Philipp Maintz: Thérése – Deutsche Erstaufführung – (Hamburgische Staatsoper, 18.05.2019)

Bereits am 14.04.2019 fand die Uraufführung des als Kompositionsauftrag von der Staatsoper Hamburg und den Osterfestspielen Salzburg in Auftrag gegebenen Werkes, in Salzburg statt. In Noten gesetzt hat es der deutsche Komponist Philipp Maintz (Jhg. 1977).  Das Libretto von Otto Katzameier – singt auch die Partie des Laurent ! –  beruht auf der Romanvorlage Thérése Raquin von Emile Zola, die mit ihrem Mann und dessen Mutter in einer über einem Geschäft gelegenen Wohnung lebt. Als dann ein alter Jugendfreund, Laurent, auftaucht, beginnt sie mit ihm eine Affäre. Beide beschließen, ihren Mann umzubringen. doch das „Glück“ hält nicht lange; beide entfremden sich, streiten sich nur noch, sind den Blicken der mittlerweile verstummten Mutter als mahnendes Denkmal ausgesetzt und beschließen schließlich, sich umzubringen. Die Musik ist modern, stellenweise auch etwas melodisch; es gibt Leitmotive. Eine Kammeroper (eher ein Konversationsstück mit Musik) mit vier Protagonisten und einem kleinen Orchester (Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters), das von Nicolas André, dem es auf fabelhafte Weise gelingt, die Partitur zum Klingen zu bringen, geleitet wird. Interessant ist der Einsatz eines Akkordeons, mal als Orchesterinstrument und dann zum Abschluss auf der Bühne  als „Totenmusik“. Die Bühne (Georg Delnon: Regie) besteht aus 5 länglichen Ladentischen, vorn mit Schubladen, vier Stühlen, mit 5 Gemälden, die Wasser zeigen an der Wand, vier Tellern, einer Suppenterrine und zwei Kissen, die das Bett symbolisieren. Eine in sich schlüssige und gelungene Inszenierung des Hausherren der Staatsoper. Renate Behle ist auch noch als verstummte Mutter (Madame Raquin) grandios, darstellerisch einfach fabelhaft durch ihre Bühnenpräsenz und auch gesanglich grandios. Durch ihre dramatische, stimmliche Präsenz und ihrer ergreifenden Darstellung, wie auch ihrer gesanglichen Interpretation, wie es ihr gelingt, die unterschiedlichen, psychologischen Abgründe dieser Rolle darzustellen, ist die Sopranistin Marisol Montalvo in der Rolle der Thérése einfach unglaublich gut und macht  sie zu einer idealen Interpretation für tiefgründige Charakterrollen. Der Countertenor Tim Severin als Camille (Ihr Ehemann, der schon sehr bald sein Leben verliert) bleibt leider stimmlich und darstellerisch etwas schwach und blass. Besser da schon Otto Katzameier als Laurent. Auch ihm gelingt die gesangliche Interpretation des in sich zerrissenen und vom Geist des Toten Heimgesuchten, überzeugend.

Statt in der Hamburgischen Staatsoper entschloss man sich, diese Aufführungsserie in den kleinen Saal der Elbphilharmonie zu verlegen.         Achtung: Gehbehinderte sollten diesen Ort meiden, da diese – wie zu erleben war – allein kaum die Treppen zu ihren Sitzplätzen hinauf-, geschweige denn, herunterkommen können. Beim Verlassen des dunklen, gruftig anmutenden kleinen Saales der Elbphilharmonie staut sich ohnehin alles vor dem einzigen Ausgang. Kein Ort für phobistisch veranlagte Zuschauer!                                      Sven Godenrath, Hamburg

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Opernexperte
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