Maury Yesten: Titanic – The Musical – (Hamburg, 08.08.2018)

Zu den wohl bekanntesten Verfilmungen zählen die 1943 gedrehte deutsche Version mit Sybille Schmitz, Hans Nilsson und E. F. Fürbringer, eine amerikanische Verfilmung mit Barbara Stanwyck und Robert Wagner und die wohl bekannteste Kinoversion mit Leonardo di Caprio und Kate Winslet. Ferner gibt es noch zwei bekannte abgewandelte Fernsehversion: Eine aus der Reihe Time Tunnel “ Rendevous with Yesterday und aus eine andere aus der  Reihe Supernatural „My Heart will go on“. Das Musical wurde 2002/2003 in einer deutschen Fassung mit opulenterem Bühnenbild schon einmal in Hamburg gezeigt, jetzt läuft es in der Hamburgischen Staatsoper endlich in der englischen original Fassung unter der musikalischen Leitung von Mark Aspinall. Die Musik bewegt sich, was ihre kompositorische Qualität anbelangt, in einer Liga mit „My Fair Lady“, „Les Miserable“ und „Das Phantom der Oper“. Kurz um ein Musical auf höchstem musikalischem Niveau, intelligent und tiefsinnig durchkomponiert. Zu den gesanglichen Höhepunkte dieser Produktion zählen neben Jacinta Whyte als Alice Beane, die als Passagierin der 2. Klasse unbedingt Anschluß an die Gäste der 1. Klasse finden möchte. Opulente, runde Stimme, mit einer großartigen Ausdruck. Matthew McKenna als Henry Etchus wegen seiner eleganten Art der Phrasierung. Niall Sheehy als Maschinist Fredrick Berrett, nicht immer ganz konstant in der gesanglichen Leistung aber gesamtbetrachtet dennoch hervorragend. Dudley Rogers und Judith Street als alterndes Ehepaar Isidor und Ida Strauss, Besitzer des New Yorker Warenhauses Macy’s. Ergreifend und berührend, wie beide zusammen oder gar nicht das Schiff verlassen wollen: „Wie soll ich ohne dich weiter Leben, “ erklärte sie und blieb. Victoria Serra als Kate McGowan, irische Einwanderin, Passagierin der 3. Klasse und eine der wenigen Überlebenden aus dieser Klasse, ebenfalls eine hervorragende gesangliche Leistung und ebenfalls in bestechend guter stimmlicher Form Chris McGuigan als Jim Farrell, dem einzigen Paar, dem ein Happy End beschert wird. Claire Marlowe als Lady Caroline Neville hat einige gute Momente, war aber gesamtbetrachtet leider weniger konstant, besser weil wesentlich konstanter war da Stephen Webb als Charles Clarke ihr Verlobter. Philip Rham gelang als Captain Edward Smith eine gelungene Charakterzeichnung, dem die Reisenden der 3. Klasse, eingesperrt unter Deck, völlig egal waren, der nur daran interessiert war, das die Passagiere der 1. und 2. Klasse gerettet werden und sich den Vorwurf gefallen lassen mußte :“Sie sind zwar der Captain dieses Schiffes, aber nicht Gott um über Leben und Tod zu entscheiden. Inakzeptabel mit seiner leicht quäkigen Stimme war Lewis Cornay als Bellboy. In anderen Rollen Alistair Barron als Charles Lightoller, Kieran Brown als William McMaster Murdoch, Alexander Evans als Joseph Boxhall, Simon Green als J. Bruce Ismay, ebenfalls eine gelungene Charakterstudie und Greg Catiglioni als Thomas Andrews, der erst als es zu spät war, den Fehler in seiner Bauplänen findet. Grandios wie die Stimmen in den Ensembleszenen miteinander harmonierten. Zum Ende sieht man dann ein paar der Überlebenden, es waren nur 711, 1513 kamen ums Leben, vor der Erinnerungstafel, wie sie die Stunden in den Rettungsbooten schilderten, die Hilferufe, das rosa verfärbte Wasser, wegen der Liegestühle und dann 30 Minuten nach dem das Schiff gesunken war, diese Stille. Ein großartiger Abend.

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