Yamile Cruz Montero (Bechstein Centrum Hamburg, 22.03.2018)

Gibt es eine klassische Musiktradition in Kuba? Welche Komponisten fallen einem da spontan ein? Wahrscheinlich kaum jemand. Fakt ist, es gibt eine klassische Musiktradition in diesem karibische Land. Namentlich, stellvertretend herausgegriffen für andere, seien hier z. B. Ernesto Lecuona (1895-1963), Carlos Farinas (1943-2002) und Andrés Alén (1950) genannt. Die ebenfalls in Havanna (Kuba) gebürtige Pianistin Yamile Cruz Montero, die an der Hochschule für Musik und Theater München bei Prof. Adrian Oetiker einen Masterstudiengang absolvierte, nachdem sie am Konservatorium Amadeo Roldan bei Maria Teresa Pita und an der Musikhochschule ISA bei Andrés Alén, Miriam Cruz und Patricio Malcolm studierte, gewährte ihren zahlreich erschienenen Hörern, die obere Etage war bis auf den letzten Platz nahezu ausgebucht,  zu diesem Thema einen kleinen musikalischen Einblick. Der Abend begann mit 3 Kompositionen von Ernesto Lecuona. Das “ a la antigua“ wurde mit einem fabelhaften Rhythmusgefühl ausgedeutet. Die Noten muteten vom Klangcharakter her, eher separiert an. Die an die kubanische Folklore erinnernden Elemente wurden mit einem feinen, musikalischen Gespür herausgearbeitet. Die Komposition „y la negra bailaba“ unterschied sich durch einen etwas schwermütigeren Grundton von der vorherigen. Die dritte, im Programmheft  nicht erwähnte Komposition, glänzte durch seine gut herausgearbeitete Rhythmik, durch eher separiert anmutende Töne und durch seine durchscheinenden folkloristischen Motive. Die vierte Komposition, ebenfalls nicht erwähnt, unterschied sich durch ihren harten Anschlag von den anderen. Aus seiner Suite Andalusia spielte sie Cordoba mit einem schwebend leichten und dennoch dramatischen Ton. Andalusia mutete eher melancholisch an; Alhambra dramatischer mit separiert anmutenden Noten und bei Gitanerias wurde der Rhythmus gut ausbalanciert. Mit den Stücken Guadalquivir und Malaguena schloss sowohl dieser Zyklus, wie auch der erste Teil. Die beiden Kompositionen von Carlos Farinas „Sones Sencillos“ und „Altagracia“ dominierten im letzteren Jazzelemente. Leider  findet die Künstlerin zu selten einen individuellen Tonfall. Einige von ihr gespielten Kompositionen unterschieden sich in der Art ihres Interpretationsansatzes zu wenig voneinander. Sie sind sich vom Klangbild her einfach zu ähnlich. Die charakteristischen Unterschiede der einzelnen Kompositionen werden von ihr noch nicht adäquat genug herausgearbeitet. In vielen Fällen bietet sie leider nur ein Einheitsforte ohne die nötigen dynamischen Abstufungen an, um hier interessanter zu klingen. Wenn immer wieder das gleiche Forte ertönt, wirkt sich das etwas lähmend auf die Lebendigkeit eines musikalischen Vortrages aus. Zum Ende dann von Andrés Alén die „Variationen of a Silvio Rodriguez’s Theme“ und „Emiliano“. Die Komposition wurde überaus gefühlvoll gespielt; der Klangcharakter war modern mit einer guten Innenspannung ausgedeutet. Als Zugabe gab es dann noch eine Komposition, die Andrés Alén Emilio Sandoval gewidmet war, welche von ihr mit herrlichen dynamischen Abstufungen, einer großartigen Virtuosität und überaus emotional ausgedeutet wurde (einer der Höhepunkte des Abends) und von Cervantis zwei Tänze. Im großen und ganzen ein lohnenswerter Abend, an dem interessierten Zuhörern einmal mehr vor Ohren geführt wurde, was abseits des Mainstreams einem musikalisch noch alles erwarten kann.

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Opernexperte
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