Fit für den Wettbewerb – Yi-Teng Huang, Andrei Aleinikov – (HfMT, 24.07.2019)

Glücklicherweise herrschten in dem Orchesterstudio anders als vor der Türen keine 35 Grad, sondern eine angenehme kühle Luft. Den Abend eröffnete der chinesische Pianist Yi-Teng Huang mit der Etüde op. 10 Nr. 1 C-Dur von Frederic Chopin und obgleich sein Klavierspiel einen perlenden, dramatisch Klang verströmte und auch in den virtuosen Passagen die dramatische Innenspannung nicht auf der Strecke blieb, gab es so gut wie kaum wahrnehmbare dynamische Abstufungen, alles klang von der Intensität her sehr ähnlich. Es folgte von Franz Schubert die Klaviersonate a-moll Nr. 14 D784, die mit einem gefühlvollen Entré überraschte, er setzte dramatische Akzente, es gab auch feinsinnig, perlende Pianopassagen und es gab zumindest in den Pianopassagen und in den Mezzoforte Passagen dynamische Abstufungen. Die dramatischen Passagen, besaßen zwar eine packende Intensität, es gab nur leider keine Nuancen, sie klangen alle gleich. Auch im 2. Satz gab es wiederum ein gefühlvolles Entré, perlende, feinsinnige Pianopassagen und schöne Triller, während der 3. Satz mit perlenden Laufpassagen begeisterte, er wurde pointiert und ausdrucksvoll mit einem grandiosen virtuosen Schluß ausgeformt. Auch in diesen beiden Sätzen hätten die Passagen voller dramatischer Intensität nuancierter ausgeformt werden können, sie klangen leider alle zu ähnlich. Es folgte Andrei Aleinikov mit der Etüde op. 10 No. 1 C-dur von Frederic Chopin, feinsinnig, ausdrucksvoll, perlend, wunderbar in den dynamischen Abstufungen, grandios in den virtuosen Passagen und er setzte feinsinnige dramatische Akzente. Es folgte von Johann Sebastian Bach das Prelude und Fuge Nr. 8 Es-Moll, mit einem traumhaften Entré, wunderbar feinsinnig ausziselierten Trillern und Pianopassagen, nuanciert in der Ausdeutung, herrlich die dynamischen Abstufungen und die dramatischen Akzente, eine mitreißende Interpretation und auch in der Fuge setzte er feinsinnige Nuancen und bot eine akzentuierte Interpretation, phantastisch. Aus dem Images Book 1 folgte „Reflets dans l’eau“ von Claude Debussy, mit einem wundervollen, perlenden Beginn, er setzte auch hier feinsinnige Nuancen, setzte dramatische und dennoch feinsinnige Akzente, perlende Laufpassagen, grandios die dynamischen Abstufungen. Sein Spiel besaß eine feinsinnige Eleganz, eine emotionale Tiefe und auch eine dramatisch, fesselnde Intensität. Nach einer kurzen Pause spielte Yi-Teng Huang das Präludium und Fuge Nr. 21 B-Dur BWV 866 von Johann Sebastian Bach, rhythmisch akzentuiert, perlend, setzte dramatische Akzente, perlende Laufpassagen und war in den dynamischen Abstufungen besser als im 1.Teil. Es folgte von Ludwig van Beethoven die Klaviersonate E-Dur op. 109 Nr. 30. Er setzte dramatische Akzente, die dynamischen Abstufungen hätten noch etwas prägnanter sein können, schöne Pianopassagen, akzentuiert und mit einer dramatischen Intensität. Im 2. Satz gab es ein gefühlvolles Entré, perlende Triller, er setzte akzentuierte Nuancen. Der 3. Satz klang rhythmisch akzentuiert, es gab perlende virtuose Passagen und sowohl dramatische Akzente wie auch eben solche ausgeformten Triller. Abschließend spielte er von Alexander Nikolajewitsch Skrjabin „Fantasie h-Moll op. 28, mit einer dramatischen Intensität die einen sprachlos machte, leider gab es auch hier kaum dynamische Abstufungen im Forte, dafür gab es ein paar akzentuierte Pianopassagen. Es folgte noch einmal Andrei Aleinikov mit dem 1. Satz aus der Sonate F-Dur KV. 533 von Wolfgang A. Mozart. Sein Spiel besaß eine feinsinnige, akzentuierte Eleganz, großartige dynamische Abstufungen, pointierte perlende virtuose Passagen und auch eben solche Laufpassagen, perlende Pianopassagen und akzentuierte Triller. Abschließend spielte er von Sergei Prokofiev die Sonate Nr. 8 B-Dur op. 84. Der 1. Satz hatte ein traumhaftes, berührendes Entré, feinsinnige, elegante Pianopassagen, er setzte dramatische und dennoch feinsinnige Akzente, spielte gefühlvoll, pointiert und rhythmisch akzentuiert, war großartig in den akzentuierten, virtuosen Passagen, spielte mit einer grandiose dramatischen Intensität, atemberaubend der Wechsel zwischen den lyrischen und den dramatischen Passagen die zarten, gefühlvollen Pianopassagen wurden zum Teil berührend ausgeformt. Im 2. Satz war er rhythmisch feinsinnig, spielte Elegant, perlend mit einer musikalischen Tiefe und setzte feinsinnige, dramatische Akzente. Im 3. Satz bestach vor allem seine dramatische Intensität, die dennoch dynamische Abstufungen enthielt, atemberaubend, mitreißend, auch die darin an den Tag gelegte Virtuosität. Zum Ende gab es in dem rhythmisch, pointierten Finale noch einmal eine kaum zu glaubende dramatische Steigerung mit einer kaum zu glaubenden Virtuosität, sensationell. Auch wie es ihm gelang für jedes einzelne Werk einen individuellen Tonfall zu finden.

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