Antonin Dvorak: Rusalka (Theater Lübeck; 15.11.2019)

Die in einem Märchenland und zur Märchenzeit angesiedelte Handlung um eine in einen Prinzen unglücklich verliebte Wassernixe wurde um die vorletzte Jahrhundertwende von Dvorak mit einer unvergleichlich berührenden, von slavischen Klängen und Rhythmen geprägten Musik ausgestattet. Das Werk ist bis auf das populäre „Lied an den Mond“ streng durchkomponiert. Es lag wohl am Dirigenten Stefan Vladar, dem neuen Lübecker GMD, dass nicht nur die lyrischen, sondern auch die dramatischen Sequenzen sich mit grandioser Intensität entfalteten. Selten hörte man dieses viel gespielte Werk, 1904 in Prag uraufgeführt, mit derartigen Klangfluten aller Schattierungen bis in wagnerianische Dimensionen hinein, gespielt und es ist zu vermuten, dass Dvorak auch von diesem Komponisten geprägt war, aber einen unvergleichlichen, eigenen Stil entwickelte. Eine fulminante Leistung vom Dirigenten und dem Orchester!
Die Inszenierung von Otto Katzameier setzte die märchenhafte Handlung sehr überzeugend um und wurde am Schluss ebenfalls mit viel Beifall belohnt. Das Gleiche galt auch für das eher schlichte Bühnenbild, die Kostüme und das mitunter farbenfrohe Licht.
Die Sopranistin Maria Fernanda Castillo, die auch schon als Desdemona und Violetta (der Verfasser berichtete) an diesem Haus brillierte gab eine eher dramatisch mitreißende Rusalka mit lyrischen Momenten. Grandios! Der Tenor Tobias Hächler, der auch schon als Max brillierte, gab einen großartigen, mit leicht anspringender Höhe, bestechenden Prinzen. Überzeugend auch Runi Brattaberg als Wassermann, auch wenn vielleicht einiges noch etwas ausgefeilter hätte interpretiert werden können; in dieser Rolle war er in seinem Element. Romina Boscolo und Marlene Lichtenberg überzeugten auf Grund ihrer sinnlichen Mezzotiefe und ihrer dramatischen Intensität als Jezibbaba und Fremde Fürstin. Der manchen noch bestens aus „Ball in Savoy“ bekannte Steffen Kubach gab an diesem Abend einen überzeugenden Heger. Milena Juhl überzeugte sowohl als Küchenjunge, wie auch als Elfe. Die anderen beiden Elfen wurden von Claire Austin und Angela Shin gesungen. Ein grandioser Abend, der von der ersten bis zur letzten Note begeisterte. Großer Beifall am Schluss für alle Protagonisten.
Sven Godenrath, Hamburg

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Opernexperte
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