Studiokonzert Gesang; Klasse Prof. Carolyn Grace James (HfMT, 21.11.2019)

Ein Abend mit einigen Überraschungen. Noah Schaul trat wie versprochen leider nicht auf, da er an einem Vorsingen teilnahm. Ekaterina Badeso sang krankheitsbedingt nur  im 1. Teil und  ebenfalls krankheitsbedingt mußten Joris Rubinovas und Gabriele Jocaite ihre Auftritte absagen. Carolyn Grace James eröffnete charmant beide Teile und überließ es dann ihren Schülern, sich und ihre Gesangsvorträge vorzustellen. Den Abend eröffnete Chia-Tung Hsieh mit „Jasminenstrauch“, einem Lied von Robert Schumann, mit einem perlend anmutenden Stimmtimbre, viel Charme und ausdrucksvoll in der Interpretation. Auch das darauffolgende „Les berceaux“ von Gabriel Fauré, formte sie gefühlvoll aus, zudem fand sie für beide Lieder einen individuellen Tonfall und traf somit die Charakteristik beider Lieder.  Leider mangelte es der Stimme an einer Stelle in der Tiefe an der nötigen Substanz und auch in der dramatischen Höhe zeigte sich die Stimme an einer Stelle noch leicht überfordert, dennoch eine großartige Leistung. Es folgte Geng Li mit „Der Neugierige“ aus Schuberts Schöner Müller. Er gab jedem Wort eine individuelle Bedeutung,  grandios seine  dezidierte und feinsinnige Textausdeutung, herrlich diese dynamischen Abstufungen, bei diesem Lied trat er nicht nur als Vermittler, sondern als Erzähler auf, der dieses selbst erlebt zu haben schien, phänomenal. Weniger phänonemal dann leider sein 2. Auftritt, hier sang er die Arie des Valentin „Avant de quitter ces lieux“ aus Gounods Faust. Irgendwie kam er gefühlsmäßig nicht richtig rein, und so blieb seine Interpretation trotz einer guten gesanglichen Leistung, feinsinniger Textbehandlung, gut in den dynamischen Abstufungen, gut ausgeformte Bögen und im zweiten Teil rhythmisch akzentuiert, nicht tiefsinnig genug, was um so ärgerlicher ist, weil der Verfasser genau weiß, das er diese Arie besser hätte gestalten können. Es folgte Ekaterina Badeso mir den Lieder „Otschego“ und „Denj li tsarit“ von Peter I. Tschaikovsky. Grandios die Augen, diese bezwingenden Blicke und dann die Interpretation dieser Lieder. Das 1. wurde charmant und gefühlvoll, mit einer dezidierten Textinterpretation ausgeformt, zudem setzte sie auch noch dramatische Akzente. Das 2. wurde ebenfalls charmant mit großartigen, dramatischen Akzenten ausgeformt, eine tolle stimmliche und auch interpretatorische Leistung. Es folgte Shu Lin mit „C“ aus den Deux poémes de Louis Aragon von Francis Poulenc und den Lieder „Cäcilie“ und „Morgen“ von Richard Strauss. Das 1. klang ein klein wenig hektisch, daher fehlte diesem Lied so ein wenig die innere Ruhe, dennoch besitzt Shu Lin eine brilliante Höhe und ihr glückte eine dramatische Musikinterpretation. Das 2. Lied war zwar großartig von der Mimik und auch hier glückte eine dezidierte Textinterpretation bei guter Phrasierung, die allerdings noch etwas tiefsinniger hätte ausfallen können. Gefühlvoll und berührend dann das Lied „Morgen“ auch auf Grund der wundervollen Begleitung von Moe Mo am Klavier. Es folgten von Hannah Gabor 5 (2-6) der 6 Lieder aus dem Le courte paille von Francis Poulenc. Das 1. wurde charmant mit gut herausgearbeiteten humoristischen Akzenten gesungen, das 2.  wurde auf wunderbare Weise, gefühlvoll ausziseliert, das 3.  bestach dahingehend, dass die humoristischen Aspekte pointiert herausgearbeitet wurden sind, das 4, wurde charmant und berührend mit einer bezwingenden Mimik interpretiert und das letzte wurde auch auf Grund ihrer bezwingenden Mimik und Gestik bravourös ausgedeutet. Es folgte von Lanlan Zhang „Ach ich fühl’s“  aus Mozarts Zauberflöte. Obgleich die Arie gut gesungen wurde gefühlt hat man als Zuschauer leider eher weniger. Die Arie wurde ohne die nötige Innigkeit, mit einer teilweise eisigen Kälte, zu laut und in der Höhe zu wenig charmant gesungen. Dieses wiederhohlt sich leider auch im Duett „Bei Männern welche Liebe fühlen“ aus Mozarts Zauberflöte. Auch hier war sie eher laut und uncharmant, während Geng Li einmal mehr eine sensationelle, feinsinnige Interpretation glückte. Das gleiche spiegelte sich leider auch in ihrer 2. Arie „Quando m’en vo“ aus Puccinis La Boheme wieder, leider auch hier mit zu wenig Schmelz und Charme interpretiert.  Die Arie wurde zwar was die Noten anbelangt gut gesungen, aber nicht was den interpretatorischen Gehalt anbelangt. Auch hier ärgerlich, allein um dessentwillen, weil der Verfasser weiß, das sie es hätte besser machen können. Es folgte „Ich baue ganz auf deine Stärke“ aus der Entführung aus dem Serail von Wolfgang A. Mozart. Nach seinem phänomenalen Auftritt im Hospital zum heiligen Geist, mit einer Interpretation der Arie des Edgardo aus Lucia die Lammermoor, die Weltklasse war, folgte hier ein wenig die Ernüchterung. Vor allem in den längeren Passagen, welche Verzierungen beinhalteten , wurden diese zu stakkatohaft gesungen, auch mangelte es  der gesamten Arie ein wenig an Schmelz, kürzere Verzierungen hingegen gelangen wesentlich besser und auch von der dramatischen Gestaltung her blieben keine Wünsche offen. Wesentlich besser dann seine zweite Arie L’amour, l’amour“ aus Romeo et Juiette von Charles Gounod. Bestechend dieses gefühlvolle Entré, berührend dieser Schmelz in seiner Stimme, wunderschön ausgeführte Bögen. Der Phrase „parais“ gab er  immer wieder eine andere Betonung, zu dem wunderschön in der Detailbehandlung, eine großartige, feinsinnige Interpretation, einer der Höhepunkte des Abends.  Leider muß auch Natalija Valetin an diesem Abend nicht ihren besten Tag gehabt haben. Ihr Markenzeichen dieser unvergleichliche natürliche Charme, ihre Anmut und dieser betörende Schmelz in ihrer Stimme, auf all das wartete man an diesem Abend leider vergeblich. Natürlich wurde die Arie der Donna Elvira „Ah, chi mi dice mai“ aus Mozarts Don Giovanni vom dramatischen Duktus her trefflich ausgeformt und natürlich traf sie auch alle Noten mit einer Zielsicherheit die immer wieder begeistert, aber ihre Interpretation war dem Verfasser leider eine Spur zu unterkühlt, zumal er auch hier weiß, das sie es anders, besser kann. Gleiches konnte man auch bei ihrer Interpretation der Arie „D’onde lieta usci“ aus Puccinis La Boheme erleben, sie schien zwischen beiden Frauencharakteren so gut wie keinen Unterschied im gesangliche Ausdruck zu machen. Auch hier klang ihre Stimme eher kalt und leider auch weniger charmant und berührend. Mit der Arie „Faites-lui mes aveux“ (Siebel) aus Gounods Faust, gelang der Mezzosopranistin Maria Grazia Insam, bei leicht überhastetem Tempo, eine ausdrucksvolle, charmante, mit schön ausgeformten Pianopassagen, großartig gesetzten dramatischen Akzenten und einer beeindruckenden Mimik, eine hervorragende Arieninterpretation. Wundervoll auch was die Engführung der Stimmen (Vlada Shchavinska/Maria Grazia Insam) in der Überreichung der silbernen Rose aus Dem Rosenkavallier von Richard Strauss, anbelangt. Vlada Shchavinska gestaltete die Rolle der Sophie gefühlvoll, mit einer traumhaft gefluteten Höhe und auch Maria Grazia Insam gelang eine beeindruckende, ausdrucksvolle Rollengestaltung des Oktavian. Es war einfach herrlich beiden zuzuhören und zuzusehen, so gut gelingt diese Szene von der gesanglichen Ausdeutung her leider nicht immer, auch nicht in prominenterer Besetzung. Die letzte große Überraschung des Abend war der Tenor Weilian Wang, der zu erst aus der Oper Turandot „Nessun dorma“ sang. Auch wenn sein deutsch noch nicht ganz so sicher ist, gelang ihm eine charmante Einführung. Die Höhe besitzt eine dramatische Intensität, die den Verfasser in wenig an Franco Corelli erinnerte. Die Stimme besitzt eine betörenden Schmelz, zudem gelangen einige schöne Piani und auch bei der  Präsentation blieben keine Wünsche offen, unter einem mangelndem Selbstbewusstsein scheint dieser junge Mann, und das zu recht, jedenfalls nicht zu leiden. Den Abend beendete er dann mit „Dein ist mein ganzes Herz“ aus Das Land des Lächelns von Franz Lehar. Präsentiert mit seinem unwiderstehlichen, bezwingendem Charme,  gelang ihm eine gefühlvolle, ausdrucksstarke, mit Pianopassagen zum dahin schmelzen, glaubwürdige, akzentuierte Interpretation und dann diese Blicke, unglaublich. Besser wurde diese Arie von prominenteren Sängern auch nicht gesungen, stellenweise sogar eher schlechter bzw. oberflächlicher. Ein Gesamtbetrachtet beeindruckender Abend.

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