Erich Wolfgang Korngold: Das Wunder der Heliane (MUK Lübeck; 26.03.2019)

Diese von Erich Wolfgang Korngold komponierte und 1927 uraufgeführte Oper, die im Reich eines tyrannischen Herrschers in unbestimmter Zeit angesiedelt ist, kann man nur als eine einzige, musikalische Ekstase beschreiben. Sozusagen ein Strauss‘ scher Elektra/Salome/Frau ohne Schatten-Klang, fast ständig noch turbomäßig verstärkt. Es ist schon faszinierend, was Korngold an Farben, Harmonien und mitunter gnadenloser Schroffheit fulminant filigran in Noten gesetzt hat und dann mit betörend schönen, lyrischen Klängen verbindet. Allein schon das Vorspiel zum 3. Akt wäre den Besuch Wert gewesen. Diese, 7 Jahre nach seiner grandiosen Oper „Die tote Stadt“ – in Wien nur mit mäßigem Erfolgt nach der erfolgreichen Hamburger Uraufführung aufgeführt wurde, wird nur sehr selten gespielt, was wohl kaum mit der Qualität des Werkes zu tun haben kann, sondern vielmehr damit, dass eine Produktion der Sängerschar, dem Chor und dem Orchester äußersten Einsatz abverlangt, zumal sich die Tonlage von Sopranistin, Tenor und Bariton in zum Teil schwindelerregenden Höhen abspielt. Was dem Tenor auf die Stimmbänder geschrieben wurde ist kaum singbar und nur damit zu vergleichen, was Strauss für seinen Kaiser in seiner „Frau ohne Schatten“ eingefallen ist.  Die enorm eruptiven Klänge gehen fast ununterbrochen von „Null auf Hundert“ in wenigen Sekunden und scheint keinerlei Pause machen zu wollen. Den Sängern wird ein Höchstmaß an Anspannung und stimmlich dramatischer Durchschlagskraft abverlangt, zumal diese , hinter dem auf der Bühne musizierenden Orchester platziert wurden. Der Chor befand sich erhöht auf einem Balkon, wo auch diverse Bläser als Verstärkung des ohnehin riesigen Orchesters Platz nahmen. Andreas Wolf, gegen den man sich nun aus unerfindlichen Gründen nicht als neuen GMD in Lübeck entschied, brachte es mit dem Philharmonischen Staatsorchester der Hansestadt Lübeck musikalisch fulminant auf den Punkt. Eine grandiose, kaum noch zu übertreffende Leistung! Einfach atemberaubend wie es ihm gelang, diese spannungsgeladene Musik zu zelebrieren. Der Verfasser wüßte momentan keinen Dirigenten, der es hätte besser machen können: ein wahres Meisterstück an musikalischem Können. Cornelia Ptassek gab mit ihrem lyrisch dramatischen, höhensicheren Sopran eine grandiose Heliane. Aris Argiris gab mit seinem dramatischen Bariton einen großartigen Herrscher. Für den Tenor Zurab Zurabishvili als Fremder schien es keine musikalischen und gesanglichen Grenzen zu geben. Er sang diese immens schwierige, dramatische Partie in den höchsten Lagen mit einer Unangestrengtheit, die einen fast atemlos machte: eine grandiose Leistung. Die Stimme der Mezzosopranistin Katerina Hebelkova gab, teilweise leider mit einem leichten Tremolo in der Stimme, eine überzeugende Botin. Taras Konoshchenko sang den Pförtner, Hajong Song den Schwertrichter und Daniel Schliewa einen jungen Menschen. Die sechs Richter: Daniel Schliewa, Beomseok Choi, Laurence Kalaidjian, Eungdae Han, Junggeun Choi und Juhwan Cho gaben die sechs Richter, stimmlich bestens aufeinander abgestimmt. Die seraphischen Stimmen wurden von Claire Austin und Angela Shin gesungen. Der Chor und der Extrachor des Theater Lübeck waren an diesem Abend einfach überwältigend. Ein grandioser Abend, der einen schon gleich in den ersten Sekunden packte und nicht wieder losließ. Die Aufführung wurde konzertant in der MUK Lübeck gegeben, die der Verfasser das erste Mal besuchte und einen optisch und akustisch fulminanten Eindruck hinterließ.   Anmerkung: Dieses Werk wird nicht nur sehr selten gespielt, sondern auch kaum auf Tonträgern veröffentlicht. Hier liegen wohl nur 2 Einspielungen vor. Nach Information des Verfassers wurde dieses Werk zuletzt  2012 in Hamburg aufgeführt und Mitgeschnitten. Vielleicht könnte das Theater Lübeck hier für eine 3. Einspielung sorgen. Es wäre ein großer Gewinn!          Sven Godenrath Hamburg

 

 

 

 

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Opernexperte
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