Violinenabend: Masterprüfung von Renato Wiedemann, Klasse Prof. Christoph Schickedanz (HfMT; 28.02.2019)

An diesem Abend erwartete die Besucher des Spiegelsaals im Museum für Kunst und Gewerbe in Hamburg eine musikalische Sternstunde, getragen von der persönlichen Ausstrahlung und dem spielerischen wie auch hohem interpretatorischen Niveau von Renato Wiedeman. An diesem Abend wurde, wie das Werbebild schon im Vorfelde versprach, dem Zuhörer nicht nur etwas fürs Auge, man könnte sich diesen jungen Künstler jederzeit auch als Werbeträger für die amerikanische Verkaufskette Hollister ( sie wissen schon, die jungen Herren die die Kunden vor dem Geschäft in den Laden locken sollen) vorstellen, sondern auch etwas fürs Ohr, schlichtweg grandios mit welch einer feinsinnigen Eleganz und mit welch einem Stilgefühl hier die Musik ausgedeutet und vor allem auch präsentiert wurde. Hier kamen drei Komponenten, die für eine erfolgversprechende Karriere wichtig sind, zusammen. Zum einen die Präsentation, von zurückhaltender Eleganz, dann das spielerische Können, dieser elegante und dennoch spannungsgeladene Tonfall und zu guter Letzt hat sich persönliche Ausstrahlung in Kombination mit einer außerordentlichen Attraktivität für eine Karriere selten als Hinderlich erwiesen. Diesem jungen Mann sollten eigentlich alle Türen offen stehen, wenn sie ihm nicht sogar schon eingerannt werden. Am Klavier gab es eine Umbesetzung, da die Pianistin Keiko Suzuki immer noch erkrankt war sprang der junge Serge (den Nachnamen konnte der Verfasser bisher noch nicht ermitteln) am Klavier ein und man hatte das Gefühl die beiden würden schon seit Jahren miteinander musizieren. Die Art und Weise wie er Renato Wiedemann auf Händen durchs Programm trug und genauestens auf seine musikalischen Interpretationswünsche einzugehen verstand, erlebt man auch nicht jeden Abend. Er wußte genau, wann er musikalisch nach vorn preschen durfte und wann er sich in eleganter Zurückhaltung üben mußte, das hatte der Verfasser auch schon anders erlebt. Der Abend begann mit der Violinensonate Nr. 10 G-dur, op. 96 von Ludwig van Beethoven. Wunderschöne Triller, elegant in der Ausführung, speziell auch in den virtuosen Passagen verstand er es mit seinem Spiel zu beeindrucken. Der zweite Satz wurde berührenden, ergreifend, feinsinnig und gefühlvoll, zum dahinschmelzen ausgeformt. Im vierten Satz dann schließlich diese grandiosen virtuosen Passagen. Es folgte die Violinensonate No. 1 op. 75 von Camille Saint Saens. Der erste Satz wurde elegant mit der nötigen energischen Intensität, dramatisch schlüssig und mitreißend, wundervoll ausziseliert. Die virtuosen Passagen wurden großartig ausgeformt, dann diese gefühlvollen, wunderschönen Piani. grandios schließlich diese ausziselierten Triller und als Krönung diese fesselnden Passagen voller dramatischer Expressivität. Im zweiten Satz dann dieses grandiose Entre und schließlich zum Ende des vierten Satzes wiederum diese mitreißenden virtuosen Passagen und diese beeindruckende dramatische Intensität, die einen förmlich aus dem Gestühl zu reißen drohte, eine Interpretation aus höchstem Niveau. Nach der Pause die Violinensonate Nr. 2 D major, op. 94 von Sergei Sergejewitsch Prokofjew. Im ersten Satz gleich dieses gefühlvolle Entre, gefolgt von diesen hervorragend ausgeformten virtuosen Passagen. Grandios schließlich im zweiten Satz seine von Eleganz geprägte Virtuosität, großartig ausgeformte Triller und dann wiederum diese fesselnde dramatische Intensität seines Spieles. Im dritten Satz bestach ein traumhaftes Entre und dann im vierten Satz diese fesselnde Brillianz in den virtuosen Passagen und abermals die dramatische Intensität in seinem Spiel. An diesem Abend wurde einmal mehr deutlich gemacht, das sich eine feinsinnige Eleganz und dramatische Intensität keineswegs ausschließen, Renato Wiedermann machte mehr als deutlich, das man beide Aspekt in einer Interpretation elegant miteinander verknüpfen kann. Zum Abschluß der Valse-Scherzo für Violine und Klavier op. 34. Auch hier bestach wiederum diese grandiose Eleganz im musikalische Ausdruck, dann diese virtuosen Passagen in denen der Bogen förmlich über die Saiten zu tanzen schien und schließlich seine berührende Art mit welcher er es versteht die Triller auszuformen. Renato Wiedemann verstand es für jeden einzelnen Komponisten einen individuellen Tonfall zu kredenzen. Eine der besten Interpretation auf diesem Instrument, welche der Verfasser seit langem erleben durfte. Vielen Dank für diesen beglückenden Abend.

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