Gesangsfest Prima la Parola – Musik für Stimme und Instrument 2. Teil (HfMT; 01.12.2019)

Da die Violine nicht rechtzeitig samt Spielerin anreiste, viel die Händel Arie „Künft’ger Zeiten, eitler Kumme“ mit Aditi Smeets aus. Den Abend eröffnete der junge gutaussehende Tenor Yuan Chai, welcher den Verfasser noch aus dem kleinen Saal der Hamburger Musikhalle in bester Erinnerung geblieben ist, danach ging es leider eher bergab, statt bergauf. Seinen wohl absoluten Tiefpunkt hatte er während seines Prüfungskonzerts erreicht, das er wohl kurzfristig statt in Arienlastig in Liederlastig umgewandelt hatte. An diesem Abend sang er nun Lieder von John Dowland: “ Come away, come away sweet love“, Il my Complaintes“, Shall I sue“ und Flow my tears“. Der junge Mann besitzt ein ausgesprochen tolles Stimmtimbre und eine herausragende Ausstrahlung und ein großes Talent für Opernarien, warum nur versucht er sich immer wieder an einem Repertoire, das er wohl erst in 10 Jahren beherrschen wird. Weder traf er die Charakteristik der Musik, das erste Stück wurde zu allem Überfluss auch noch zu schnell, gespielt, noch wurde der Text  dezidierter ausgeformt. Das zweite Stück wurde zwar gefühlvoller ausgeformt, aber auch hier klang alles zu ähnlich. Auch wenn er für das dritte einen individuellen Tonfall fand, so gab es hier leider Intonationsprobleme. Das letzte wurde zwar gefühlvoll ausgeformt, aber das Vibrato in seiner Stimme erwies sich als äußerst störend. Bitte demnächst wieder Arien, allerdings keine Barockarien. Es folgten, gesungen von Ana Carolina Coutinho,  von Mauro Giuliani aus Sei Cavatine op. 39, „Par che du giubilo“, “ Confuso smarrito“, „Alle mie tante lagrime“, Ah! non dir che non t’adore“ und die Cantilena aus Bachianas Brasileiras N. 5 von Heitor Villa-Lobos. Das erste wurde wunderschön, mit einer schwebenden Leichtigkeit, feinsinnig ausziseliert, bei dezidierter Textinterpretation und nuancierten Akzenten, gesungen. Das zweite rhythmisch pointiert, mit feinsinnigen Verzierungen und einer tollen Mimik, einfach grandios ausgeformt.  Das dritte gefühlvoll, ergreifend, nuanciert, feinsinnig ausziseliert, zudem setzte sie dramatische Akzente und ihr gelang eine dezidierten Textausdeutung. Das vierte wiederum wurde akzentuiert, feinsinnig mit dramatischen Akzenten interpretiert. Die Cantilena begann wurde mit einem berührendem ‚Entré welches Gänsehautcharakter hatte, sensationell ausgeformter Höhe, grandioser Schallkraft, herrlich in den dynamischen Abstufungen, jedes Wort erhielt eine individuelle Betonung, dezidiert in der Textausdeutung, mit packender dramatischer Intensität, und dann diese Piano- und Pianissimopassagen, schlichtweg sensationell, einfach traumhaft, zum dahin schmelzen. Sie wurde an diesem vom Deutschen Akademischen Austauschdienst für Internastionale Künstler geehrt und erhielt eine Auszeichnung. Nach der Pause sang Johan Kim „Im wunderschönen Monat Mai“, „Aus meinen Tränen sprießen“, Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne“, Wenn ich in deine Augen seh'“, Ich will meine Seele tauchen“, „Im Rhein, im heiligen Strome“. aus Robert Schumanns Dichterliebe. Das erste Lied wurde gefühlvoll, bei feinsinniger Textausdeutung und mit unangestrengten Höhe, der zweite, feinsinnig mit individueller Wortbetonung, der dritte rhythmisch akzentuiert, der vierte berührend, überaus gefühlvoll, das fünfte cantabile, ausgedeutet. Lediglich beim sechsten zeigten sich die Grenzen der Stimme, hier vermochte der junge Tenor der dramatischen Intensität der Musik, nicht gerecht zu werden, obgleich es schöne Pianopassagen gab. Der Auftritt von Merlind C. Pohl war leider auch an diesem Abend zwiespältig. Irgendwie scheint es bei ihr immer nur zwei Optionen zu geben, entweder sie reißt einen vom Hocker, oder der Gesangsvortrag geht komplett baden. Bei „Gestillter Sehnsucht“ von Johannes Brahms  fand sie leider nicht in das Lied hinein und verfehle nahezu alle Noten. Beim „Geistlichen Wiegenlied“ ebenfalls von Johannes Brahms hingegen war sie so phantastisch wie immer. Hier gelang die von ihr gewohnte, charakteristische Interpretation. Sie war ausdrucksvoll, die Worte wurden dezidiert ausgelotet, eine großartige Leistung. An der Viola wurde sie von Aaren Aning begleitet, der auf halber Strecker, trotz einer ganz ordentlichen Leistung, ein kleiner Schnitzer unterlief. Zum Abschluss sang Aditi Smeets dann Maria Wiegenlied von Max Reger, großartig von der Präsentation, mit einem wundervollen perlenden Stimmtimbre, einer berückenden Höhe, einfach zum dahin schmelzen, zudem wurde sie von Jihye Yang an der Violine großartig begleitet. Unvergesslich dieses berückendes Violinenintro zu „Morgen“ von Richard Strauss. Aditi Smeets gelang hier eine wunderschöne Interpretation, der es aber  leider am richtigen Tonfall mangelte, dieser hätte weniger unbeschwert, sondern eher von Melancholie erfüllt sein müssen. Durch den Abend führte,  mit seinem unverwechselbaren Charme, Prof. Tucker.

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