Henry Purcell: King Arthur (St. Jacobi, Hamburg; 25.05.2019)

Leider ist der Ruf, den die sakrale Musik hat, bedingt durch zahlreiche Tonträger nicht immer der Beste. Viele, insbesondere die moderneren spüren einen historisierenden Klangerlebnis nach und dieser geht in der Regel empfindlich zu Lasten der Innenspannung, sprich es klingt über weite Strecken sterbenslangweilig. Nicht so in Hamburg, hier gibt es, so weit dem Verfasser bisher die Gelegenheit eingeräumt wurde sich vor Ort ein Bild zu machen drei Kirchen auf die dieses nicht zutrifft. Die eine ist in Neuengamme, die andere und dort ist der Verfasser regelmäßig, St. Nikolai am Klosterstern, der Wirkungsstätte von Matthias Hoffmann-Borggrefe und St. Jacobi, der Wirkungsstätte von Gerhard Löffler. An diesem Abend gab es eine auf eindreiviertel Stunden gestraffte Fassung der Semi-Oper King Arthur, or the british worthy (ohne Sprechtexte) von Henry Purcell (1659-1695). Der Dirigent Gerhard Löffler, der unter anderem noch das Frankfurter Museumsorchester und die Barockorchester Aris &Aulis, Ensemble Schirokko Hamburg und Elbipolis Hamburg leitet, verstand es an diesem Abend nicht nur mit seinem umwerfenden Charme, sondern auch mit einer Begeisterung für die Musik zu punkten, die sich innerhalb weniger Sekunden bis in  die letzten Reihen des Saales übertrug. Selten hatte der Verfasser das außergewöhnliche Glück, dieses Werk in einer musikalisch dezidierten, feinsinnigen und vor Innenspannung bersten Interpretation erleben zu dürfen wie an diesem Abend. Die Hannoversche Hofkapelle schien an diesem Abend musikalisch über sich hinauszuwachsen. Selten erlebte der Verfasser bisher bei einem jüngeren Dirigenten ein so tiefempfundenes Musikverständnis und eine emotionale Tiefe, wie in dieser Werkausdeutung. um jetzt nur ein Beispiel herauszugreifen, seine musikalische Ausdeutung der Bassarie des Cold Genius aus dem 4. Akt (Anne Röhrig erste Violine spielte einfach grandios) war schlichtweg atemberaubend. Ebenfalls großartig: Dennis Götte an der Laute, insbesondere in der Arie „Tis not my passion makes my care“ Auch die Kantorei St. Jacobi wurde von diesem Elan, dieser Begeisterung die Gerhard Löffler verströmte, angesteckt und lieferte einen Chorklangteppich der sowohl in seiner Vehemenz, in seiner natürlich wirkenden Ausgelassenheit (You hay it is mow’d) sowie auch in den lyrischeren Passagen begeisterte. Cornelia Samuelis verstand es an diesem Abend mit ihrem ausdrucksstarken, eher dunkler getönten Sopran u. a.  als Phildel zu begeistern. Grandios wie diese Rolle zum Leben erweckte. Die Sopranstin Julia Sophie Wagner, in einem atemberaubenden, stellenweise etwas zu engem Cocktailkleid, begeisterte als Cupid und She, mit ihrem silbrig hell schimmernden Sopranklang. Andreas Wolf war mit seinem tiefen, teilweise dramatisch intensiven Bassklang sowohl im ersten Akt, wie auch als Genius und He schlichtweg großartig. Nicole Pieper, selten hört man heute noch eine „wirkliche“ Altistin, begeisterte ihr Publikum mit ihrer tiefen, runden, hervorragend geführten Stimme. Michael Connaire schließlich rundete das homogene Ensemble mit seiner Interpretation der Tenorpartie im ersten Teil, als Shephard und schließlich mit seiner umwerfenden Interpretation der Arie „You hay t is mow’d (5. Akt) perfekt ab. Das 1. was der Verfasser an diesem Abend erblickte war neben ein Holzstuhl sein Lieblingsutensil, eine große Wasserflasche, die allerdings, soweit er es übersehen konnte glücklicherweise nicht zum Einsatz kam, statt dessen aber passend zur bereits erwähnte Arie aus dem 5. Akt eine Bierflasche. Es war ein beglückender Abend.

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