Wolfgang A.Mozart: Die Zauberflöte (Lübeck, 20.04.2018)

Die Zauberflöte als heitere Hochzeitsfeier und im Mittelpunkt eine entführte Braut. Im Prolog sehen wir Tamino und Pamina als frisch vermähltes Paar. Die Königin der Nacht und Sarastro als Eltern der Braut. Papageno, eingeladen im Vogelkostüm um die Gäste zu bespaßen. Monostatos wird als Rabe andeutungsweise verkleidet und singt im späteren Verlauf dann den Text, weil ein Rabe häßlich ist. Die drei Damen sind Hochzeitsgäste. Es gab einige kurzweilige Textänderungen und weil der Papageno von einem koreanischen Bariton interpretiert wurde, sprach er seine Dialoge in einer leicht überdreht wirkenden, koreanischen Sprache mit einigen deutschen Texteinwürfungen und herrlich komödiantisch ausgeschmückten Missverständnissen. Es spielte das Philharmonische Orchester der Hansestadt Lübeck unter der Leitung von Andreas Wolf und lieferte einen großartigen Klangteppich mit flotten, aber nicht übereilten Tempi. Denis Velev empfand der Verfasser, trotz einer guten stimmlichen Leistung,  als Sarastro stimmlich als etwas zu hell. Juraj Holly war ein idealer, lyrischer Tamino. Diese Rolle mag an anderen Häusern prominenter besetzt sein, besser gesungen wird er dort aber nicht. Gerald Quinn war als Sprecher und 1. Priester hervorragend. Erica Eloff ( Lübecker Tosca) war eine eher dramatische Königin der Nacht; manche stakkatohaft anmutenden Koloraturketten fehlte es da stellenweise an Leichtigkeit. Evmorfia Metaxaki (Lübecker Julia in I Capuleti e i Montecci) war eine hinreißende, charmante Pamina. Die Arie „Ach ich fühls“ wurde großartig interpretiert. Caroline Nkwe war als 1. Dame phänomenal ( hier scheint alles auf eine große Bühnenkarriere hinzudeuten ) und auch die anderen beiden Julia Tarasova und Michaela Lucas, die stellenweise ein wenig an „Destiny`’s Child“ erinnerten, waren ebenfalls phantastisch, zudem waren die Stimmen bestens aufeinander abgestimmt. Die drei Knaben, Thorge Fricke, Paul Marquardt und Ferdinand Thiele harmonierten vom Stimmklang her nicht immer perfekt miteinander; erst zum Ende kamen die Stimmen zusammen und bildeten eine musikalische Einheit. Johan  Hyunhong Choi war ein herrlicher Papageno, toll gesungen und großartig gespielt. Claire Austin bestach als Papagena. Svjatoslav Martynchuk war als Monostatos gesanglich leider etwas uncharmant und dünnstimmig; hier müsste noch etwas am Stimmklang gearbeitet werden. Tom Ryser sorgte für eine kurzweilige, stimmige Inszenierung und Stefan Rieckhoff gelang eine großartige Ausstattung. Originell umgesetzt und der Zauber, den diese Oper verströmt, blieb erhalten. Die Zuschauer dankten es mit einem langanhaltenden Beifall und sichtlicher Begeisterung während der Aufführung: die originellen Gags zündeten.
Sven Godenrath

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Opernexperte
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