Kaija Saariaho: Only the Sound Remains „Always Strong; Feather Mantle“ (Warner)

Unter dem Titel „Only the Sound Remains“ wurden von der finnischen Komponistin, Kaiji Saariaho (Jg. 1952) zwei Operneinakter für einen Opernabend an der Dutch National Opera im Rahmen des Opera Foreward Festivals 2016 komponiert und zusammengefasst. Die Musik ist modern, melodisch, bezwingend und es finden sich genau die 3 Elemente wieder, die Oper ausmachen, nämlich: Passion, Passion, Passion. In „Only the Strong“ holt ein Priester den Geist eines verstorbenen Musikers wieder zurück und es kommt andeutungsweise zu einer homoerotischen Begegnung zwischen den beiden. Die Stimme des US-amerikanischen Bass-Baritons Davone Tines‘ (30) ist überaus charakteristisch und markant und seine Bühnenpräsenz ist einfach grandios; unverständlich, dass dieser beeindruckende Künstler bei uns kaum bekannt ist, obwohl er international bereits sehr erfolgreich ist. (Amsterdam, Paris, SFO, Helsinki, Lissabon und demnächst LA). Philippe Jarousskys‘ bezwingendes Spiel und seine grandiose Stimmführung kommen hier wiedereinmal bestens zur Geltung. Bei „Feather Mantle“ findet ein Fischer einen wunderschönen Mantel und will ihn mitnehmen. Da erscheint ihm ein Engel, der den Mantel zurückhaben möchte, da ihm ohne diesen die Rückkehr verwehrt bleibt. Unter der Bedingung, dass ihm der Engel einen Tanz oder zumindest einen Teil darauf präsentiert, erhält er den Mantel zurück. Der Engel geht auf das Angebot ein. Auch hier sind Davone Tines als Fischer und Philippe Jaroussky als Engel grandios; gerade auch in der Interaktion miteinander wird ein Spannungsbogen aufgebaut, der begeistert. Leider sind sich die Bühnenbilder, beides scheint sich in einer Art Höhle abzuspielen, zu ähnlich. Hier hätte von Peter Sellars die unterschiedlichen Handlungen und Handlungsorte besser herausgearbeitet werden müssen. Der weniger kundige Zuschauer könnte sonst auf die Idee kommen, er sähe nicht zwei verschiedene Stücke, sondern nur eines. Es wird auf englisch gesungen. Das Dudok Quartett mit Eija Kankaanrante an der Kantele, Camilla Hoitenga auf der Flöte und Niek Kleinjan am Schlagzeug unter der Leitung von André de Ridder sorgen für einen grandiosen Klangteppich. Zudem hören wir noch ein Vocal Quartett aus dem Nedderlands Kamerchor (Heleen Koele, Marian Dijkhuizen, Albert van Ommen und Gilad Nezer)
Ein modernes, aber außerordentlich hörenswertes (und sehenswertes) Werk, das beeindruckend vermittelt, dass auch moderne Opern begeistern können und so manchem Vorurteil engegentreten kann.

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Opernexperte
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