„Mit Figur, Herzhaftigkeit und Geist“ – Barockorchester der HfMT Hamburg, Gerhart Darmstadt (Museum für Kunst und Gewerbe 03.07.2019)

Der Dirigent Gerhart Darmstadt verstand es auch an diesem Abend mit seiner überaus lehrreichen, kurzweiligen und humorvollen Moderation durch den Abend zu führen. Zu Beginn gab es das Concerto D-dur TWV 52:D2 á 2 Corni (Eisenach oder Frankfurt am Main, um 1712). An seine erste Begegnung mit den beiden Hornisten (Naturhorn), kann sich der Verfasser noch zu genau erinnern. William Becerrz fiel ihm sowohl schon vor wie auch während eines Konzertes am 28.06.2018 (Orchestersaal, Klassenkonzert von Frau Jaenicke) und dann an die 2, Begegnung am 28.06.2019 beim Flötenabend mit Luise Catenhusen auf. Bei Florian Cason liegt die erste Begegnung nicht ganz so weit zurück, sie war am 09.02.2019 im Forum der Musikhochschule und die zweite am 22.02.2019. An diesem Abend, bei Telemann,  formten die beiden ihren Part überaus gefühlvoll aus, bei einer akzentuierten Interpretation, wundervollen Trillern und sie waren was die dynamischen Abstufungen anbelangt einfach fabelhaft. Diese Leistung auf einem Naturhorn (ohne Ventile) zu zeigen, dass ist bei weitem nicht ohne, eine großartige Leistung. Es war auch an diesem Abend einmal mehr ein besonderes Vergnügen zu erleben, zu welchen Höchstleistungen Gerhart Darmstadt das Barockorchester der Hochschule für Musik und Theater Hamburg ( Flöte-Julia Guggemoos, Oboe-Luise Raum, Violine 1 – Guillermo Santonja di Fonza, Magdalena Kraus, Akari Muraoka, Yuma Toyota, Violine 2 – Doga Cetin, Mario Suzuki, Fiona Helbig,, Viola – Yoojin Hong, Dohee Ko, Violoncello – Hannah Ruschepaul, Johannes Turkat, Fridolin Wissemann, Kontrabass – Stefania Secci, Jonas Hensell, Thomas Siebenkotten, Cembalo – Johannes Zeinler) animieren kann. Es wurde einmal mehr mitreißend, bei einem transparenten Klang und mit einer Innenspannung musiziert, die von der ersten bis zur letzten Note begeisterte. Der 1. Satz wurde überaus gefühlvoll ausziseliert. Im 2. Satz gab es einfühlsame Piani, schöne gefühlvoll ausziselierte Triller, er wurde schwungvoll und mitreißend ausgeformt. Im dritten Satz  dieses akzentuierte Entré, gefühlvoll ausziselierte Piani, rhythmisch pointiert, schöne, gefühlvolle Triller und im letzten Satz wiederum ein Streicherklang, einfach mitreißend. Eine Interpretation die man auch auf Tonträgern selten mit so einer Innenspannung serviert bekommt. Es folgte das Concerto e-Moll RV 441 ( ab hier spielte Elena Khurgina am Cembalo) für Blockflöte mit Luise Catenhusen, deren Gardrobenwahl an diesem Abend leider alles andere als Vorteilhaft war. Mit einer langen Hose hätte dieses, für dieses Konzert etwas zu kurz geratene Trägertop in dunkel Grün, bedeutend besser ausgesehen. Die musikalische Leistung hingegen ließ keine Wünsche offen,. Es gab wundervoll ausziselierte Triller, sie war grandios im Ausformen der virtuosen Passagen. Im 2. Satz dieses berührende Entré, diese wundervollen, gefühlvoll ausziselierten Triller, zudem gab es Triller in denen sie dramatische Akzente setzte und dann diese grandiosen, mitreißenden, virtuosen Passagen, einfach unglaublich. Der Flötenton verschmolz immer wieder mit dem Orchester zu einem harmonischen Ganzen, in den Solopassagen begeisterte das Orchester dann mit ihrer akzentuierten und auch pointierte rhythmischen „Untermalung“. Im 2. Satz dann dieses berührende Entre, grandios diese rhythmisch pointierten Pianopassagen. Es folgte von Giovanni Battista Pergolesi: Orfeo, Cantata da Camera P 115 für Tenor (eigentlich für Coutertenor). Dustin Drosdziok, der sich auch schon während seines Prüfungskonzert auf Gerhart Darmstadt bei seiner Interpretation dieser Kantate verlassen konnte, gab auch an diesem Abend sein bestes. Er formte die Kantate gefühlvoll aus, setzte geschickt dramatische Akzente, leider wies die Stimme in der tieferen Lage etwas wenig Substanz auf und auch die Verzierungen wollten erst beim zweiten Anlauf adäquat von der Ausformung her gelingen, dafür war die Höhe um so strahlender. Im zweite Teil glückte ebenfalls eine gefühlvoll, akzentuierte Interpretation mit einer hervorragend Textausdeutung. Es gab großartige dynamische Abstufungen und herrlich ausgeführte dramatische Passagen. Eine gesamtbetrachtet gelungene Interpretation, nur sehr wenigen ist es gelungen, die hier einmal aufgebaute Innenspannung, sofern überhaupt vorhanden, bis zum Ende durchzuhalten. Auch hier bot das Orchester bei gefühlvollen Trillern, eine einfühlsam ausziselierte, mit dramatischen Akzenten und großartigen Cembalopassen (gefühlvoll in den dynamischen Abstufungen) überaus gelungene Interpretation des 1. Teils. Im 2. Teil, beim  2 Rezitative, diese einfühlsam ausziselierten Cembalopassagen und dann in der Arie wiederum dieser grandiose, gefühlvoll ausziselierte Streicherklang, mit herrlich gesetzten dramatischen Akzenten. Mit Guillermo Santonja di Fonza hätte Gerhart Darmstadt, mit der Besetzung des 1. Violonisten, keine bessere Entscheidung treffen können. Im 2. Teil des Konzertes konnte man den jungen Mann dann endlich auch als Solisten im  Concerto A-Dur KV 219 von Wolfgang A. Mozart (Kadenzen von Guillermo Santonja di Fonza) erleben. Es gehört schon eine außerordentliche musikalische Reife und ein außerordentliches musikalisches Gespür dazu,  um Kadenzen so geschickt nachzukomponieren, dass sie zu 100 Prozent mit dem Werk verschmelzen und auch die Charakteristik der mozartschen Musik voll und ganz entsprechen. Im 1. Satz begeisterte die feinsinnige Eleganz seines Spiels, dieser berührende Tonfall und die gefühlvoll, wie auch feinsinnig ausgeformten Triller,  die virtuosen Passagen wurden großartig ausgeführt, herrlich die dynamischen Abstufungen, wunderbar die gesetzten dramatischen Akzente. Die Solopassagen wurden einfach herausragend und bezwingend, durch sein gefühlvolles, berührendes Spiel und seine großartig ausgeführten Triller, zelebriert. Im 2.Satz dann dieses berührende Entré, einfühlsam, grandios in den Pianopassagen, mit feinsinnig ausgeformten Trillern und auch hier begeisterte im Solopart wiederum diese gefühlvollen, grandios ausgedeuteten Triller. Der 3. Satz wurde wundervoll ausziseliert, einfach großartig die virtuosen Passagen und dann wiederum diese feinsinnige Eleganz in seinem Spiel und auch begeisterte in den Solopassagen wiederum seine gefühlvolle Art und diese herrlichen feinsinnigen Triller. Das Orchester unter der Leitung von Gerhart Darmstadt begeisterte mit einem pointierten, dramatischen Beginn, gefühlvoll ausziselierten Hornpassagen (Florian Cason und William Becerrz) und rhythmisch pointierten Cembalopassagen (Elena Khurgina). Im 2. Satz wurden feinsinnige Akzente gesetzt, dann dieser rhythmisch akzentuierte Klang, diese gefühlvollen Bläserpassagen und dieser pointierte Cembaloklang. Auch in 3. Satz wurden die Orchesterpassagen feinsinnig ausziseliert, die Elemente die auf die ungarische Volksmusik zurückgingen wurden hervorragend herausgearbeitet und dann diese dramatisch, expressiven Passagen, einfach mitreißend. Als Zugabe spielte der scheidende Professor Ab Koster das Rondo aus dem Hornkonzert in Es-Dur von Wolfgang A . Mozart. Ab Koster  formte die virtuosen Passagen hervorragend aus und dann diese gefühlvollen dynamischen Abstufungen und das auf einem Naturhorn, ist schon eine Klasse für sich. Das Orchester bot hierzu einen gefühlvolle, rhythmisch gut ausgeformte Interpretation. Der Verfasser  hatte hier allerdings das Gefühl als  hätte sich das Orchester bei dieser Zugabe etwas mehr zurückgehalten als unbedingt nötig gewesen wäre. Es war einmal mehr ein Abend gewesen, der von der ersten bis zur letzten Note begeisterte und der Verfasser hofft inständig,das diesem Konzert unter diesem herausragenden Dirigenten noch viele folgen werden, denn genauso muß Barockmusik interpretiert werden, frisch und mitreißend Interpretiert, wie schon eingangs erwähnt, was dieser Dirigent aus den jungen Musikern  hervor zu kitzeln versteht ist unglaublich, mit dieser musikalischen Leistung besteht kein Grund sich hinter anderen weltweit agierenden Orchestern verstecken zu müssen.

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