Benjamin Appl in der Hamburger Kunsthalle (18.10.2018)

Vorweg gab Dr. Francesco Leonelli eine Einführung zum Thema Romantik,  nach dem  40 „Äh“ hörte der Verfasser auf zu zählen. Der Vortrag dauerte knapp 20 Minuten. Der Abend war Unterglieder in vier Liedgruppen: Schubert, Schumann, Mahler und Grieg. In der Schubertliedgruppe stach besonders „Der Atlas“ mit seinen Temporückungen heraus, die aufhorchen ließen. Bei der Schumannliedgruppe ließ die überaus differenzierte Interpretation „Die beiden Grendadiere“ und der ergreifende Schluß von „Belsazar“, aufhorchen. Bei Gustav Mahler bestach die dramatische expressive Interpretation von „Ich hab ein glühend Messer“. Aufhorchen ließ auch, das wenn in einem Lied ein Wort mehrfach wiederholt wurde, dieses jedesmal anders betont wurde. Bei den sechs deutschen Lieder von Edvard Gried bestach die auch vom Pianisten rhythmisch und pointiert vorgetragene Interpretation von „Lauf der Welt“ Es gab noch zwei Zugaben eine von Schubert: Fischerweise und eine ergreifende Fassung von „Ich bin der Welt abhanden gekommen“ von Gustav Mahler mit zauberahaften pianissimos.  Dieses war die erste Zusammenarbeit zwischen Daan Boertin (schlichtweg grandios) am Klavier und Benjamin Appl. Leider wirkte sich die auf den Verfasser etwas zu aufgesetzt wirkende Mimik des jungen Baritons eher kontraproduktive aus. Ebenso der stellenweise arg manieriert wirkende Gesangsstil, stellenweise glaubte der Verfasser eher dem mittleren Dietrich Fischer-Dieskau ( dessen letzter Schüler er war) zu lauschen. Die eigenständige Persönlichkeit, des mit überaus reichhaltigen stimmlichen Mitteln beschenkte Benjamin Appl, schien hier etwas zu sehr in den Hintergrund geraten zu sein. Für diese Art des überdeutlichen, manieriert wirkenden Singens ist Benjamin Appl nach Ansicht des Verfassers noch zu Jung. Dieses wäre eher eine Option, wenn die stimmlichen Mittel leicht schwinden sollten, was hoffentlich nicht so bald geschehen wird.

 

 

 

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Opernexperte
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