Lt. Opernwelt: Sänger, Orchester, Opernhaus des Jahres

Wie das Hamburger Abendblatt berichtete haben 50 unabhängige Musikkritiker für das Magazin Opernwelt in Europa und den USA entschieden:

Sängerin des Jahres: Anja Harteros

Sänger des Jahres: Matthis Klink (in der Hamburger Lulu)

Inszenierung des Jahres: Die Hamburger Lulu (Marthaler)

Orchester des Jahres: Bayrisches Staatsorchester

Opernhaus des Jahres: Lyon

Und jetzt fragen sie sich wahrscheinlich:  Warum stand das nicht in der Welt? In Zeile zwei und drei finden sie die Erklärung, denn wenn sie sich die Kritik der Welt zur Hamburger Lulu durchlesen, werden sie feststellen, das diese nicht von Herrn Brug stammt.

Advertisements
Veröffentlicht unter 01. Allgemein | Kommentar hinterlassen

Antonin Dvorak: Requiem op. 89 (DVD, Warner)

Mit einem spannungsgeladenen Entre beginnt das Antwerp Symphony Orchestra unter der Leitung von Philippe Herreweghe das Requiem von Antonin  Dvorak.  Maximilian Schmitt stellt seinem lyrischen, schlanken Tenor und seiner differenzierten Textausdeutung eine Idealbesetzung dar. Die Sopranistin Ilse Eerens, mit ihrem schallkräftigen und dennoch lyrisch anmutenden Sopran,ist einfach berückend. Der Mezzopart wurde mit Bernarda Fink  ebenfalls ideal besetzt. Nathan Berg passt sich mit seinem Bass hervorragend in das Stimmgefüge mit ein. Das kraftvoll agierende  Collegium Vocale Gent rundet dieses großartige Ensemble adäquat ab. Eine mitreißende und dennoch berührende Aufführung, die begeistert. Diese DVD wird bestimmt nicht nur Freunden des Oratoriums gefallen.

Veröffentlicht unter b. Opern | Kommentar hinterlassen

Barbara Cook (25.10.1927-08.08.2017)

Mit der Urauführung von Leonard Bernsteins Candide wurde Barbara Cook mit einem Schlag berühmt. Es folgten zahlreiche Auftritte u. a. in Carousel, The Music Man, The King and I, Show Boat, Funny Girl und Follies von denen dem Verfasser einige CD Einspielungen vorliegen. Zudem war sie auch als Schauspielerin in einigen Filmen zu sehen. Nachdem sie den Musicalbühnen weitestgehend den Rücken zugedreht hatte, war sie als Konzertsängerin erfolgreich und nahm zahlreiche Alben auf. Barbara Cook verstarb am 08.08.2017 in Manhattan

Liste ihre Musical Auftritte

Alben:

  • Flahooley (1951)
  • Plain and Fancy (1955)
  • Candide (1956)
  • The Music Man (1957)
  • Show Boat (Studio Cast, 1962)
  • She Loves Me (1963)
  • The King and I (Studio Cast, 1964)
  • At Carnegie Hall (1975)
  • It’s Better With a Band (1981)
  • Follies in Concert (1985)
  • Carousel (Studio Cast, 1987)
  • The Disney Album (1988)
  • Dorothy Fields: Close as Pages in a Book (1993)
  • Have Yourself a Merry Little Christmas (2000)
  • Sings Mostly Sondheim: Live at Carnegie Hall (2001)
  • Sondheim on Sondheim (2010)
Veröffentlicht unter 12. Nachrufe 2016/ 2017 | Kommentar hinterlassen

Joy Fleming (15.11.1944 – 27.09.2017)

Schon mit 14 nahm sie mit dem Lied Ciao, Ciao Bambina an einem lokalen Schlagerwettbewerb teil. Mit 16 sang sie Jazz und Blues für die in Mannheim stationierten US Soldaten. 1966 gründete sie die Band Joy & The Hit Kids. 1968 dann endlich der Durchbruch über den Talentschuppen (eine Sendung des SWF). 1971 mit „Neckarbrückenblues“ die Karriere als Solokünstlerin. Zu ihren bekanntesten Lieder gehören unter anderen auch der Song „Ich sing fer‘ s Finanzamt. 1975 nahm sie zum ersten Mal am Grand Prix mit „Ein Lied kann eine Brücke sein “ teil. Es folgte dann die dreimalige Teilnahmen am Vorentscheid:  1986 mit Marc Berry „Miteinander“, 2001 mit  Lesley Bogaert und Brigitte Oelke „Power of Tust“ und 2002 mit dem Jambalaya Chor „Joy to the world. 2004 saß sie dann in der Jury neben Stefan Raab und Thomas Anders und verhalf auf diesem Wege Max Mutzke  zu seinem großen Durchbruch. Ähnlich wie schon vor ihr Gitte Haening, war es ihr Trotz dieser gewaltigen stimmlichen Möglichkeiten, die sie als eine der begnadetsten deutschen Jazz und Blues Sängerinnen der letzten 40 Jahre empfahl, eine diesbezügliche große internationale Karriere nicht vergönnt gewesen.  Im Laufe ihrer langlebigen Karriere nahm sie zahlreiche Alben auf . Sie verstarb am 27.09.2017 in ihrem Anwesen in Sinsheim mit 72 Jahren vollkommen unerwartet.

Alben:

  • 1970: Overground (als Gruppe Joy Unlimited)
  • 1971: Schmetterlinge (als Gruppe Joy Unlimited)
  • 1973: Joy Fleming
  • 1974: Joy Fleming – live
  • 1974: This Is My Life
  • 1975: Menschenskind
  • 1976: Have a Good Time
  • 1978: I Only Wanna Get Up and Dance
  • 1978: The Final Thing
  • 1981: Vocals and Keyboards only (mit Kristian Schultze)
  • 1984: Helden werden auch mal älter
  • 1984: Joygeboren
  • 1987: N
  • 1992: Mit deinen Augen
  • 1993: Sentimental Journey
  • 1994: Viele Gesichter
  • 1996: L’Attraction
  • 1997: Butzekrampel & mehr
  • 1998: Gedanken einer Frau
  • 2000: Mama Joy
  • 2002: Joy to the World (Joy Fleming & der Jambalaya Chor)
  • 2004: Live Programm
  • 2006: Winterzeit
  • 2007: L’Attraction (Remixed Re-Release)
  • 2010: So bin ich

Zudem wurde sie mit zahlreichen Auszeichnungen geehrt:

 

Veröffentlicht unter 12. Nachrufe 2016/ 2017 | Kommentar hinterlassen

Monique Hass: Debussy, Ravel, Bartok, Stranvinsky, Hindemith, Chopin, Mihalovici, Haydn, Roussel, Schumann, Mozart, Rameau, Bach (10 CDs, Documents)

Der Verfasser hat sich bei seiner Besprechung dieser 10. CD Box dazu entschlossen, um einigermaßen im „Rahmen“ zu bleiben, prägnante Beispiel, welche die Vielseitigkeit dieser außergewöhnlichen Künstlerin belegen sollen, hervorzuheben. Es wird daher nicht jedes Musikstück aus dieser Box erwähnt werden. Bei den Etüden für Klavier von Claude Debussy klingen die Noten eher separiert, denn gebunden gespielt. Beim anschließenden Klavierkonzert von Robert Schumann, haben die Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Eugen Jochum einen explosiven, energischen kurzen Einsatz, der einen sofort elektrisiert. Monique Haas spielt auch hier eher energisch und unsentimental, obgleich die Übergänge von Note zu Note anders als bei Debussy, eher harmonisch miteinander verbunden wirken.  Der Einsatz des Orchesters beim Klavierkonzert von Maurice Ravel in G  mit dem Sinfonieorchester des Norddeutschen Rundfunkes unter der Leitung von Hans-Schmidt Isserstedt klingt von der Orchestrierung her sehr modern und wirkt sehr dominant. Mit geradezu explosive anmutender Energie wirft sich Monique Hass in die Tasten. Grandios dann die viel zu selten zu hörende Konzertmusik von Paul Hindemith mit den Berliner Philharmonikern aus dem Jahre 1957, hier stand der Komponist noch selber am Pult, ebenso wie das oben genannte Klavierkonzert von Maurice Ravel, absolutes muß.  Bei dem Klavierkonzert Nr. 3 von  Bela Bartok ist ihr Spiel  zu Beginn ungemein weich und der Klang einschmeichelnd. Ihre Finger gleiten elegant über die Tasten. Erst im späteren Verlauf wird ihr Spiel dann wieder energiegeladener und virtuoser. Grandios diese Virtuosität beim Einstieg in die Capricen für Klavier und Orchester von Igor Stravinsky mit dem RIAS Symphony Orchester unter der Leitung von Ferenc Fricsay,  diese fulminante Energie und diese Virtuosität im Spiel von Monique Haas, einfach grandios. Mit in dieser Edition die leider zu unrecht weniger bekannte Sonate für Violine und Klavier No. 2 von Marcel Mihalovici (1898-1985). Der Violinenklang von Max Rostal mutet eher etwas disharmonisch an, während das Spiel von Monique Haas wegen ihrer perlenden Läufe eher weich und luftig wirkt. Grandios auch die ihr von Marcel Mihalovici gewidmeten Ricercari op. 46  (aufgenommen 1951), welche stellenweise  ebenfalls eher weicher und sehr harmonisch im Klangbild  interpretiert werden. Chopin’s Etüden bekommen bei ihr ebenfalls einen eher weicheren, luftigen Klang. Die 4 Stücke von Albert Roussel wirken eher etwas abgehackt von Spielstil. Härtere Akkorde bestimmen hier das eher modern anmutende Klangbild. Atemberaubend wie die Triller bei Joseph Haydn’s Piano Sonate in F major  nur so aus ihrem Klavier zu perlen scheinen. Das Klangbild des Detroit Symphony Orchestra unter der Leitung von Paul Paray ist eher schroff und auch das Spiel von Monique Haas beim Piano Concert in d-major von Johann Sebastian Bach wirkt eher weniger sentimental, warm im Klangbild  und hoch virtuos. Mitreißend der Einstieg des Boston Symphony Orchesters unter der Leitung von Charles Munch in das Klavierkonzert Nr. 20, welches hier stellvertretend für ihre Mozartinterpretationen erwähnt wird. Kurz und prägnant mit einem raueren Streicherklang interpretiert, welche dem Werk eine Innenspannung verleiht, wie sie  nur sehr selten zu erleben ist. Auch hier ist wieder dieser warme Grundton, diese spielerische Leichtigkeit, diese perlenden Triller und diese atemberaubende Virtuosität zu erleben, die einhergeht mit einem eher unsentimental anmutende Klavierspiel. Es ist gerade diese Vielseitigkeit, die diese Künstlerin so einzigartig macht. Eine Box die in keiner Sammlung fehlen sollte.

Veröffentlicht unter 02. Neues auf dem CD & DVD Klassikmarkt | Kommentar hinterlassen

Benjamin Godard: Dante (Ediciones Singulares, Note 1)

Diese im Hardcoverformat (Buch) angelegte Editon, eher weniger bekannten Werke von Bach, Kreutzer, Massanet, Sacchino, Joncieres, Catel, Saint-Saens, Salieri, David, Gounod, Lalo, Hérold und Méhul erscheinen in Limitierte Auflage (3500 Stück). Die Oper Dante stellt die 16. Opernveröffentlichung dar und ist mit ca. 25 Euro eher im höherpreisigen Segment angesiedelt. Vielleicht erinnern sich manche noch an den Sinequanon Verlag. Richtig, die erschienen CDs (Macbeth, La fanciulla del west und ein Recitel mit dem asiatischen Tenor Deng) wurden in Samthüllen veröffentlicht, dieses hatte natürlich seinen Preis. Leider jedoch war bei diesen Produktionen die Besetzungen nicht immer ganz optimal gewesen. Diesen Vorwurf müssen sich diese Produktionen nicht ausgesetzt fühlen. Die Werke sind zwar weniger bekannt, die Besetzungen hingegen sind es nicht. Prominente Namen, deren gesangliche Qualität das Halten, was ihre Namen versprechen. Ulf Schirmer bietet mit dem Münchner Rundfunkorchester einen großartigen, den französischen Musikstil exakt treffenden, Klangteppich. Der Tenor Edgaras Montividas ist mit seinem Höhen sicheren, geschmeidigen Tenor und seiner eleganten Phrasierung für die Rolle des Dante eine Idealbesetzung. Mit seinem Einfühlungsvermögen gelingt es ihm dem französischen Gesangsstil, in der musikalischen Sprache eines Benjamin Godard, zu entsprechen. Véronique Gens gibt als Béatrice einmal mehr eine Gesangslektion, wie französische Oper gesungen werden sollte. Der Bariton Jéan Francois  Lapointe ist als Bardi mit seiner eleganten Phrasierung und seiner in allen Lagen ausgeglichen klingenden Stimme einfach umwerfend. Die Mezzosopranistin Rachel Frankel gibt mit ihrem dunklen verführerischen Timbre als Gemma eine hervorragende Rolleninterpretation. In weiteren Rollen runden Andrew Foster-Williams als L’Ombre de Virgile / Un Vieillard, Diana Axentii als  L’Écolier und Andrew Lepri Meyer als Un Héraut d’arme dieses großartige, in sich geschlossen wirkende Ensemble ab. Ein Werk, das sowohl kompositorisch wie auch gesanglich höchsten Ansprüchen gerecht wird. Unverständlich warum dieses Werk so selten aufgeführt wird, an der musikalischen Qualität kann es nicht liegen.

Veröffentlicht unter b. Oper | Kommentar hinterlassen

Wolfgang A. Mozart: Don Giovanni (Alpha, Note 1)

Um es gleich vorweg zu nehmen, diese Don Giovanni Produktion, eine Live Produktion vom Dezember 2016 ( von Radio France, der genaue Tag der Aufnahme fehlt) aus dem Théatre des Champs-Elysées, gehört zu den besten und spannendsten Produktionen dieses Werkes, die dem Verfasser im Laufe der letzten Jahre zu Gehör gekommen sind. Das Orchester „Le Cercle de L’Harmonie“ unter der Leitung von Jéremie Rhorer ( es ist seine dritte Mozart Veröffentlichung, über die La Clemenza di Tito hat der Verfasser auf dieser Seite berichtet, in diesem Verlag) bereitet einen grandiosen ,mitreißenden, über weite Strecken sehr getragen wirkenden Mozartklangteppich aus. Hier wird jede musikalische Nuance dieses Werkes nuanciert ausgekostet. Den Sängern wird alle Zeit der Welt gegeben zum Phrasieren und auch die Möglichkeit gegeben, die eine oder andere  musikalische Freizügigkeit auf höchstem musikantischem Niveau auszukosten. Somit wird es zu einer wahren Freude ihren Rollencharakterisierungen zu lauschen. So lebendig erlebt man Mozart nicht alle Tage. Jéan Sébastian Bou gibt als Don Giovanni den eleganten Verführer, mit leicht angerauter Stimme und der dazugehörenden Autorität in der selbiger. Donna Elvira, keine tragische Scheuche, sondern eine von Julie Boulianne mit dunkleren Stimmtimbre dargestellte erotische Frauengestalt, die auch in den dramatischen Sequenzen überzeugt. Myrto Papatanasiu gibt eine Donna Anna, die lediglich zu Beginn ein wenig weniger charmant wirkt, sich aber im weiteren Verlauf steigert. Mit ihrer agilen Stimme, ihrem flüssigen Gesangsstil und ihrer excellenten Stimmmodulation  gelingt ihr ein beeindruckendes Rollenporträt. Robert Gleadow  gibt mit seiner prägnanten Stimme, die teilweise etwas grobkörniger anmutet einen Leporello par excellance. Der Don Ottavio wird von Julien Behr gesungen, der mit seiner lyrischen, schlank von der Stimmführung her und dennoch in den dramatischen Sequenzen überzeugenden Stimme bravourös zu punkten versteht. Anna Greveliu’s Stimme klingt etwas dunkler und gibt somit eine bedrückende, nicht ganz so naive wirkende Zerlina. Man gewinnt als Zuhörer den Eindruck, dieser Zerlina weiß worauf sie sich hier einlässt, sie erkennt zwar die Gefahr, lässt sich aber dennoch davon nicht abschrecken. Marc Scoffoni besitzt eine beeindruckend Schallkraft und klingt für den Masetto mit seiner grobkörnig wirkenden Stimme durchgehend überzeugend. Steven Humes ist als Commendatore grandios, mit seiner rund wirkenden Stimme gelingt es ihm die musikalischen Phrasen elegant auszuformen. Eine energiegeladene Interpretation, bei der auch die Wortmodulation schlicht weg hervorragend ist. Diesen Don Giovanni sollten Sie gehört haben.

Veröffentlicht unter b. Oper | Kommentar hinterlassen