Eine Ex Schneiderhan Stradivari aus dem „Dornröschenschlaf“ erweckt.

Die renommierten Festival Strings Lucerne bekommen mit der vor 1680 erbauten und im Erhaltungszustand außergewöhnlichen Stradivari – Violine «Sellière» ein weiteres Top – Instrument zur Verfügung gestellt: Nach über 100 Jahren Verweildauer in einer Instrumentensammlung des in Wien und Vorarlberg beheimateten Textilfabrikanten Theodor Hämmerle (1859 – 1930), der zur Eröffnung des Wiener Konzerthauses dem Direktorium der Wiener Konzerthausgesellschaft angehörte, und weiteren Jahrzehnten des Dornröschenschlafs in einem Banktresor, wird sie nun durch den künstlerischen Leiter der Festival Strings Lucerne, Daniel Dodds, in zwei Konzerten im Wiener Konzerthaus (5. März) und im KKL Luzern (7. März) zu neuem Leben erweckt. Frühe Vorbesitzerin war die um die Mitte des 19. Jahrhunderts europaweit konzertierende, aus Como, Italien stammende Geigen – Virtuosin Carolina Ferni (1839 – 1926). Zusammen mit ihrer Schwester Virginia gehörte sie zu den ersten international bekannten Solistinnen überhaupt.
Bei ihrem Debüt in Wien wurde sie vom Kritikerpapst Eduard Hanslick medial begrüsst, man hätte sich erst
«neuerdings in Deutschland daran gewöhnt, die Violine in Frauenhänden zu sehen». Wie umstritten dies war, zeigt die
Gegenüberstellung der Meinung Hanslicks mit der eines Kritikers der Wiener Jagd – Zeitung anlässlich eines Auftritts in Wien 1858: Während Hanslick urteilte: «Das Bild habe etwas Bestechendes», schrieb der Kritiker der Jagd -Zeitung, er müsse gestehen, dass er «nichts Widerwärtigeres in der Kunst kenne, als eine Dame Violine spielen zu sehen. (…) Schöne weiße Schultern, ein herrlicher Busen und eine Violine darauf! Welche Karrikatur!»®Jan Roehrmann. Stradivari „Sellière“ vor 1672 Wikimedia Commons, lizenziert unter GNU-Lizenz für freie Dokumentation URl: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Carolina_Ferni.jpg
Von mutmaßlich 1934 bis 1979 stand die «Sellière»-Stradivari dem österreichischen Weltklasse – Geiger Wolfgang Schneiderhan (1915 – 2002) und Mitbegründer der Festival Strings Lucerne zur Verfügung. Seitdem ist sie nicht mehr öffentlich gespielt worden. Als Konzertmeister ( 1938 –m 1949) und Ehrenmitglied der Wiener Philharmonikergewann
Wolfgang Schneiderhan über die Jahre auch für Luzern wesentliche Bedeutung: Neben der Gründung der Festival Strings Lucerne im Jahr 1956 und dem immensen Einfluss zu deren rascher Etablierung als führendes Kammerorchester, war er darüber hinaus Fixpunkt im Programm des Lucerne Festival der 1940er bis 1980erJahre und als Nachfolger Carl Fleschs und Georg Kulenkampffs Leiter einer Meisterklasse für Violine am Luzerner Konservatorium. Dank der so erlangten international exponiertenm Stellung wurde dem Orchesterdirektor Hans-
Christoph Mauruschat die «Sellière» – Stradivari nun von den
 nzwischen nach Argentinien ausgewanderten Nachfahren Hämmerles exklusiv angeboten. Für die Festival Strings Lucerne hat das Instrument identitätsstiftenden Charakter: Gemeinsam mit einer weiteren, bereits seit 1956 im
Orchester gespielten Stradivari – Violine, die ebenfalls Teil der Hämmerle – Sammlung war und dem zweiten Gründervater Rudolf Baumgartner gehörte, stehen dem Orchester nun zwei absolute Top – Instrumente mit direktem Bezug zur eigenen Geschichte zurVerfügung. In Verbindung mit dem auf Schneiderhan zurückgehenden einmaligen Streicherklang, der sich an der Wiener Streicherschule orientiert, manifestiert sich so der Rang des Luzerner Eliteorchesters. Weiteres Highlight der Premierenkonzerte am 5. und 7. März 2019 in Wien und Luzern ist die
Erstaufführung einer eigens für diesen Anlass neu erstellten und von den Nachfahren des Komponisten autorisierten
Streichorchesterfassung des Streichsextetts aus
Richard Strauss’ letzter Oper «Capriccio» op. 85. DasStreichsextett war im Mai 1942 in Wien auf Wunsch von Richard
Strauss und in dessen Anwesenheit von Wolfgang Schneiderhan und Musikern der Wiener Philharmoniker ® Historisches Archiv der Wiener Philharmoniker Richard Straussmit den Wiener Philharmonikern
und Wolfgang Schneiderhan als Konzertmeister 1939 anlässlich Richard Strauss 75. Geburtstag ® Fabrice Umiglia/Festival Strings Lucerne vlnr: Hans-Christoph Mauruschat(Orchesterdirektor der Festival Strings Lucerne), Daniel Dodds(Künstlerischer Leiter der Festival Strings Lucerne) mit der «Sellière» -Stradivari und Dr. Patrick Troller,
Präsident der Stiftung Festival Strings Lucerne. ® Deutsche Grammophon/Max Jacoby Wolfgang Schneiderhan um 1955 uraufgeführt worden. 1938 debütierte Wolfgang Schneiderhan als Solist bei den Wiener Philharmonikern mit Mozarts Sinfonia Concertante. Auch daran orientiert sich die Programmzusammenstellung der Premierenkonzerte.
Die Festival Strings Lucerne fanden in der Luzerner Stiftung Monika Widmer eine Partnerin, die den Kauf des Instrumentes ermöglichte. Die Stiftung selbst geht zurück auf die Tochter einer Schweizer Industriellenfamilie und wurde 2013 als letzter Wille der damals verstorbenen Stiftungsgeberin gegründet. Heute unterstützt sie Projekte im kulturellen und sozialen Bereich.Weiterführender
Konzertinformation
05. März 2019, 19:30|Wien (Österreich)|Wiener Konzerthaus | Großer Saal Veranstalter: Jeunesse Wien 07. März 2019, 19:30|Luzern (Schweiz)|KKL Luzern | Konzertsaal Veranstalter: Festival Strings Lucerne
FESTIVAL STRINGS LUCERNE DANIEL DODDS | VIOLINE & LEITUNG SOLISTEN DER WIENER PHILHARMONIKER TOBIAS LEA | VIOLA MATTHIAS SCHORN | KLARINETTE SOPHIE DERVAUX | FAGOTT
R. Strauss: Streichsextett aus der Oper Capriccio op. 85, Erstaufführung und Schweizer
Erstaufführung der Streichorchesterfassung
W.A. Mozart: Sinfonia Concertante für Violine, Viola und Orchester Es-Dur KV 364
R.Strauss: Duett-Concertino für Klarinette, Fagott und Kammerorchester F-Dur TrV 293
W. A. Mozart: Sinfonie Nr. 29 A- Dur KV 201

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