Brigitte Fassbaender – The great Lieder Recording – (Warner)

In den letzten 30 Jahren des letzten Jahrhunderts bestimmten 2 Mezzosopranistinnen in Deutschland das Landschaftsbild des deutschen Liedgesanges. Sie galten beide als Institutionen. Die eine war Christa Ludwig, die andere die am 03.07. 1939 in Berlin geborene Mezzosopranistin Brigitte Fassbaender, Tochter von Willi Domgraf.-Fassbaender. Beiden gelang es auf überzeugende Art und Weise den Liederzyklen „Die Winterreise“ von Franz Schubert, eigentlich für eine Männerstimme komponiert, da der Dichter hier augenscheinlich ein eigenes Erlebnis durch diese Gedichtsammlung erzählen wollte, durch ihre intelligente, gefühlvolle und schlüssige Textinterpretation  maßstab setzend, glaubwürdig zu vermitteln. Auch für die Zigeunerlieder von Johannes Brahms findet Brigitte Fassbaender den richtigen, berührenden Tonfall. Großartig und ebenfalls maßstab setzend ihre Schubert Interpretationen:  „Der Musensohn“, „Der König von Thule“, für „Gretchen am Spinnrade“ den beseelten Tonfall, „Auf dem Wasser zu singen“, sie besitzt die seelische Tiefe für „An die Musik“, und die überzeugende Leichtigkeit für das „Ständchen“. Nicht nur Dietrich Fischer-Dieskau, Elisabeth Schwarzkopf und Christa Ludwig haben Maßstäbe für die Interpretation der Lieder von Hugo Wolf gesetzt, auch die Interpretationen von Brigitte Fassbaender werden höchsten Ansprüchen gerecht. An nächstes auf der Liste der Lieder, die eher in die Männerdomäne gehören, hat sie sich der Dichterliebe von Robert Schumann angenommen und auch diese Hürde geschickt umschifft und eine glaubwürdige, berührende Interpretation vorgelegt. Brigitte Fassbaender gilt auf Grund ihres dunklen Stimmtimbres und ihres einmaligen Gesangsausdruckes als Ideale Mahlerinterpretin. Ihre Interpretationen von „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ (wurde wahrscheinlich nur gestern Abend in der HfMT von Geng Lee übertroffen), „Ich atme einen linden Duft“ und „Wo die schönsten Trompeten blasen“ sind seit ihr nur selten wieder so berührend ausgeformt wurden. Hervorragend auch ihre Schönberg Interpretation von „Das Buch der hängenden Gärten“. Die übrigen 3 CDs sind ihr als Oratorien-, Opern- und Operettensängerin gewidmet. Sie zählte im Messiahs und in der Johannes Passion zu den besten Interpretinnen ihres Faches, weil es ihr gelang, die dort aufgezeigten Stimmungen berührend und stellenweise auch ergreifend umzusetzen. Ebenfalls großartige ihre Interpretation der Dalila, der Charlotte, der Eboli, der Gräfin Gschwitz (wohl eine der besten in dieser Rolle) und nicht zu Vergessen ihr Prinz Orlovsky, eine der besten Porträtzeichnungen der vergangenen 30 Jahre des letzten Jahrhunderts, nach Jochen Kowalski.

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