Best of 2019 (First Stage Theater, 21.07.2019)

An diesem Abend gaben die 8 besten der Abschlußklasse der Frist Stage School mit einem eigenen Programm eine Kostprobe ihres Könnens. Diese Tradition geht jetzt schon ins 4 Jahr und erlebt dieses Jahr sogar ein Gastspiel in Frankfurt. Noch ein kleiner Hinweis am Rande, für alle die die Welt vom Samstag den 20.07.2019 gelesen haben sollten, der Rezent des dort erschienen Artikels muß in einer anderen Veranstaltung gewesen sein oder war und leider nicht das erste Mal, weniger gut Informiert. Die dort aufgelistete Handlung hat jedenfalls nicht einmal annähernd etwas mit dem zu tun, was sie dieses Jahr dort auf der Bühne erleben dürfen. Den Abend eröffnete Rita Sebeh zuerst Solo mit „There’s no business like showbusiness“, delikat ausgeformt, mit einer wunderbaren , ansprechenden Tanzperformance, an die sich dann peu á peu die anderen 7  Gesangsdarsteller, Dominic Angler, Isabelle Schubert, Lucia Feneberg, Kerstin Loewin, Nicolas Schulze, Lorena Dehmelt und Sven Geiger anschlossen. Zu sehen und zu hören gab es 8 Szenen, wie das Leben sie nicht schöner hätte schreiben können, zwei getanzte Intermezzi und einen Tipp, wie man die Pause am besten verbringen könnte, mit einem Prologe (There’s no business …) und einem Epilog ( Impossible Dream). Den Anfang machte Dominic Angler „Unverhofftes Rampenlicht“, als unterschätzter Pianist, der wohl für seine Diva bestenfalls den Fußabtreter spielen durfte, vielleicht fühlte man sich hier an ein Interview mit Helmut Deutsch erinnert, als er in frühen Jahren noch nicht mit, sondern für Hermann Prey arbeiten durfte. Die Diva ist jedenfalls erkrankt, niemand hatte ihn informiert und er mußte jetzt das Publikum allein bei Laune halten, in dem er ein einstündiges Programm auf 2 Stunden aufbläht. Nach anfänglichen Unsicherheiten fand er mehr und mehr gefallen an dieser Rolle und kam schließlich zu den Entschluss, mit der nie wieder, zukünftig nur noch allein. Dominic Angler verkaufte sein Soloprogramm mit viel Charme und Witz und einigen feinsinnig ausgeklügelten Gesangseinlagen, tolle Leistung.  Es folgte Isabelle Schubert, grandios als Mina in Dracula und als Sportlehrerin in Carrie, falls noch nicht gesehen, unbedingt hin gehen. Ihr Soloprogramm hieß „Schöner Wohnen“. Mit ihrer neuen Einzimmerwohnung hat sie so ihre Probleme unter ihr probt eine Operndiva ( grandios wie sie die Koloraturen der Königin der Nacht ausformte, vielleicht steckt in dieser Stimme ja noch mehr Potenzial), über ihr eine Jazz- und Bluesdiva, die zu allem Überfluss auch noch etwas mit ihrem Freund angefangen hat, oder besser er mit ihr. Wenn die unter ihr mit dem proben durch ist, probt die andere entweder gesanglich oder in Form von akrobatische Übungen mit ihrem Freund auf dem Balkon. Isabelle Schubert ist mit ihrem vollen, sonoren, sinnlichen, ausdrucksstarkem  Sopranklang, ihrer stimmlichen Präsenz und Durchschlagskraft und ihrer Bühnenpräsenz in einer Klasse für sich. Ihr feinsinniger Humor ist stehts auf den Punkt, ihre Pointen haben eine Zielgenauigkeit, die einfach begeistert und wem das noch nicht genügt, der wird auch noch gesanglich ins Schlaraffenland geleitet, es bleiben schlichtweg keine Wünsche offen. In ihren besten Momenten fühlt man sich an die junge Angelika Milster erinnert, hier wurde der Grundstein für eine ganz große Karriere gelegt. Mit der kurzen Tanzperformance „Bring on the man“ zeigte uns Lucia Feneberg wie man auf einer öffentlichen Parkbank nach allen Regeln der tänzerischen Kunst einen Mann (Nicolas Schulze ) klar macht. Es folgte Kerstin Loewin, deren Motto irgendwo ist es immer 18 Uhr statt des versprochenen Weißweines, den Rosé öffnete „It’s Wine O’Clock“. Ihr bester Satz des Abends war, man soll immer so viel Wasser wie Wein trinken, ein Tipp von ihrem Verflossenen. „3 Liter Wasser, wo soll ich die denn lassen, ich bin doch kein indischer Wasserbüffel“. Ihr spitzfindiger Humor war auf den Punkt, grandios und gekrönt von der Lebensweisheit, wenn er mich nicht so akzeptiert wie ich bin, kann ich froh sein, das ich ihn los bin. Auch hier blieben gesanglich keine Wünsche offen, dank ihrer hervorragenden Bühnenpräsenz, ihrer Ausdrucksstärke und ihrer nuancierten Textinterpretation, ebenfalls eine denkwürdige Leistung, auch sie kann sich gute Chancen auf eine erfolgreiche Karriere ausrechnen. Lucia Feneberg „Hunderfünfundssechzig“, damit war ihre Körpergröße gemeint, die sie dazu verdonnerte Zeit ihres Lebens immer die kleine Süße zu sein, selbst beim Weineinkauf muß sie noch ihren Ausweis vorzeigen. Sie möchte aber lieber die femme fatale sein, nicht länger brav und bieder nicht länger die Prinzessin, sondern einmal das böse Mädchen, frei nach dem Motto, böse Mädchen kommen überall hin. Anfangs tiriliert sie auch noch brav und züchtig doch dann mit dem Wechsel ins rote Kleid kommt die ausgeflippte, burschikose zum Vorschein, zumindest bis zu dem Moment in dem ihr Telefon klingelt und sie die Prinzessin im neusten Diesneyfilm spielen darf. Vor der Pause von Sven Geiger, Kerstin Loewin und Nicolas Schulze noch das „Pausen-Lied“, hier könnte man den Stars des Abends auflauern, die in den Pausen sowieso nichts besseres zu tun hätten, oder nach Hause gehen, oder über die übrigen Gäste verbal herziehen, köstlich. Nach der Pause gewannen wie einen Einblick ins das Liebesleben eines Nerds, der zum ersten mal Sex mit einer Frau hat. Es beginnt mit „Im Wagen vor mir“ schließlich gibt es einen kurzen Zwischenstopp in einem Restaurant und ca. 20 zugeworfenen Blicken später landen beide in ihrer Küche auf dem Küchentisch, wo es nach anfängliche Schwierigkeiten mit dem Kleid, oben drüber oder unten drunten, dann vor den Augen des unter dem Tisch befindlichen Hamster ohne Kondom, doch noch zum Finalschuß kommt. Mit fatalen Folgen allerdings,  sie alle kenne doch noch die einschlägige Werbung: „Wenn es brennt im Schritt“. Darstellerisch herausragend umgesetzt. Auch er war humoristisch auf den Punkt, einfach grandios, gesanglich blieben auf Grund einer etwas weniger ausgeprägten stimmlichen Präsenz, trotz einer feinsinnigen musikalischen Ausformung, so manche Erwartungen leider auf der Strecke. Lorena Dehmelt „Du bleibst bei mir “ gibt uns Einblicke in das Leben eines schüchternen Mauerblümchens, die Phillip, ihrem Karstadtboy mit Haut und Haaren verfallen ist, überall wo er ist, ist sie „zufällig“ auch, ihr fehlt nur einfach der Mut ihn anzusprechen. Darstellerisch und gesanglich einfach deliziös, großartig präsentiert, pointiert und ausdrucksvoll. Hier sieht der Verfasser gute Chancen auf eine erfolgreiche Karriere. Es folgt die von Eifersucht gezeichnete Stepptanzeinlage nach „Happy“ mit Isabelle Schubert (umwerfend), Kerstin Leowin ( einfach großartig) und Sven Geiger (phantastisch) wie man sich immer wieder geschickt tänzerisch ins Spiel bringt, wenn er sich gerade mit der anderen amüsiert, einfach grandios umgesetzt. Rita Sebeh „Ich bin wie ich bin“ legt gesanglich mit „Mein Herr“ und „Ich bin, wie ich bin“, einen gesanglichen Maßstab vor, von denen anderen, die diese Rolle bereits seit Jahren auf der Bühne verkörpern, meilenweit entfernt sind. Ihre Ausdeutung beide Gesangsnummern, ist einfach schwer zu toppen, es war phänomenal, wunderschöne ausgeformte Pianopassagen, feinsinnig, pointiert. Schlichtweg grandios auch ihre Charakterzeichnung, eine großartige Leistung und der somit der Startschuss für eine große Karriere.  Das letzte Soloprogramm gehörte Sven Geiger „Weck mich auf“ der Aufgrund seiner schonungslosen Ehrlichkeit als Journalist von seinem Chef abgemahnt wird. Die Welt will halt Lieber belogen werden, von schwulen Frisören, die gar nicht schwul sind und ihren Kundinnen, bei denen eh Hopfen und Malz verloren ist noch eine Frisur andrehen, mit dem sie eher wie die Karikatur ihres Vorbildes aussehen, als dem zu entsprechen. Was Sven Geiger hier darstellerisch auf die Bühne brachte war phänomenal, Mimik, Gestik, der Tonfall, hier stimmte einfach alles, eine der glaubwürdigsten Rollencharakterzeichnungen des Abends, auch dank seiner enormen Bühnenpräsenz, schauspielerisch eine wahre Goldgrube. Gesanglich ebenfalls überzeugend, auch wenn seine Stimme stellenweise weniger Voluminös erschien, so war es der Stimmklang, der exakt auf Punkt war und ihm somit die Glaubwürdigkeit verlieh, die ein Sänger benötigt um in diesem Genre erfolgreich zu sein, ein ganz großes Talent. Abschließend dann der Epilog „Der unmögliche Traum“. Auch hier machte Rita Sebeh mit ihrem berührenden, feinsinnigen  Stimmklang den Anfang und die anderen gesellten sch dann peu á peu hinzu. Die Engführung der Stimmen war an diesem Abend optimal. Es war ein ungemein humorvoller, kurzweiliger Abend, den man sich auf gar keinen Fall entgehen lassen sollte.

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