Gesangsfest Prima La Parola – Musik für Stimme und Instrument 1. Teil (Rudolf Steiner Haus, 29.11.2019)

Manchmal stellt sich der Verfasser bei solchen Veranstaltungen die Frage, wer steht eigentlich hinter der Bühne und kontrolliert noch einmal, ob die Garderobe vor dem Auftritt auch wirklich richtig sitzt, bzw. unfallsicher ist. Hier ein paar Beispiele, des hier zu besprechenden Abends, bei einem hat man sich gefragt ob es Hemd auf Grund der Spannkraft des oberen Knopfes auch in seiner Größe  gegeben hätte, bei einem anderen war die Hose geschätzte 10-15 cm zu lang gewesen. Das eine Kleid hatte einen Fleck, bei der anderen hing in der Mitte ein Faden hernieder, glücklicherweise war es Knie.- und nicht gesäßumspielend gewesen, von der Länge, somit war zumindest die Frage geklärt zu welchem getragenen Teil dieser Faden gehören könnte. Bei einer anderen kräuselte sich die Hose an einem Bein nach oben, am anderen nicht, bei einer vierten wären bei einer Verbeugung um ein Haar zwei Körperteile links und rechts aus dem Dekoltée gefallen. Aber das nur am Rande. Den Abend eröffnete der Bariton Martin Lissel mit „Tu se’morta“ aus dem L’Orfeo von Claudio Monteverdi, der Uroper, gefühlvoll, ausstark mit einer dezidierten Textinterpretation. Es folgte Soyeon Kang mit der Arie Sta nell’ircana pietrosa tana“ aus Alcina von Georg Friedrich Händel, die Koloraturen hätten etwas phantasievoller und dezidierter gestaltet werden können und zum auch pointierter vom gesanglichen Ausdruck her. Im später Verlauf wurde sie dann etwas ausdrucksstärker. Es folgten Auszüge aus der „Missa symbolum nicenum BWV 232 von Johann Sebastian Bach. Jenny Kalbfleisch gelang hier eine gefühlvolle Textausdeutung und auch die Verzierungen wurden schön ausgeformt, leider nur übertönte sie nahezu permanent Yohan Kim, der ein schönes Stimmtimbre besitzt, die Koloraturen aber etwas phantasievoller hätte ausformen können. Zudem besitzt er eine schöne unangestrengte Höhe.  Andrijana Acimovic stach mit ihrer feinsinnigen Eleganz an der Querflöte heraus. Tim Schuler spielte hier übrigens das Violoncello. Es folgte aus dem Magnificat BWV 243  das Quia respexit, welches von Jenny Kalbfleisch gefühlvoll und ebenfalls mit guten ausgedeuteten Verzierungen interpretiert  wurde. Allerdings hätte die Stimme hier stellenweise etwas charmanter klingen können. In dem Duett der darauffolgenden Kantate BWV 140 „Wachet auf, ruft uns die Stimme“,  “ Wann kommst du, mein Heil“ verfügt Maria ‚Thomzik über eine schöne Höhe und die Verzierungen wurden gut ausgeformt. Tim Winkelmann konnte leider an seinen letzten guten Auftritt vom gesanglichen Niveau her nicht anknüpfen, die Stimme klang unstet, sich wiederholende Worte und Sätze wurden zu ähnlich ausgeformt, hier wäre eine phantasievollere Phrasierung gefragt gewesen, lediglich in der Höhe war die Stimme vom Klang her akzeptabel. Auch im darauffolgenden kurzen Rezitative „So geh herein zu mir“ hätte die Textausformung noch etwas dezidierter ausfallen können. Im darauffolgenden nächsten Duett „Mein Freund ist mein!“ konnte er sich verglichen mit dem 1. Duett leicht steigern. Maria Thomzik konnte mit ihren Verzierungen punkten, welche sie akzentuiert ausformte und mit ihrem natürlichen Charme. In der Arie „Ich habe genug“ aus der gleichnamigen Kantate BWV 82 gelang es Louise Jacobson McCalland mit ihre opulenten, schön timbrierten, ausdrucksstarken Stimme, ihrer Ausstrahlung und ihrer tollen Präsenz, zu punkten. Lediglich der Text hätte etwas verständlicher ausgeformt werden können. Es folge Rezitative und Arie „Und Gott sprach: Es bringt die Erde Gras hervor“, „Nun beut die Flur“. Franzis Luise Hohlbein bestach durch ihren natürlichen Charme, die Koloraturen wurden schön und phantasievoll ausgeformt, es gab eine dezidierte Textinterpretation und sie besitzt ein berückend schönes, perlendes Timbre. Die Mezzosopranistin Qiuyu Lu (tolle Ausstrahlung), gestaltete die Arie “ Torna di Tito al, lato“ aus La clemenza di Tito von Wolfgang A. Mozart, mit guten Verzierungen, wählte bei „torna“ immer wieder eine individuelle Betonung und sie setzte musikalische Akzente. In der Arie „Una donna quindici anni“ aus Cosi fan tutte, bestach Linh Nhat Nguyen durch ihren natürlichen Charme, ihre Koketterie, mit ihrer tollen Mimik und herausragenden Gestik, stimmliche Ausdeutung und die Art feinste Nuancen zu setzen, diese Arie hört man auf Tonträgern auch nicht besser. Zaiho Wu sang danach aus Mozarts Figaro „Non piu drai“, mit einem tollen Stimmtimbre, dezidierter Textinterpretation, mit viel Charme und er setzt dramatische Akzente. Zum Ende des 1. Teils sang Ana Carolina Coutinho die Konzertarie „Vorrei spiegarvi o Dio!“ ausdrucksvoll, mit einer großartigen Höhe, gefühlvoll, nuanciert in der Textbehandlung, großartig in den Verzierungen und der Phrasierung. Grandios wie akzentuiert ihr die dynamischen Abstufungen glückten. Auch die Arie hört man auf Tonträgern selten besser ausgedeutet. Nach der Pause sang Nora Kazemieh „Die junge Nonne“ von Franz Schubert mit einer guten, lebendigen Textbehandlung, einer guten Präsentation und sie verstand es dramatische Akzente zu setzen auch wenn ihre Stimme den dramatischen Ausdrucksgesten dieses Liedes noch nicht so ganz folgen wollte. Von Manuel de Falle sang Merlind C. Pohl drei Lieder aus den „Siete canciones populares. Beim  „El pano moruno“ traf sie hervorragend die Charakteristik der Musik, „Seguidilla murciana“ formte sie ausdrucksvoll mit gut ausgedeuteten Verzierungen aus und „Astruriana“ gelang berührend bei dezidierter Textinterpretation, eine hervorragende Leistung. Rosa Amata Lüschwager sang Cuatre Madrigales Amatorios. Das erste gefühlvoll, der zweite berührend, das dritte kokett mit guten Verzierungen und das vierte akzentuiert ebenfalls mit guten Verzierungen, wobei die Stimme Gesamtbetrachtet noch etwas charmanter und wärmer klingen könnte, zudem müßte sie noch etwas an ihrer Mimik arbeiten. Von Stefano Donaudy sang Yohan Kim die Arie „O del mio amato ben“, gefühlvoll, feinsinnig, hervorragend in den Verzierungen, charmant, nuanciert in der Textinterpretation, er setzt dramatische Akzente und besitzt ein herausragendes Timbre, eine tolle Leistung. Zaihao Wu sang dann das Lied an den Abendstern aus Tannhäuser von Richard Wagner, feinsinnig, gefühlvoll, mit schön ausgedeuteten Pianopassagen, nuanciert, mit schön ausgeformten Verzierungen, wobei die Stimme stellenweise etwas unstet klang. Nora Kazenieh folgte dann mit der Arie „Wie du warst“ aus dem Rosenkavallier, gefühlvoll, berührend, nuanciert, rhythmisch akzentuiert, setzte dramatische Akzente, schlichtweg einfach großartig. Zum Abschluß gab es dann von Quinchuan Lan (Bariton) die Arie „Luna nad nim“ aus Aleko von Sergei Rachmaninov, mit einem gefühlvollen Entré, mit einer packenden dramatischen Intensität, ausdrucksvoll. berührend, bei einer großartigen Präsentation auch was die Mimik anbelangt. Gesanglich war er einfach phantastisch. Egal ob am Cembalo oder am Klavier Jason Ponce traf immer den richtigen Tonfall, ebenso wie Moshe Landsberg bei der letzten Arie ein großartige Begleitung glückte.

Über godenrath

Opernexperte
Dieser Beitrag wurde unter a. Gesang veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s