Mozart – Preis für Gesang 2020 (HfMT 25.01.2020)

Zum 22. mal wurde an diesem Samstagnachmittag der Mozart-Preis von der Absalom – Stiftung Hamburg, gegr. 1996 von der Freimaurerloge „Absalom zu den drei Nesseln“ verliehen.  Von den 15 jungen Künstlern sangen, da Franzis Luise Hohlbein leider absagen mußte 14 um den mit 3000 Euro dotierten Preis. Den Anfang machte der Bariton Yan Yan Gheng mit der Arie „Hai gai vinta la causa“ aus Mozarts Figaro, die er mit seinem umwerfenden Charme ausdrucksvoll, bei dezidierter Textausdeutung, mit herrlichen dynamischen Abstufungen, wobei er bei der Wiederholung von Worten, diese unterschiedlich betonte oder die dramatischen Intensität variieren ließ, geradezu zelebrierte. Lediglich die Verzierungen müßte noch etwas prägnanter ausgeformt werden. „Abendempfindung“ wurde charmant präsentiert, feinsinnig und gefühlvoll ausgedeutet. Lediglich bei der Textverständlichkeit gab es noch leichte Probleme. Es folgte Hannah Gabor mit „Giunse alfin il momento“, eine Arie die sie charmant und gefühlvoll bei dezidierter Textinterpretation auszudeuten verstand. Als zweites folgte das Lied „Zauberer“ welches sie bei großartiger Textausdeutung, herrlichen dynamischen Abstufungen, sie betonte das Wort Zauberer jedesmal anders, und einer überaus gelungenen Präsentation, herausragend interpretierte. Dieser Auftritt hätte eigentlich mit einer Preis ausgezeichnet werden müssen. Es folgte Maria Grazia Insam schon allein ihr Auftritt in einen sensationellen Kleid und dann diese Bühnenpräsenz nahmen einen gefangen. Sie sang zu Beginn von Ludwig van Beethoven „Questa tomba obscuro“ mit einem grandiosen Ausdruck,feinsinnig zelebriert, berührend ausgeformt, gefolgt von der Arie der Dorabella „Quest improvviso tremito“ mit einem grandiosen dramatischen Ausdruck, gefühlvoll ausgedeuteten Pianopassagen und einer bezwingenden Intensität. Wer hier nicht den 1. Preis mit Auszeichnung vergeben hätte, muß an diesem Nachmittag wohl auf seinen Ohren gesessen haben. Luise McClelland Jaboson hatte an diesem Vormittag leider nicht ihren besten Tag gehabt, mit der Arie „Alma grande“ schoß sie sich leider trotz eines dramatischen Ausdrucks, da sie viele Töne erst ansang und dann auf die richtige Höhe zog, ins  aus. Das darauffolgende „Laudate“ gelang bei getragenem Tempo dann besser als erwartet. Verzierungen die von Jason Ponce am Klavier deliziös ausgekostet wurden, wurden von ihr bestenfalls angedeutet, leider auch hier wieder die Manie, Töne erst anzusingen um diese dann auf die richtige Höhe zu bringen. Sie klang leider auch über weite Strecken laut und weniger charmant. Yukine Kawase begeisterte mit „Dove sono“ dank berührend ausgeformter Pianopassagen. Sie setzte bei ihrer gefühlvollen und feinsinnigen Interpretation gekonnt dramatische Akzente und begeisterte zudem durch ihre brilliante Höhe. Leider wurde „Ruhe sanft mein holdes leben“ mit einem völlig übereilten Tempo dargeboten, wodurch auch das richtige Gefühl auf Strecke bliebt, was sie dann um eine Platzierung unter die letzten drei brachte. Qiuyi Lu hingegen machte an diesem frühen Nachmittag eigentlich alle richtig. „Das Veilchen“ wurde bei charmanter Präsentation berückend schön, dezidiert, berührend und pointiert ausgeformt. Auch beim darauffolgenden „Voi che sapete“ blieben keine Wünsche offen, wunderschön ausgeformt, dezidiert in der Textausdeutung, großartig in der Präsentation, zu dem charmant, feinsinnig und pointiert ausziseliert. Es folgte Granit Musliu, allein schon von der Ausstrahlung her ein toller Typ mit einer bezwingenden Bühnenpräsenz, lediglich an seiner Präsentation der einzelnen Arien müßte noch etwas gefeilt werden. Vielleicht ließe hier beim Hinterfragen des Inhaltes mit einigen Requisiten ein besseres Körpergefühl einstellen, z. B. ein Buch, ein gefülltes Glas, mit dem man spielen kann, oder eines kleiner runder Stehtisch, auf welchen man sich elegant auf stützen kann. Er begann mit „Un aura amorosa“ und nahm gleich alle mit seiner grandiosen Stimmführung, seiner betörenden Höhe, dieser umwerfenden Ausstrahlung, seinen feinsinnig ausziselierten betörenden Pianopassagen, gefangen. Verzierungen wurde geschickt angedeutet, lediglich in der Höhe müßten seine Pianopassagen noch die gleiche bezwingende Intensität erhalten, die sie im Forte und Mezzoforte haben. „Dalla sua pace“ wurde wunderschön, bei dezidierter, feinsinniger Textinterpretation pointiert ausziseliert. Diese Arien hört auch auf Tonträgern selten betörender als von ihm. Hier zeichnet sich  der Beginn einer ganz große Kariere ab. Merlind C. Pohl bot eine ausdrucksvolle, charakteristische Interpretation des „Voi che sapete“ an, welche sie zudem dezidiert ausformte. „Pupille amante“ aus Lucio Silla wurde gefühlvoll, akzentuiert,  mit angedeuteten Verzierungen und schön ausziselierten Pianopassagen ausgedeutet. Maria Thomzik sang „Welche Wonne, welche Lust“ zwar charmant, pointiert mit einer schönen Höhe und auch die geistliche Arie wurde zwar schön ausgeformt, litt aber an einer extremen Textunverständlichkeit. Sowohl der Gesang wie auch die Präsentation waren zudem etwas spannungsarm und daher weniger bezwingend. Natalija Valentin war auch an diesem frühen Nachmittag schlichtweg sensationell, auch bei ihr hätte ein verdienter 1.Preis winken müssen, aber hier muß wohl der eine oder andere auf seinen Ohren platz genommen haben. „Come scoglio“ die Arie der Dorabella, großartig im Ausdruck und in der Präsentation, wurde gefühlvoll mit feinsinnigen Pianopassagen, charmant, bei gut ausgeführten Verzierungen und geschickt gesetzten dramatischen Akzenten, ausziseliert. Beim Lied „Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte“ setzte sie geschickt humoristische Akzente, bei einer ausdrucksvollen Gestaltung und einer bezwingenden, berührenden und  dezidierten Textinterpretation, eine wahre Meisterleistung, lediglich an manchen Stellen in der Tiefe mangelte es der Stimme noch oder nur an diesem Tag ein wenig an Substanz. Vielleicht sollte sich Frau Valentin überlegen ob sie ihre Karriere in Richtung Anna Bolena, Elisabetta (Roberto Devereux), Lucrezia Borgia, Maria Stuarda und in ca. 15-20 Jahren bis zur Norma lenken sollte. Hier sieht der Verfasser sowohl die stimmlichen, wie auch die bezwingenden darstellerischen Möglichkeiten. Tim Winkelhöfer gab mit seiner „Papagena…“ Interpretation einen seiner bisher besten Auftritte. Er gestaltete die Arie akzentuiert, ausdrucksvoll, vielleicht an manchen Stellen, auf kosten der vokalen Linie, ein wenig übertrieben, mit einem berührenden Schluß. Die „Gesellenreise“ hätte bei guter Textausdeutung noch etwas prägnanter ausgeformt werden können. Der Verfasser rät hier für Auftritt zu einem etwas maskuliner wirkenden Umstyling. Seungwoo Simon Yang hatte sich für diesen Wettbewerb leider für die Arie „Ich baue ganz auf deine Stärke entschieden anstatt auf die Bildnisarie zu setzen, die er sensationell auszuzelebrieren versteht. Die Arie wurde dank seines umwerfenden Charmes zwar großartig serviert, aber spätestens bei den Verzierungen, die so gar glücken wollten und daher  leider auch weniger phantasievoll ausgedeutet wurden, zeigten sich dann auch die Grenzen des musikalische Ausdruckes, das war leider nichts. Dann aber folgte „Adelaide“ von Beethoven, sensationell ausgedeutet, jedesmal wurde der Namen anders betont, das gelingt nur den wenigsten und dann diese nuancierte, feinsinnige Textinterpretation, schlichtweg grandios. Auch LanLan Zhang lieferte eine ihres besten gesanglichen Leistungen an diesem Tag ab. Bei ihrer charmant anmutenden, ausdrucksvollen mit einer fesselnden Intensität vorgetragenen „Laudate a te“ Interpretation wurde die Koloraturen phantasievoll ausgedeutet. „Ach ich fühl’s“ gelang ebenfalls gefühlvoll, ausdrucksvoll, bei toller Präsentation mit berührenden Pianopassagen. Zum Abschluß dann Kehan Zhao mit „Parte tu ben mio“ aus La Clemenza di Tito mit wundervollen Piani, gefühlvoll, feinsinnig und ausdrucksvoll ausziseliert. Zudem setzte sie geschickt dramatische Akzente und führte die Verzierungen gut aus. Leider nur scheiterte sie dann ein wenig an dem Lied „Als Luise die Briefe ihres ungetreuen Liebhabers verbrannte, es wurde wunderschön ausziselierte nur die Textverständlichkeit blieb leider ein wenig auf der Strecke. Im Rosenkavallier war sie da wesentlich bezwingender, schade. Neben den Professoren der HfMT, Michael Tucker, Carolyn Grace James, Yvi Jänicke, Gert Smeets und Jörn Dopfer, gab es für diesen Wettbewerb prominente Verstärkung, u. a. anderen wurde neben Gerhard Löffler, der letztes Jahr einen sensationelle King Arthur Interpretation in der Jacobi Kirche vorlegte  auch KS Franz Grundheber geladen. Die Preise wurden dann wie folgt vergeben:

1.Preis:  Seungwoo Simon Yang

2. Preis: Granit Musliu

3.Preis: Maria Grazia Insam und Natalija Valentin

Herzlichen Glückwunsch.

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