Huihui Cheng, Diana Syrse, Mischa Tangian: Die Nacht der Seeigel (Opera Stabile in Hamburg, 02.05.2019)

Bei der diesjährigen Abschlussproduktion der „Akademie Musiktheater heute“, gesponsert von der „Deutsche Bank Stiftung“ als Auftragswerk der Hamburgischen Staatsoper, ist den Komponisten/der Komponistin Huihui Cheng, Diana Syrse, Mischa Tangian und den Librettisten/Librettistinnen Luise Kautz, Martin Mutschler, Christina Pfrötschner und Evarts Svilpe mit „Die Nacht der Seeigel“ ein beachtlicher Wurf gelungen. Musikalisch ist das Ganze ein interessanter Mix aus modernen Klängen, Geräuschlandschaften, mit Anleihen an Musical, Pop- und Jazzstilelemente und alles recht interessant verknüpft. Die Geschichte behandelt die Vorstellung, dass Menschen vor und nach ihrem Lebenszyklus Seeigel sind. Es gibt drei verschiedene Charaktere: eine Schwangere, die sich von dem Kind, das sie in sich trägt nicht lösen will, ein Wissenschaftler, der für seinen Beruf Frau und Kind verlassen hat und einen Mann, der sich während einer Autofahrt über seine Verantwortung gegenüber seiner Frau, die schwanger ist,  Klarheit verschaffen will; allesamt auf geheimnisvolle Weise miteinander verbunden. Dann kommt eine Überschwemmung und die Welten und Zeitebenen verschmelzen. Der Mann ist der Sohn des Wissenschaftlers und der Wissenschaftler ist der erwachsene Sohn der Frau. Zum Ende liegen hunderte von Seeigeln (in Form von schwarzgrauen Schaumstoffbällen) auf der Bühne. Gabriele Rossmanith ist gesanglich als Wissenschaftler hervorragend; leider nur wirkt ihre Mimik etwas überzogen; bezwingend und ergreifend Na’ama Shulman als schwangere Frau. Mit einem schönen Tenorklang ausgestattet, gibt Hiroshi Amako auch darstellerisch überzeugend, den Mann. Die Stimme der Seeigel aus der Höhe werden von Diana Syrse und Evarts Svilpe illuminiert. Es spielten Hedda Steinhardt – Violine, Katharina von Held – Kontrabass, Jocelyne Fillion-Kelch – Flöte, Stefan Houy – Trompete, Jelte Jonas Dreetz – Posaune, Sarah Rempe – Schlagzeug und Christian Kiefer – Gitarre, Mitglieder des Philharmonischen Staatsorchesters. Am Pult stand Ulrich Stöcker, der diese gelungene Uraufführung sicher leitete. Ein überzeugender, leider viel zu kurzer Abend. Ein Werk, das durchaus öfter aufgeführt werden sollte, da wir es hier mit einem interessanten Konzept und einer beeindruckenden, musikalisch glaubwürdigen Umsetzung zu tun haben.                                            Sven Godenrath, Hamburg

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Opernexperte
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