Masterprüfung Anna Lindenbaum, Klasse Prof. Tanja Becker-Bender (HfMT Hamburg, 04.07.2018)

Auch wenn bei der Masterprüfung für das Fach Violine einmal kein Werk von Bach auf dem Programm, an Bach scheitern leider nicht wenige, so stand dieser Abend leider unter keinem guten Stern. Der Abend begann mit der Suite für Solovioline Nr. 5 in d-Moll von Johann Paul von Westhoff (1656 -1705). So wie Anna Lindenbaum dieses Violinenkonzert spielte, uncharmant, bei etlichen  Übergängen schrammte sie mit dem Bogen über die Saiten,  hätte man meinen können bei der Uraufführung einer modernen Komposition zu sitzen. Nahezu ein Totalausfall, einzig einige Triller gelangen. Schon etwas angekratzt, was das Nervenkostüm anbelangt, folgte dann von Marco Döttlinger (geboren 1984, bekam 2014 das Jahresstipendium Musik des Landes Salzburg, weitere Kompostionen: Dein Messer, 2017) „wie honig im meer“ – für Solovioline und Liveelektronic.  Ein interessantes Klangexperiment. Da aber das Nervenkostüm mancher Zuhörer schon nach dem ersten Stück leicht strapaziert worden war. Die Violine wurde zur elektronischen Violine. War dieser kratzige hohe, sphärische Ton, der sich zu dem auf einer Wellenlänge bewegte, welche sich in einem weniger angenehmen aufs Ohr fallenden Frequenzbereich bewegte, eher etwas nervig. In einem anderen Umfeld wäre diese Komposition sicherlich besser angekommen. Interessant, durch die Liveelektronic zu hören, wie eine Violinen klingen kann, wenn sie gut gespielt wird, zudem wurden noch Wortfetzen mit hinzu gemischt. Hier war die von Marco Döttlinger „gespielte“ Liveelektronik, der Höhepunkt. Musikalisch interessant, bekam nur leider wegen des vorherigen, weniger gelungen gespielte Werkes, einen eher negativen Touch, was überaus schade war. Dann kam Guillermo Santonja di Fonza auf die Bühne, leider aber nur zum Umblättern der Noten, das müssen sie sich dann von der Relation ungefähr so vorstellen, sie sind in einem Konzert mit David Garrett und plötzlich kommt Nemanja Radulovic auf die Bühne, um ein paar Seiten umzublättern. Es folgte von Ferruccio Busoni die Sonate für Violine und Klavier Nr. 2 in e-Moll op. 36a. Hier war Anna Lindenbaum endlich in ihrem Element. ein gefühlvoller Einstieg in den ersten Satz, wunderbar wie sie den melancholischen Grundton dieser Komposition herausgearbeitet hat. Der Ton ihrer Violine war zum ersten mal an diesem Abend warm und rund. Die dramatischeren Sequenzen wurden ebenso wie die virtuosen Passagen gut ausgeformt, mit einem ergreifenden Schluß. Im zweiten Satz war sie rhythmisch sehr überzeugend, die Triller wurden gut ausgeformt und der Schluß konnte in seiner dramatischen Expressivität überzeugen. Im dritten Satz wurde manche eher getragen anmutenden Läufe geradezu zelebriert. Im vierten Satz brillierte sie dann in den virtuosen Passagen, die überaus akzentuiert klangen, hier gelangen einmal mehr die angedeuteten Triller und dann dieser wunderschöne Schlußton. Nach der Pause dann die Sonate für Klavier und Violine in A-Dur D574 von Franz Schubert. Beginnend mit einem schönem Tonansatz, manche virtuose Passagen hätte etwas akzentuierter gespielt werden können, die angedeuteten Triller gelangen gut. Im zweiten Satz konnte sie sowohl in den virtuosen wie auch in den dramatisch expressiven Passagen überzeugen. Im dritten Satz fielen insbesondere die elegant ausgeformten Triller auf und im vierten schließlich neben den virtuosen Läufen wiederum die elegant ausgeformten Triller. Zum Abschluß dann von Maurice Ravel Tzigane. Die erste Häflte war hier leider weniger gelungen. Wiederum traten die weniger charmant gespielten Übergänge in den Vordergrund, vieles hätte akzentuierter klingen können und manches wollte wohl auch nicht so recht gelingen. Erst ab der zweiten Hälfte war sie dann in den Stück drin und wurde immer besser. Die virtuosen Läufe, grandios, die dramatische Expressivität, atemberaubend und dann dieser sensationelle Schluß, phantastisch, das war ganz große Kunst. Zum Ende kam dann auch noch Marco Döttlinger auf die Bühne, der für seine Komposition ebenfalls viel Applaus bekam. Im ersten Teil wurde Anna Lindenbaum von Keiko Suzuki begleitet, die ein klein wenig hölzern spielte. Wesentlich besser (im zweiten Teil),  mit grandiosen perlenden Trillern war Mayuko Arita. Eine Pianistin die von ihrer ersten bis zu ihrer letzten Note durch ihr gefühlvolles Spiel und ihren weichen, fließenden Tonansatz einfach nur begeisterte, schlichtweg grandios.

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