Georg Philipp Telemann: Seliges Erwägen (Telemann Festival 2017; Laeizhalle Hamburg, 01.12.2017)

Warum man in Hamburg erst jetzt auf die Idee kam ein Telemann Festival ins Leben zu rufen, immerhin existieren seine Werke schon seit längerem und sein langjähriges musikalisches Wirken, ähnlich wie jenes von Hasse, ist auch nicht erst seit gestern bekannt, kann sich dem Verfasser nicht erschließen. Bleibt zu hoffen das dieses keine „Eintagsfliege“ bleiben wird. Das Konzert wurde neben der Musik auch durch lautes Stühle schlagen und impertinente Hustengeräusche begleitet, manche wollten sich an diesem Abend wohl einmal so richtig austoben.

Es gab drei interessante Umbesetzungen, wovon eine im Begleitprogramm wohl gar keine war, die Dame wurde schlicht und ergreifend unterschlagen, ob wissentlich oder nicht kann der Verfasser natürlich nicht beurteilen. Die Rede ist von Hanna Zumsande, eine jener großen Ausnahmetalent ( der Verfasser kürte sie jüngst zur Sängerin des Jahres, wegen ihres unermüdlichen Einsatzes für die Kirchenmusik in Hamburg und natürlich auch wegen ihrer großartigen Stimme). Sie sang an diesem Abend mit Julienne Mbodje (Mezzo), Henk Neven (welcher für Konstantin Wolff einsprang) und Michael Feyfar die Choräle. Peter Harvey als Jesus (eingesprungen für Toias Berndt) klang leider, trotz seines klangschönen, eleganten und ebenmäßigen Bariton, ein wenig unbeteiligt. Großartiges hingegen gelang ihm dann zum Ende  seine Arie „Es ist vollbracht“. Gleiches gilt für Colin Balzer (Tenor) als Andacht, der gesanglich eher  an einen Sprecher der Tagesschau erinnerte. Trotz seines klangschönen,  höhensicheren Tenors, klang auch er eher unbeteiligt. Grandios Anna Lucia Richter als Glaube und Zion (der Verfasser besprach vor kurzem eine CD mit ihr) großartige Stimmführung und eine berührende und mitreißende Interpretation, einer der Höhepunkte des Abends. Mit dem Auftreten des zweiten Tenors, Michael Feyfar in der Rolle des Petrus, grandios gesungen und mitreißend interpretiert, erwacht endlich auch das Freiburger Barockorchester unter der Leitung von Gottfried von der Goltz aus seinem eher lethargisch anmutenden Spielstil und war plötzlich mitten im geschehen drin. Die Tonsprache hatte plötzlich jene Spannung erreicht, auf die man die ganze Zeit gewartet hatte. Verglichen mit dem Beginn des ersten Teils, wirkte das Orchester während des gesamten zweiten Teils wie ausgewechselt. Es war Gesamtbetrachtet ein kurzweiliger, toller Abend.

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