Emmanuel Alexis Chabrier: L’Etoile – Das Horoskop des Königs (Theater Bremen; 06.04.2019)

König Ouf feiert alljährlich seinen Geburtstag mit einer öffentlichen Hinrichtung. So soll es auch in diesem Jahr geschehen, doch die Suche nach einem geeigneten Todeskanditaten gestaltet sich nicht so einfach, denn dieser muss beim Lästern über den König erwischt werden. Das Volk huscht vermummt und in gebückter Haltung mit königstreuen Transparenten vorbei, um nicht von den Häschern des Königs ins Visier genommen zu werden. Ein geeigneter Kandidat ist in dem Hausierer Lazuli bald gefunden, zumal er schlecht über den König spricht. Dumm nur ist, dass der Hofastrologe Siroco prophezeit, dass, sobald Lazuli sterben sollte, es auch keine 24 Stunden später den König erwischen würde. Das will der König nicht und so wird der Todeskandidat zum bestbehüteten Untertanen des Reiches. Zu allem Überfluss verliebt sich Lazuli auch noch in eine Prinzessin aus dem Nachbarreich, die allerdings für den König bestimmt war. Die üblichen Verwicklungen führen dann endlich zu einem Happy End. Dass dies eine Parodie und Farce über die damaligen degenerierten Herrscher und Aristokraten ist, dürfte selbstredend sein. Sie entstand 1877 und lehnt sich an Chabriers‘ Vorbild Jacques Offenbach an, den Chabrier, um es gleich vorweg zusagen, qualitativ nicht erreicht. Von Emmanuel Chabrier (1841-1894) sind bis dato nur sehr wenige Opern, besser gesagt Operetten auf CD veröffentlicht worden (Gwendoline, Le roi malgré lui, Brises ou Les amants de Conrinthe; von diesem 3- aktigen Werk wurde lediglich der 1. Akt vollendet).

Das eher operettenhaft anmutende Werk L’Etoile“ klingt ein wenig nach Offenbach light, hat wenig Handlung, viel Dialog und ist angereichert mit etlichen Couplets, von denen aber keines musikalisch so richtig zünden will, oder im Gedächtnis haften bleibt. Das konnte Offenbach um Klassen besser. Die Dialoge werden auf deutsch, die Arien auf französisch gegeben. Das Bühnenbild (Stefan Rieckhoff) zeigt eine Straßenlaterne und ein dreistöckiges Gebäude mit einem Fahrstuhl, der stark frequentiert wird. Die Regie von Tom Ryser gab sein Bestes; konnte aus diesem Stück auch nicht mehr herausholen, als drin war. Unter der Leitung von Yoel Gamzou gelingt es den Bremer Philharmonikern einen ausdrucksstarken und beschwingten Klangteppich zu zaubern, zumal die Partitur alles andere als simpel ist; sie ist durchweg meisterhaft, hat aber wenig Substanz in der musikalischen Eingebung. Der Chor des Hauses ist wiedereinmal phänomenal.
Ulrike Meier, die bereits als Graf Orlovsky in der Bremer Fledermaus überzeugen konnte, erweist sich hier mit ihrer sinnlichen, gut durchgebildeten Stimme als großartige Besetzung des Lazuli. Nerita Pokvytyté, die sich bei Mark Tucker an der HfMT (Hamburg) und im Hamburger Opernstudio ihren letzten Schliff holte und in dieser Bremer  Saison bereits als Lucia di Lammermoor zu brillieren verstand, gab eine hinreißende Laoula. Luis ‚Olivares Sandoval gelang mit seinem schauspielerischen Talent und seiner großartigen Stimme einen überzeugenden König. Großartig auch Iryna Dziashko als Aloés. Christoph Heinrich als Astrologe, Christian-Andreas Engelhardt als Fürst, Joel Scott als Tapiaca und Martin Baum als Erzähler überzeugten. Gerade auch in den Ensembleszenen waren die Stimmen bestens aufeinander abgestimmt. Yosuke Kodama als Patacha, Wolfgang von Borries als Zalzal und die Hofdamen, gesungen von KaEun Kim, Lusine Ghazaryan, Maria Martin Gonzales, Astrid Kunert, Geseke Schwedt und Cordula Fritz-Karsten rundeten das treffliche Ensemble überzeugend ab. Ein kurzweiliger Abend, trotz einer klamaukigen, dünnen Handlung mit vorhersehbarem Witz. Gesanglich und auch vom Orchesterklang her blieben jedenfalls keine Wünsche offen.                                Sven Godenrath, Hamburg
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Opernexperte
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