Studiokonzert Violoncello – Klasse Prof. Sebastian Klinger (HfMT, 28.11.2019)

Bedauerlicherweise war es dem Verfasser nicht möglich gewesen den ersten Teil dieses Konzertes genießen zu dürfen, da an diesem Abend die Bachelorprüfung von Elman Macid anstand, einem jungen Percussion Interpreten, über den dieser schon des öfteren berichtet hatte. So konnte er die künstlerischen Leistungen von Caroline Wieler, Katja Deutsch, Simon Schachtner, Annita Valkeajoki und Daniel Arias bedauerlicherweise nicht genießen, wohl aber den Schlußteil des „Allegro“ aus dem Konzer für Violoncello und Orchester in h-Moll op.104 von Antonin Dvorak mit Daniel Wachsmuth einem überaus begabten jungen Künstler der es in den letzten ca. 10 Minuten verstand die virtuosen Passagen dieses Werkes gut auszudeuten auch wenn irgendwann leider eine kleine Passage wohl nicht ganz so glückte wie geplant, schön ausziselierten lyrischen Passagen und guten dynamischen Abstufungen. Danach folgte die Pause. Während des 2. Teil dieses Konzertes, welches übrigens im Fanny Hensel Saal statt fand, hatte der Verfasser das außergewöhnliche Vergnügen neben den Künstlern auch moderne Kunst in Form von einem elegant im dominanten blau, in nähe einer Wand hindrapierten, Papierkorbes genießen zu dürfen, unweit davon standen aufgestapelte weiße Plastikbecher in einer Schutzfolie. Genau den Anblick, den man während eines Konzertes noch zusätzlich genießen möchte. Laura Recasens (tolle Ausstahlung) spielte dann nach der Pause „Lied ohne Worte für Violoncello und Klavier op. 109“ von Felix ‚Mendelssohn Bartholdy mit der wunderbaren Prof. Keiko Suzuki am Klavier. Ihr Ton war elegant, herrlich die dynamischen Abstufungen, ebenso wie die virtuosen Passagen, leider nur klangen sich wiederholende Passagen noch eine Spur zu ähnlich von der Intensität, hier können die dynamischen Abstufungen noch etwas feinsinnige ausziseliert werden. Es folgten die Etüden für Violoncello solo op. 14 und 22 von David Popper (1843-1913). Die Erst wurde virtuos, vielleicht eine Spur zu hektisch wirkend, schönen Piani und dynamischen Abstufungen ausgeformt. Die zweite gelang rhythmisch akzentuiert, ausdrucksvoll und packend, eine tolle Leistung. Elisabeth Kogan interpretierte mit Prof.Keiko Suzuki, das Andante / Finale Allegro aus dem Konzert für Violoncello und Orchester Nr. 1 in a-Moll op. 46 von Henri Vieuxtemps, den ersten Teil mit einer gefühlvollen Eleganz, schönen dynamischen Abstufungen, einem wunderbaren Tonansatz und gefühlvoll ausgedeuteten Trillern. Im Finale glänzte sie durch großartige dynamische Abstufungen in den virtuosen Passagen, feinsinnigen Piani und dramatischen Akzenten. Hannah Ruschepaul spielte von Johann Sebastian Bach die Suite für Violoncello solo Nr. 6 in D-Dur, BWV 1012. Das „Prelude“ glänzte durch ihr virtuosen Entré, die dynamischen Abstufungen, könnten noch etwas dezidierter Ausfallen und es gab herrliche virtuose Passagen. Die „Allemand“ wurde, obgleich manche Übergänge noch etwas eleganter hätten ausgeformt werden können, gefühlvoll, mit gut ausgeformten schönen Trillern und mit zum Teil überaus gefühlvoll ausgeformten virtuosen Passagen ausziseliert. Die „Courante“ glänzte durch ihren virtuosen, packenden Beginn, die dynamischen Abstufungen und diese virtuose, technisch brilliante Leichtigkeit, einfach wunderbar. Bei der Sarabande war sie dann leider spieltechnisch etwas überfordert, diese könnte Gesamtbetrachtet eleganter ausgeformt werden. Zum Abschluß dann der Höhepunkt des Abends, Tim Schuler mit seiner mitreißenden Interpretation  des „Konzertes für Violoncello und Orchester Nr. 1 in Es-Dur op. 107“ mit einer spielerisch fabelhaft aufgelegten Prof. Keiko Suzuki am Klavier. Eigentlich schade nur, das der Zuschauer seine schönen, ausdrucksstarken Augen und Blicke viel zu selten genießen konnte, das nächste bitte mehr davon. Gefühlvoll ging es im ersten Satz in die virtuosen Passagen zum Beginn, welche feinsinnig und dramatisch ausgeformt wurden, dann diese immer wieder aufflammende packende, dramatische Intensität in den immer wiederkehrenden virtuosen Passagen, das man regelmäßig fürchtete, gleich bricht der ausgefahrene Stützstab und dann diese wunderschönen, feinsinnigen Pianopassagen, ein Traum. Der 2.Satz glänzte zum einen durch sein berührend ausgeführtes, feinsinniges, gefühlvolles Entré, dann diese traumhaften Pianopassagen, die zum Teil auch eine dramatische Intensität beinhalteten, die einfach nur begeisterte. Schließlich diese rhythmisch, mitreißende Ausdeutung, dieser feinsinnigen Pianssimo mit Gänsehautcharakter. Hervorragend die gezupften Passagen, dieser Wechsel zwischen dramatischer Intensität und berührender Zartheit, besser geht es kaum. Schließlich in den letzten beiden Sätzen wiederum diese grandios ausziselierten virtuosen Passagen, die so einzigartig packend und eloquent ausgeformt wurden,  diese sich steigernde dramatische Intensität, die einen förmlich aus dem Gestühl reißt, mit diesen gezupften Einschüben die an dramatischer Intensität dem voran gegangenen Passagen in nichts nachstehen. Eine beglückende Interpretation, die alle die diese an diese Abend genießen durften, bestimmt so schnell nicht vergessen werden. Diesem jungen Mann sollten eigentlich alle Türen für eine erfolgsversprechende Karriere offen stehen.

Über godenrath

Opernexperte
Dieser Beitrag wurde unter d. Cello veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s