Franz Lehár: Die lustige Witwe (Allee Theater in Hamburg Altona; 16.12.2018)

Ettore Prandi zauberte mit seinem Orchester an diesem Abend einen mitreißenden, bezaubernden Lehárklang, der einfach begeisterte. Svenja Schicktanz als Hanna Glawari  war mit ihrem warmen, runden Sopran schlichtweg sensationell. Mit dieser Stimme steht es völlig außer Frage, das sie auch ein Publikum in jedem größeren Haus zu Begeisterungsstürmen hinreißen würde. Es war die helle Freude ihr zuzuhören und zuzusehen, wie sie mit ihrem charmanten, bezaubernden Spiel die Männer reihenweise um den kleinen Finger wickelte. Perlende Koloraturen, eine mühelose Höhe und eine Tiefe in der Interpretation, so muß Operette gesungen werden. Titus Witt trug als Graf Danilo glücklicherweise keinen weißen, sondern einen roten Schal und war zumindest Darstellerisch ( wenn man einige Tanzschritte, die nicht ganz im Takt waren übersieht) überzeugend. Stimmlich war er in der tieferen und mittleren Stimmlage überzeugend, hier lag ihm die Rolle sehr gut, in der Höhe wurde es dann stellenweise leider etwas eng, dennoch eine überzeugende Leistung. Gleiches gilt auch für Richard Neugebauer, tänzerisch hin und wieder nicht im Takt, dennoch charmant und mit seinem treuen Dackelblick, den er immer wieder Valencienne zu war, witzig und überzeugend. Er besitzt eine gut geführte Stimme mit einer leicht ansprechenden mühelos anmutenden Mittellage, leider wurde es auch hier in der Höhe stellenweise etwas eng. Operette ist schwerer zu singen als manch einer vielleicht dank, unzähliger gesanglich stellenweise vollkommen desolater Spielfilme, denken mag. Grandios wie immer Natascha Dwulecki als Valencienne. Darstellerisch und stimmlich eine tolle Leistung, leicht anspringende Höhe, überzeugende Mittellage und auch in der gesanglichen Interpretation spürte man eine interpretatorische Tiefe. Es ist zu dem immer wieder eine Freude Robert Ellbay-Hartog auf der Bühne zu sehen und auch zu hören. Mit seiner bezwingenden Bühnenerscheinung und seiner gut geführten Stimme, wäre er wahrscheinlich vom Stimmumfang her die besser Besetzung für den Grafen Danilo gewesen. Er bestach und begeisterte an diesem Abend als Vicomte Cascada ( vielleicht wäre etwas weniger Pomade im Haar vorteilhafter gewesen). Die Herren wirkten eh auf Grund ihrer Haartolle etwas schmierig.  Gregor Nöllen bestach als Baron Zetan. Es war die helle Freude beiden bei ihrem Spiel zu beobachten. Stefan Hahn war ein großartiger St. Brioche und Tom Wodak war als Njegus einfach köstlich. Die Engführung der Stimmen in den Ensembleszenen hätte nicht besser sein können. Bedauerlicherweise geht aus dem Besetzungszettel leider nicht hervor wer bei dieser Inszenierung die Regie geführt hat, geschweige denn sich für das Bühnenbild verantwortlich zeichnet, Programmhefte gab es leider nicht, da der Drucker nicht funktionierte. Eine Informationsmappe, wie sonst üblich, wurde nicht hinterlegt. Es war ein kurzweiliger Abend, der bis auf einige kleine Einschränkungen begeisterte. Der Verfasser hegt die Hoffnung, das sich auf Grund der exzellenten stimmlichen Leistung von Svenja Schicktanz noch viele Besucher für diese gelungene Produktion erwärmen können. Noch ein kleiner Hinweis, die Rolle der Hanna ist doppelt besetzt, es wäre daher ratsam sich vor dem Buchen zu erkundigen wann wer singt.

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Opernexperte
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