Richard Wagner. Die Walküre (Hamburgische Staatsoper, 11.11.2018)

Nach einem spannungsgeladenen Beginn fiel die Spannung dann bis zu den Wälsungenrufen beim Philharmonischen Staatsorchester Hamburg unter der Leitung von Kent Nagano, trotz opulentem, schönem Klangteppich, leider ab. Auch im zweiten Aufzug gab es einige musikalische Längen. Im dritten Akt, dann endlich, von der ersten bis zur letzten Note ein überzeugender Wagnerklang. Jennifer Holloway, als Sieglinde, besitzt eine opulente, eher dunklere, voluminöse Sopranstimme und wäre an diesem Abend als Brünnhilde, verglichen mit der eher dünner anmutenden Stimme von Lise Lindström als Brünnhilde, die auch schon in einer Hamburger Elektra zu lyrisch klang, die überzeugendere Wahl gewesen. Leider nur gab es im ersten Akt bei Jennifer Holloway erhebliche Textprobleme, von einer falschen Wortwahl bis hin zu vollkommen unverständlichen Texten, die keiner Sprache zuzuordnen waren, war alles vertreten. Robert  Dean Smith überzeugte als Siegmund, dank seiner hervorragenden Stimmführung und seiner sicheren Höhe. Eine tolle Leistung. Wäre die Rolle des Hunding eine sehr tief liegende Basspartie, dann wäre Alexander Tsymbalyuk, eingesprungen für Liang Li, die Idealbesetzung gewesen, große: gut geführte Stimme; auch die musikalischen Details arbeitete er hervorragend heraus. John Lundgren als Wotan war überzeugend in den dramatischen Passagen, flüchtete sich leider im zweiten Aufzug über weite Strecken in eine eher vom Sprechgesang geprägten Ausdrucksform. Leider fehlten ihm in der Tiefe und der Mittellage die erforderliche Substanz. Mihoko Fujimura war als Fricka schlichtweg grandios; in den lyrischen und dramatischen Passagen sehr bezwingend. Maida Hundeling als Helmwige, Hellen Kwon als Gerhilde, Gabriele Rossmanith als Ortlinde, Irmgard Vilsmaier als Waltraute, Katja Pieweck (eine der besten Ortrud-Sängerinnen unserer Zeit und am Hause leider in großen Rollen momentan eher unterbeschäftigt)) als Siegrune, Ida Aldrian als Rossweiße, Ann-Beth Solvang als Grimgerde und Marta Swiderska als Schwertleite waren ebenfalls herausragend: ein stimmlich bestens aufeinander abgestimmtes Walkürenensemble, das dem munteren Treiben der Damen eine enorme Stimmentfaltung bescherte.
Zur inzwischen 10 Jahre alten Inszenierung (Regie: Claus Guth-Bühnenbild: Christian Schmidt) ist anzumerken, dass sie nicht sehr schön, sondern eher gediegen und zweckmäßig erscheint. Im ersten Bild sieht man ein Tableau mit einer Spüle, einem Tisch mit mehreren Stühlen und einer fahrbaren, kleinen Wand mit integrierter Tür. Im ersten Teil des zweiten Aufzuges sieht man Sieglindes Küche als Puppenhaus, ebenso das Haus, in dem die Walküren hausen, noch im intakten Zustand.  An der Wand lehnt das Landschaftsensemble aus dem Rheingold, welches dort die Mitte des Raumes zierte.  Im zweiten Teil des zweiten Bildes schwebt dieses Tableau, jetzt allerdings im leeren, angeschrägtem Zustand  über den Akteuren. Erst beim Zweikampf Hunding vs Siegmund wird es wieder zur Bühne. Im letzten Bild ein heruntergekommener, waschraumähnlicher Schuppen mit Schlafmöglichkeit. Die Decke zum größten Teil eingebrochen. Hier hausen die Walküren und liefern sich eine singende Kissenschlacht und spielen mit ihren Etagenbetten Kampfspiele „hoch zu Ross“. Vor diesem tristen Hintergrund spielt sich dann auch Wotan’s Abschied und Feuerzauber des Finales ab. Trotz einiger Einschränkungen ein insgesamt gelungener, kurzweiliger Abend.
Sven Godenrath, Hamburg

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Opernexperte
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