Operngala mit Anna Netrebko und Yusif Eyvazov (Musikfest Bremen; 10.09.2019)

Es war der erste Auftritt der weltweit gefeierten, russischen Operndiva, Anna Netrebko und ihres aserbaidschanischen Tenorpartners und Ehegatten Yusif Eyvazow in Bremen und konnte es einen würdigeren Rahmen für dieses Musikereignis geben als das Musikfest Bremen, das schon Ende August eine fulminante Nicole Chevalier als Einspringerin für die Violetta in Verdis`La Traviata feiern konnte. Der wunderbare Abend- um das gleich vorwegzunehmen- fand in einem der schönsten deutschen Konzertsäle statt, in der Bremer Glocke. Es spielte keine Geringere, als die ebenfalls allseits gefeierte Deutsche Kammerphilharmonie Bremen unter der Leitung des italienischen Dirigenten Jader Bignamini, der nahezu durchweg für einen großartigen, fast schon luxuriösen Klangteppich sorgte, der den beiden Protagonisten,wie man erleben konnte, offensichtlich sehr gefallen hat. Neben einzelnen Arien, Duetten und auch der einen oder anderen italienischen Kanzone gab es die üblichen orchestralen „Zwischenspiele“; die Ballettmusik aus „Otello“, die Ouvertüre zur „Macht des Schicksals“ (die leider etwas belanglos und mit Ausnahme des Pieta-Motivs uninspiriert klang; es sollte der einzige, etwas weniger erquickliche Moment des Abends bleiben), gefolgt vom Intermezzo aus „Manon Lescaut“und „Cavalleria Rusticana“. Das Galakonzert wurde eröffnet mit dem Liebesduett aus Verdis` „Otello“, in welchem Yusif Eyvazow durch seine konzentrierte Stimmführung eine gute Figur machte; er war vom ersten Moment an in der Rolle drin. Anna Netrebko sang zwar  mit opulenter, gut geführter Stimme, war aber gefühlsmäßig noch nicht richtig in der Rolle; es blieb aber bei einer schönen musikalischen Darbietung. Es folgte die erste Soloarie, O, fede negar aus „Luis Miller“, die von Yusif Eyvazov, gefühlvoll und charmant ausgeführt wurde. Er war gut in den dynamischen Abstufungen und berührend im emotionalen Ausdruck und er bot im zweiten Teil der Arie schön ausgeformte Piani. Es folgte die Arie „Pace, pace mio dio“, die Anna Netrebko mit einem gefühlvollen Entré und schön ausgeformten Piani sang, wobei ihre betörende Tief-und Mittellage wunderbar zum Einsatz kam. Nach einem berührenden „pace“ zum Ende des 1. Teils und einem grandios ausgeformten „fatalita“ gelang Ihr mit „maladizione“ am Ende der Arie ein fulminant dramatischer Abschluss.  Beim „E lucevan le stelle“, gelang Herrn Eyvazow eine gefühlvolle Interpretation. „Ebben? Ne andro lontano“ aus „La Wally“ sang die Künstlerin  berührend gefühlvoll, fein ausgeformt mit opulenter Stimme, wunderschöner Tiefe, tollen Piani und einem grandios dramatischen Schluss. Vor der Pause dann das Liebesduett „Vogliatemi bene“ aus „Madama Butterfly“ mit einem berührenden, orchestralen Beginn. Gleiches gelang auch  Anna Netrebko, die gefühlsmäßig gleich in der Rolle war. Yusif  Eyvazov war zu Beginn ein wenig neben der Spur; konnte dann aber doch noch zu einem starken, emotionalen Ausdruck finden. Anna Netrebko formte die dramatischen Momente gut aus. Beide Stimmen mischten sich hervorragend miteinander und verstanden es, eine ideale Balance zwischen den lyrischen und dramatischen Sequenzen auszuformen. Der zweite Teil begann mit dem „Non ti scordar di me'“, der gefühlvoll und mit dem nötigen Schmelz in der Stimme von Herrn Ayvazow vorgetragen wurde. Im Refrain gesellte sich dann die Stimme Anne Netrebkos` mit dazu und es gab noch eine gelungene Tanzeinlage. Das „stridono lassu“ aus „I Pagliacci“ besaß Charme und Wärme und wurde wundervoll von der Sopranistin gesungen. Gekonnt setzte sie dramatische Akzente und schloß die Arie mit einer phänomenalen Höhe ab. Beim „vesti la giubba, gelang dem Tenor eine glaubhafte Darstellung, gefühlvoll und berührend, nicht überzogen und es gab Gott sei Dank keine Schluchzer im orchestralen Nachspann. Das Lied an den Mond aus der Oper „Rusalka“, wurde gefühlvoll mit traumhaften piani ausgeformt; zweifellos einen der Höhepunkte des Abends. Beim unvermeidlichen“Nessun dorma“ sang der Tenor zwar mit konzentrierter Stimme, aber leider bekam sie hier ihren weniger charmanten, metallisch klingenden Beigeschmack, obgleich er in den zurückgenommenen Sequenzen einen runderen Ton fand. Der offizielle Teil endete mit dem Schlussduett aus „Andrea Chenier“, in welches Yusif Eyvazov leider etwas weniger charmant einstieg, obgleich er auch hier mit schön geformten Pianopassagen Punkten konnte. Seine Partnerin gelang ein opulenter, gefühlvoller Einstieg bis hin zu einem Schluss, der an Intensität und Dramatik nicht zu überbieten ist. Ein weiterer, atemberaubender Höhepunkt! Als erste Zugabe sangen beide Künstler das Trinklied aus „La Traviata“ mit viel Charme und einer launigen Tanzeinlage. Beim „O sole mio“ tänzelte Anna Netrebko Carmen -gleich mit einer Blume zwischen den Zähnen über die Bühne, was ihren Tenorpartner und Ehegatten auf charmante Art und Weise ein wenig aus dem Konzept brachte. Ihm sei eine kleine Anmerkung gewidmet: War Yusif Eyvazow anfänglich wohl nur der Gatte der Diva und mehr und mehr auch in ihre Auftritte eingebunden, was andere Tenöre arbeitsmäßig ein wenig ins Abseits drängte, hat sich der Tenor doch sehr emanzipiert und sich gesangstechnisch beeindruckend entwickelt. Zu Beginn seiner öffentlichen Auftritte war zu erkennen, dass er über eine solide Gesangstechnik verfügt, aber sein Stimmtimbre einen mitunter sehr harten, metallischen Klang aufwies. Daran hat er mit Erfolg gearbeitet, was auch der hohen Stimmlage zu Gute gekommen ist. Ein großartiger Abend eines charmanten Sängerpaares. Es ist zu hoffen, dass sie und ihr Gatte sehr bald Bremen wieder einen Besuch abstatten werden.                                       Sven Godenrath, Hamburg

 

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Opernexperte
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