Sherlock Holmes- Next Generation – Das Musical (First Stage Theater, 21.01.2019)

Die Idee zu diesem Projekt kam Rudi Reschke bereits im Jahre 2011. Es sollte jedoch bis ins Jahr 2019 dauern, bis diese Idee bis ins letzte Detail auf einer Bühne endlich seine Premiere feiern konnte. Für die fulminante Musik und die Liedtexte zeichnete sich Christian Heckelsmüller verantwortlich und das Buch dazu entwarf Jo Quirin. Die Musikalische Leitung des kleinen Orchesters übernahm Philipp Polzin und die Choreographie, wozu übrigens auch eine vollkommen verunglückte ägyptische Tanzgruppe gehört, die in einem ägyptischen Museum die Gäste bei Laune halten sollte. Diese erinnerte ein wenig an „drei Tänzerinnen“ und zwei „Türsteher“aus dem Club Aphrodite (selbst die Bangels in ihrem Video, „Walk like an Egyptian“ waren da besser). Diese Tanzperformance war unbeschreiblich, leider nicht im positiven Sinne; bitte Streichen oder komplett ändern. Musikalisch erinnerte das Musical von der Struktur her an das deutsche Singspiel, gesprochener Monolog bzw. Dialog (keine Rezitative), Arie, gesprochener Monolog oder Dialog, Arie und so fort. Ein modernes Popmusical mit großartiger Musik, hervorragend arrangierten Solo- und Ensemblenummern; kurzweilig und überaus spannend serviert. Die Rollen wurden mit großartigen Stimmen besetzt, einzig dem Star des Abends Ethan Freeman, merkte man seine mittlerweile schon längerwährende Karriere an. Der Verfasser erlebt dieses immer wieder, zuletzt bei Ramin Karimloo, wenn die reichen stimmlichen Mittel allmählich zu schwinden beginnen, muss man sich zu einem Kunstgriff durchringen. Das bedeutet, die textliche Artikulation wird von der musikalischen Linie mehr und mehr auf die Sprechlinie verschoben und dieser Klang wird dann mittels der Stimme intensiviert, sodass zwar ein energiegeladener Ton gut hörbar in den Raum hinein projiziert wird, dieser aber mit reinem Gesang weniger zu tun hat. Da nun aber die Rolle des Sherlock Holmes- hier schon in die Jahre gekommen- passte diese Charakterdarstellung vorzüglich. Dr. Watson, gesungen von Frank Logemann, als Figur auch nicht mehr ganz so jung, klang allerdings dann doch frischer und jugendlicher. Merlin Fragel, er spielte einen jungen Waisenknaben, der gleich zu Beginn zum Assistenten von Sherlock Holmes avancieren sollte, war an diesem Abend, zumindest von den männlichen Protagonisten, der Star des Abends: Eine beeindruckende Bühnenpräsenz (schauspielerisch könnte er noch etwas mehr auf die Rolle eingehen, zeitweise hatte der Verfasser das Gefühl, er spiele sich selber) tolles Aussehen und eine mitreißende Stimme, voller Charme und Leichtigkeit im Tonansatz und eine Höhe, atemberaubend. Diesen jungen Mann sollten zukünftig alle Türen offenstehen bei einer derartigen bezwingenden musikalischen Leistung. Catherine, die Tochter der Museumsdirektorin, wurde von Alice Wittmer gesungen, mit einem Stimmklang ,der ein wenig an Isabel Varell erinnerte. Ein betörendes, dunkles Stimmtimbre, eine tolle Ausstrahlung und auch darstellerisch bezwingend. Susanne Elisabeth Walbaum sang Mrs. Mason, die Museumsdirektorin; ebenfalls eine volltönende, gut timbrierte Stimme: eine herausragende vokale Leistung. Ihr gelang es, die unterschiedlichen Gefühlsaufwallungen gesanglich überzeugend zu vermitteln. Iris Schumacher war mit ihrer großartigen Stimme eine überwältigende Mrs. Hudson. Die Stimme von Annette Lubosch war als Lady Margaret stellenweise etwas weniger charmant, dennoch eine überzeugende Rollenausdeutung. Darin Lamont Byrd als Aleister Crowley, der den Verfasser noch aus einer Lübecker „Mass“ Inszenierung (Leonard Bernstein) in Erinnerung geblieben ist, überzeugte mit seiner warmen, dunkel timbrierten Stimme. Olaf Meyer überzeugte als selbstgerechter, überheblicher Inspector Lestrade. Claudio Maniscalco legte als Premiere einen kurzen- er wurde gleich zu Beginn des ersten Aufzugs dahingemeuchelt-  imposanten Auftritt hin. Michael Ewig gab den Frog. Michael Clauder verkörperte den Moriarty, O’Neil und Frederic. Marco Hinrich den Mayor Strong, Lena Wischhusen die Sunday Moon und die Irene Adler, Maike Jacobs den Zeitungsjungen und Sabine Barthelmeß die Meredith. Nicht nur in den Duetten, sondern auch in den Ensembleszenen bildeten die Sänger eine homogene Einheit, etwas was heute leider nicht mehr selbstverständlich ist, die Stimmen waren bestens aufeinander abgestimmt. Von der ersten bis zur letzten Rolle hochkarätig besetzt. Das ist auf dem Musicalsektor leider eher eine Seltenheit. In dem Stück geht darum ,was damals wirklich in Ägypten geschah und um den Raub des berühmten Diamanten „Dem Auge des Horus“. Ein großartiger, kurzweiliger Abend

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