Gioacchino Rossini: Il barbiere de seviglia (Allee Theater in Altona, 19.05.2019)

Bei dieser konzertanten Aufführung in italienischer Sprache, saßen neben den Solisten auch das Orchester der HFMT auf der Bühne. Die Kommentare des Moderators Lutz Hoffmann bremsten den eh schon teilweise lähmenden Orchesterklang zusätzlich aus. Es war, als würde der Dirigent Ulrich Windfuhr seinen Ferrari, in diesem Falle das Orchester der Musikhochschule Hamburg mit angezogener Handbremse über die Autobahn „jagen“. So mutierte die Gewittermusik zu einem – Zitat aus der Arie des Don Basilio- („Die Verleumdung ist ein)—Lüftchen“. Ärgerlich bei einem im Großen und Ganzen stimmigen Rossiniklang. Das viele dieser jungen Musiker ( Yu-Hsuan Chien, Jeehoon Park, Aaren Aning, Malte Buschenlange) mehr können, davon konnte sich der Verfasser während der letzten Monate und Jahre selbst überzeugen. Durch die teilweise etwas albern anmutenden Kommentare  wurde der Zuhörer immer wieder aus der Oper herausgerissen,  was sich als eher kontraproduktiv erwies. Erkki Louko, (erste Geige ) verstand es immer wieder mit seiner charmanten Ausstrahlung zu Punkten. Insgesamt rissen die hervorragenden Sänger/innen hingegen alles raus. Milena Juhl, tolle Ausstrahlung, bot stimmlich eine solide Leistung; die Arie der Berta wurde gut gesungen. Joshua Morris als Fiorillo (eigentlich eine Tenorrolle, was bei soviel Sexappeal und musikalischem Talent irrelevant wurde) verkörperte und sang diese sehr überzeugend. Die Rolle des Don Basilio formte er deliziös aus, sowohl gesanglich wie auch darstellerisch bestach seine umwerfenden Komik. Junggeon Choi war als Dr. Bartolo sensationell; die Art wie er seine Stimme verwandeln konnte, auch als er den Grafen imitierte, grandios; auch darstellerisch unschlagbar, ein ganz großes Talent. Joan Ribalte als Graf Almaviva , zu Beginn keine Höhe, Koloraturen kamen nicht und es gab stellenweise rhythmische Probleme im ersten Teil. Erst nach der Pause funktionierte die Stimme in der Höhe. Hussain Atfahj als Figaro, deliziös formte er die erste Arie aus, auch später setzte er immer wieder feinsinnige, musikalische Akzente- im Forte wie auch im Pianissimo: grandios. Claire Austin gestaltete eine schlüssige Rosina, charmant gesungen und präsentiert, mit toller Mimik. Ihr Kleid hingegen erinnerte ein wenig an Muttis Wohnzimmergardinen.  Ein gelungener Abend, gesanglich allemal!

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