Violinabend: Konzertexamen Vira Gulei; Klasse Prof. Christoph Schickedanz (HfMT, 22.02.2019)

Um es gleich vorweg zu nehmen, dieser Abend war, bis auf ein unsauberes Spiel zu Beginn des 1. Satzes bei der Sonate in f-moll op. 80 von Sergei Prokofiev und am Beginn der Fantasie brilliante über Motive aus der Oper Faust von Gounod op.20 von Henryk Wieniawski, schlicht und ergreifend, sensationell. Die ukrainische Solistin Vira Gulei besitzt zum einen eine enorme Ausstrahlung und Bühnenpräsenz und dann diese innere Ruhe, die sie bei den schwierigsten virtuosen Passagen vermittelt, ist fast schon unglaublich. An diesem Abend wurde den Zuhörern im leider weniger gut besuchten kleinen Saal der Hamburger Musikhalle einmal mehr zu Gehör gebracht, was ganz große Kunst ist. Der Abend begann mit der Sonate für Violine und Klavier Nr. 3, C-Moll op. 45 von Edvard Grieg. Der 1. Satz begann mit einem grandios packenden Entre, das einen schon aus dem Gestühl hob. Der gesamte 1. Satz wurde hervorragend ausziseliert mit wunderbaren Piani, betörend die Ausformung der virtuosen Passagen und dann wie sie es Verstand dramatische Akzente zu setzen. Elizaveta Ivanova am Klavier begann dann den 2. Satz mit einem umwerfenden Entre, gefühlvoll und ausdrucksstark. Absolut betörend wie es  Vira Gulei an der Violine verstand hier mit ihrem Bogen die Saiten geradezu zu liebkosen, dann diese geistige Durchdringung der Komposition, deliziös ihre Piani, mirakulös die wie sie es Verstand die gezupften Passagen dramatisch auszuformen, und wie sie dann zum Ende mit den Fingern über die Saiten strich, unglaublich, diese Musikalität, dieses musikalische Feingefühl und das obgleich sie nicht zu jenen Künstlern zählt,  die einen eingeebneten Schönklang bevorzugen. Bei ihr scheint der  Ton durch ihren angerauten Klangcharakter ständig unter Hochspannung zu stehen, das ist es, was ihr einzigartiges Spiel so bezwingend macht. Im dritten Satz dann die schon erwähnte innere Ruhe bei der Ausformung der virtuosen Passagen, diese dynamischen Abstufungen, wie sie es versteht jeder einzelnen Note eine eigenständige Intensität, einen eigenen Klangcharakter zu verleihen. Hier klingt nichts gleich und auch hier Verstand sie es wiedereinmal mehr geschickt dramatische Akzente herauszuarbeiten. Elizaveta Ivanova sorgte am Klavier in diesem  dritten Satz dann für einen perlende Klavierton. Bei Rodion Schtschedrins Echo Sonta für Violine solo op. 69 war insbesondere der Wechsel zwischen ihrem Piani und ihrem Forte beeindruckend, wie sie es Verstand jedem Echo eine eigene Intensität zu verleihen, unglaublich. Auch hier bestachen neben ihren wunderbaren Piani, wiederum diese dramatische Intensität und diese kurzen, angedeuteten Triller. Grandios wie der Bogen zeitweise über die Saiten zu tanzen schien und dann wieder diese virtuosen Passagen, unfassbar. Bei Prokofievs Sonate für Violine und Klavier Nr. 1 op. 80 gab es wie schon am Beginn erwähnt diese kleinen ärgerlichen Unsauberkeiten in ihrem Spiel während des 1. Satzes, vielleicht wollte sie hier auch zu viel. Ansonsten gab es auch dort wiederum wundervoll ausgeformte Triller, bei einem eher düsteren Klangbild. Es folgten feinsinnige Piani, zarte virtuos ausgedeutete Passagen und herrliche dynamische Abstufungen. Im 2. Satz wiederum diese dramatische Intensität, energiegeladen, akzentuiert im musikalischen Ausdruck, diese bezwingenden virtuosen Passagen bei grandiosem Ausdruck und dann diese deliziös herausgearbeiteten Kontraste zwischen ihren Piani- und Forte-Passagen. Im 3. Satz dann dieses berührende Klangbild, großartige Triller und zauberhafte Piani. Im 4. Satz dann dieser fulminante Beginn, diese grandios pointiert ausgeformten gezupften Passagen und dann diese unbändige Virtuosität. Zum Abschluß dann von Henryk Wieniawski die Fantsie brilliante über Motive aus der Oper „Faust“ von Charles Gounod, op. 20. Leider auch wieder die Unsauberkeiten zu Beginn, ärgerlich weil unnötig. Einem zauberhaften Beginn folgten grandios ausgeformte virtuose Passagen, als gäbe es stellenweise kein Halten mehr. Getragenen Passagen wurden in einer zauberischen Art und Weise ausgeformt, es war beinahe zum Niederknien. Ihre Triller, insbesondere in der Gold Arie des Mefistofeles, rundeten diese Interpretation ab. Ihre feinfühlige Ausdeutung des Abschiedsthemas, glich  einer Offenbarung. In der Walzerfolge mochte man es kaum glauben, wie viele unterschiedliche Farben hier hervorgezaubert wurden. Der Spannungsbogen riss während des gesamten Abends nicht einmal ab, eine absolute Meisterleistung, oder auf englisch formuliert, eine „Outstandig Performance“, sensationell, schlichtweg unglaublich, bei soviel Energie nimmt man ein paar weniger geglückte Noten gern mal in kauf.

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