisch expressive gesungen, großartige Textinterpretation und eine schlüssige Charakterisierung. Weniger Überzeugend dann leider ihr „Laudamus te“ aus der Messe in C. Trotz ihres überwältigenden Charmes gelang es ihr leider nicht, ihr weniger ausgeprägtes Talent für das richtige Ausformen von Koloraturen zu kaschieren, hier ist noch etwas zu tun. Immer wenn die Sopranstin Naré Petrosyan Mozart Alleluja singt erscheinen ihre Koloraturen eine Spur zu überhastet. Hier müßte mehr Ruhe in den gesanglichen Vortrag einfließen und auch von Seiten des Pianisten das Tempo entschieden gedrosselt werden, um der jungen Dame mehr Zeit zum ausformen der Koloraturen zu geben. Ihr Auftritt und ihr Kleid waren wie immer atemberaubend, jetzt müßte nur noch der Funke beim singen rüber springen. Dieses gelang ihr dann mit ihrer zweiten Arie „Deh vieni son… “ aus Le Nozze de Figaro von Wolfgang A. Mozart. Gefühlvoll, mit viel Charme, einem betörenden Stimmtimbre und einem deliziös ausgeformten Text. Augenscheinlich kommt der spezielle Charme ihrer Stimme in getragener Musik besser zum Tragen. Joris Rubinovas riss dann mal wieder allen aus dem Gestühl, mit seiner Bühnenpräsenz, seinem unvergleichlichen Charme und seiner Art mit der Musik und mit dem Publikum zu spielen. Auch an diesem Tage hatte er der Arie „Oh wie will ich triumphieren,“ein bisher noch nicht gehörte Komponente angedeihen lassen, eine gelungene gut ausgeformte Koloraturkette, grandios. Ebenso so atemberaubend auch seine Interpretation der Arie des Dr. Bartolo „La vendetta“ wo er es einmal mehr Verstand mit graziler Eleganz die humoristischen Effekte auszuformen. Aditi Smeets bestach mit der Haydn Arie “ Don fu to“ aus La vie Constanze welche akzentuiert, gefühlvoll und mit einem großartigen Stimmsitz präsentiert wurde. Die Arie der Susanna „Deh veni..“ wurde deliziös ausgeformt, mit viel Charme und pointiert vorgetragen. Der Bariton Zaihao Wu sang zuerst Per questa bella mano“, akzentuiert mit gut ausgeformten Text, leider wollten die Verzierungen nicht so ganz gelingen. Grandios wie er es verstand in der Arie „Madamina“ die humoristischen Effekte zu setzen. Die Arie wurde ausdrucksstark, dramatisch expressive, bei gut ausgeformten Text, pointiert, dezidiert und mit einem großen Prise seines umwerfenden Charmes gewürzt, interpretiert. Qin Zeng sang die Arie „Parto, parto“, deliziös, dramatisch expressive,  mit gut angedeuteten Verzierungen. grandios die eingebaute Pause kurz vor Ende der Arie. Das „Voi che sapete“ war dann leider zu überhastet. Bestechend hier ihr sinnliche Tiefe, ihr Charme und die dynamischen Abstufungen und sie wählte eine eigenständige Phrasierung zum Ende. Lanian Zhang gelang es an diesem Vormittag leider nicht so ganz an die Qualität vergangener Auftritte anzuknüpfen. Ihre Interpretation der Arie „Voi che sapete“ viel im Vergleich um einiges getragener aus. Auch sie verstand es mit ihrem Charme zu punkten. Bei „Der Zauberer“ gab es leider einen kleinen Texthänger, aber das spielte bei ihrer differenzierten Textinterpretation und den wunderbaren dynamischen Abstufungen, trotz kleinerer Probleme bei der Artikulation, keine Rolle. Ihr Vortrag war dafür einfach zu bezwingend. Der erste Preis ging verdientermaßen an Joris Rubinovas, der zweite Preis ging an Aditi Smeets und der Dritte schließlich an Nora Kazemieh. Es dürfte sie meine lieben Leserinnen und Leser sicherlich kaum überraschen,  das der Verfasser ebenfalls auf alle drei gesetzt hat.

Veröffentlicht unter 03.16. Hochschule für Musik und Theater Hamburg | Kommentar hinterlassen

Studiokonzert der Klasse Yvi Jänicke (HfMT; 24.01.2019)

Bedauerlicherweise war der Werbeträger dieses Abends, anders als bei einem vorangegangen Lunchkonzert (zum Konzerttermin warb die HfMT auf ihrer Seite mit einem Bild auf welchem Yvi Jänicke mit Matthias Dähling abgebildet war) weder zu hören noch zu sehen gewesen. Als der Verfasser dieses kurz betonte, wurde auf diesen Einwand gar nicht weiter  eingegangen. Man stelle sich jetzt einmal vor auf einem aktuellen CD Cover wird mit dem Konterfei von Renee Fleming geworden und sie singt keine einzige Note auf dieser CD, aber dieses nur am Rande, kommen wir jetzt zum Konzert, mit dem wunderbaren Pianisten Jason Ponce, der die einzelnen Solisten auf Händen durch das Programm trug und dieses hatte es auf Grund seiner Vielseitigkeit in sich. Die Mezzosopranistin Dorothea Koch präsentierte sich an diesem Abend größtenteils, mit einem Programm das haargenau auf sie und ihre stimmlichen Möglichkeiten zugeschnitten war, von ihrer besten Seite. Die Arie aus Händels Semele „Hence, Iris hence away“ war vielleicht sprachlich nicht zu 100 Prozent gut ausgeformt, ihr Englisch wies einen recht eindeutigen deutschen Einschlag auf, wurde dafür aber Ausdrucksstark und mit gut ausgeformten Koloraturen präsentiert. Die Arie der Lucy „Einversucht, Wut und Liebe“ aus Kurt Weills Dreigroschen Oper gelang dramatisch Intensive, pointiert und glaubwürdig  in der textlichen Ausdeutung, teilweise war sie wie entfesselt. Eine großartige, musikalische Leistung. Ebenso bravourös gelang die gesangliche Umsetzung von „Wir bevölkern die abenddüstern Lauben“ aus dem Buch der hängenden Gärten von Arnold Schönberg. Großartig in der musikalischen und textlichen Ausformung und bezwingend vorgetragen. Weniger überzeugend trotz einer dramatisch, intensiven Interpretation, die Briefarie der Charlotte aus Massenets Wherther. Gesamtbetrachtet leider zu uncharmant vorgetragen und in den expressiven Momenten fehlte es der Stimme ein wenig an der nötigen Wärme. Die Mezzosopranistin Qin Zeng überzeugte mit Mozarts „An Chloe“  durch ihren natürlichen Charme, ihrer klangschönen, runden Stimme, gut ausgeformten Koloraturen und obgleich ihre Aussprache nicht so ganz optimal war, gelang ihr dennoch eine gute Textinterpretation. Die Arie „Voi che sapete“ bestach durch ihre großartige Höhe, ihre Art die Musik adäquat auszuformen, der akzentuierten, teilweise etwas freien Interpretation und ihren wunderbaren Trillern. Bei Benjamin Brittens „What would Missus Herring say “ aus Albert Herring gelang ihr eine traumhaft schöne, berührende Arien Interpretation. Zum Abschluß sang sie die Arie „Parto, parto“ aus La Clemenza di Tito“ von Wolfgang A. Mozart, berührend, mit gut ausgeformten Koloraturen, der Text wurde hervorragend ausgedeutet, einem packenden, dramatischen Beginn und mit viel Charme. Einer der Höhepunkte dieses Abend war der Auftritt der charismatischen Mezzosopranistin Nora Kazemieh, was für eine Ausstrahlung, und welch eine Bühnenpräsenz. Sie startete ihr Programm mit Mozarts „Abendempfindung“. Eine großartige Interpretation, die auch auf Tonträgern nur schwerlich zu übertreffen sein dürfte. Ihr sensitiver Charme, ihre differenziert Art den Text  deliziös zu ziselieren war schlichtweg grandios. Es folge die Arie  „Smanie implacabile“ aus Mozarts Cosi fan tutte. Hier wurde die Arie leider etwas überpowert, es klang mehr wie eine Donna Elvira, denn wie eine Dorabella. Bei  aller Intensivität des Ausdruckes sollte der Charme nie auf der Strecke bleiben. Bitte kein Beispiel als Agnes Baltsa und der etwa fortgeschritteneren Cecilia Bartoli nehmen. Als letztes sang sie dann „O bacio“ aus Anna Bolena von Gaetano Donizetti (unvergeßlich für den Verfasser der Auftritt von Angela Meade an der Met). Wunderschön ausgeformt, mit viel Charme und Wärme in der Stimme vorgetragen und mit gut ausgeformten Koloraturen. Der Verfasser erlaubte sich zum Ende des Abends die Prophezeiung das es für einen Preis beim Mozart Preis für Gesang 2019 reichen sollte. Der junge Bariton Zaihao Wu bestach mit seiner Interpretation der Solo Kantate BWV 82 „Ich habe genug“ von Johann Sebastian Bach. Umwerfendes Timbre, tolles Ausstrahlung, pointiert vorgetragen, großartige Textausdeutung, Verzierungen differenziert ausgeformt, großartig im setzen von musikalischen Akzenten, man erlebt es leider viel zu selten, das Kantaten spannen und mitreißend dargeboten werden. Es folgte seiner Interpretation von Mozarts „Abendempfindung“. Betörendes Timbre, hervorragend, gefühlvoll und dezidiert ausgedeutet, bestechend auch die dynamischen Abstufungen. Schließlich noch die Konzertarie „Per questa bella mano“ von Wolfgang A. Mozart. Akzentuiert und differenziert ausgeformt, hier müßte allerdings an der adäquaten Ausformung der Verzierungen noch etwas gearbeitet werden. Der Bariton ist mit einer schönen Tiefe und einer berückenden Höhe gesegnet worden. Maria Marstal sang die Arie der Theodora „New Scenes of joy“ von Georg Friedrich Händel mit einem  tollen Timbre, guter Textausdeutung, gefühlvoll ausgeformt und mit gut gesetzten Verzierungen. Ein überaus gelungener Abend, durch welchen Yvi Jänicke  mit ihrem unverwechselbaren Charme führte.

Veröffentlicht unter 03.16. Hochschule für Musik und Theater Hamburg | Kommentar hinterlassen

Sherlock Holmes- Next Generation – Das Musical (First Stage Theater, 21.01.2019)

Die Idee zu diesem Projekt kam Rudi Reschke bereits im Jahre 2011. Es sollte jedoch bis ins Jahr 2019 dauern, bis diese Idee bis ins letzte Detail auf einer Bühne endlich seine Premiere feiern konnte. Für die fulminante Musik und die Liedtexte zeichnete sich Christian Heckelsmüller verantwortlich und das Buch dazu entwarf Jo Quirin. Die Musikalische Leitung des kleinen Orchesters übernahm Philipp Polzin und die Choreographie, wozu übrigens auch eine vollkommen verunglückte ägyptische Tanzgruppe gehört, die in einem ägyptischen Museum die Gäste bei Laune halten sollte. Diese erinnerte ein wenig an „drei Tänzerinnen“ und zwei „Türsteher“aus dem Club Aphrodite (selbst die Bangels in ihrem Video, „Walk like an Egyptian“ waren da besser). Diese Tanzperformance war unbeschreiblich, leider nicht im positiven Sinne; bitte Streichen oder komplett ändern. Musikalisch erinnerte das Musical von der Struktur her an das deutsche Singspiel, gesprochener Monolog bzw. Dialog (keine Rezitative), Arie, gesprochener Monolog oder Dialog, Arie und so fort. Ein modernes Popmusical mit großartiger Musik, hervorragend arrangierten Solo- und Ensemblenummern; kurzweilig und überaus spannend serviert. Die Rollen wurden mit großartigen Stimmen besetzt, einzig dem Star des Abends Ethan Freeman, merkte man seine mittlerweile schon längerwährende Karriere an. Der Verfasser erlebt dieses immer wieder, zuletzt bei Ramin Karimloo, wenn die reichen stimmlichen Mittel allmählich zu schwinden beginnen, muss man sich zu einem Kunstgriff durchringen. Das bedeutet, die textliche Artikulation wird von der musikalischen Linie mehr und mehr auf die Sprechlinie verschoben und dieser Klang wird dann mittels der Stimme intensiviert, sodass zwar ein energiegeladener Ton gut hörbar in den Raum hinein projiziert wird, dieser aber mit reinem Gesang weniger zu tun hat. Da nun aber die Rolle des Sherlock Holmes- hier schon in die Jahre gekommen- passte diese Charakterdarstellung vorzüglich. Dr. Watson, gesungen von Frank Logemann, als Figur auch nicht mehr ganz so jung, klang allerdings dann doch frischer und jugendlicher. Merlin Fragel, er spielte einen jungen Waisenknaben, der gleich zu Beginn zum Assistenten von Sherlock Holmes avancieren sollte, war an diesem Abend, zumindest von den männlichen Protagonisten, der Star des Abends: Eine beeindruckende Bühnenpräsenz (schauspielerisch könnte er noch etwas mehr auf die Rolle eingehen, zeitweise hatte der Verfasser das Gefühl, er spiele sich selber) tolles Aussehen und eine mitreißende Stimme, voller Charme und Leichtigkeit im Tonansatz und eine Höhe, atemberaubend. Diesen jungen Mann sollten zukünftig alle Türen offenstehen bei einer derartigen bezwingenden musikalischen Leistung. Catherine, die Tochter der Museumsdirektorin, wurde von Alice Wittmer gesungen, mit einem Stimmklang ,der ein wenig an Isabel Varell erinnerte. Ein betörendes, dunkles Stimmtimbre, eine tolle Ausstrahlung und auch darstellerisch bezwingend. Susanne Elisabeth Walbaum sang Mrs. Mason, die Museumsdirektorin; ebenfalls eine volltönende, gut timbrierte Stimme: eine herausragende vokale Leistung. Ihr gelang es, die unterschiedlichen Gefühlsaufwallungen gesanglich überzeugend zu vermitteln. Iris Schumacher war mit ihrer großartigen Stimme eine überwältigende Mrs. Hudson. Die Stimme von Annette Lubosch war als Lady Margaret stellenweise etwas weniger charmant, dennoch eine überzeugende Rollenausdeutung. Darin Lamont Byrd als Aleister Crowley, der den Verfasser noch aus einer Lübecker „Mass“ Inszenierung (Leonard Bernstein) in Erinnerung geblieben ist, überzeugte mit seiner warmen, dunkel timbrierten Stimme. Olaf Meyer überzeugte als selbstgerechter, überheblicher Inspector Lestrade. Claudio Maniscalco legte als Premiere einen kurzen- er wurde gleich zu Beginn des ersten Aufzugs dahingemeuchelt-  imposanten Auftritt hin. Michael Ewig gab den Frog. Michael Clauder verkörperte den Moriarty, O’Neil und Frederic. Marco Hinrich den Mayor Strong, Lena Wischhusen die Sunday Moon und die Irene Adler, Maike Jacobs den Zeitungsjungen und Sabine Barthelmeß die Meredith. Nicht nur in den Duetten, sondern auch in den Ensembleszenen bildeten die Sänger eine homogene Einheit, etwas was heute leider nicht mehr selbstverständlich ist, die Stimmen waren bestens aufeinander abgestimmt. Von der ersten bis zur letzten Rolle hochkarätig besetzt. Das ist auf dem Musicalsektor leider eher eine Seltenheit. In dem Stück geht darum ,was damals wirklich in Ägypten geschah und um den Raub des berühmten Diamanten „Dem Auge des Horus“. Ein großartiger, kurzweiliger Abend

Veröffentlicht unter 03.20. First Stage Theatre Hamburg | Kommentar hinterlassen

Purcell Songs and Dances – Tim Mead (Countertenor), Francois Lazarevitch (Flute) (Alpha)

Grandios mit welch einer Verve und welche einer musikalischen Ausdruckskraft und geschmackvollen Virtuosität sich Fancois Lazerevitch  das Minuet für Hornpipe und Boree zu eigen macht. Unrer seiner Leitung finden die Les Musiciens de Saint-Julien einen mitreißenden Purcellklangteppich. Der unter anderem im Händelfach überaus versierte und stilistisch herausragende Countertenor Tim Mead findet für die einzelnen Lieder mal einen heiteren unbeschwerten, mal aber auch einen etwas „hohleren“ berührenden Tonfall. Mit seinem vielseitigen Ausdrucksspektrum gelingt es ihm jedem dieser Lieder von Purcell einen eigenen individuellen Klangcharakter zu verleihen. Aufgelockert wird dieses Liedprogramm durch Kompopsitionen für Flöte, unvergleichlich gespielt und elegant ausziseliert von Francoise Lazarevitch. Sollte vielleicht der eine oder andere noch immer leichte vorbehalte gegenüber diesem Instrument haben, nachdem Genuß dieser CD sollten diese eigentlich verflogen sein, denn Francoise Lazarevitch ist ein wahrer Meister seines Fachen, der seine Zuhörer jederzeit mit seinen Klängen mitzureißen oder zu verzaubern versteht. Eine der wohl interessantesten und besten Purcell CDs die es momentan auf dem Markt gibt.

Veröffentlicht unter a. Recitel | Kommentar hinterlassen

Bruno Helfstroffer: Calling the Muse -old and new pieces for Theorbo (Alpha)

Mit Hinblick auf das Cover, ein attraktiver junger Mann mit seinem Instrument (Theorbo, gehört zur Instrumentengruppe der Laute), stellt sich hier schon die Frage wer hier wohl als Inspiration für die auf dieser CD zu hörenden Musik dienen durfte. Zu hören sind Kompositionen von Alessandro Piccinini, Bruno Helfstroffer, Johannes Hironymus Kapsberger, Bellerrofonte Castaldi, Erik Satie, Johann Sebastian Bach. Die eigenen Kompositionen (Bruno Helfstroffer) unterscheiden sich vom Klangspektrum her, was die kompositorische Tiefe anbelangt unwesentlich von denen der anderen Komponisten. Auch Klangmalerisch orientieren sie sich eher an den „Alten Meistern“.Bruno Helftrotter besitzt hier eine ausgesprochene musikalische Feinfühligkeit und ein kompositorisches Talent. Beim ersten Hören würde man kaum bemerken welche diese Kompositionen jetzt modern und welche traditioneller Natur sind. „Comme un beffroi“ entstammt einer Zusammenarbeit mit Rosemary Standley, die auch den Gesangspart übernimmt. Eine offensichtlich gut geschulte, wenn auch keine im herkömmlichen Sinne klassisch geschulte Stimme, die den Text überaus feinsinnig wiedergibt. In „Dans La chambre de mon Theorbe“ dichtete Jean-Luc Debattice den Text und tritt auch gleichzeitig als Rezensent in Erscheinung. Desweiteren noch zu hören Michel Godard (Serpent) und Emek Evci (Double Bass). Bruno Helstroffer gelingt es zu jedem dieser einzelnen Kompositionen einen individuellen Zugang zu finden. Dennoch fürchtet der Verfasser das trotz dieses hochinteressanten Programms und des enormen spielerischen, teilweise auch mitreißenden Spiels, sich wohl eher nur Freunde dieses Instrumente für diese CD begeistern können.

Veröffentlicht unter a. Recitel | Kommentar hinterlassen

Barbara Hannigan – Vienna fin de siécle – (Alpha)

Mit ihrer unverwechselbaren, charakteristischen Stimme hat sich die Sopranistin Barbara Hannigan ein Programm erarbeitet das perfekt zu ihrer Stimme paßt: 2 Lieder von Arnold Schönberg, 5 Lieder von Anton Webern, 7 frühe Lieder von Alban Berg, Lieder von Alexander von Zemlinsky, 2 Lieder von Alma Mahler und die Mignon Lieder von Hugo Wolf, kompetent am Klavier begleitet von Reinbert de Leeuw. Der Wechsel von Lieder voller dramatischer Intensität zu Liedern von berührender Zartheit, sind wie geschaffen für ihrer stimmlichen Möglichkeiten, nie kommt sie an ihre stimmlichen oder auch interpretatorischen Grenzen. Auf unvergleichliche Art und Weise gelingt es ihr für jede Lied einen individuellen Klang zu finden. Eine großartige Lieder CD, die man gehört haben sollte.

Veröffentlicht unter a. Recitel | Kommentar hinterlassen