Richard Strauss: Die Frau ohne Schatten (Hamburgische Staatsoper 30.12.2018)

Ein Orchesterklang, wie man ihn sich spannungsgeladener und mit dem Sinn für musikalische Details augeklügelter kaum vorzustellen vermag. Kent Nagano und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg lieferten an diesem Abend einen Straussklangteppich, den man durchaus als einzigartig bezeichnen kann. Es unterstreicht einmal mehr, dass dieses Orchester, wie der Verfasser schon mehrfach auch während der großartigen Young-Ara (bis 2015) anführte, wirklich zu großartigen Leistungen fähig ist, wenn es denn will. Die ganze Genialität dieses äußerst anspruchsvollen Werkes mit all ihrer filigranen Tonsetzung, ihrer sich auftürmenden Schroffheit und Dramatik und immer wieder abgelöst von Melodiebögen, die an Schönheit ihresgleichen suchen, ergaben ein aufregendes Klangbild. Man hofft weiterhin, dass derartig grandiose Leistungen, wenn überhaupt nur von möglichst wenigen Ausnahmen getrübt, ständig von diesem großartigen Orchester abgerufen werden, um einmal die „Fussballsprache“ zu bemühen. Beim us-amerikanischen Tenor  Eric Cutler in der Rolle des Kaisers fühlte sich der Verfasser ein wenig an die grandiosen Interpreten dieser Rolle Torsten Ralf und James King erinnert. Mit seinem eher tieferen Tenor, mit welchem er in Hamburg bereits einen phänomenalen Florestan sang, meisterte er diese Extrempartie mit Bravour! Wann hört man die eigentlich kaum singbare Falkenarie so perfekt! Linda Watson in der Rolle der Amme zeichnete, vokal betrachtet, ein eher charakteristisches Rollenporträt. Mit ihrer reifen und dramatischen Stimme ist sie eine ideale Amme. Lise Lindstrom als Färberin, die mit ihrem Stimmtimbre adäquat in dieser Rolle besetzt war und Emily Magee als Kaiserin überboten sich förmlich mit ihren bezwingenden und fulminanten Spitzentönen und verliehen somit ihren ebenfalls äußerst anspruchsvollen Partien eine grandiose Intensität: schlichtweg unglaublich. Gabriele Rosmanith bot als Stimme des Falken und als Hüter der Schwelle des Tempels eine überzeugende Leistung. Dongwon Kang konnte man als Erscheinung eines Jünglings nur schwerlich widerstehen: toll gesungen. Natalia Skrycka, die für Marta Swiderka einsprang, überzeugte als Stimme von oben. Wolfgang Koch bot einen phänomenalen Barak; gesanglich und darstellerisch einfach großartig. Seine drei Brüder Alexey Bogdanchikov als der Einäugige, Shin Yeo als der Einarmige und Jürgen Sacher als der Bucklige harmonierten stimmlich hervorragend miteinander. Ebenfalls großartig in der Feinabstimmung, die Stimmen der Wächter (Alexey Bogdachikov, Shin Yeo und Ang Du. Dienerinnen (Diana Tomsche, Luminita Andrei, Natalia Skrycka). Die Kinderstimmen, die Stimmen der Ungeborenen und der Chor des Hauses rundeten die hervorragenden, gesanglichen Leistungen dieses beglückenden Abends ab.                                                                                                                                                                                                                                                AUSNAHMSWEISE möchte der Verfasser Folgendes ganz allgemein anmerken:    Die Staatsoper war, wie bei vielen in den letzten Jahren  erlebten (Opern)-Aufführungen (Mit Ausnahmen der Premieren) nur unzulänglich besucht, obwohl, wie bei der zuvor besprochenen Aufführung, hochklassiges Musiktheater geboten wurde. Auch z.B. bei der fantastischen Luisa Miller in der laufenden Saison war das so. Wahrnehmbar hat darüber niemand berichtet. Kein örtlich ansässiger Kritiker hat darüber berichtet! Während man sich diesbezüglich, was die Klassik anbelangt, voll auf die Elbphilharmonie konzentriert und mitunter mehrfach täglich intensiv aus diesem Hause berichtet und man den Eindruck gewinnen kann, dass Kulturreporter praktisch nur noch die Elphi wahrnehmen und sich zu Haus-Berichterstattern entwickelt haben, wird die Staatsoper pressemäßig geradezu stiefmütterlich behandelt. Hier muss aufgepasst werden, dass die Oper nicht ins Hintertreffen gerät, was sie absolut nicht verdient hätte. Was ist aus der Initiative einiger Herren vor etwa 2-3 Jahren geworden, die Kultur der Hansestadt in ihrer großen (ganzen) Vielfältigkeit zu fördern? Hier tut sich offensichtlich nichts, denn das Erscheinungsbild in der Presse droht in Richtung Elbphilharmonie einseitig abzugleiten. Nicht umsonst hatte der Verfasser hier seine Hilfe angeboten, eine Antwort steht bis heute noch aus. Hamburg hat genügend Platz für seine 3 qualitativ herausragenden „Musiktempel“, und sollte es auch in der Presse haben!           Sven Godenrath, Hamburg 
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Opernexperte
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