Wolfgang A. Mozart: Cosi fan tutte (Hamburgische Staatsoper, 08.09.2018)

Zur Eröffnung der Spielzeit 2018/2019 wurde das wohl frivolste Opernwerk Mozarts’s neu inszeniert, das zur Zeit seiner Uraufführung 1790, 1 Jahr vor dessen tragischem und frühem Tod für Aufregung sorgte, denn die Treueprüfung der Bräute zweier Freunde war dann doch zuviel, obwohl der Librettist Lorenzo da Ponte das amouröse Stück mit prallem Text zu einer Komödie verdichtete. Es hätte tragisch enden können, denn die Damen waren doch nicht so standhaft, aber ein augenzwinkerndes Happyend bewahrte das Geschehen vor einem unglücklichen Ausgang.
Man hatte gehofft, mit dem Regisseur Herbert Fritsch einen ganz großen Wurf zu landen. Über einen bunten „Kindergeburtstag“ mit zahlreichen Stössen in die Weichteile des männlichen Geschlechtes und knallbunten Kostümen, die zum Teil beim Musical Cats entliehen zu sein schienen, ging es dann aber leider nicht hinaus. Zum Ende nahm Herbert Fritsch dann die Behauptung “ So machen es alle“ (Cosi fan tutte ) leider zu wörtlich. Männer des Chores in Frauenkostümen! Diesen weniger tiefsinnigen Humor konnte der Verfasser zuletzt in der muskalisch gelungenen aber szenisch völlig missratenen „Fledermaus“ in Bremen bis zum Excess „genießen“, wo selbst die Herren des Chores in eine weibliche Köstümierung einbezogen wurden. Auf diese Inszenierungsmasche, die offensichtlich Schule macht, hätte man besser verzichten sollen. Witzig hingegen die Idee mit dem selbstspielenden Klavier, das u.a. Mozarts‘ „Kleine Nachtmusik“ anspielte.
Ida Aldrian, die als Dorabella für die erkrankte Stephanie Lauricella einsprang, schwächelte leider etwas im ersten Teil; auch bemerkte man die nicht optimale Subtanz in der Tiefe. Erst im zweiten Teil wurde sie dann sicherer und gab eine bestechende Rolleninterpretation. Glücklicherweise wurde sie ins Ensemble der Hamburgischen Staatsoper übernommen. Maria Bengtsson war gesanglich eine hervorragende Fiordiligi. Sylvia Schwarz bestach als Despina, wurde aber leider im ersten Teil so durch die Rezitative gehetzt, dass hier der Verdacht aufkam, dass Dirigent und Regisseur offensichtlich den Sinn und Zweck von Rezitativen unterschätzen. Pietro Spagnoli wurde als Don Alfonso die Rolle des Knallchargen zugeteilt; gesanglich hingegen war er gut. Dovlet Nurgeldiyev war als Ferrando phänomenal; eine tolle stimmliche Präsenz und ein phantastischer gesanglicher Ausdruck. Eine Leistung, die ihn als führender Interpret dieser Rolle ausweist. Kartal Karagedik machte zwar als Guglielmo körperlich eine gute Figur, gesanglich hätte die Rolle etwas differenzierter ausgelegt werden können. Sebastian Rouland am Pult und das Philharmonische Staatsorchester Hamburg zeigten sich zu Beginn mit rundem Schönklang eher von der gelangweilten Seite. Erst im zweiten Teil wurde das Niveau dann deutlich angehoben und die Innenspannung stieg. Schade: Es hätte deutlich mehr Substanz in dieser Neuinszenierung sein können, als die Regie und der Dirigent zu zeigen bereit waren. Manchmal ist es vielleicht doch ratsamer, wenn sich bei musikalischen Belangen nicht der Regisseur, sondern der Dirigent durchsetzt.

Sven Godenrath, Hamburg

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Opernexperte
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