Studiokonzert – Klasse Prof. Niklas Schmidt, Violoncello und Kammermusik (HfMT, 05.12.2019)

Vorweg;

Auch an diesem Abend fühlten sich nicht wenige Besucher des Konzertes von der HfMT getäuscht, denn auf der Internetseite wurde bei diesem Konzert mit Kammermusik geworben. So dachten etliche wunderbar, endlich mal wieder Quartettmusik und Violoncello. Nicht wenige nehmen für diese Konzerte extra 1 Stunde Wegezeit in kauf, nur um dann vor Ort feststellen zu müssen, das sie getäuscht worden sind. Es war auch leider nicht das erste mal, so dass manche schon in Erwägung ziehen ihre Besuche stärker einzuschränken, da dass was versprochen wird, immer seltener eingehalten wird. Hier sollte für mehr Transparenz gesorgt werden: Was wird geboten und wer tritt auf, es sei denn man will die Fangemeinde auf diesen Wege gewaltsam reduzieren.

Zum Konzert:

Den Abend eröffnete Min Jing Li mit der Sonate für Violoncello und Klavier g-Moll op. 65 von Frederic Chopin mit Maria Guignard am Klavier, die wohl leider nicht ihren besten Tag gehabt haben muß, denn trotz einer souveränen Leitung hatte der Verfasser sie schon besser erleben dürfen. Den ersten Satz eröffnete Min Jing Li mit einem wundervollen Entré, der Satz wurde gefühlvoll, mit schönen Pianopassagen und angedeutete Triller und einem dramatischen Schlußton ausgedeutet. Die tiefen Töne hingegen hätten noch etwas eleganter ausgeformt werden können. Im  zweiten Satz begeisterte der schwungvolle Beginn und  die schöne ausgeformten Pianopassagen. Die dramatischen Passagen hingegen klangen noch etwas zu zaghaft, was sich im zweiten Teil dann besserte. Auch die virtuosen Passagen könnten energischer ausgedeutet werden. Der 3. Satz begeisterte durch sein berührendes Entré, die Tiefe wurde eleganter ausgeformt, es gab traumhafte Piani und einen wundervollen Schluß. Es folgte die Sonate für Klavier und Violoncello Nr. 1 C-Dur op. 102 von Ludwig van Beethoven. Schon im ersten Satz begeisterte Kyungon Yoon mit ihrem eleganten Entré, schön ausziselierten dynamischen Abstufungen, packenden dramatisch explosiven Passagen und auch die virtuosen Passagen wurden packend ausgeformt, ebenso wie die rhythmisch akzentuierten, wobei die Übergänge vom zarten Piano bis ins dramatische Forte zu hart waren. Wenn man beim Forte vom Volumen und von der dramatischen Intensität in die vollen gehen will, sollte das Piano nicht zu leise und nicht zu lieblich ausfallen, denn darunter leidet die Tonbalance. Hier sollte sich günstigen Falls bei einem leicht angerautem Tonfall schon ankündigen , was den Zuhörer im Forte erwartet. Im zweiten Satz dann dieses zarte Entré, traumhafte Pianopassagen und Triller und dann die virtuosen Passagen, die die gesamte Bandbreite von Leichtigkeit bis Schwermütigkeit abdeckten, eine tolle Leistung. Zum Abschluß von Sergei Prokoffjew die  Sonate für Violoncello und Klavier C-Dur op. 119. Kyungon Yoon begeisterte mit einem düster anmutenden Beginn, einem gefühlvollen Vibrato, packenden gezupften  Passagen, mal gefühlvoll, mal voller dramatischer Intensität, traumhaft wie die Pianopassagen ausziseliert wurden, einfach zauberhaft. Schließlich überraschte sie mit packenden virtuosen Passagen und  berührenden Trillern. Manche Passagen erinnerten den Verfasser an das Leitmotive der Rheintöchter aus Wagners Ring. Im zweiten Satz dann gefühlvolle gezupfte , packende virtuose, sowie auch rhythmisch akzentuierte Passagen und packende Passagen voller dramatischer Intensität. Durch ihre Unbeschwertheit begeisterten die einsinnige Pianopassagen die im Wechsel mit virtuos rhythmischen Passagen gekonnt ausgeformt wurden. Hier erinnerte so manch eine Passage an das kompositorische Schaffen von Richard Strauss. Beim dritten Satz hingegen fühlte sich der Verfasser am die Bohemian Rhapsodie (Queen) erinnert.  Sie formte den Satz gefühlvoll, voller packender dramatischer Intensität, berührenden gezupften Passagen, mit schönen Trillern und rhythmisch pointierten Passagen aus.

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Opernexperte
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