Wolfgang A. Mozart: Die Zauberflöte (Hamburg, 06.05.2018)

Im Vergleich zur Premiere (Auf dieser Internetseite beschrieben)

Unter der Leitung von Kent Nagano bot das Philharmonische Staatsorchester Hamburg einen wunderbaren Mozartklang. Der Chor des Hauses zeigte sich auch an diesem Abend wieder einmal in Topform. Die Besetzung schwankte zwischen mittelprächtig bis herausragend. Vorweg gab es zwei Regiepannen, die jedem, der nicht farbenblind ist, aufgefallen sein müsste. Zu Beginn treffen auf der Bühne zwei Teenager aufeinander, beide weiß. Der eine gibt sich als Tamino, der andere als Papageno zu erkennen. Jahre später erscheint Papageno, der wohl einen bedauerlichen Sonnenbankunfall erlitten haben musste, etwas anders, denn seine Hautfarbe war plötzlich dunkel- braun. Später singt Pamina dann, dass der Mohr ( gemeint war hier  Monostatos) sich sexuell an ihr vergehen wollte. Monostatos wurde aber von einem ungeschminkten Weißen gesungen; der einzige auf den diese Beschreibung zutreffend gewesen wäre  war aber Papageno, was sachlich falsch ist.

Wilhelm Schwinghammer war als Sarastro leider keine Leuchte; die Stimme klang dumpf und auch weniger charmant. Dovlet Nurgeldiyev war als Tamino grandios. Der dem Verfasser schon in Mini-Bar aufgefallene Bariton Zak Kariithi sang an diesem Nachmittag einen umwerfenden Papageno. Mit seinem Charme, seinem Witz und seiner eleganten Stimmführung war er für diese Rolle eine Idealbesetzung. Der Verfasser hat bisher selten eine so ergreifende, glücklicherweise verhinderte Suizidszene, auf gesanglicher Ebene in dieser Oper erlebt, wie von ihm. Hervorragend, wie seine Stimmung von übereuphorisch ins Tieftraurige schlagartig umkippte. Die für die schwangere Julie Fuchs eingesprungene Olga Kulchynska gab eine berührende Pamina. Alin Anca war als Sprecher nicht immer auf der Höhe seiner stimmlichen Möglichkeiten. Sergei Ababkin gab den Priester. Jessica Pratt, bekannt als Rossini und Donizetti-Sopranistin (Lucia die Lammermoor), gestaltete eine grandiose Königin der Nacht. Narea Son war eine berührende und auch quirlige Papagena. Der Verfasser ist sich hier ganz sicher, dass diese Sängerin in wenigen Jahren eine große Karriere machen wird. Peter Galliard lief als Monostatos zu seiner vokalen Bestform auf. Jürgen Sacher und Alexander Roslavets überzeugten als zwei Geharnischte. Julia Maria Dan, Nadezhda Karyazina und Ruzana Grigorian ünerzeugten als die drei Damen. Sie  harmonierten stimmlich hervorragend miteinander, eine tolle Leistung. Die drei Knaben (leider namentlich nicht erwähnt) des Knabenchores der Chorakademie Dortmund wollten stimmlich so gar nicht zusammenpassen. Immer wieder gab es Diskrepanzen bei der Engführung der Stimmen; hier hätte man besser auf eine Harmonie innerhalb dieses Stimmkonstruktes achten können. Jeder für sich genommen war gut, aber das Zusammenspiel wollte einfach nicht aufgehen.
Gesamtbetrachtet, ein toller Abend. Am fluchtartigen Verlassen einer neben ihm sitzenden Dame während der Bildnisarie, ist der Verfasser unschuldig.
Advertisements

Über godenrath

Opernexperte
Dieser Beitrag wurde unter 03.18. Verschiedenes veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s