Carl Heinrich Graun: Polidorus, Barockwerk Hamburg (Hamburg, 14.03.2018)

Unter der Leitung von Ira Hochmann sorgte das Barockwerk Hamburg gesanglich und durch eine beeindruckende Leistung des Orchesters einmal mehr für einen denkwürdigen, grandiosen Musikabend. Die Oper „Polidorus“ (1726 od. 1731) des deutschen Komponisten und Sängers Carl Heinrich Graun (1704-1759)  behandelt die Zeit nach dem Fall Troyas und dem nicht ganz freiwilligen Aufenthalt Polidorus‘ bei König Polymnestor, dem Herrscher der Thrakien, der nichts besseres zu tun weiß, als diesen an Pyrrhus, einem griechischen Abgesandten auszuliefern und somit in den sicheren Tod. Doch Illione, die Gattin des Königs und gleichzeitig auch die Schwester Polidorus‘ vertauscht die Identitäten Polidorus‘ mit der von Delphilus, dem Sohn des Königs, sodass dieser anstelle von Polidorus stirbt.

Der Altus Joel Vuik, hier scheint sich eine große Karriere anzubahnen, in der Rolle des Polidorus war schlichtweg grandios; glänzend in den Koloraturen und herausragend in der Textbehandlung gelang ihm eine herausragende Rollenausdeutung. Die Sopranistin Hanna Zumsande als Illione war einmal mehr in bestechend guter Form. Mit ihrer hervorragend platzierten Stimme und ihren grandios ausgeformten Koloraturen, neben Joel Vuik, einer der Höhepunkte des Abends. Mirko Ludwig als Delphilus war gesanglich mit seinem lyrischen Tenor hervorragend, lediglich bei der tadellosen Ausformung der Koloraturen meinte man  ihm Schwierigkeiten bei der Tonbildung im Gesichtsausdruck anzumerken. Fabian Kuhnen (Bass) war mit seiner dunklen, gut platzierten Stimme als Polymnestor ebenfalls beeindruckend. Santa Karnita (Sopran ) in der Rolle der Andromache, war mit ihrer etwas dramatischer geformten Tonbildung großartig. Ralf Grobe (Bassbariton) bestach als Pyrrhus, gleiches galt auch für Andreas Heinemeyer (Bariton) als Dares. Etwas irritierend war, dass alle Rollen doppelt besetzt waren, mit Sängern sowie mit Schauspielern, die mit unterschiedlichen Masken- da manche zwei Rollen spielten- die unterschiedlichen Charaktere verdeutlichten. War die etwas problematische Akkustik für die Sänger kein Problem, so hatte man als Zuhörer arge Probleme, den Texten der Schauspieler zu folgen; sie sprachen zu schnell und zu undeutlich. Kristina Nadj (Illione, Andromanche), Meryem Webru Özm (Polidorus), James Bleyer (Polymnestor, Delphilus) und Rouven Klischies (Pyrrhus, Dares). Ein grandioser Abend. Schade, dass nur zwei Aufführungen angesetzt waren. Falls es von dieser Produktion eine CD geben sollte, was der Verfasser hofft, so wird dieser Umstand sicherlich im nach hinein behoben werden können.

Advertisements

Über godenrath

Opernexperte
Dieser Beitrag wurde unter 03.18. Verschiedenes veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s