Giuseppe Verdi: Macbeth – Wien 11/2019 – Placido Domingo, Tatiana Serjan (DVD, Premiere Opera)

Unter der Leitung von Giampaolo Bisanti gelingt es den Wiener Philharmonikern leider zum wiederhohlten Male nicht in die Nähe einer soliden Standardleistung zu kommen. Es beginnt mit einer Ouvertüre, die leider alles andere als spannend und mitreißend ist, eben typisch Wien und setzt sich denn in einen mittelprächtigen 1. Akt fort, bei dem selbst das Finale des selbigen so keinen aus dem Gestühl zerren will. Wo bei Riccardo Muti und Georg Manahan die Erde bebte, ist man hier eher gewillt, die „Hallo Wach Pille“ zu suchen. Manche dramatische Stelle belebt einen dann mal wieder ein wenig, aber das ist für ein Orchester, das mittlerweile Augenscheinlich nur noch vom Ruf vergangener Jahre lebt, einfach zu wenig, hier muß ganz dringend etwas geschehen.  Placido Domingo bietet uns hier, anders als uns ein bestimmter Kritiker erst kürzlich weiß machen wollte, einen Macbeth der, was Bühnenpräsenz und gesangliche Intensität anbelangt, mit zu den besten Sängern zählt, der diesen Rolle in den Vergangenen 30 Jahren gegeben hat. Die Stimme klingt schon seit einiger Zeit nicht mehr nach einem Tenor, der sich ins Baritonfach verirrt hat, sondern hat eine glaubwürdige baritonale Tiefe erreicht, die manch jünger Sänger in der heutigen Zeit nicht, oder noch nicht erreicht hat. Tatiana Serjan gestaltete an diesem Abend leider, was die dramatische Intensität anbelangt, eine Lady Macbeth auf Sparflamme. Gewiss, sie hat die Höhe und auch die tiefen Töne sitzen, aber es klingt alles eher als würde man eine Ferrari mit angezogener Handbremse über die Autobahn jagen. Schade, denn gerade in dieser Rolle zählt sie seit Jahren zu den besten ihres Faches, der Verfasser hofft, dass dieses ein einmaliger Ausrutscher war. Ryan Speede Green ist mit seinem noblen Bassklang einer der besten Interpreten, die der Verfasser in der Rolle des Banquo je erlebt hat, eine grandiose Leistung. Jinxu Xiahou gibt einen überzeugenden Macduff. Carlos Osuna sang den Malcolm und Fiona Jopson gab die Kammerzofe. Christian Räth zeichnete sich als Regisseur für die  Herbert von Karajan Gedächnisveranstaltung verantwortlich. Oder wie es in einem bekannten Witz immer wieder heißt: Dunkel hier…

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Opernexperte
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