Kound Up – Ko Yeongyeol (Pansori-vokal), Seo Hoyeon (Gitarre) (HfMT, 30.05.2019)

Pansori ist eine musikalische Erzählform aus dem 16. Jahrhundert. Von den 5 1/2 erhaltenen Pansori werden noch 5 aufgeführt, 2 davon zählen zum Kernrepertoire in Korea, 2003 wurde das Pansori in die UNESCO – Liste der Meisterwerke des mündlichen und immateriellen Erbes der Menschheit aufgenommen. Die Begleitung erfolgte ursprünglich auf Trommel, die beiden aus Südkorea eigens angereisten Musiker, Ko Yeongyeoal (Pansori-Vokal) und Seo Hoyeon (Gitarrist und Komponist) befinden sich gerade auf einer Europatournee, nach Maastrich und Berlin, folgte jetzt Hamburg. Diese Gesangsform ist eigentlich für eine weibliche Stimme vorgesehen wird aber traditionell auch von Männern gesungen, die die weibliche Seite dann mit einem Fächer symbolisieren. Die Kmpostionen dieses Abends hießen: Like a journey, A love song, I may go, Hughen (eine berühmte Persönlichkeit, schreibt sich wahrscheinlich anders), Improvisation (eigen Komposition), Farmers song,  und Bon Voyage, ferner gab es noch drei überaus rhythmische mitreißende Zugaben. Seo Hoyeon, der mit seinem unvergleichlichen Charme auf englisch durchs Programm führte,  begleitete überwiegend auf der E-Gitarre, erst zum Ende griff er zur Akustik-Gitarre. Bei den hier angegeben Kompositionen handelt es sich um Auszüge aus vollständigen Pansori – Pan steht für Erde und Sori und Sound –  die verständlicherweise länger als lediglich 3-5 Minuten sind. Die einfühlsame Begleitung, die auch Gefühlregungen unterstreichen oder vorwegnehmen sollten erfolgt mal zurückhaltend, mal gab es kurze großartig ausziselierte Solopassagen und mal wurdenauch dramatisch mitreißende Effekte gesetzt, einfach toll. Bei A love song und Bon Voyage wurde beide von Onyou Kim (Violine) und Daekyu Han (Viola) begleitet, melodisch, einfühlsam, bildeten sie mit Seo Hoyeon an der Gitarre ein perfekt aufeinander abgestimmtes Trio. Als Sänger benötigt man für diese Gesangstilrichtung nicht nur einen enormen Stimmumfang, sondern auch eine breite Ausdruckspalette. Die Stimme wechselt nicht nur ständig zwischen Piano, Pianissimo und Forte, sondern gleitet stellenweise auch durch 1-bis 2 Oktaven. Der Stimmumfang von Ko Yeongyeol muß grob geschätzt, der Verfasser nimmt jetzt nur die Noten die ohne Mikrophone, sprich mühelos erreicht und in den Raum hinein transportiert  werden können, 2 bis 2 1/2 Oktaven umfassen. Von der mittleren Countertenorlage bis zur oberen Basslage ( die tieferen Basstöne dürften außerhalb seiner stimmlichen Reichweite liegen).Es war schlichtweg grandios, wie die Stimme:  Freude, heitere Unbeschwertheit, Schmerz und Trauer ausdrücken konnte, zudem muß er über eine hervorragende Atemtechnik verfügen, da er in der Lage war einen Ton mehrere Minutenlang mühelos zu halten. Es gab verinnerlichte Momente, die kurz darauf von Passagen voller dramatischer Expressivität abgelöst wurden. Gesanglich war es an diesem Abend eine Mischung aus Kunstlied, Jazzelementen ( insbesondere bei den Verzierungen in der Improvisation) und Pop. Santori als Jazzmusik ins moderne Übertragen, auch so kann man eine jahrhundertealte Gesangstradition am Leben erhalten und immer wieder aufs neue Menschen dazu zu bewegen, sich für diese Musik zu begeistern und die Tradition weiter fortzuführen und fortzuleben. Es war ein beglückender knapp 80 minütige Abend, vielen Dank dafür.

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