„Ins Freie IV“, Experimentelle Klaviermusik 1940-2019 – Seminar Zeitgenössische Klaviermusik, Klasse Bernhard Fograscher (HfMT, 29.06.2019)

Diesen Abend könnte man auch als Challenge für einen Rezenten bezeichnen. Wie soll man etwas beschreiben, das musikalisch betrachtet wenig greifbar, eher abstrakt, so gut wie nicht melodisch ist. Wo einem stellenweise musikalische Brocken hingeworfen werden, die Augenscheinlich was eine dramatische Schlüssigkeit anbelangt nicht aufeinander aufzubauen scheinen. Wo es keine Linie zu geben scheint, die Eloquent verfolgt werden kann.  Die zwei Klaviere wurden präpariert in dem der Deckel abgeschraubt wurde und eine zusätzlich Ebene eingezogen wurde, die aus mehreren Saiten bestand und über denen jeweils ein Mikrophone schwebte. Im Hintergrund an der Wand, gab es zur Illuminierung des 3.Teil, gespielt von Carlos de la Blanca Elorza Schrift- und Noteneinblendungen. Der Abend wurde von Caroline Breunlinger und Luise Raum eröffnet welche von John Cage „A Room, Music for Marcel Duchamp, Tossed as it is untroubled“ spielten.  Das Klangbild war minimalistisch, teilweise Klang es etwas asiatisch, rhythmisch, metallisch mit Tönen die an ein Piepen erinnerten (Caroline Breuninger) . Das zweite hatte einen dunkleren Tonfall (am 2. Klavier gespielt), manche erinnerte an ein asiatisches Glockenspiel, gefühlvoll, immer wiederkehrende Töne wurde mit der gleichen Intensität angeschlagen, rhythmisch interessant (Luise Raum). Das dritte Stück (wieder auf dem 1. Klavier)  bot einige virtuose Passagen, dramatische, fast hammerartig anmutende Intensität, minimalistisch und rhythmisch prägnant (Carolineb Breuninger). Bei den Teilen 1, 2 und 5 aus der Suite für toy piano von John Cage war auch der Klang eher minimalistisch, mechanisch, metallisch mit interessanten Trillern auch die virtuosen Passagen boten einen interessanten Klang. Es gab Stakkatoklänge von gleicher aber auch von wechselnder Intensität, rhythmisch prägnant, gespielt von Luise Raum. Es folgte das Concerto for Carlos & 2 pianos, eine Collage aus Michael Vetter: Pianissomo, Maurice Kagel: Metapiece (Mimetics) , John Cage: Concerto for piano and Orchestra. Ein Werk bestehend aus Decrecendi, dramatisch expressiven Anschlägen mehrerer Tasten, sowohl tiefen wie auch hohen Tönen, dann wiederum Sequenzen die feinsinnig ausgeformt werden, gefolgt wiederum von dramatisch, expressiven Momenten. Der Wechsel ans 2. Klavier  hier vernimmt man Töne von feinsinniger Eleganz, manche erinnern an den Klang einer Harfe,  gefolgt von Töne die an ein Rascheln erinnern, dramatische Sequenzen von hohen und tiefen Tönen im Wechsel, oder zeitgleich, rhythmischen Töne die etwas blechernd anmuten, schließlich ein zupfen der Saiten per Hand, im Wechsel werden Töne mal über die Klaviatur und mal direkt mittels Griff in die Saiten erzeugt. Schließlich geht es ans 1. Klavier zurück und auch hier das gleiche Wechselspiel der Tasten, Hand im Klavierkasten, wiederum werden mehrere Tasten energisch angeschlagen mal hohe, mal tiefe Noten, rhythmisch prägnant ausziseliert, spielt schließlich die hohen Noten am 2 Klavier und die tiefen am 1. Klavier zeitgleich. Die Töne werden dadurch mit einem Raschelton unterlegt. rhythmisch prägnante Töne bei steigender Intensität werden angeschlagen. Mit einem Wechsel zwischen Tönen im Piano und Tönen von dramatischer Intensität endet das Werk. Es folgte von John Cage „Water Musik.“, gespielt von Maria Escudero Rana. Hier werden zum einen asiatische Wortmeldungen, mit den Lauten eines Quitscheentchen zum hinein blasen, auch beim halten ins Wasserbecken genommen. Ferner Popmusik aus einem Radio,  dem Geräusch von Umfüllen von Wasser erst in ein bereits gefühltes Glas um es dann in die Wasserkaraffe zurück zu gießen und dann das Gießen von Wasser von der Karaffe in ein leeres Glas, um es schließlich abermals in die Wasserkaraffe zurück zu gießen, als Klangelemente genutzt. Auch wird der Klavierdeckel zu den Tasten einmal kurz geschlossen. Zudem werden kleine Papierschnitzel ins innere auf die Saiten geworfen, die dann einen Ton von sich geben, gefolgt von u. a. einem kleinen Ball, der einmal kurz hüpft, im weiteren Verlauf. Abschließend dann von Georg Crumb aus Makrokosmos I Part One, Primeval Sounds, Proteus, Pastorale (from kingdom of Atlantis ca. 10.000 B.C.), Crucifixus. Im ersten Teil tiefe dramatische Töne, die immer dramatischer, expressiver werden. Es  wird gefühlvoll über die Saiten im inneren mit der Hand gestrichen, dessen Töne über ein Mikrophone verstärkt werden (Caroline Breuninger). Beim zweiten folgen kurze virtuose Sequenzen und dramatisch Intensive Triller (Luise Raum). Beim dritten dann dieser gefühlvolle Klang, sie setzt dramatische Akzente, Stakkatotöne, ein dramatischer  Nachklang, lyrische und dramatische Töne im Wechsel, intensive Triller und feinsinnige Töne (Caroline Breuninger). Da auch dieses Konzert nur im Internet und leider nicht weiter Publik gemacht worden war, blieb die Anzahl der Zuhörer leider überschaubar, obgleich sich der Verfasser ganz sicher ist, dass bei einer besseren Publikation sich durchaus mehr Zuhörer gefunden hätten, die sich für diese Musik begeistern können. Es war ein interessantes, aufschlußreiches Klangerlebnis, dass aufzeigt wie vielseitig die klassische Musik im Laufe ihrer  jahrhundertelangen Entwicklungsgeschichte geworden ist. Der Raum selber war in ein abgedunkeltes Licht getaucht wurden, der von zwei rötlichen Lichtkegeln illuminiert wurde, um eine intime Stimmung zu erzeugen. Bernhard Fograscher führte dabei zu Beginn charmant durchs Programm.

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