Georg Philippe Telemann: Tag des Gerichtes – Abschlußkonzert zum Telemann Festival 2017 in Hamburg – (03.12.2017)

Zum krönenden Abschluss des diesjährigen Telemann Festivals in Hamburg hatten sich die Veranstalter ein besonderes Highlight ausgedacht, das Werk „Tag des Gerichtes“, ein aus 4 Betrachtungen bestechendes Singgedicht für Soli, Chor und Orchester. Leider jedoch fing der Abend etwas zäh an, denn dieses Highlight gab es erst nach der Pause. Der Abend begann mit der Chorkantate „Halt was du hast“ TWV 8:9 bei dem der NDR Chor leider extrem uninspiriert klang. Die darauffolgende Motette „Deus Judicium tuum“ war da zwar etwas besser, aber auch hier wünschte man sich schon nach wenigen Sekunden die Hamburger Camerata auf die Bühne, die eine Woche zuvor in der St.Nikolai Kirche mit Telemann geglänzt hatte, denn die Akademie für alte Musik Berlin unter der Leitung von Philipp Ahmann klang auch bei diesem zweiten Werk eher unbeteiligt, als wären diese beiden Werke kurzfristig ins Programm aufgenommen worden und dienten nur dazu den Abend zu verlängern. Dann folgte die Pause. Was allerdings nach der Pause passierte war schlicht weg unglaublich, sowohl der Chor wie auch das Orchester wirkten wie ausgewechselt. Plötzlich war eine brilliance im Ton und eine Innenspannung spürbar, die den Verfasser schon nach wenigen Sekunden begeisterte, so muß Telemann klingen. Auch die Besetzung war handverlesen. Grandios wie  Tilman Lichdi mit seiner Mimik mit dem Publikum spielte und auch vokal war es phantastisch, wie er die Phrasen mit Leben erfüllte. Selten hat der Verfasser in einem Oratorium eine so großartige Leistung gehört. Lydia Teucher (Sopran) bestach mit ihrem Charme und verstand es in ihren lyrischen Passagen dank ihrer gut geführten, klangschönen Stimme das Publikum zu berühren und zu verzaubern. Grandios dieses sinnliche Timbre von Sophie Harmsen (Alt), auch ihr gelang an diesem Abend eine Meisterleistung. Zu guter Letzt noch Ludwig Mittelhammer (Bass) der mit seiner wunderbaren eleganten Gesangslinie zu punkten verstand. Ein grandioser zweiter Teil, schade nur das man durch das Stimmen der Instrumente, das eine gefühlte Ewigkeit dauerte zwischen dem 2 und dritten Teil abrupt aus der Geschehen gerissen wurde. Man stelle sich vor mitten im ersten Akt Parsifal würde das Orchester plötzlich abbrechen um seine Instrumente neu zu stimmen. Dieses war leider etwas weniger geschickt, denn es sorgte für eine spürbare Unruhe im Publikum und riss einen aus  jener beseelten Stimmung, die das Orchester, der Chor und die Solisten gerade aufgebaut hatten.

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