Giuseppe Verdi: Rigoletto (Allee Theater Hamburg-Altona, 07.10.2018)

Die Bühne war ein sich öffnender, drehender Kreis. Die Gräfin Ceprano mutete wie die Schlampe vom Dienst an,  Giovanna erinnerte  ein wenig an Mary Poppins und  Maddalena gab das Revuegirl, Sparafucile schien das männliche Pendant zu sein. Marullo, Borsa und Graf Ceprano erinnerten an Erdogans‘ Schlägertrupp, der in Washington Passanten aufgemischt haben soll. Gilda im weißen Kleid und weißer Haarbinde hätte zu Beginn auch Rigolettos Krankenschwester sein können; es fehlte nur noch das rote Kreuz auf der Binde. Rigoletto mit Glatzenperücke erinnerte ein wenig an den Clown in Stephen Kings „Es“. Der als  indisponiert  angekündigte Marius Adam als Rigoletto gab einen darstellerisch und gesanglich berührenden Rigoletto; leider fehlte beim pari siamo zum Ende die Höhe und sein Schlußton am Ende des 2. Aktes, als er die Entführung Gildas‘ bemerkte und am Ende der Oper, als er ihren Tod beklagte, gelangen leider weniger ergreifend. Der Wechsel vom vor Bosheit strotzenden Hofnarren zum liebenden Vater und zum flehenden Opfer, das seine Tochter wieder zurückhaben möchte, gelangen perfekt. Luminita Andrei- sie könnte auch an großen Bühnen mit Leichtigkeit bestehen- gab eine Gilda par excellence. Großartige Koloraturen, grandios ihr Caro nome, halb deutsch, halb italienisch gesungen, berührend in ihrer zweiten großen Arie, als sie dem Vater das Treffen mit dem Herzog gesteht. Eine herausragende Leistung. Gheorghe Vlad hat sich stimmlich, verglichen mit dem ersten Hörvergnügen an diesem Haus enorm gesteigert. Auch wenn seine Rolleninterpretation für größere Häuser wohl kaum ausreichen dürfte, hier war er als Herzog hervorragend besetzt. Eine schöne lyrische Stimme, die Verzierungen wurden gut herausgearbeitet. Die Wandlung vom Macho zum wirklich Liebenden und wieder zurück gelangen nicht nur darstellerisch, sondern auch gesanglich. Titus Witt war gesanglich und darstellerisch mit seiner vollen, runden Stimme, in beiden Rollen des sich rächen wollenden Grafen Monterone und des Sparafucile hervorragend. Feline Knabe als Gräfin, Maddalena und Giovanna war mal wieder hervorragend. Sie fand für jede Rolle einen individuellen Ausdruck, darstellerisch wie auch im Gesang. Robert  Elibay -Hartog avancierte einmal mehr nicht nur zum Hingucker des Abends, sondern war auch gesanglich in der Rolle des Marullo großartig. Stefan Hahn gab einen guten Borsa und Daniel Pohnert überzeugte als Graf Ceprano. Das Dirigat und das musikalische Arrangement von Ettore Prandi und der Orchesterklang waren hervorragend: eine tolle Leistung.
Ein insgesamt gelungener Abend.
Sven Godenrath, Hamburg
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Opernexperte
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