VHSTIVAL auf Kampnagel: Wandsbeker Sinfonieorchester – Auszüge aus West-Ost (Kampnagel in Hamburg; 22.06.2019)

Anders als der etwas redselig anmutende Moderator, mit einem leider sehr begrenzten Fachwissen  verkündete,  wäre bei einer vernünftigen Planung durchaus Zeit genug gewesen für das ganze Programm. Das Wandsbeker Sinfonieorchester gibt es seit 1982 und wurde von der Hamburger Volkshochschule, die gestern ihr 100 jähriges bestehen feierte, gegründet. Zeigte sich der Verfasser von zwei voran gegangenen Konzerten (auf dieser Seite besprochen) noch begeistert, so war er von der Leistung die an diesem Nachmittag gezeigt wurde enttäuscht. Der Dirigent Wolf Tobias Müller, der auch in der Opera Stabile wirkte, gelang es leider nicht, trotz seiner Begeisterung für die Musik, die vorangebrachten Leistungen erneut abzurufen. Der Nachmittag begann mit dem von Barbara Schmitto 1999 neu eingerichteten Walzer (1946) von Nikolai Rakow (1908-1990), dessen Klangspektrum sich zwischen modern und weniger melodisch bis hin zu Klanganlehnungen an die Romantik erstreckte. Hier fehlte es leider, trotz eines dramatischeren Einstieges etwas an Innenspannung, insbesondere in den lyrischen Passagen, auch die Bläser klangen etwas unsauber. Gleiches spiegelte sich auch beim Tanz der Ritter aus Sergej Prokofievs Romeo und Julia wieder. Nach einem dramatischen Entré mit angerauten Violinenklang, düster und getragen gespielt, hätte die Komposition etwas mehr Eloquenz vertragen können. Besser dann die drei Tänze aus On the Town von Leonard Bernstein. „The great lover displays himself wurde rhythmisch gut ausgeformt, beim „Lonely Town: Pas de Deux“ und “ Time Square“ wurde die Charakteristik der Musik gut herausgearbeitet, man fand einen individuellen Tonfall und es wurde rhythmisch prägnant gespielt. Das Vorspiel zu Carmen von George Bizet glich dann einer Katastrophe, uninspiriert heruntergeleiert, hier wäre deutlich mehr drin gewesen. Abschließend die Carmen-Fantasie op. 25 von Pablo de Sarasate die zuletzt Onyou Kim ( der Verfasser berichtete) bravourös zelebriert wurde. Der Solist dieses Nachmittags David Malaev kam leider nicht einmal annährend an dieses Niveau heran. Im ersten Satz befriedigend ausgeführte Triller, lyrische Passagen wurden feinsinnig ausgeführt, vieles Klang leider zu ähnlich, hier man mehr sorgfalt auf die  dynamischen Abstufungen legen müssen. Dafür gab es traumhafte Pianopassagen. Der 2. Teil klang stellenweise etwas unsauber und hätte rhythmisch prägnanter klingen müssen, das Orchester hingegen war hier fabelhaft, insbesondere in den rhythmischen Passagen. Auch die virtuosen Passagen hätten von David Malaev differenzierter herausgearbeitet werden müssen. Im dritten Teil gab es traumhafte Pianopassagen, wunderschön ausgeformte Triller, auch in den dynamischen Abstufungen hervorragend, die Seguidilla klang rhythmisch prägnant, das Orchester spielte hier 2 Klassen besser als zu vor. Leider wurde das Spiel von Daniel Malaev ab der Mitte beliebig, zu undifferenziert, es gab allerdings schöne ausgeformte Triller. Dann die virtuose Arie zu Beginn des 2. Aktes, rythmisch prägnant ausgeformt, stellenweise mitreißend gespielt, obgleich sich einige Unsauberkeiten einschlichen und die virtuosen Passagen zum Ende dann leider weniger bezwingend wirkten, sondern eher hektisch. Schade hier wäre, bei besser Vorbereitung, deutlich mehr drin gewesen. Der Verfasser hätte gern noch die Angekündigte Havanaise op. 83 von Camille Saint-Saens gehört, aber die wurde anscheinend leider zu Gunsten einer überflüssigen, viel zu langen Einführung des Moderators, gestrichen.

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Opernexperte
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