22. Saison; Stars von Morgen: 5. Harburger Rathauskonzert 2018/2019 (Hamburg-Harburg;17.04.2019)

Die Gelegenheit ca. 2 Stunden lang ein Percussionkonzert genießen zu können hat man nicht alle Tage, zuletzt an der HfMT in Hamburg und jetzt im Harburger Rathaus in der 22. Saison der Reihe Stars von Morgen. An diesem Abend stellte Prof. Cornelia Monska vier ihrer Schüler aus der HfMT vor. Zum einen ein Trio bestehend aus Juliette Serrié aus Frankreich, Taleja Grossmann aus Flensburg und Seonghyun Jo aus Südkorea und als Solointerpreten Ruobing Sun aus China. Es wurde ausschließlich moderne Klassik gespielt, fast alle an diesem Abend zu Gehör gebrachten Kompositionen drehten sich um das Element Wasser in ihren unterschiedlichen Formen. Den Abend eröffnete mit einer kurzweiligen Begrüßung Herr Johannes Jörn, gefolgt von der Bezirksamtsleiterin Frau Sophie Fredenhagen, die sich als große Freundin dieser Konzertreihe outete und dem Sprecher des Vorstandes der Hamburger Volksbank Herr Dr. Reiner Brüggstrat, dann begann der musikalische Teil. Am 5. Oktaven umfassenden Marimbaphone spielten Taleja Grossmann und Seonghyun und am Vibraphone Juliette Serrié die 1988 entstandene Komposition „Chasing  the Caribou“ von Eric Zack (geb. 1964). Die zum Teil immer wiederkehrenden Toninterwalle wurde überaus gefühlvoll und in abweichender Intensität gespielt, das Klangspektrum mutete zwar modern, aber dennoch melodisch an, wobei Juliette Serrié einige wunderschön anmutende Triller anklingen ließ. Die zweite Komposition welche die Drei Interpretierten hieß Sculpture 3 aus dem Jahre 1995 von Rüdiger Pawassar, hier bestachen zum einem die großartig ausgeformten Läufe, die alle drei an unterschiedlichen Punkten der Partitur zu bewältigen hatten. Die ersten kurzen Tonfolgen wurden immer wieder Unterbrochen, faszinierend wie es die drei Verstanden musikalisch aufeinander einzugehen, hier erlebte man eine musikalische Einheit und Verbundenheit miteinander, die Begeisterte.  Schöne Triller, großartig ausgeformte virtuose Passagen und das ganze mit einen ausgesprochenen Feingefühl serviert, sorgten für ein fesselndes Klangerlebnis. Es folgte „Bridging the World“ aus dem Jahre 2008 von Tobias Broström. Grandios wie die vom Marimbaphone teilweise immer gleiche Tonfolge durch Holz- und Metallschläge und den Klängen des Vibraphones aufgebrochen wurden. Mitreißende dynamische Abstufungen und eine einfühlsame Interpretation ließen dieses Konzert zu einem ganz besonderen Hörgenuß werden. Zum Abschluß gab es dann das Trio per Uno aus dem Jahre 1995/1999 „Meccanico“ von Nebojsa Jovan Zivkovic. Hier hatten alle drei Musiker jeweils zwei Bongotrommeln vor sich und in der Mitte die „Eine“, eine große Trommel. Es begann im Piani, in dem die Stöcke den metallischen Rand der großen Trommel zum Klingen brachten, und dann brach ein musikalischer Orkan loß, erst verhalten und schließlich im Wechsel zwischen Bongo und großer Trommel immer virtuoser und immer intensiver werdend, man konnte sich kaum noch im Gestühl halten, es war schlichtweg beeindruckend und ergreifend. Zwischendurch erlebte der Zuhörer den jungen Chinesen Ruobing Sun, ebenfalls am Marimbaphon. Zuerst mit der aus vier Teilen bestehenden 1986 entstandenen Komposition „Reflections on the Nature of Water“ von Jacob Druckmann (1928-1996). Im ersten Teil „Crystalline“ hört der Zuhörer eine Pfütze in der immer wieder in unterschiedlicher Intensität Wassertropfen hineinfallen, bis diese schließlich überläuft. Im zweiten Teil „Fleet“ hören wir einen Geparden, wie er immer wieder beschleunigt und dann langsam wieder zur Ruhe kommt. Im dritten Teil „Gently swelling“ geht es um Wellen, die in unterschiedlicher Höhe und Geschwindigkeit mal eine große, mal mehrere kleine sich auftürmen und schließlich auslaufen. Im viertel Teil „Relentless“ geht es um Wassertropfen die in unterschiedlicher Intensität, Geschwindigkeit und mal in längeren, mal in kürzeren Abständen aufschlagen. Grandios wie es Ruobing Sun verstand, hier die unterschiedlichen Stimmungen, auf meisterhafte Art und Weise auf dem Marimphone heraus zu zaubern. Im zweiten Teil spielte er dann noch Water and Fire aus dem Jahre 1982 von Donald Skoog. Auch hier gelang es ihm auf meisterhafte Art und Weise die unterschiedlichen kaum zu bezwingenden Elemente der Natur auf musikalische Weise charakteristisch zu Erfassen, herauszuarbeiten und diese auf seine Zuhörer einwirken zu lassen. Ein eindrucksvoller Abend, den der Verfasser so schnell bestimmt nicht vergessen wird.

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