Giacomo Puccini: Tosca (Hamburgische Staatsoper 29.11.2018)

Die für diese Aufführungsserie vorgesehene Kristin Lewis, die bereits an diesem Haus als Aida vielen noch bestens in Erinnerung geblieben sein dürfte, erkrankte kurzfristig. Für sie sprang die junge amerikanische Sopranistin Adina Aaron ein, die sich am Morgen des Aufführungstages von Köln nach Hamburg aufmachte und dafür eigens die Proben zur „Macht des Schicksals“ am dortigen Opernhaus unterbrach. Auch eine Art „Schicksal“ im Leben einer Sängerin, die von dieser aparten und sehr attraktiven Künstlerin bravourös gemeistert wurde. Obwohl sie die Rolle der Tosca schon mehrfach an verschiedenen Häusern gestaltete, war es schon bewunderungswürdig, wie sicher und überzeugend sie sich in dieser Produktion, trotz zeitlich enorm begrenzter Einführung, zurechtfand, so, als wäre sie schon bei der Premiere dabei gewesen. Mit sinnlichem Timbre gestaltete sie den ersten Akt. (Es kam auch wieder der üppige Pelzmantel zum Einsatz, der von den Diven Angela Gheorghiu und Anja Harteros verschmäht wurde). Im Zweiten glühte ihre Stimme dann vor dramatischer Intensität, während sie das Vissi d’arte mit einem zauberhaften Pianissimo begann; so ergreifend hatte der Verfasser diese Arie bisher live sehr selten gehört. Im dritten Akt gab es dann wieder vokale Sinnlichkeit pur. Die eigentlich recht guten stimmlichen Leistungen des argentinischen Tenors Marcelo Puente als Cavaradossi, insbesondere auch im 2. Akt, wurde durch ein irritierendes, viel zu häufig auftretendes Vibrato geschmälert. Andrzej Dobber gestaltete einen eleganten Scarpia, wenngleich die teuflische Persönlichkeit des römischen Polizeichefs durch den enormen stimmlichen Einsatz des Sängers unterstrichen wurde.  Alexander Roslavets überzeugte als Angelotti. Shin Yeo war ein hervorragender Sagrestano. Peter Galliard und Ang Du überzeugten als Spoletta und Sciarrone. Christian Bodenburg gab den Carceriere. Der Hirte war leider, nicht zum ersten Mal, mit Ruzana Grigorian vom Stimmklang her, nicht jugendlich genug besetzt. Pier Giorgio Morandi und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg zauberten einen hervorragenden Pucciniklang. Grandios auch der Chor der Staatsoper Hamburg.
Es ist zu hoffen, dass der Intendant des Hauses nach der Aufführung die Chance genutzt hat, Adina Aaron davon zu überzeugen, doch zukünftig häufiger in Hamburg aufzutreten. Wie wäre es als Norma, auf die nicht nur der Verfasser schon sehr lange wartet. Diese einzigartige Rolle des italienischen Opernfachs hat Frau Aaron auch schon gesungen, Anfang 2018 am Theater Wiesbaden.
Sven Godenrath, Hamburg

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Opernexperte
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