Violinenabend – Bachelorprüfung von Oliver Rau, Klasse Prof. Christoph Schickedanz (HfMT Hamburg, 03.07.2018)

Trotz seines noch recht jungen Alters, besaß Oliver Rau neben seiner attraktiver Ausstrahlung auch eine enorme Bühnenpräsenz.  Der Abend begann mit der  Sonate für Violine Solo Nr. 1 g-Moll BWV 1001 von J. S. Bach. Positive kann man bei dieser Interpretation erwähnen, das einige Triller elegant angedeutet wurden. Leider nur gab es bei Bach nicht nur die weniger elegant gemeisterten Übergänge, zum Ende lief leider noch der eine oder andere Ton etwas aus dem Ruder, kurz um Bach diente wohl eher zum aufwärmen. Weiter ging es dann mit der Sonate für Violine und Klavier Nr. 3 d-moll op. 108. von Johannes Brahms. Der, von dem Verfasser sehr geschätzten Pianisten Bernhard Fograscher, spielte leider nach Ansicht des Verfasser an diesem Abend diese Sonate mit etwas weniger Fingerspitzengefühl. Manche Akkorde hätte man auch etwas weniger energisch interpretieren können. Dafür schien Oliver Rau plötzlich wie ausgewechselt. Nach einem gefühlvollen Entré beim ersten Satz gelangen ihm, mit seinem elegant anmutenden Spiel, auch die dramatischen, expressiven Phrasen, auch wenn diese nach Ansicht des Verfassers vielleicht etwas gebundener, fließender gespielt hätten werden können. Leider geriet so manch eine Phrase dann auch etwas weniger akzentuiert in ihrer Ausführung, an einer Stelle wurde es leider etwas schwammig. Im zweiten Satz bekam sein Spiel dann einen eher melancholischen Unterton. Eine ergreifende Interpretation insbesondere da sein Ton im Mittelteil dann etwas rauer wurde.  Die Triller wurden gut angedeutet. Mittlerweile schien auch Bernhard Fograscher gefühlsmäßig bei Brahms angekommen zu sein, manche Passagen, obgleich Handwerklich gut, gar keine Frage,  wirkten auf den Verfasser etwas weniger emotional in der musikalischen Ausführung. Im dritten Satz schimmerte dann bei Oliver Rau eine gewisse Leichtigkeit im Tonansatz durch und auch die dramatischen Passagen waren in ihrer Ausführung konsequenter, wenn auch leider wiederum etwas weniger flüssig gespielt. Bei der Sonate Posthume für Violine und Klavier Nr. 1 a-Moll von Maurice Ravel schien Oliver Rau den Höhepunkt seines musikalischen Könnens erreicht zu haben, hier gelang einfach alles. Hier spürte man, das er zu diesem Musikstück eine tiefe emotionale Bindung zu haben schien. Unbeschreiblich dieser gefühlvolle Einstieg, gespielt mit einem bewundernswerten runden Ton und die dramatischen Sequenzen klangen wesentlich flüssiger gespielt als zuvor bei Brahms. Die melancholische Grundstimmung wurde trefflich herausgearbeitet. Traumhaft die dynamischen Abstufungen, die angedeuteten Triller wurden akzentuiert herausgearbeitet, die beste Leistung des Abends. Abschließend dann die Polonaise Brilliante No. 1 D-Dur op. 4 von Henryk Wieniawsky. Großartig dieser rhythmische pointierte Einstieg, ein Spiel geprägt von flüssiger Eleganz, Triller wurde wiederum gut angedeutet. Zusammengefasst:  Brilliant gespielt und mitreißend Interpretiert.  Was man auch sonst immer über das Spiel dieses jungen Mannes anmerken möchte, langweilig wurde es zu keiner Sekunde, zumal und das muß man Oliver Rau hoch anrechnen, er fand zu jeder einzelnen Komposition eine individuellen Tonfall.

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