Dolly Parton: 9 to 5 oder warum bringen wir den Chef nicht um (Frist Stage Theater, 05.08.2019)

Das Frist Stage Theater präsentiert seinen Besuchern dieses Jahr einen Musicalsommer der ganz besonderen Art. Ein Highlight jagt das nächste. Angefangen mit einer fabelhaften Carrie Adaption in welcher man Isabella Schubert und Sven Geiger in ihren letzten großen Rollen am Frist Stage Theater noch einmal erleben kann, es gibt deshalb eine Verlängerung. Weiter ging es dann mit Best of 2019, für alle die es verpasst haben, auch hier hätte man die beiden noch einmal, dieses mal zusammen in verschiedenen Episoden erleben können, leider keine Verlängerung. Und abschließend noch einmal den Hit des letzten Jahres, leider nicht Dracula, dafür aber Fame, das Musical schlechthin. Dazwischen liegt die Abschlußarbeit der angehenden dritten Klasse der First Stage School in Hamburg mit ihrer Produktion 9 to 5 und um die Spannung schon einmal etwas herauszunehmen, es war großartig. Mit viel Witz, Esprit, Charme, Tempo und daher überaus Stimmungsvoll wurde die Story von einem sexistischen Chef der von der Damen in seine Schranken verwiesen wird umgesetzt. Der Film kam am 19.12.1980 mit Lily Tomlinson, Dolly Parton und Jane Fonda in die Kinos, das Musical feierte am 09.09.2008 in los Angeles seine Uraufführung  und lief nah den Previews 5 Monate am Broadway  und läuft jetzt am West End. Die deutsche Erstaufführung fand 2016 in Merzig statt. Für all diejenigen denen West End zu weit weg ist, das Hamburger First Stage Theater ist dichter dran und das künstlerische Niveau kann hier mit jenem am West End mit Sicherheit mithalten, immerhin stehen in dieser Produktion 50 talentierte junge Künstler über den gesamten Abend verteilt auf der Bühne. Vorab gab es noch eine charmante, kurzweilige Einführung. Konnte man im letzten Semester vielleicht noch etwas bemängeln, daß die Männer zwar einfühlsam, aber weniger Stimmgewaltig daher kamen, so hat sich das in diesem Jahr etwas geändert, mit Gabor Enrico Schaub als großartigen Joe und Robin Ziehbrunner als despotischen Chef Franklin Hart jr., der Frauen lediglich auf ihren Sexfaktor reduziert, geändert. Gabor Enrico Schaub besitzt ein warmes Stimmtimbre und eine Stimme von mittlerer dramatischer Intensität, der es versteht seine Rollen feinsinnig, differenziert auszuformen und dennoch in den dramatischen Sequenzen, die nötige Intensität entwickeln kann. Robin Ziehbrunner zeigte an diesem Abend seine enorme stimmliche Wandelbarkeit, über charmant flirtend, genervt singend bis hin zu einer Höhe im Falsett, die sicher bewältigt wurde und auch er besitzt die Möglichkeiten seine Stimme in dramatischen Sequenzen zu intensivieren, ohne das man als Zuhörer das Gefühl bekommt, jetzt wird es eng. Ebenfalls überaus charmant, Stephen Schöne als Dwayne / Tinsworthy, Johannes Gratz als Josh, Timo Balzli als Dick und Emmanuel Duarte als Bob und  Dance Captain (mit einem fabelhaften Spagat) Die Damenstimmen hingegen sind auch dieses Jahr, so stark wie im letzten, allen voran Clarissa Anyamele als Violet, mit einem großartigen, warmen Stimmtimbre gesegnet und einer großartigen Ausdruckspalette,  der stimmliche Höhepunkte des Abends. Raffaela Weber als Judy, die Neue, die noch nie zuvor in einem Büro geschweige denn an einer Schreibmaschine gearbeitet hat, hatte zu Beginn leicht Probleme beim finden der vokalen Linie, manche Note wurde leider weniger mittig getroffen, steigerte sich aber ab der zweiten Hälfte des ersten Teils und lieferte eine gute vokale Leistung. Julia Fankhauser als Doralee, spielt die blonde Sexbombe vom Lande, die permanent von ihrem Chef  flach gelegt werden soll, sich aber erfolgreich wehren kann, war sowohl darstellerisch wie auch gesanglich hervorragend. Larissa van Eyk als sexuell frustrierter verlängerte Arm des Chef, die sich nicht sehnlicher wünscht als einmal von ihrem Chef flach gelegt zu werden, mit Dutt, Brille und biederem Kostüm, aber ständig scheitert, besitzt ein dunkle getönte ebenmäßige, warm timbrierte Stimme, die nicht nur die Lacher auf ihrer Seite hatte, sondern mit ihrer Interpretation des Titels „Nacht für Nacht“, einer der gesanglichen Höhepunkte des Abends war, ein grandiose sängerische Leistung. Neele Bauss als alkoholabhängige Margaret war ebenfalls hervorragend. In weiteren Rollen rundeten Laura Kutscher als Kathy, Carla Keller als Maria und Jessica Joss als Missy das Gesangsensemble hervorragend ab. Tänzerisch brillierten neben anderen: Lea Bachmann, Laura Sophie Hering, Nathalie Cieseia, Rebecca Demmer, Julia Göbel, Sophie Sarbu, Aisha Sitoe, Maria-Rosa Vogele, Kimberley Kremkau, Paulina Wenz ( die in der Pause noch die Rolle der Programmheftverkäuferin mit sehr viel Charme verkörperte) und Edwin Parzefall. Für die musikalische richtigen Ton sorgten Joe Schmitz – Keyboard / Dirigent, Max McMahon und Paul Baeyertz – Keyboard, Sascha Momiroski und Freddy Schlender – Gitarre, Phil Steen – Bass, Sebastian Rieß – Drums, die, wie nicht anders zu erwarten, mal wieder großartig und mitreißend spielten. Ohne dieses tolle musikalische Ensemble wäre das Vergnügen sicherlich nur halb so groß und der Verfasser ist dank einer Londoner Les Miserable Produktion diesbezüglich vorgeschädigt und weiß wovon er spricht.  Für die schlüssige Inszenierung sorgten u. a. Katja Stern – Regie, Kathrin Janna Leipe – Regieassistentin/Produktionsleistung, Stephen Schöne, Rebecca Demmer –  Musikalische Leitung, Lisa Wissert – Choreographie. Emmanuel Duarte – Stepp-Choreographie, Sarah Thomas, Leona Frieling Bühnenbild/Requisite, Caroline Beyer, Madelaine Buß – Kostüme, Bianca Köhler – Maske/Social Media.

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