Engelbert Humperndinck/Wolfgang Mitterer: Schneewitchen (Hamburgische Staatsoper, 09.02.2019)

Die von Engelbert Humperdinck geplante Märchenoper Schneewitchen, kam leider über die Komposition vierer Zwergenlieder nicht hinaus. Wolfgang Mitterer nahm sich dieses Musiktorsos an und ergänzte diesen durch Arien aus den Opern Hänsel und Gretel, Dornröschen und Die Königskinder. Diese Musiken kleidetete er dann in ein elektroakustisches Hörbild , in dem er Syntheziser: Zuzanna Pawlaszek, Schlagzeug: Matthias Schurr/Frank Polter, Kontrabass (Franziska Kober/Felix Schilling) und Klavier: Zuzanna Pawlaszek einsetzte. Heraus kam eine melodische, romantische und in modernen Sound gekleidete Märchenoper, die unter der musikalischen Leitung von Barbara Kler einen mitreißenden Klang entfaltete. Die böse Königin wurde grandios und als eindrucksvolle Charakterstudie von Renate Springler interpretiert. Narea Son gab ein zu Anfangs etwas naives, dann aber über sich hinauswachsendes Schneewitchen: hinreißend gesungen und gespielt, mit einigen schönen gesanglichen Verzierungen . Ruzana Grigorian bestach mit ihrem sinnlichen Mezzo als Kammerzofe Emma. Johann Kristinsson gab den etwas naiven Jäger Ruprecht, später dann den Königssohn. Leider gab es außer des wechselnden Kostümes weder in der Gesangsstimme, noch in der Darstellung einen sonderlich großen Unterschied zwischen beiden Rollen. Sie wurden zwar gut gespielt, fielen gesanglich aber leider etwas zu oberflächlich aus. Ein großes Lob an die Kinderdarsteller der Tierwelt im Wald und der Zwerge. Leider ging aus dem Besetzungszettel nicht hervor, wer an diesem Abend sang, da alle Rollen doppelt besetzt wurden. Diese jungen Sänger -(innen) gingen in ihren Rollen voll auf und lieferten ein schönes Klangbild. Das Bühnenbild erfolgte überwiegend über Bildprojektionen. Es gab zudem einen Thron, einen verhangenen Spiegel, auf den Bilder projiziert wurden, eine kleine umgekippte Tonne, die als Tunnel diente, einen Apfelbaum und ein kleines Zwergenhaus. Zum Ende wurde dann eine deutsche Fassung (von Otto Walkes: Ein Zwerg ist größer…“) des Titels „Go West“ (ursprünglich von den Village People, später in einer modernen Popfassung von den Pet Shop Boys gesungen) als Ensemblenummer gesungen. Erwachsene und zahlreich erschienene Kinder spendeten begeisterten Applaus für das 1-stündige Werk. Sven Godenrath, Hamburg

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Opernexperte
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