Violinenabend der Klasse Tanja Becker-Bender (HfMT, Hamburg 02.02.2018)

Der Abend begann mit dem Mozart Violinenkonzert A-Dur KV 219 mit Christa Maria Stangorra, Violine und Siljha Ma – Klavier. Die Triller wurden von Christa Maria Stangorra gut ausgeformt. Dass diese junge Musikerin über ein außergewöhnliches musikalisches Gespür verfügt, wird dem Hörer schon nach wenigen Augenblicken klar. Die Musik wirkt zutiefst empfunden und nie oberflächlich virtuos. Leider klang ihre Johann Sebastian Bach Interpretation der Sonate BWV 1001 zu Beginn ein wenig eingeebnet; steigerte sich dann aber im 2. Satz wieder enorm. Dennoch ist sie keine Verfechterin eines ausgesprochenen Wohlklanges; ihr Spiel wirkt manchmal etwas rauh, wodurch es seinen bezwingenden und aufrüttelnden Charakter bekommt. Im Gegensatz zu ihrer Vorgängerin vermisste der Verfasser bei Magdalena Kraus, trotz ihrer grandiosen, viruosen, teilweise auch atemberaubenden Interpretation des Preludes der Bach Partita BWV 1006 ein wenig die vergeistigte Tiefe. Olga Mashanskaya bewies bei Paul Hindemith (Sonate für Violine op. 31/2 ) „Es ist so schönes Wetter draußen“ über welche vielfältigen Interpretationsmöglichkeiten die Violine verfügt. Auch hier vermisste der Verfasser zu Beginn ein wenig den interpretatorischen Tiefgang. Großartig dann, mit welcher Leichtigkeit sie die schwierigen Passagen im zweiten Stück bewältigte. Bei den 5 Variationen über Mozarts‘ „Mein lieber Mai“, verstand sie es gerade zu meisterhaft, jedem dieser einzelnen Variationen ein individuelles Gesicht zu verleihen. Der nächste Höhepunkt des Abend war dann Guillermo Santoja di Fonzo. Grandios, wie er es verstand, die unterschiedlichen, charakteristischen Merkmale beider Werke von Eugene Ysaye: Obsession (mit grandioser Virtuosität gespielt) und Malinconia (ein Stück voller Poesie und Gefühl) durch einen unterschiedlich klangmalerischen Tonfall herauszuarbeiten: Ein unvergeßicher Auftritt. Erkki Louko ist ein Künstler, der erst auf den „zweiten Blick“ wirkt. Bei seiner Bach Partita BWV 1004 begann er eher unsicher und wirkte weniger bezwingend. Jedoch, je länger er spielte, desto bezwingender und ergreifender wurde sein Spiel: eine großartige Interpretation. Hinterher folgte noch die anspruchsvolle, kaum in allen Belangen perfekt zu spielende Interpretation der Fuge aus Bartoks Sonate für Violine (1944/45) . Zum Abschluß gab dann Onyou Kim an der Violine mit Hyo Jeong Seo, die ein wenig hölzern am Klavier wirkte, eine Kostprobe ihres Könnens. Mit der Carmen Fantasie op. 25 von Pablo de Sarasate bewies diese Violinistin ihre enorme Musikalität und ihr unvergleichlich perfektes Spiel. Ihre Temporückungen, mit denen sie diesem Stück einen eigenen, unverwechselbaren Charakter verlieh, waren einfach atemberaubend. Einfach grandios. Am 23.02.2018 wird sie ihren Master an der HfMT Hamburg machen. Ein kurzweiliger, überaus gelungener Abend.
Sven Godenrath

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Opernexperte
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