Ludwig van Beethoven: Fidelio (Hamburgische Staatsoper, 05.05.2018)

Das Philharmonische Staatsorchester Hamburg, unter der Leitung von Kent Nagano, lieferte an diesem Abend einen grandiosen Klangteppich und auch der Chor war, wie immer, grandios und bezwingend. Thomas Gottschalk (bitte nicht mit dem Radio- und Fernsehentertainer zu verwechseln) als 1. Gefangener, konnte mit seiner lyrischen Stimme punkten. Christian Bodenburg (Bariton) war hier als zweiter Gefangener leider stimmlich etwas weniger prägnant (beide sind Mitglieder des Chores).

Nach einem, bis auf zwei Ausnahmen kompletten Wechsel in den Solopartien, war in dieser Neuinszenierung eine überwiegend großartige Besetzung zu erleben. Christina Gansch gelang eine zauberhafte Marzelline. Sascha Emanuel Kramer gelang als Jacquino mit seinem charmanten, lyrischen Tenor eine bezwingende Interpretation; diese Rolle ist jetzt adäquat besetzt. Simone Schneider war wesentlich besser als in der B- Premiere; sie schien die Rolle ihren stimmlichen Möglichkeiten  angeglichen zu haben, denn sie sang jetzt die Leonore grandios, sowohl in den lyrischen, wie in den dramatischen Passagen; vielleicht war sie aber in der B- Premiere auch schon gesundheitlich leicht angeschlagen gewesen, da ein paar Tage später eine andere Sängerin einspringen mußte (der Verfasser berichtete über beide Aufführungen). Albert Pesendorfer war ein bezwingender, mit nobel anmutendem Stimmklang gesegneter Rocco: großartig. Das Quartett: „Mir ist so wunderbar“– das konnte man auch beim Zuhören empfinden–, da sich die Stimmen hervorragend ergänzten. Simon Neal war als Don Pizarro dramatisch prägnant in der gesanglichen Textausformung. Bei Robert Dean Smith als Florestan machten sich stellenweise in der Höhe die Grenzen seiner Stimme bemerkbar; obgleich er noch unangestrengt diese Rolle bewältigte, hatte man doch das Gefühl, höher geht es nicht mehr. Differenziert, sowohl in den lyrischen, wie auch in den dramatischen Passagen gelang ihm eine überzeugende, überwiegend auch bezwingende Rollenausdeutung. Kartal Karagedik war mit seinem unsensiblen Auftritt als Don Fernando einmal mehr der Schwachpunkt an diesem Abend. Gutes Aussehen reicht leider nicht immer; man sollte auch die Rolle andeutungsweise differenziert ausformen können. Dies gelang leider auch beim dritten Hören, nach fast einem halben Jahr, immer noch nicht. Die Stimmen aus dem Off kamen von Hannelore Hoger und Hans Löw.

Zum Bühnengeschehen: Der Verfasser hat endlich den weißen Wolf gesehen; dieser erscheint zu Beginn des Vorspiels des 2. Aktes für längere Zeit groß hinter den Scheiben, etwa in der Mitte des Bildes. Der nackte, zur Regungslosigkeit verdonnerte Gefangene, ging auch dieses mal, gut sichtbar für alle, ab, bevor sich die Türen ganz geschlossen hatten. Für die Gefangenen blieben auch an diesem Abend im engen Wohnzimmer die Fenster geschlossen. Florestan mußte erneut  in einer gut ausgeleuchteten Zelle feststellen:“Gott welch Dunkel hier.“
Sven Godenrath

 

 

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Opernexperte
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